HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/137

Wech­sel von Teil­zeit auf Voll­zeit durch lang­fris­ti­ge Ar­beits­zeit­über­schrei­tung?

Ar­bei­ten Teil­zeit­kräf­te über Jah­re hin­weg in Form von Über­stun­den voll­zei­tig, führt das noch nicht zu ei­nem Voll­zeit­ar­beits­ver­hält­nis: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 14.04.2011, 6 Sa 1499/10
Wanduhr Er­hö­hung der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit durch "Dul­dung" von Mehr­ar­beit?

18.07.2011. Ar­beits­ver­trä­ge sind an kei­ne be­son­de­ren Form­vor­schrif­ten ge­bun­den und kön­nen da­her je­der­zeit münd­lich ge­schlos­sen und ge­än­dert wer­den. Es ge­nügt so­gar, dass sich die Par­tei­en al­lein durch ihr tat­säch­li­ches Ver­hal­ten "ei­ni­gen". Dann muss das Ver­hal­ten des ei­nen Ver­trags­teils für den an­de­ren die Schluss­fol­ge­rung er­lau­ben, dass er ei­nen be­stimm­ten Ver­trags­in­halt in Gel­tung set­zen will - und der an­de­re muss da­mit (wie­der­um durch „schlüs­si­ges" bzw. "kon­klu­den­tes" Ver­hal­ten) ein­ver­stan­den sein.

Ob aber auch die lang­jäh­rig fak­ti­sche Voll­zeit­be­schäf­ti­gung ei­ner Teil­zeit­kraft als ein kon­klu­den­tes An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers zur Ver­trags­än­de­rung, d.h. zur Auf­sto­ckung von Teil­zeit auf Voll­zeit, be­wer­tet wer­den kann, ist zwei­fel­haft. Denn die An­ord­nung von Über­stun­den setzt ja ge­ra­de ei­ne ge­rin­ge­re, durch die Über­stun­den über­schrit­te­ne Wo­chen­ar­beits­zeit vor­aus. Über die­se Fra­ge hat­te vor kur­zem das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln zu ent­schei­den (Ur­teil vom 14.04.2011, 6 Sa 1499/10).

Zwei Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te wur­den durch Mehr­ar­beits­an­ord­nung trotz Teil­zeit­ver­ein­ba­rung seit sie­ben bzw. sechs Jah­ren wie Voll­zeit­kräf­te be­schäf­tigt. Das al­lein ge­nüg­te je­doch we­der dem Ar­beits­ge­richt Bonn (Ur­teil vom 03.11.2010, 2 Ca 1989/10) noch dem LAG als schlüs­si­ges Ver­trags­an­ge­bot des Ar­beit­ge­bers. Im Ge­gen­teil: Weil er ei­ne„of­fi­zi­el­le“ Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit stets ab­ge­lehnt hat­te, durf­ten die Klä­ge­rin­nen sei­ne An­ord­nun­gen nicht als ei­ne rechts­ver­bind­li­che Er­klä­rung in­ter­pre­tie­ren.

Fa­zit: Teil­zeit­be­schäf­tig­te kön­nen selbst bei lang­fris­ti­ger Über­schrei­tung ih­rer Ar­beits­zeit nicht da­von aus­ge­hen, dass der Ar­beit­ge­ber ih­nen da­mit ein Voll­zeit­ar­beits­ver­hält­nis an­bie­ten will. Da­für müs­sen wei­te­re An­halts­punk­te vor­lie­gen, die es aber sel­ten ge­ben wird. Wol­len Teil­zeit­kräf­te auf Voll­zeit auf­sto­cken, soll­ten sie da­her ih­ren Auf­sto­ckungs­an­spruch ge­mäß § 9 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) gel­tend ma­chen, der al­ler­dings ei­nen frei­en Voll­zeit­ar­beits­platz vor­aus­setzt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. Juli 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Thomas Becker
Rechtsanwalt

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln
Telefon: 0221 - 70 90 718
Telefax: 0221 - 70 90 731
E-Mail: koeln@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de