HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

BAG, Ur­teil vom 20.09.2017, 6 AZR 58/16

   
Schlagworte: Zahlungsvereinbarung, Zahlungsverzug, Insolvenz des Arbeitgebers
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 6 AZR 58/16
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 20.09.2017
   
Leitsätze: Teilzahlungen, die der Schuldner auf eine nach § 802b ZPO (bis 31. Dezember 2012 § 806b ZPO) mit dem Gerichtsvollzieher geschlossene Zahlungsvereinbarung erbringt, sind selbständig anfechtbar. Ob diese Zahlungen inkongruente Deckung bewirken, bestimmt sich nach dem Zeitpunkt, in dem sie die Befriedigung des Gläubigers bewirken. Das ist der Zeitpunkt, in dem der Gerichtsvollzieher den an ihn gezahlten Teilbetrag an den Gläubiger auskehrt.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Aachen, Urteil vom 21.10.2014, 3 Ca 1622/14 h
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 27.08.2015, 7 Sa 342/15
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

6 AZR 58/16
7 Sa 342/15
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Köln

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
20. Sep­tem­ber 2017

UR­TEIL

Gaßmann, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­ter, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. Sep­tem­ber 2017 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krum­bie­gel so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Au­gat und Za­bel für Recht er­kannt:

 

- 2 - 

1. Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 27. Au­gust 2015 - 7 Sa 342/15 - wird mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass Zin­sen erst ab dem 17. Ok­to­ber 2012 zu zah­len sind.

2. Der Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der be­klag­te Ar­beit­neh­mer Ar­beits­ent­gelt, das er un­ter dem Druck der Zwangs­voll­stre­ckung er­langt hat, im We­ge der In­sol­venz­an­fech­tung an die Mas­se zurück­gewähren muss.

Der Kläger ist In­sol­venz­ver­wal­ter in dem auf An­trag vom 30. Ju­li 2012 am 16. Ok­to­ber 2012 eröff­ne­ten In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen des T (Schuld­ner). Der Be­klag­te war bis zum 3. Mai 2010 beim Schuld­ner als Fah­rer beschäftigt. Mit Ur­teil vom 11. Ja­nu­ar 2011 wur­den Ent­gelt­ansprüche des Be­klag­ten für die Zeit vom 1. März bis 3. Mai 2010 von 3.071,42 Eu­ro nebst Zin­sen ti­tu­liert. Am 21. Sep­tem­ber 2011 er­teil­te der Be­klag­te Auf­trag, aus dem Ti­tel die Zwangs­voll­stre­ckung in das be­weg­li­che Vermögen des Schuld­ners zu be­trei­ben. Die Ge­richts­voll­zie­he­rin ver­ein­bar­te mit dem Schuld­ner an­stel­le ei­ner Pfändung Ra­ten­zah­lun­gen. Die­ser leis­te­te zunächst zwi­schen dem 29. No­vem­ber 2011 und 22. Fe­bru­ar 2012 in drei Teil­beträgen ins­ge­samt 2.087,80 Eu­ro an den Be­klag­ten. Die­se Zah­lun­gen sind nicht an­ge­foch­ten. Am 29. Mai 2012 zahl­te der Schuld­ner 1.719,55 Eu­ro und am 4. Ju­ni 2012 17,89 Eu­ro an die Ge­richts­voll­zie­he­rin. Die­se Zah­lun­gen, die der der Kläger mit Schrei­ben vom 5. Fe­bru­ar 2014 an­ge­foch­ten hat, sind Ge­gen­stand des Rechts­streits.

Am 29. Mai 2012 be­fand sich das ein­zi­ge Kon­to des Schuld­ners mit rund 18.600,00 Eu­ro im Mi­nus. Das Kre­dit­li­mit von 19.000,00 Eu­ro war da­mit fast aus­geschöpft. Zu­gleich be­stan­den fälli­ge, of­fe­ne For­de­run­gen ge­gen den

 

- 3 - 

Schuld­ner von rund 12.500,00 Eu­ro. Auch am 21. Ju­ni 2012 stand das Kon­to des Schuld­ners noch mit ei­nem Be­trag von rund 16.000,00 Eu­ro im Mi­nus, oh­ne dass der Schuld­ner die­sen Fehl­be­trag bis zur In­sol­ven­zeröff­nung aus­glei­chen konn­te.

Der Kläger hat zur Be­gründung sei­ner Kla­ge­for­de­rung vor­ge­tra­gen, die am 29. Mai und 4. Ju­ni 2012 er­folg­ten Zah­lun­gen müss­ten nach § 131 Abs. 1 Nr. 2 iVm. § 143 Abs. 1 In­sO zur Mas­se zurück­gewährt wer­den. Sie sei­en im We­ge der Zwangs­voll­stre­ckung bzw. zu de­ren Ab­wehr er­langt wor­den und da­mit in­kon­gru­ent. Da­bei sei auf die je­wei­li­ge Zah­lung durch den Schuld­ner ab­zu­stel­len. Der Schuld­ner sei im Zeit­punkt die­ser Zah­lun­gen zah­lungs­unfähig ge­we­sen.

Der Kläger hat be­an­tragt,

den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.737,44 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16. Ok­to­ber 2012 zu zah­len.

Der Be­klag­te hat sei­nen An­trag auf Ab­wei­sung der Kla­ge dar­auf gestützt, dass er kei­ne in­kon­gru­en­te De­ckung er­langt ha­be. Die streit­be­fan­ge­nen Zah­lun­gen sei­en nicht zur Ver­mei­dung ei­ner un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung er­folgt. Ab­zu­stel­len sei auf den Zeit­punkt der Er­tei­lung des Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trags am 21. Sep­tem­ber 2011. Al­le Zah­lun­gen des Schuld­ners an die Ge­richts­voll­zie­he­rin sei­en auf­grund die­ses Auf­trags außer­halb der kri­ti­schen Zeit er­folgt. Die Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung sei zu­dem ge­gen den aus­drück­li­chen Auf­trag an die Ge­richts­voll­zie­he­rin, ei­ne Mo­bi­li­arpfändung durch­zuführen, ge­schlos­sen wor­den und könne dem Be­klag­ten nicht zu­ge­rech­net wer­den. Oh­ne­hin ver­dränge § 88 In­sO als lex spe­cia­lis § 131 In­sO. Hilfs­wei­se hat der Be­klag­te gel­tend ge­macht, er sei ent­rei­chert.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Mit sei­ner vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Be­klag­te sein Ziel der Kla­ge­ab­wei­sung wei­ter.

 

- 4 - 

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist bis auf ei­nen ge­rin­gen Teil des Zins­aus­spruchs un­be­gründet. Der Be­klag­te muss die vom Schuld­ner am 29. Mai und 4. Ju­ni 2012 an die Ge­richts­voll­zie­he­rin ge­zahl­ten Beträge von ins­ge­samt 1.737,44 Eu­ro gemäß § 131 Abs. 1 Nr. 2 iVm. § 143 In­sO an die Mas­se zurück­gewähren.

I. Die Zah­lun­gen, die der zu die­sem Zeit­punkt be­reits zah­lungs­unfähi­ge Schuld­ner am 29. Mai und 4. Ju­ni 2012 an die Ge­richts­voll­zie­he­rin ge­leis­tet hat, er­folg­ten auf­grund ei­ner Zah­lungs­ver­ein­ba­rung nach § 806b ZPO aF (seit dem 1. Ja­nu­ar 2013 § 802b Abs. 2 ZPO) und des­halb un­ter dem Druck der wei­ter­hin un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung. Mit Ein­gang die­ser von der Ge­richts­voll­zie­he­rin an ihn wei­ter­ge­lei­te­ten Beträge hat der Be­klag­te im zwei­ten bzw. drit­ten Mo­nat vor dem am 30. Ju­li 2012 ge­stell­ten In­sol­venz­an­trag ei­ne in­kon­gru­en­te De­ckung er­hal­ten. Die gläubi­ger­be­nach­tei­li­gen­de Wir­kung be­gründet die An­fech­tung nach § 131 Abs. 1 Nr. 2 In­sO.

1. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten ist nicht be­reits die Er­tei­lung des Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trags die nach § 140 In­sO an­fecht­ba­re Rechts­hand­lung. An­fecht­bar sind die ein­zel­nen auf die von der Ge­richts­voll­zie­he­rin ge­schlos­se­ne Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung er­brach­ten Teil­zah­lun­gen. Dar­auf, ob auch die Ra­ten­ver­ein­ba­rung selbst an­fecht­bar ist, kommt es nicht an. Der Kläger hat in­so­weit kei­ne An­fech­tung erklärt. Ob die Teil­zah­lun­gen in die kri­ti­sche Zeit des § 131 In­sO fal­len, be­stimmt sich nach dem Zeit­punkt, in dem die Erfüllungs­wir­kung die­ser Zah­lun­gen ein­tritt. Das ist der Ein­gang die­ser Beträge beim Gläubi­ger.

a) Nach § 140 Abs. 1 In­sO ist für die An­fecht­bar­keit ei­ner Rechts­hand­lung grundsätz­lich der Zeit­punkt maßgeb­lich, in dem ih­re recht­li­che Wir­kung ein­tritt. Es kommt dar­auf an, wann ei­ne Rechts­po­si­ti­on be­gründet wor­den ist, die im Fall der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens oh­ne die An­fech­tung hätte be­ach­tet wer­den müssen (BT-Drs. 12/2443 S. 166). Erst da­durch tritt die Gläubi­ger­be­nach­tei­li­gung ein, der durch die An­fech­tung ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den soll (vgl. BGH 11. Ja­nu­ar 2007 - IX ZR 31/05 - Rn. 10, BGHZ 170, 276). Dar­um ist das

 

- 5 - 

bloße Er­tei­len ei­nes Voll­stre­ckungs­auf­trags al­lein noch kei­ne an­fecht­ba­re Rechts­hand­lung. Es han­delt sich da­bei le­dig­lich um den ers­ten Akt ei­nes Ge­samt­vor­gangs, der iso­liert be­trach­tet noch nicht in die Rech­te des Schuld­ners ein­greift und kei­ne Ansprüche des Gläubi­gers be­gründet. Das ge­schieht erst durch die (er­folg­rei­che) Vor­nah­me von Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen (MüKoIn­sO/ Kirch­hof 3. Aufl. § 140 Rn. 21) oder durch Hand­lun­gen des Schuld­ners zur Ab­wen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung. Teil­zah­lun­gen - wie die auf die mit der Ge­richts­voll­zie­he­rin ge­schlos­se­ne Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung er­folg­ten - ha­ben je­weils ei­ge­ne Voll­endungs­zeit­punk­te (MüKoIn­sO/Kirch­hof aaO Rn. 10; Uh­len-bruck/Ede/Hir­te 14. Aufl. § 140 In­sO Rn. 53) und sind des­halb ei­genständig an­fecht­ba­re Rechts­hand­lun­gen.

b) Die letz­ten bei­den Teil­zah­lun­gen auf die Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung vom 29. Mai und 4. Ju­ni 2012 fal­len in den von § 131 Abs. 1 Nr. 2 In­sO er­fass­ten Zeit­raum. Der Be­klag­te hat die­se an die Ge­richts­voll­zie­he­rin ge­zahl­ten Beträge im zwei­ten und drit­ten Mo­nat vor dem In­sol­venz­an­trag er­hal­ten.

aa) Nach Fest­stel­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts sag­te der Schuld­ner der Ge­richts­voll­zie­he­rin zur Ab­wen­dung der Mo­bi­li­ar­voll­stre­ckung zu, Ra­ten­zah­lun­gen zu er­brin­gen. Die Ge­richts­voll­zie­he­rin ver­ein­bar­te mit dem Schuld­ner Ra­ten­zah­lung statt Pfändung und schloss da­mit ei­ne Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung nach § 806b ZPO aF.

bb) Recht­li­che Wir­kung iSd. § 140 In­sO ent­fal­te­ten die auf die Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung ge­leis­te­ten Teil­zah­lun­gen erst mit der Wei­ter­lei­tung die­ser Beträge durch die Ge­richts­voll­zie­he­rin an den Be­klag­ten.

(1) Zahlt der Schuld­ner im Rah­men ei­ner Zah­lungs­ver­ein­ba­rung an den Ge­richts­voll­zie­her, be­wirkt dies al­lein noch kei­ne Erfüllung nach § 362 BGB. Der Ge­richts­voll­zie­her wird auch dann nicht als Ver­tre­ter des Gläubi­gers tätig, wenn er frei­wil­li­ge Zah­lun­gen des Schuld­ners ent­ge­gen­nimmt oder ei­ne Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung ab­sch­ließt. Er han­delt in­so­weit nicht auf­grund Pri­vat­au­to­no­mie, son­dern kraft des ihm ver­lie­he­nen öffent­li­chen Am­tes in Ausübung der staat­li­chen Voll­stre­ckungs­ge­walt (BGH 29. Ja­nu­ar 2009 - III ZR 115/08 - Rn. 6,

 

- 6 - 

BGHZ 179, 298; 28. Ju­ni 2006 - VII ZB 157/05 - Rn. 14; Zöller/Stöber ZPO 31. Aufl. § 802b Rn. 11). Bis zur Aus­lie­fe­rung des ver­ein­nahm­ten bzw. auf sein Dienst­kon­to ein­ge­zahl­ten Be­trags kann der Ge­richts­voll­zie­her dar­um noch zu Las­ten des Gläubi­gers über die­sen Be­trag verfügen und ihn zum Bei­spiel zur Be­frie­di­gung an­de­rer Gläubi­ger ver­wen­den (vgl. die Kon­stel­la­ti­on in BGH 29. Ja­nu­ar 2009 - III ZR 115/08 - aaO). Erst wenn der Ge­richts­voll­zie­her das Geld an den Gläubi­ger wei­ter­lei­tet, tritt Erfüllung ein (BGH 29. Ja­nu­ar 2009 - III ZR 115/08 - Rn. 6, aaO).

(2) Aus § 815 Abs. 3 ZPO folgt nichts an­de­res. Da­nach gilt die Weg­nah­me des Gel­des durch den Ge­richts­voll­zie­her als Zah­lung von Sei­ten des Schuld­ners, so­fern kei­ne Hin­ter­le­gung zu er­fol­gen hat. Die­se nach über­wie­gen­der An­sicht ei­ne Re­ge­lung zur Ge­fahr­tra­gung dar­stel­len­de, nach an­de­rer An­sicht ei­ne Erfüllungs­fik­ti­on an­ord­nen­de Be­stim­mung (Nach­wei­se zum Mei­nungs­stand bei BGH 29. Ja­nu­ar 2009 - III ZR 115/08 - Rn. 9, BGHZ 179, 298) ist ana­log an­zu­wen­den, wenn der Schuld­ner frei­wil­lig an den Ge­richts­voll­zie­her zahlt (BGH 29. Ja­nu­ar 2009 - III ZR 115/08 - Rn. 6, 14, aaO). § 815 Abs. 3 ZPO schützt je­doch auch in sei­ner ana­lo­gen An­wen­dung aus­sch­ließlich den Schuld­ner da­vor, ein wei­te­res Mal zah­len zu müssen, wenn das ver­ein­nahm­te Geld vor sei­ner Aus­lie­fe­rung an den Gläubi­ger, der den Ge­richts­voll­zie­her be­auf­tragt hat, ab­han­den­kommt. Der Gläubi­ger ist in ei­nem sol­chen Fall auf ei­nen Amts­haf­tungs­an­spruch ver­wie­sen (BGH 29. Ja­nu­ar 2009 - III ZR 115/08 - Rn. 9, 11, 14, aaO). Er hat al­so ge­ra­de noch kei­ne in ei­nem später ge­gen den Schuld­ner eröff­ne­ten In­sol­venz­ver­fah­ren be­last­ba­re Rechts­po­si­ti­on er­wor­ben. Ei­ne sol­che Rechts­po­si­ti­on er­langt der Gläubi­ger erst mit der Wei­ter­lei­tung der ver­ein­nahm­ten Beträge durch den Ge­richts­voll­zie­her. Erst da­durch wird sei­ne For­de­rung nach § 362 BGB erfüllt.

(3) Der Gläubi­ger kann sein Ri­si­ko, dass die an den Ge­richts­voll­zie­her ge­zahl­ten und an ihn wei­ter­ge­lei­te­ten Ra­ten nicht in­sol­venz­fest sind, ver­min­dern, in­dem er im Voll­stre­ckungs­auf­trag den Ge­richts­voll­zie­her an­weist, kei­ne Zah­lungs­ver­ein­ba­rung zu schließen oder sein Ein­verständ­nis auf ei­ne Min­dest­ra­te und/oder ei­ne Höchst­frist für die Zah­lungs­dau­er be­schränkt. Zwar ist der Ge-

 

- 7 - 

richts­voll­zie­her gemäß § 754 Abs. 1 ZPO durch die Überg­a­be der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung des Ti­tels und des Voll­stre­ckungs­auf­trags ua. da­zu ermäch­tigt, mit Wir­kung für den Gläubi­ger Zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen nach § 806b ZPO aF bzw. nach § 802b Abs. 2 ZPO mit dem Schuld­ner zu tref­fen. Be­reits § 806b ZPO aF ließ je­doch ei­ne Zah­lungs­ver­ein­ba­rung nur zu, wenn das Ein­verständ­nis des Gläubi­gers zu­min­dest zu ver­mu­ten war (St­ein/Jo­nas/Münz­berg 22. Aufl. § 806b Rn. 5). War der Gläubi­ger mit ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung nicht ein­ver­stan­den, durf­te der Ge­richts­voll­zie­her nicht wei­ter tätig wer­den (Zöller/ Stöber ZPO 29. Aufl. § 806b Rn. 4). § 802b Abs. 2 Satz 1 ZPO stellt seit dem 1. Ja­nu­ar 2013 le­dig­lich klar, dass der Gläubi­ger ei­ne Zah­lungs­ver­ein­ba­rung von vorn­her­ein aus­sch­ließen oder un­ter Be­din­gun­gen stel­len kann (MüKoZ­PO/ Wag­ner 5. Aufl. § 802b Rn. 2). Das Ein­verständ­nis des Gläubi­gers mit dem Ab­schluss ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung wird nur dann ver­mu­tet, wenn er es im Voll­stre­ckungs­auf­trag nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen oder be­schränkt hat (vgl. BT-Drs. 16/10069 S. 24). An ab­wei­chen­de Vor­ga­ben des Gläubi­gers ist der Ge­richts­voll­zie­her ge­bun­den. Außer­dem muss der Ge­richts­voll­zie­her den Gläubi­ger un­verzüglich über die Zah­lungs­ver­ein­ba­rung in­for­mie­ren. Auch das galt be­reits für den Ab­schluss ei­ner Ver­ein­ba­rung nach § 806b ZPO aF. Hat­te der Gläubi­ger ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung nicht be­reits ein­deu­tig aus­ge­schlos­sen, durf­te der Ge­richts­voll­zie­her sie zwar ab­sch­ließen, muss­te aber an­sch­ließend die Ge­neh­mi­gung des Gläubi­gers ein­ho­len (St­ein/Jo­nas/Münz­berg aaO). § 802b Abs. 3 Satz 1 ZPO ver­pflich­tet den Ge­richts­voll­zie­her nun­mehr aus­drück­lich da­zu, den Gläubi­ger zu un­ter­rich­ten. Sch­ließlich konn­te der Gläubi­ger nach dem im Zwangs­voll­stre­ckungs­recht gel­ten­den Grund­satz der Par­tei­herr­schaft (da­zu BGH 21. De­zem­ber 2015 - I ZB 107/14 - Rn. 22; Zöller/Stöber ZPO 31. Aufl. Vor § 704 Rn. 19) be­reits nach § 806b ZPO aF sei­ne Ein­wil­li­gung oder sei­ne Ge­neh­mi­gung je­der­zeit wi­der­ru­fen (St­ein/Jo­nas/Münz­berg aaO; Zöller/Stöber ZPO 29. Aufl. § 806b Rn. 2). § 802b Abs. 3 Satz 2 ZPO stellt le­dig­lich klar, dass die Zah­lungs­ver­ein­ba­rung hinfällig wird, wenn ihr der Gläubi­ger un­verzüglich wi­der­spricht. § 802b Abs. 3 Satz 3 ZPO fin­giert den Wi­der­ruf des Ein­verständ­nis­ses, wenn der Schuld­ner mit der Ra­ten­zah­lung mehr als zwei Wo­chen in Rück­stand gerät. Auch wenn die bloße Mit­tei­lung des Ge­richts-

 

- 8 - 

voll­zie­hers, der Schuld­ner sei be­reit, die For­de­rung in Teil­beträgen zu til­gen, noch nicht den Rück­schluss er­zwingt, dass der Schuld­ner sei­ne Zah­lun­gen ein­ge­stellt hat und da­mit der Ab­schluss der Zah­lungs­ver­ein­ba­rung für sich be­trach­tet noch nicht die An­fecht­bar­keit nach § 133 Abs. 1 In­sO be­gründet (BGH 6. Ju­li 2017 - IX ZR 178/16 - Rn. 20), ist der Gläubi­ger, der das Ri­si­ko ei­ner An­fech­tung mi­ni­mie­ren will, ge­hal­ten, die Möglich­keit des Ge­richts­voll­zie­hers, ei­ne gütli­che Er­le­di­gung des Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trags zu ver­su­chen, zu be­schränken.

Miss­ach­tet der Ge­richts­voll­zie­her die ihm er­teil­ten Wei­sun­gen und/oder die Un­ter­rich­tungs­ver­pflich­tung, tritt zwar die Erfüllungs­wir­kung mit Wei­ter­lei­tung des er­hal­te­nen Be­trags gleich­wohl ein (MüKoZ­PO/Wag­ner 5. Aufl. § 802b Rn. 12), so dass der er­hal­te­ne Be­trag mögli­cher­wei­se nicht mehr in­sol­venz­fest ist. Dann hat der Gläubi­ger je­doch ei­nen Amts­haf­tungs­an­spruch ge­gen den Ge­richts­voll­zie­her. Glei­ches gilt, wenn der Ge­richts­voll­zie­her die er­hal­te­nen Beträge ent­ge­gen § 119 Abs. 2 Satz 1 der Geschäfts­an­wei­sung für Ge­richts­voll­zie­her (GV­GA) idF vom 5. Sep­tem­ber 2016 (bis zum 31. Ju­li 2012 § 106 Nr. 6 GV­GA) nicht un­verzüglich an den Emp­fangs­be­rech­tig­ten abführt.

cc) Der Be­klag­te hat die ihm be­reits nach § 806b ZPO aF eröff­ne­ten Möglich­kei­ten, sein nach Er­tei­lung des Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trags be­ste­hen­des An­fech­tungs­ri­si­ko zu min­dern, nicht ge­nutzt. Er hat der Ge­richts­voll­zie­he­rin kei­ne An­wei­sung er­teilt, die de­ren Be­fug­nis, ei­ne Ver­ein­ba­rung nach § 806b Satz 2 ZPO aF mit dem Schuld­ner zu schließen, aus­ge­schlos­sen oder ein­ge­schränkt hätte. Der bloße Auf­trag, die Zwangs­voll­stre­ckung (nur) in das be­weg­li­che Vermögen des Schuld­ners zu be­trei­ben, genügte ent­ge­gen der An­nah­me des Be­klag­ten nicht, um der Ge­richts­voll­zie­he­rin den Ab­schluss der Zah­lungs­ver­ein­ba­rung zu un­ter­sa­gen (aA MüKoZ­PO/Wag­ner 5. Aufl. § 802b Rn. 10). Es fehl­te an dem er­for­der­li­chen aus­drück­li­chen Aus­schluss ei­ner gütli­chen Ei­ni­gung. Durch den Auf­trag zur Mo­bi­li­arpfändung war die Ge­richts­voll­zie­he­rin le­dig­lich be­fugt und ver­pflich­tet, die Zwangs­voll­stre­ckung nach §§ 808 ff. ZPO zu be­trei­ben. Im Rah­men die­ses Auf­trags blieb sie je­doch zur gütli­chen Ei­ni­gung und da­mit zum Ab­schluss ei­ner Zah­lungs­ver­ein­ba­rung nach § 806b ZPO aF

 

- 9 - 

be­fugt (vgl. Zöller/Stöber ZPO 31. Aufl. § 802b Rn. 6). Erst wenn es zu ei­ner gütli­chen Ei­ni­gung nicht ge­kom­men wäre, hätte sich ih­re Voll­stre­ckungs- und Ver­wer­tungs­be­fug­nis auf die körper­li­chen Sa­chen iSv. § 808 Abs. 1 ZPO, dh. al­le be­weg­li­chen Sa­chen nach § 90 BGB so­wie Tie­re iSd. § 90a BGB (Be­ckOK ZPO/Forb­ri­ger ZPO § 808 Rn. 1), be­schränkt.

dd) Zwar hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt, wann die Ge­richts­voll­zie­he­rin die von ihr am 29. Mai und 4. Ju­ni 2012 ver­ein­nahm­ten Beträge an den Be­klag­ten wei­ter­ge­lei­tet hat. Es ist je­doch un­strei­tig, dass der Be­klag­te die­se Beträge zeit­nah und da­mit im Zwei- bzw. Drei­mo­nats­zeit­raum des § 131 Abs. 1 Nr. 2 In­sO er­hal­ten hat.

2. Die Teil­zah­lun­gen von 1.719,55 Eu­ro bzw. 17,89 Eu­ro er­folg­ten auf­grund der von der Ge­richts­voll­zie­he­rin nach § 806b Abs. 2 ZPO aF ge­schlos­se­nen Zah­lungs­ver­ein­ba­rung und da­mit un­ter dem Druck der un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung.

a) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (grund­le­gend: 24. Ok­to­ber 2013 - 6 AZR 466/12 -; 19. Mai 2011 - 6 AZR 736/09 -) und des Bun­des­ge­richts­hofs (seit 9. Sep­tem­ber 1997 - IX ZR 14/97 - BGHZ 136, 309; wei­te­re Nach­wei­se bei Uh­len­bruck/Ede/Hir­te 14. Aufl. § 131 In­sO Rn. 60) sind Zah­lun­gen, die zur Ab­wen­dung der an­ge­droh­ten un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung er­fol­gen, als Druck­zah­lun­gen in­kon­gru­ent. In der kri­ti­schen Zeit der letz­ten drei Mo­na­te vor dem Eröff­nungs­an­trag oder der Zeit nach die­sem An­trag ist die „ma­te­ri­el­le In­sol­venz“ be­reits ein­ge­tre­ten. Der Ar­beit­neh­mer kann in die­ser Zeit be­reits kei­ne Leis­tung un­ter Ein­satz ho­heit­li­chen Zwangs mehr be­an­spru­chen, durch den er auf das zur Be­frie­di­gung al­ler Gläubi­ger un­zu­rei­chen­de Vermögen des späte­ren In­sol­venz­schuld­ners zu­greift und an­de­re Gläubi­ger zurück­setzt. Viel­mehr wird in die­ser Zeit das in der Zwangs­voll­stre­ckung grundsätz­lich gel­ten­de Prio­ritätsprin­zip schon durch den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung al­ler Gläubi­ger er­setzt.

b) Die­se Recht­spre­chung ist durch den Ge­setz­ge­ber le­gi­ti­miert. So­wohl in Art. 2 Ziff. 4 des Ent­wurfs ei­nes „Ge­set­zes zum Pfändungs­schutz der Al­ters­vor-

 

- 10 - 

sor­ge und zur An­pas­sung des Rechts der In­sol­venz­an­fech­tung“ (BT-Drs. 16/886 S. 5) als auch in Art. 1 Ziff. 2 des Ge­setz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung vom 16. De­zem­ber 2015 ei­nes „Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der Rechts­si­cher­heit bei An­fech­tun­gen nach der In­sol­venz­ord­nung und nach dem An­fech­tungs­ge­setz“ (BT-Drs. 18/7054 S. 7) war je­weils vor­ge­se­hen, dass ei­ne in­kon­gru­en­te De­ckung und da­mit ei­ne nach § 131 In­sO an­fecht­ba­re Rechts­hand­lung nicht al­lein des­we­gen vor­lie­gen soll­te, weil die Si­che­rung bzw. Be­frie­di­gung durch Zwangs­voll­stre­ckung oder zu de­ren Ab­wen­dung be­wirkt wor­den war. Gläubi­ger, die le­dig­lich von den im Ge­setz vor­ge­se­he­nen Zwangs­mit­teln Ge­brauch ge­macht hat­ten, soll­ten kei­ne An­fech­tung we­gen In­kon­gru­enz mehr befürch­ten müssen. Maßgeb­lich dafür, ob ei­ne De­ckung kon­gru­ent sei oder nicht, sei al­lein, ob der Gläubi­ger das er­hal­te, wor­auf er nach dem In­halt des zu­grun­de lie­gen­den Rechts­verhält­nis­ses ei­nen An­spruch ha­be (BT-Drs. 18/7054 S. 17). Die­se ge­plan­ten Ge­set­zesände­run­gen sind je­doch nicht er­folgt. Der Ge­setz­ge­ber hat sich in bei­den Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren in Kennt­nis der Pro­ble­ma­tik be­wusst da­ge­gen ent­schie­den, De­ckun­gen, die im We­ge der Zwangs­voll­stre­ckung er­langt wor­den sind, und Druck­zah­lun­gen als kon­gru­ent an­zu­se­hen (BT-Drs. 16/3844 S. 11; BT-Drs. 18/11199 S. 10 f.).

c) Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on lag nach der dafür maßgeb­li­chen ob­jek­ti­vier­ten Sicht des Schuld­ners (BGH 15. Mai 2003 - IX ZR 194/02 - zu II 3 der Gründe) ei­ne Druck­zah­lung vor.

aa) Er­bringt der Schuld­ner Zah­lun­gen auf der Grund­la­ge ei­ner Ver­ein­ba­rung nach § 806b ZPO aF bzw. nach § 802b Abs. 2 ZPO, han­delt es sich da­bei nicht um Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men, son­dern noch um Druck­zah­lun­gen. Zah­lun­gen, die frei­wil­lig oder zur Ab­wen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung an den Ge­richts­voll­zie­her er­fol­gen, sind kei­ne Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men von Gläubi­gern (BGH 27. Mai 2003 - IX ZR 169/02 - zu II 1 b der Gründe, BGHZ 155, 75). Die Zah­lungs­ver­ein­ba­rung hat ei­nen Voll­stre­ckungs­auf­schub zur Fol­ge. Die vom Ge­richts­voll­zie­her ge­stat­te­ten Ra­ten­zah­lun­gen er­fol­gen des­halb ge­ra­de außer­halb der Zwangs­voll­stre­ckung (BGH 10. De­zem­ber 2009 - IX ZR 128/08 - Rn. 19).

 

- 11 - 

bb) Für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ei­ne kon­gru­en­te oder in­kon­gru­en­te De­ckung vor­liegt, ist es ent­ge­gen der An­sicht des Be­klag­ten un­er­heb­lich, ob der Voll­stre­ckungs­ti­tel vor der Kri­se er­langt und/oder der Voll­stre­ckungs­auf­trag noch vor die­ser Zeit er­teilt ist. Maßge­bend ist al­lein, wann die Si­che­rung bzw. Be­frie­di­gung er­langt ist (vgl. MüKoIn­sO/Kay­ser 3. Aufl. § 131 Rn. 27).

cc) Die an­ge­foch­te­nen Teil­zah­lun­gen be­wirk­ten in­kon­gru­en­te De­ckung. Der Schuld­ner er­brach­te aus sei­ner ob­jek­ti­vier­ten Sicht die an­ge­foch­te­nen Zah­lun­gen, um die un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­de Zwangs­voll­stre­ckung ab­zu­wen­den. Er muss­te da­mit rech­nen, dass der Be­klag­te sein Ein­verständ­nis mit der Zah­lungs­ver­ein­ba­rung wi­der­ru­fen würde, wenn er die Ra­ten nicht pünkt­lich er­brach­te, und das Ver­fah­ren fort­set­zen würde (St­ein/Jo­nas/Münz­berg 22. Aufl. § 806b Rn. 5). Er konn­te nur durch die pünkt­li­che Zah­lung der ver­ein­bar­ten Ra­ten den Voll­stre­ckungs­auf­schub auf­recht­er­hal­ten und so die Verfügungs­be­fug­nis über sei­ne ver­blie­be­nen Vermögens­wer­te be­hal­ten (vgl. Ziv­ko­vic ZVI 2017, 2, 3 f.). Des­halb wur­de der Druck, der zu den an­ge­foch­te­nen Teil­zah­lun­gen führ­te, ent­ge­gen der An­sicht des Be­klag­ten nicht nur durch den er­folg­lo­sen Pfändungs­ver­such aus­gelöst, son­dern dau­er­te bis zur Zah­lung der letz­ten Ra­te un­un­ter­bro­chen an (vgl. MüKoIn­sO/Kay­ser 3. Aufl. § 131 Rn. 26c; Ziv­ko­vic ZVI 2017, 2, 4). Der Schuld­ner muss­te da­von aus­ge­hen, dass die Ge­richts­voll­zie­he­rin im Auf­trag des Be­klag­ten un­verzüglich mit der oh­ne wei­te­res zulässi­gen Zwangs­voll­stre­ckung be­gin­nen würde, so­fern er dem nicht durch den Ab­schluss der Zah­lungs­ver­ein­ba­rung und de­ren Erfüllung zu­vorkäme. Da­mit be­stand der für ei­ne Druck­zah­lung er­for­der­li­che Zu­rech­nungs­zu­sam­men­hang von An­dro­hung der Zwangs­voll­stre­ckung und Zah­lung fort (vgl. BGH 18. De­zem­ber 2003 - IX ZR 199/02 - zu I 2 a bb (3) der Gründe, BGHZ 157, 242). Dar­auf, ob ei­ne nach Er­tei­lung des Zwangs­voll­stre­ckungs­auf­trags vor­ge­nom­me­ne Mo­bi­li­arpfändung vor der Kri­se zur Be­frie­di­gung des Be­klag­ten geführt hätte, kommt es des­halb ent­ge­gen den Ausführun­gen sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat nicht an. Die­se Ar­gu­men­ta­ti­on berück­sich­tigt darüber hin­aus nicht, dass der Ab­schluss ei­ner Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung nach § 806b ZPO aF vor­aus­setz­te, dass die Ge­richts­voll­zie-

 

- 12 - 

he­rin bei ih­rem Pfändungs­ver­such kei­ne pfänd­ba­ren Ge­genstände vor­ge­fun­den hat­te, der Voll­stre­ckungs­ver­such al­so frucht­los ver­lau­fen war.

3. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass der Schuld­ner in dem für die Fest­stel­lung der An­fech­tungs­vor­aus­set­zun­gen maßgeb­li­chen Zeit­punkt zah­lungs­unfähig war. Die Zah­lungs­unfähig­keit be­ur­teilt sich im ge­sam­ten In­sol­venz­recht und dar­um auch im Rah­men des In­sol­venz­an­fech­tungs­rechts nach § 17 In­sO (BGH 16. Ju­ni 2016 - IX ZR 23/15 - Rn. 9). Hat der Schuld­ner sei­ne Zah­lun­gen ein­ge­stellt, be­gründet dies auch für die In­sol­venz­an­fech­tung gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 In­sO die ge­setz­li­che Ver­mu­tung der Zah­lungs­unfähig­keit (BAG 6. Ok­to­ber 2011 - 6 AZR 262/10 - Rn. 23, BA­GE 139, 235). Nach Fest­stel­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­stan­den schon En­de Mai 2012 For­de­run­gen in ei­ner Größen­ord­nung von über 30.000,00 Eu­ro, die der Schuld­ner bis zur Ver­fah­ren­seröff­nung nicht mehr be­frie­di­gen konn­te. Zwei­fel dar­an, dass er im Zeit­punkt der Zah­lun­gen an die Ge­richts­voll­zie­he­rin und de­ren Ein­gang bei dem Be­klag­ten sei­ne Zah­lun­gen ein­ge­stellt hat­te, be­ste­hen nicht. Die­se wer­den auch von der Re­vi­si­on nicht er­ho­ben.

4. Ent­ge­gen der An­nah­me des Be­klag­ten wird § 131 In­sO nicht durch die von § 88 In­sO an­ge­ord­ne­te Rück­schlags­per­re ver­drängt. Viel­mehr ergänzen sich die Vor­schrif­ten der In­sol­venz­an­fech­tung und die Rück­schlags­per­re. § 131 Abs. 1 Nr. 1 In­sO ver­all­ge­mei­nert de­ren Wir­kun­gen (BAG 27. Fe­bru­ar 2014 - 6 AZR 367/13 - Rn. 26). Darüber hin­aus fin­det die Rück­schlags­per­re auf frei­wil­li­ge Zah­lun­gen des Schuld­ners so­wie auf Zah­lun­gen, die wie hier zur Ab­wen­dung ei­ner dro­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung er­fol­gen, kei­ne An­wen­dung (MüKoIn­sO/Breu­er 3. Aufl. § 88 Rn. 21; vgl. zur Rück­schlags­per­re des § 104 Vg­lO BGH 10. Fe­bru­ar 1971 - VIII ZR 182/69 - zu 2 der Gründe, BGHZ 55, 307).

5. Der vom Be­klag­ten in den Tat­sa­chen­in­stan­zen er­ho­be­ne Ent­rei­che­rungs­ein­wand verfängt nicht. Der Rück­gewähran­spruch nach § 143 Abs. 1 In­sO ist kein Be­rei­che­rungs­an­spruch (vgl. BGH 3. De­zem­ber 1954 - V ZR 96/53 - BGHZ 15, 333). Die §§ 812 ff. BGB fin­den da­her nur in­so­weit An­wen­dung, als in § 143 Abs. 1 Satz 2 und § 143 Abs. 2 In­sO auf das Be­rei­che­rungs­recht ver-

 

- 13 - 

wie­sen wird. Als An­fech­tungs­geg­ner ist der Be­klag­te gemäß § 143 Abs. 1 Satz 2 In­sO un­mit­tel­bar der verschärf­ten Haf­tung des § 819 Abs. 1 BGB un­ter­wor­fen. Auf­grund die­ser Rechts­fol­gen­ver­wei­sung ist der Rück­zah­lungs­an­spruch als rechtshängi­ger An­spruch zu be­han­deln. Auf Ent­rei­che­rung kann sich der Be­klag­te dar­um nicht be­ru­fen (BAG 19. Mai 2011 - 6 AZR 736/09 - Rn. 20 f.).

II. Der Be­klag­te hat den Rück­gewähran­spruch seit dem Fol­ge­tag der In­sol­ven­zeröff­nung, dh. erst ab dem 17. Ok­to­ber 2012 - und nicht wie von den Vor­in­stan­zen aus­ge­ur­teilt seit dem 16. Ok­to­ber 2012 -, in der be­an­trag­ten Höhe zu ver­zin­sen (st. Rspr. seit BAG 27. Fe­bru­ar 2014 - 6 AZR 367/13 - Rn. 39 f.). In­so­weit un­ter­liegt das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts der Auf­he­bung und das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts der Abände­rung.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Fi­scher­mei­er
Spel­ge
Krum­bie­gel
Uwe Za­bel
Au­gat

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 6 AZR 58/16