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Ur­laub und Krank­heit: Rest­ur­laub für Krank­heits­zei­ten ist nach Ge­ne­sung zu neh­men

Lang­fris­tig er­krank­te Ar­beit­neh­mer ver­lie­ren ih­ren Ur­laubs­an­spruch nicht wäh­rend der Krank­heit, müs­sen ihn aber nach Ge­ne­sung im lau­fen­den Ur­laubs­jahr neh­men: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.08.2011, 9 AZR 425/10
Frau zu Hause im Bett vor dem Fernsehen Den Rest­ur­laub nach Krank­heits­zei­ten soll­te man rasch neh­men
15.08.2011. Ur­laub muss ge­mäß § 7 Abs. 3 Satz 1 Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG) im lau­fen­den Ka­len­der­jahr ge­nom­men wer­den. Nur bei drin­gen­den be­trieb­li­chen oder in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­den Grün­den wird der Ur­laub au­to­ma­tisch kraft Ge­set­zes auf das Fol­ge­jahr über­tra­gen und ist dann bis zum 31. März des Fol­ge­jah­res zu neh­men.

Ei­ne Son­der­stel­lung nimmt seit 2009 der we­gen lan­ger Krank­heit nicht ge­nom­me­ne Ur­laub ein. Er sum­miert sich über Jah­re auf, bis der Ar­beit­neh­mer wie­der ge­sund wird oder aus dem Ar­beits­ver­hält­nis aus­schei­det. Dies folgt aus dem Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs in Sa­chen Schultz-Hoff vom 20.01.2009 (C-350/06).

Frag­lich ist, was in Fäl­len lan­ger Krank­heit mit dem „Schultz-Hoff-Ur­laub“ nach Ge­ne­sung des Ar­beit­neh­mers pas­siert: Bleibt er wei­ter­hin - mög­li­cher­wei­se un­be­grenzt - be­ste­hen oder ver­fällt er zum Jah­res­en­de? Die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt vor ei­ni­gen Ta­gen ge­klärt (Ur­teil vom 09.08.2011, 9 AZR 425/10).

Ein Bus­fah­rer mit ei­nem Ur­laubs­an­spruch von 30 Ta­gen pro Jahr war von Ja­nu­ar 2005 bis Ju­ni 2008 durch­ge­hend krank. Seit­dem ar­bei­tet er wie­der und er­hielt in 2008 prompt 30 Ta­ge Ur­laub, mehr aber nicht. Spä­ter klag­te er 90 Ta­ge Rest­ur­laub für die zwei­ein­halb Jah­re Krank­heit ein. Das Ar­beits­ge­richt Aa­chen (Ur­teil vom 08.12.2009, 4 Ca 2559/09), das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 18.05.2010, 12 Sa 38/10) und das BAG wie­sen die Kla­ge ab, denn er hät­te auch den Rest­ur­laub in 2008 neh­men kön­nen.

Fa­zit: Die Kla­ge wur­de zu­recht ab­ge­wie­sen, da der für die Krank­heit an­ge­sam­mel­te Rest­ur­laub nach Ge­ne­sung kei­ne Son­der­rol­le mehr hat. Die Krank­heit war da­her nicht die Ur­sa­che da­für, dass der Ur­laub nicht ge­nom­men wur­de. Wird ein lan­ge Zeit kran­ker Ar­beit­neh­mer wie­der ge­sund, muss er sei­nen wäh­rend der Krank­heit an­ge­sam­mel­ten Ur­laub im lau­fen­den Ka­len­der­jahr neh­men, da er sonst ge­mäß § 7 Abs.3 BUrlG ver­fällt. Lan­ge er­krank­te Ar­beit­neh­mer soll­ten da­her bald nach der Ge­ne­sung Ur­laub be­an­tra­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. November 2016

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Christoph Hildebrandt
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