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Arbeitsrecht aktuell: 07/80 Rabiate Stichtagsregelungen nützen nichts
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 24.10.2007, 10 AZR 825/06
Rechtsanwältin Eva Hüttl, Hamburg
Über welche Rechtsfrage hat das BAG entschieden?
Arbeitgeber, die bei der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen allgemeine Geschäftsbedingungen verwenden, müssen sich seit dem 01.01.2002 eine rechtliche Kontrolle ihrer Klauseln am Maßstab der §§ 305 ff. BGB gefallen lassen. Dabei kommt es oft zu Konflikten zwischen den Regelungsabsichten des Arbeitgebers und den sich zugunsten des Arbeitnehmers auswirkenden gesetzlichen Schutzvorschriften.
Eine dieser Vorschriften (§ 307 BGB) verlangt vom Arbeitgeber, seine Klauseln „klar und verständlich“ zu fassen, d.h. sie ordnet an, dass eine vom Gesetz verbotene unangemessene Benachteiligung des Arbeitnehmers auch darin liegen kann, dass eine im Arbeitsvertrag enthaltene Klausel unklar oder unverständlich ist (sog. Transparenzgebot).
Eine wahre Fundgrube für Arbeitsvertragsklauseln, die alles andere als klar und verständlich sind, sind Bonusregelungen. Nicht selten sind sie in sich widersprüchlich, indem sie zwar einerseits Anspruchsvoraussetzungen definieren, andererseits aber anordnen, dass ein Rechtsanspruch des Arbeitnehmers nicht bestehen soll. Auch ein allgemeiner Anspruchsausschluss für den Fall, dass das Arbeitsverhältnis an einem bestimmten Stichtag nicht (mehr) besteht oder bereits gekündigt ist, ist häufig anzutreffen. Über die rechtlichen Auswirkungen einer solchen Klausel hatte das BAG in einem Urteil vom 24.10.2007 zu entscheiden.
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des BAG zugrunde?
Im Arbeitsvertrag eines in einem Bankhaus tätigen Beraters war vereinbart, dass er einen Bonus erhalten solle, der sich zu 40 Prozent nach dem Geschäftsergebnis und zu 60 Prozent nach den vorgegebenen Leistungszielen richten sollte. Als Fälligkeitstermin war das Folgejahr vereinbart; zusätzliche Voraussetzung für einen Anspruch auf Bonuszahlung war das Bestehen eines ungekündigten Arbeitsverhältnisses am 01. April des Folgejahres. Darüber hinaus bestimmte eine weitere Vertragsklausel, dass die Bonuszahlung freiwillig erfolge und Zahlungen keinen Rechtsanspruch für die Zukunft nach sich zögen.
Der Berater hatte für die Jahre 2002 und 2003 von dem Arbeitgeber jeweils einen Bonus erhalten. In der Folgezeit kündigte er sein Arbeitsverhältnis zum 31.12.2004. Die für das Jahr 2004 begehrte Bonuszahlung verweigerte die Bank, da der Berater im Laufe des Jahres 2004 ausgeschieden war und daher eine der Leistungsvoraussetzungen (Bestehen eines ungekündigten Arbeitsverhältnisses am 01. April des Auszahlungsjahres, hier: 2005), nicht erfülle.
Daraufhin klagte der Arbeitnehmer auf Bonuszahlung für das Jahr 2004 vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main. Das Arbeitsgericht und das Hessische LAG wiesen die Klage ab, wobei sie der Bank darin folgten, dass der Bonusanspruch vertragsgemäß ausgeschlossen sei, wenn am 01. April des Auszahlungsjahres kein bzw. ein bereits gekündigtes Arbeitsverhältnis bestehe.
Wie hat das BAG entschieden?
Anders als die Vorinstanzen hatte der Arbeitnehmer vor dem BAG Erfolg:
Nach Ansicht des BAG waren die bzgl. der Bonuszahlung getroffenen Vereinbarungen von der Bank verwendete allgemeine Vertragsbedingungen. Unter dieser Voraussetzung hatte das Gericht zwei Dinge zu beanstanden: Erstens seien die Bonus-Klauseln bereits aus dem Grunde nicht klar und verständlich und verstießen daher gegen § 307 Abs.1 Satz 2 BGB, weil sie einerseits zwar die Teilnahme des Klägers am Bonussystem vorsähen, andererseits aber – d.h. im Widerspruch hierzu - einen Rechtsanspruch des Klägers auf eine Bonuszahlung ausschlössen. Eine solche in sich widersprüchliche Regelung verstößt nach Ansicht des BAG gegen das Transparenzgebot.
Als unklar und damit unwirksam beanstandete das BAG weiterhin auch die Stichtagsregelung: Sie stelle nämlich bezüglich der Dauer der dem Arbeitnehmer abverlangten Vertragstreue in dem jeweiligen Folgejahr nicht auf die Höhe der zu beanspruchenden Bonuszahlung ab und sei daher zu weit gefasst bzw. benachteilige den Arbeitnehmer unangemessen.
Dieser rechtliche Mangel der Bonusvereinbarung ist in der Tat so offensichtlich, dass man sich darüber wundern muss, dass Arbeitsgericht und LAG gegen den Arbeitnehmer entschieden haben: Nach ständiger Rechtsprechung des BAG hängt die Wirksamkeit einer Vereinbarung, die dem Arbeitnehmer im Falle des Ausscheidens während der ersten Monate des Kalenderjahres den Anspruch auf eine aufs Vorjahr bezogene Gratifikation nimmt, entscheidend von der Höhe der Gratifikation ab: Nur dann, wenn diese höher als ein Monatsgehalt ist, kann der Arbeitgeber verlangen, dass der Arbeitnehmer dem Betrieb die „Treue“ auch über den 31. März des Folgejahres hält.
Da das LAG im vorliegenden Fall keine Feststellungen über die Höhe der dem Kläger (möglicherweise) zustehenden Bonuszahlung gemacht hat, konnte seine Entscheidung bereits aus diesem Grunde nicht bestehen bleiben.
Fazit: Allgemeine Regelungen über Bonuszahlungen, Gratifikationen oder Zielvereinbarungen sollten von Zeit zu Zeit auf ihre Praktikabilität und Klarheit hin überprüft werden. Ansonsten muss der Arbeitgeber damit rechnen, dass Anspruchsbegrenzungen rechtlich wirkungslos sind.
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Letzte Überarbeitung: 18. September 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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