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Arbeitsrecht aktuell: 06/08 Keine Rentenversicherungspflicht für GmbH-Geschäftsführer
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Haushaltsbegleitgesetz 2006, vom 29.06.2006, BGBl I, S.1402
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Welche Frage hat der Gesetzgeber geregelt?
Mit einem ihrer ersten Reformgesetze hat die rot-grüne Koalition Ende 1998 bestimmte "Scheinselbständige" in die Sozialversicherungspflicht einbeziehen wollen. Zu diesen "Scheinselbständigen" zählte man "echte" Selbständige, falls diese im wesentlichen nur für einen Hauptauftraggeber tätig sind, da eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit den Selbständigen ähnlich schutzbedürftig mache wie einen abhängig Beschäftigten.
Daher wurde mit dem "Gesetz zu Korrekturen in der Sozialversicherung und zur Sicherung der Arbeitnehmerrechte" vom 19.12.1998 (BGBl.I 1998, S.3843) das Sechste Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI), das die gesetzliche Rentenversicherung betrifft, mit Wirkung vom 01.01.1999 in der Weise geändert, daß künftig auch (echte) Selbständige, falls sie auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind und praktisch keine eigenen Angestellten haben, in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden sollen.
Diese Vorschrift ist in § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI enthalten und lautete in ihrer bisherigen Fassung:
"§ 2 Selbständig Tätige
Versicherungspflichtig sind selbständig tätige (...) 9. Personen, die a) im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen, dessen Arbeitsentgelt aus diesem Beschäftigungsverhältnis regelmäßig 400 Euro im Monat übersteigt, und b) auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind (...)."
Wichtig zum Verständnis dieser Regelung ist, daß sie echte Selbständige betrifft, also keine in Wahrheit abhängig beschäftigten Personen, und zudem nur anordnet, daß die hier genannten Personen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen müssen, also nicht etwa zu den anderen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung wie zum Beispiel zur Krankenversicherung oder Arbeitslosenversicherung.
Laut Urteil des Bundessozialgerichts vom 24.11.2005 (AZ: B 12 RA 1/04 R) unterfiel der Gesellschafter-Geschäftsführer einer Ein-Mann-GmbH in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer dieser Vorschrift. Das hieß konkret: Auch wenn die GmbH viele verschiedene Auftraggeber hat und von keinem dieser Auftraggeber in einer arbeitnehmerähnlichen Weise wirtschaftlich abhängig ist, muß der Geschäftsführer der GmbH Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, da er ja nur einen "Auftraggeber" hat - seine GmbH nämlich.
Dieses Urteil entsprach zwar der Gesetzeslage, stieß aber auf allgemeine politische Ablehnung.
Kritisiert wurde vor allem und zurecht, daß der Inhaber einer Einzelfirma, die viele verschiedene Auftraggeber hat und mehr als nur einen Minijobber beschäftigt, plötzlich und ohne sachlichen Grund rentenversicherungspflichtig wird, wenn er sein Unternehmen in eine Ein-Mann-GmbH umwandelt und sodann als deren Gesellschafter-Geschäftsführer arbeitet: Nach dem Urteil des Bundessozialgerichts kommt es nämlich nicht mehr auf die (vielen) Kunden der GmbH, sondern nur noch auf den (einen) "Kunden" des Geschäftsführers an. Dieser "Kunde" ist die GmbH, die die Dienste des Geschäftsführers in Anspruch nimmt. Es spielt dann auch keine Rolle, daß die GmbH mehr als nur einen Minijobber beschäftigt, da ja der GmbH-Geschäftsführer für seine an die GmbH erbrachten Geschäftsführerdienste keine (eigenen) Arbeitnehmer beschäftigt.
Was hat sich zum 01.07.2006 geändert?
Der Gesetzgeber hat mit dem "Haushaltsbegleitgesetz 2006" vom 29.06.2006, dort in Art.11, den oben wiedergegeben Paragraphen des SGB VI mit Wirkung vom 01.07.2006 geändert und damit klargestellt, daß Geschäftsführer einer Ein-Mann-GmbH künftig nicht der Rentenversicherungspflicht unterliegen. Damit hat es das oben genannte Urteil des Bundessozialgerichts korrigiert.
Art.11 des Haushaltsbegleitgesetzes 2006 ändert § 2 SGB VI so ab, daß diese Vorschrift nunmehr wie folgt lautet (Änderungen fett hervorgehoben):
"§ 2 Selbständig Tätige
Versicherungspflichtig sind selbständig tätige (...) 9. Personen, die a) im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen, dessen Arbeitsentgelt aus diesem Beschäftigungsverhältnis regelmäßig 400 Euro im Monat übersteigt, und b) auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind; bei Gesellschaftern gelten als Auftraggeber die Auftraggeber der Gesellschaft, (...). Nach Satz 1 Nr. 1 bis 9 ist nicht versicherungspflichtig, wer in dieser Tätigkeit nach Satz 1 Nr. 10 versicherungspflichtig ist. Nach Satz 1 Nr. 10 ist nicht versicherungspflichtig, wer mit der Tätigkeit, für die ein Zuschuss nach § 421l des Dritten Buches gezahlt wird, die Voraussetzungen für die Versicherungspflicht nach dem Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte erfüllt. Als Arbeitnehmer im Sinne des Satzes 1 Nr. 1, 2, 7 und 9 gelten 1. auch Personen, die berufliche Kenntnisse, Fertigkeiten oder Erfahrungen im Rahmen beruflicher Bildung erwerben, 2. nicht Personen, die als geringfügig Beschäftigte nach § 5 Abs. 2 Satz 2 auf die Versicherungsfreiheit verzichtet haben, 3. für Gesellschafter auch die Arbeitnehmer der Gesellschaft."
Mit diesen Änderungen ist klargestellt, daß Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH künftig nicht der Rentenversicherungspflicht unterliegen, wenn die GmbH nicht nur für einen, sondern für mehrere Auftraggeber tätig ist. Aber auch dann, wenn die GmbH "auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig" ist, ist deren Gesellschafter-Geschäftsführer nicht rentenversicherungspflichtig, wenn die GmbH mehr als einen Minijobber beschäftigt.
Umgekehrt heißt das: Ein Gesellschafter-Geschäftsführer unterliegt nur dann der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn seine GmbH regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt, dessen Arbeitsentgelt aus diesem Beschäftigungsverhältnis regelmäßig 400 Euro im Monat übersteigt, und wenn seine GmbH auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig ist.

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Letzte Überarbeitung: 23. Mai 2008
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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