HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 05/09

BSG - Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht für GmbH-Ge­schäfts­füh­rer?

Auch der Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Ein-Mann-GmbH, die vie­le Kun­den und Ar­beit­neh­mer hat, un­ter­liegt der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht: Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Ur­teil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/04 R
Chipkarten von Krankenversicherungen Müs­sen Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Ein-Mann-GmbH künf­tig RV-Bei­trä­ge zah­len?
02.12.2005. Mit ei­nem ih­rer ers­ten Re­form­ge­set­ze hat die rot-grü­ne Ko­ali­ti­on En­de 1998 be­schlos­sen, daß künf­tig be­stimm­te "Schein­selb­stän­di­ge" der So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht un­ter­lie­gen soll­ten. Zu die­sen "Schein­selb­stän­di­gen" zähl­te man auch "ech­te" Selb­stän­di­ge, falls sie im We­sent­li­chen nur für ei­nen Haupt­auf­trag­ge­ber tä­tig sind, da ei­ne so star­ke wirt­schaft­li­che Ab­hän­gig­keit den Selb­stän­di­gen ähn­lich schutz­be­dürf­tig macht wie ei­nen ab­hän­gig Be­schäf­tig­ten.

Da­her wur­de mit dem "Ge­setz zu Kor­rek­tu­ren in der So­zi­al­ver­si­che­rung und zur Si­che­rung der Ar­beit­neh­mer­rech­te" vom 19.12.1998 (BGBl.I 1998, S.3843) das Sechs­te Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB VI), das die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung be­trifft, mit Wir­kung vom 01.01.1999 in der Wei­se ge­än­dert, daß künf­tig auch (ech­te) Selb­stän­di­ge, falls sie auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tä­tig sind und prak­tisch kei­ne ei­ge­nen An­ge­stell­ten ha­ben, in die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­be­zo­gen wer­den sol­len.

Ob die­se Re­ge­lung auch auf selb­stän­di­ge GmbH-Ge­schäfts­füh­rer an­zu­wen­den ist, hat­te kürz­lich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) zu ent­schei­den: BSG, Ur­teil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/04 R.

Muss der Ge­sell­schaft-Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH we­gen sei­ner Geschäftsführ­ertätig­keit Ren­ten­beiträge zah­len?

Das zukünf­tig auch (ech­te) Selbständi­ge ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig sind, so­fern sie für nur ei­nen Ar­beit­ge­ber tätig sind und (prak­tisch) kei­ne An­ge­stell­ten ha­ben ist im § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ge­re­gelt. In der Fas­sung vom 01.01.1999 lau­tet die­se wie folgt:

"§ 2 Selbständig Täti­ge

Ver­si­che­rungs­pflich­tig sind selbständig täti­ge (...)

9. Per­so­nen, die

a) im Zu­sam­men­hang mit ih­rer selbständi­gen Tätig­keit re­gelmäßig kei­nen ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen, des­sen Ar­beits­ent­gelt aus die­sem Beschäfti­gungs­verhält­nis re­gelmäßig 400 Eu­ro im Mo­nat über­steigt, und

b) auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig sind (...)."

Wich­tig zum Verständ­nis die­ser Re­ge­lung ist, daß sie ech­te Selbständi­ge be­trifft (al­so kei­ne in Wahr­heit abhängig beschäftig­ten Per­so­nen) und zu­dem nur an­ord­net, daß die hier ge­nann­ten Per­so­nen Beiträge zur ge­setz­li­chen Ren­tenver­si­che­rung zah­len müssen (al­so nicht et­wa zu den an­de­ren Zwei­gen der ge­setz­li­chen So­zi­al­ver­si­che­rung wie zum Bei­spiel zur Kran­ken­ver­si­che­rung oder Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung).

Frag­lich ist, ob der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH in sei­ner Ei­gen­schaft als Geschäftsführer die­ser Vor­schrift un­terfällt. Dafür spricht,

  • dass der Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH als Geschäftsführer selbständig ist, da ihm nie­mand sei­tens der GmbH An­wei­sun­gen in be­zug auf sei­ne Ar­beit ma­chen kann (die GmbH gehört ja aus­sch­ließlich ihm als ein­zi­gem Ge­sell­schaf­ter)
  • dass er wei­ter­hin - als Geschäftsführer "sei­ner" GmbH - in den meis­ten Fällen nur für die­se GmbH tätig ist und für die Er­brin­gung sei­ner Geschäftsführ­ertätig­keit kei­ne ei­ge­nen An­ge­stell­ten hat (An­ge­stell­te hat, wenn über­haupt, nur die GmbH).

Ge­gen die Ein­be­zie­hung von Geschäftsführern ei­ner Ein-Mann-GmbH spricht al­ler­dings, daß die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht in vie­len Fällen bloße Fol­ge der Tätig­keit in der Rechts­form ei­ner GmbH ist.

BEISPIEL: Der In­ha­ber ei­nes Im­bißre­stau­rants hat täglich et­wa 200 Kun­den. Wenn er sein Geschäft im ei­ge­nen Na­men be­treibt, ist er nicht nur selbständig, son­dern er fällt auch nicht un­ter die Re­ge­lung des § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI, da er nicht "auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig" ist (schließlich hat er ja pro Tag et­wa 200 Kun­den bzw. Auf­trag­ge­ber). Gründet er nun­mehr ei­ne Ein-Mann-GmbH und überträgt die­ser den Be­trieb des Im­bißre­stau­rants, ist er auf ein­mal als Geschäftsführer sei­ner GmbH "auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig", nämlich für sei­ne GmbH, und da­mit gemäß § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig. An der wirt­schaft­li­chen La­ge und der (mehr oder we­ni­ger großen bzw. ge­rin­gen) so­zia­len Schutz­bedürf­tig­keit des Im­bißre­stau­rants-Be­trei­bers hat sich aber nichts geändert.

Es ist da­her frag­lich, ob die Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH in ih­rer Ei­gen­schaft als Geschäftsführer ih­rer GmbH gemäß § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig sind oder nicht.

Die­se Fra­ge hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) in ei­ner Ent­schei­dung vom 24.11.2005 (AZ: B 12 RA 1/04 R) ent­schie­den.

Der Streit­fall: Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer mit Geschäftsführer­ge­halt von 15.000,00 EUR soll Ren­ten­beiträge zah­len

Dem Ur­teil des BSG lag fol­gen­der Fall zu­grun­de:

Der zuständi­ge Träger der Ren­ten­ver­si­che­rung stell­te im No­vem­ber 2000, al­so nach Einführung des § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI, fest, daß der Kläger als selbständi­ger Un­ter­neh­mens­be­ra­ter im Um­fang von mehr als 15 St­un­den pro Wo­che für nur ei­nen Auf­trag­ge­ber, ei­ne GmbH & Co. KG, tätig war. Da­bei war der Kläger zu­gleich auch Al­lein­ge­sell­schaf­ter und Geschäftsführer der GmbH. Die­se beschäftig­te kei­ne wei­te­ren Mit­ar­bei­ter. Auch der Kläger in sei­ner Ei­gen­schaft als GmbH-Geschäftsführer beschäftig­te kei­ne Ar­beit­neh­mer. Er be­zog ein Geschäftsführer­ge­halt in Höhe von 15.000,00 DM mo­nat­lich zuzüglich der Nut­zung ei­nes Kraft­fahr­zeu­ges.

Der Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger stell­te mit Be­scheid die Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers auf Grund sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter für die Zeit ab dem 01.01.1999 fest. Das hier­ge­gen an­ge­ru­fe­ne So­zi­al­ge­richt It­ze­hoe ent­schied zu­guns­ten des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers, wo­hin­ge­gen das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt dem Kläger recht gab.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt: Ge­sell­schaft-Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH sind we­gen ih­rer Geschäftsführ­ertätig­keit ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig

Das BSG hat sich dem Grun­de nach der Mei­nung des So­zi­al­ge­richt It­ze­hoe an­ge­schlos­sen und die Ent­schei­dung des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers im Prin­zip bestätigt.

Nach An­sicht des BSG ist auch in Fällen ei­ner ei­ner Ein-Mann-GmbH streng zwi­schen der GmbH als dem "Auf­trag­ge­ber" der Geschäftsführ­er­diens­te und dem Geschäftsführer als "Auf­trag­neh­mer" sei­ner GmbH zu un­ter­schei­den. Wört­lich heißt es in dem Ur­teil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (Rn.10):

"Über die Rechts­fi­gur der ju­ris­ti­schen Per­son darf nicht leicht­fer­tig und schran­ken­los hin­weg­ge­gan­gen wer­den (...). Dies gilt eben­so für die recht­li­che Ver­schie­den­heit zwi­schen der (...) Ein-Mann-GmbH und ih­rem Al­lein­ge­sell­schaf­ter, die nur in be­son­de­ren Aus­nah­mefällen durch­bro­chen wer­den darf (...)."

Dar­aus folgt, daß der Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH auch dann, wenn die GmbH selbst vie­le ver­schie­de­ne Kun­den und u.U. so­gar vie­le Ar­beit­neh­mer hat, in sei­ner Ei­gen­schaft als Geschäftsführer "auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig" ist, nämlich für sei­ne GmbH.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt war außer­dem der Mei­nung, daß es nach der ak­tu­el­len Ge­set­zes­fas­sung des § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI nicht auf wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen für die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht an­kom­me, al­so et­wa auf die Fest­stel­lung, daß der Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH in be­son­de­rem Maß schutz­bedürf­tig sei oder ei­ne ar­beit­neh­merähn­li­che Stel­lung ha­be.

Nach An­sicht des BSG ist § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ei­ne ty­pi­sie­ren­de Re­ge­lung, d.h. sie geht vom "Nor­mal­fall" ei­ner al­lei­ni­gen Tätig­keit für ei­nen Auf­trag­ge­ber aus und nimmt da­her in Kauf, daß im Ein­zel­fall auch Per­so­nen in die Ver­si­che­rungs­pflicht ein­be­zo­gen wer­den, die die­sen Schutz gar nicht brau­chen. Wört­lich heißt es hier­zu in dem Ur­teil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (Rn.24):

"Da der Kläger in sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit zu­dem auch kei­ne Ar­beit­neh­mer beschäftigt, sind al­le Vor­aus­set­zun­gen der Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI erfüllt. Ei­ner zusätz­li­chen Prüfung sei­ner >Ar­beit­neh­merähn­lich­keit< bzw sei­ner kon­kre­ten >Schutz­bedürf­tig­keit< be­darf es nicht. Bei­de As­pek­te ha­ben in den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ab­sch­ließend ih­ren kon­kre­ti­sie­ren­den Aus­druck ge­fun­den."

Wei­ter heißt es hier­zu in dem BSG-Ur­teil (Rn.27):

"Eben­so we­nig be­darf im Rah­men des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ei­ner nähe­ren Prüfung, ob ge­ra­de der Kläger im Blick auf sei­ne kon­kre­te wirt­schaft­li­che La­ge >schutz­bedürf­tig< ist. Für die Ein­be­zie­hung in die Ren­ten­ver­si­che­rung ist nämlich nicht die wirk­li­che, son­dern die mut­maßli­che Ver­si­che­rungs­bedürf­tig­keit ent­schei­dend, die sich aus all­ge­mei­nen Merk­ma­len und aus der durch­schnitt­li­chen Le­bens­la­ge der be­trof­fe­nen Bevölke­rungs­grup­pe er­gibt.

Sch­ließlich lehnt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt auch ei­ne Her­an­zie­hung ei­ner zu­guns­ten von Vor­stands­mit­glie­dern ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG) gel­ten­den Aus­nah­me­vor­schrift des SGB VI ab.

Nach die­ser Vor­schrift (§ 1 Satz 4 SGB VI) sind Mit­glie­der des Vor­stan­des ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft in dem Un­ter­neh­men, des­sen Vor­stand sie an­gehören, nicht ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts be­ste­hen zwi­schen dem hier an­ge­spro­chen Per­so­nen­kreis (Vor­stands­mit­glie­der ei­ner AG) und den Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH zu große Un­ter­schie­de, als daß man die Ver­si­che­rungs­frei­heit der GmbH-Geschäftsführer mit ei­ner ana­lo­gen An­wen­dung von § 1 Satz 4 SGB VI recht­fer­ti­gen könn­te.

Fa­zit: Auf Ge­sell­schaft-Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH kom­men ho­he Nach­for­de­run­gen zu

Auf­grund des Ur­teils vom 24.11.2005 können die Träger der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bis­her nicht ge­zahl­te Beiträge bis zur Gren­ze der Bei­trags­verjährung noch für die Ver­gan­gen­heit, d.h. rück­wir­kend nach­for­dern. Das kann da­zu führen, daß auf die be­trof­fe­nen GmbH-Geschäftsführer er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen zu­kom­men. Ei­ne Haf­tungs­be­gren­zung auf­grund der Tätig­keit un­ter dem Na­men ei­ner GmbH gilt hier nicht, da Zah­lungs­pflich­ti­ger nicht die GmbH, son­dern der Geschäftsführer ist.

Wie hoch die mo­nat­li­che Zah­lungs­pflicht im Ein­zel­fall ist, hängt zwar von der Höhe der Geschäftsführer­vergütung ab, doch dürf­te in vie­len Fällen der Re­gel­satz für pflicht­ver­si­cher­te Selbständi­ge zu zah­len sein.

Da­zu muß man wis­sen, daß Selbständi­ge, die in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bei­trags­pflich­tig sind, gemäß § 165 Abs.1 Satz 1 Nr.1 SGB VI ent­we­der

  • den aus ei­nem Durch­schnitts­ein­kom­men ("Be­zugs­größe") be­rech­ne­ten Re­gel­bei­trag zah­len müssen; da der Ren­ten­bei­trag der­zeit 19,5 % und die Be­zugs­größe der­zeit (2006) in den al­ten Bun­desländern 2.450,00 EUR pro Mo­nat und in den neu­en Bun­desländern 2.065,00 EUR pro Mo­nat beträgt, beläuft sich der Re­gel­bei­trag auf (0,195 x 2.450 =) 477,75 EUR im Wes­ten und auf (0,195 x 2.065 =) 402,68 EUR im Os­ten;
  • oder bei Nach­weis ei­nes nied­ri­ge­ren oder höhe­ren Ein­kom­mens den Ren­ten­bei­trag in Höhe von (der­zeit) 19,5 %, be­rech­net aus ih­rem tatsächli­chen Ein­kom­men, zah­len müssen, wo­bei das an­zu­set­zen­de Ein­kom­men je­doch min­des­tens 400,00 EUR beträgt; dar­aus folgt ein Min­dest­bei­trag von (0,195 x 400 =) 78,00 EUR;
  • oder aber die Hälf­te des Re­gel­bei­trags, d.h. der­zeit 238,87 EUR im Wes­ten und 201,34 EUR im Os­ten, dies al­ler­dings nur vorüber­ge­hend im Jahr der Auf­nah­me der selbständi­gen Tätig­keit und in den drei fol­gen­den Ka­len­der­jah­ren (§ 165 Abs.1 Satz 2 SGB VI).

Beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung verjähren im all­ge­mei­nen in vier Jah­ren nach Ab­lauf des Ka­len­der­jah­res, in dem sie fällig ge­wor­den sind (§ 25 Abs.1 SGB IV). So sind zum Bei­spiel die für 2001 zu ent­rich­ten­den und in die­sem Jahr fälli­gen SV-Beiträge mit dem Ab­lauf des 31.12.2005 verjährt

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es möglich, daß die Ren­ten­ver­si­che­rung Bei­trags­for­de­run­gen in Höhe des Re­gel­bei­trags er­hebt, was bei bis zu vier Ka­len­der­jah­ren rück­wir­ken­der Bei­trags­pflicht schnell zu Zah­lungs­pflich­ten von weit über 20.000 EUR führen kann.

Für die Zu­kunft fragt sich, wie die aus dem Ur­teil vom 24.11.2005 fol­gen­de Bei­trags­pflicht in recht­lich zulässi­ger Wei­se ver­mie­den wer­den kann. Hier wer­den im Prin­zip zwei Möglich­kei­ten emp­foh­len:

Ers­te Möglich­keit: Ein­stel­lung ei­nes über 400,00 EUR im Mo­nat ver­die­nen­den Ar­beit­neh­mers, der vom Geschäftsführer persönlich zum Zwe­cke der Er­brin­gung sei­ner Geschäftsführer­pflich­ten an­ge­stellt wird. Die hierfür auf­zu­wen­den­den Kos­ten können zwar steu­er­min­dernd gel­tend ge­macht wer­den, al­ler­dings nicht als un­mit­tel­ba­re Auf­wen­dun­gen der GmbH, son­dern des Geschäftsführers. Die­ser haf­tet außer­dem für die Erfüllung sämt­li­cher Ar­beit­ge­ber­pflich­ten - ins­be­son­de­re der Pflicht zur Lohn­zah­lung und zur Abführung von So­zi­al­ab­ga­ben - persönlich.

Zwei­te Möglich­keit: Der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer spal­tet den Geschäfts­be­reich sei­ner GmbH in zwei Tei­le auf und gründet ei­ne zwei­te GmbH, so daß jetzt zum Bei­spiel statt ei­ner Wein­han­dels-GmbH ei­ne Ein­kaufs-GmbH und ei­ne Ver­triebs-GmbH exis­tie­ren. Der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer ist bei bei­den Gmb­Hs so­wohl al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­ter als auch al­lei­ni­ger Geschäftsführer, wo­bei die Ar­beits­zeit und der Ver­dienst aus der Geschäftsführ­ertätig­keit et­wa zur Hälf­te auf bei­de Gmb­Hs ver­teilt sind. Dann ist der Geschäftsführer nicht mehr "auf Dau­er und im we­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig", son­dern für zwei Auf­trag­ge­ber, sprich für zwei Gmb­Hs.

Aber Ach­tung: "Im we­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber" tätig ist man nach der Pra­xis der So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger, wenn man mehr als fünf Sechs­tel sei­ner ge­sam­ten Einkünf­te aus der Tätig­keit für ei­nen ein­zi­gen Auf­trag­ge­ber be­zieht.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: Der Ge­setz­ge­ber hat in­zwi­schen in Re­ak­ti­on auf das hier be­spro­che­ne Ur­teil des BSG die Ge­set­zes­fas­sung von § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI um die Klar­stel­lung ergänzt, dass "bei Ge­sell­schaf­tern ... als Auf­trag­ge­ber die Auf­trag­ge­ber der Ge­sell­schaft (gel­ten)".

Da­mit hat das hier be­spro­che­ne BSG-Ur­teil kei­ne prak­ti­sche Be­deu­tung mehr, da es nach der ak­tu­el­len Ge­set­zes­fas­sung nicht auf das Auf­trags­verhält­nis zwi­schen dem Geschäftsführer und sei­ner GmbH an­kommt, son­dern auf die An­zahl der Kun­den der GmbH. Hat die­se vie­le Kun­den und kei­nen Haupt­auf­trag­ge­ber, un­terfällt auch der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer nicht der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht.

Letzte Überarbeitung: 1. März 2015

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche,
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-Mail: berlin@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de