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ARBEITSRECHT AKTUELL // 26/017

Mehr Trans­pa­renz beim Ge­halt

Was Ar­beit­ge­ber jetzt über die EU-Ent­gelt­trans­pa­renz­richt­li­nie wis­sen müs­sen.
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03.09.2026. Mit der EU-Ent­gelt­trans­pa­renz­richt­li­nie sol­len ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Un­ter­schie­de bei der Be­zah­lung ver­rin­gert und glei­che Be­zah­lung für glei­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­beit bes­ser durch­ge­setzt wer­den. Die Mit­glied­staa­ten hat­ten bis zum 7. Ju­ni 2026 Zeit, die Vor­ga­ben in na­tio­na­les Recht um­zu­set­zen. In Deutsch­land ist die Um­set­zung bis­lang je­doch noch nicht ab­ge­schlos­sen. Für Un­ter­neh­men stellt sich des­halb die Fra­ge, was be­reits heu­te gilt und wor­auf sie sich ein­stel­len soll­ten.

Was steckt hin­ter der neu­en EU-Richt­li­nie?

Die Richt­li­nie setzt auf mehr Trans­pa­renz bei der Vergütung. Beschäftig­te sol­len bes­ser nach­voll­zie­hen können, wie sich ih­re Be­zah­lung zu­sam­men­setzt und nach wel­chen Kri­te­ri­en Ar­beit­ge­ber Gehälter fest­le­gen. Gleich­zei­tig sol­len Un­ter­neh­men ih­re Vergütungs­sys­te­me stärker nach ob­jek­ti­ven und ge­schlechts­neu­tra­len Kri­te­ri­en aus­rich­ten. Vor­ge­se­hen sind un­ter an­de­rem Aus­kunfts­rech­te für Beschäftig­te so­wie Be­richts­pflich­ten für Ar­beit­ge­ber. Die­se Pflich­ten grei­fen abhängig von der Un­ter­neh­mens­größe stu­fen­wei­se, grundsätz­lich aber ab 100 Beschäftig­ten. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt be­trifft die nicht erklärba­ren Ent­gelt­un­ter­schie­de. Wer­den bei ei­ner Ver­gleichs­grup­pe ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Un­ter­schie­de von mehr als fünf Pro­zent fest­ge­stellt, sieht die Richt­li­nie ei­ne ge­mein­sa­me Be­wer­tung vor, mit der die Ur­sa­chen die­ser Dif­fe­renz un­ter­sucht wer­den sol­len.

Was gilt seit dem 7. Ju­ni 2026?

Der Ab­lauf der Um­set­zungs­frist be­deu­tet nicht, dass die neu­en Vor­ga­ben der Richt­li­nie seit die­sem Tag au­to­ma­tisch vollständig für deut­sche Ar­beit­ge­ber gel­ten. EU-Richt­li­ni­en müssen grundsätz­lich erst in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt wer­den, be­vor dar­aus neue Pflich­ten für pri­va­te Ar­beit­ge­ber ent­ste­hen. Ein au­to­ma­ti­scher Wech­sel zu ei­nem vollständig neu­en Ent­gelt­trans­pa­renz­sys­tem hat da­her nicht statt­ge­fun­den. Das be­deu­tet al­ler­dings nicht, dass die Richt­li­nie für die Pra­xis be­deu­tungs­los wäre. Be­ste­hen­des deut­sches Recht muss im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht aus­ge­legt wer­den. Da­durch können die Zie­le und Vor­ga­ben der Richt­li­nie be­reits bei der Aus­le­gung des gel­ten­den Rechts ei­ne Rol­le spie­len.

Wel­che Rech­te be­ste­hen be­reits heu­te?

Der Grund­satz der Ent­gelt­gleich­heit ist nicht erst durch die neue Richt­li­nie ent­stan­den. Be­reits heu­te gilt ins­be­son­de­re nach Art. 157 AEUV der Grund­satz glei­chen Ent­gelts für Männer und Frau­en bei glei­cher oder gleich­wer­ti­ger Ar­beit. Da­ne­ben be­ste­hen Ansprüche nach dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz und dem Ent­gelt­trans­pa­renz­ge­setz. Die­ses gewährt Beschäftig­ten un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen be­reits ei­nen Aus­kunfts­an­spruch über die Vergütung ver­gleich­ba­rer Beschäftig­ter. Die­ser An­spruch be­steht der­zeit grundsätz­lich in Be­trie­ben mit mehr als 200 Beschäftig­ten bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber. Auch die Recht­spre­chung stellt be­reits heu­te ho­he An­for­de­run­gen an Ar­beit­ge­ber. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat bei­spiels­wei­se ent­schie­den, dass der Ver­gleich mit ei­ner ein­zel­nen bes­ser be­zahl­ten Per­son des an­de­ren Ge­schlechts bei glei­cher oder gleich­wer­ti­ger Ar­beit ei­ne Ver­mu­tung für ei­ne Ent­gelt­be­nach­tei­li­gung be­gründen kann.

Was soll­ten Un­ter­neh­men jetzt vor­be­rei­ten?

Auch wenn die kon­kre­ten deut­schen Re­ge­lun­gen noch nicht endgültig fest­ste­hen, können Ar­beit­ge­ber be­reits prüfen, ob ih­re Vergütungs­sys­te­me trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar auf­ge­baut sind. Da­bei soll­te ins­be­son­de­re fest­ge­hal­ten wer­den, war­um Beschäftig­te un­ter­schied­lich vergütet wer­den. Kri­te­ri­en wie Qua­li­fi­ka­ti­on, Ver­ant­wor­tung, Be­las­tung oder Ar­beits­be­din­gun­gen können da­bei ei­ne Rol­le spie­len. Wich­tig ist, dass sol­che Kri­te­ri­en sach­lich be­gründ­bar, ge­schlechts­neu­tral und do­ku­men­tiert sind. Eben­so kann es sinn­voll sein, be­ste­hen­de Ent­gelt­struk­tu­ren und Ver­gleichs­grup­pen zu un­ter­su­chen. Un­ter­neh­men er­hal­ten da­durch frühzei­tig ei­nen Über­blick darüber, wo mögli­cher­wei­se nicht erklärba­re Un­ter­schie­de be­ste­hen und wo An­pas­sungs­be­darf ent­ste­hen könn­te. Ei­ne vollständi­ge Um­stel­lung auf die künf­ti­gen An­for­de­run­gen ist da­ge­gen der­zeit nicht möglich, so­lan­ge die deut­sche Um­set­zung noch nicht fest­steht.

Wann kommt das deut­sche Um­set­zungs­ge­setz?

Die Um­set­zung der EU-Richt­li­nie in Deutsch­land ist noch nicht ab­ge­schlos­sen. Der Deut­sche Bun­des­tag be­rich­te­te im Ju­li 2026 über die wei­te­ren Vor­be­rei­tun­gen für die Um­set­zung. Da­mit steht wei­ter­hin nicht fest, in wel­cher kon­kre­ten Form die eu­ropäischen Vor­ga­ben in deut­sches Recht über­tra­gen wer­den. Für Ar­beit­ge­ber be­deu­tet dies, dass sich die endgülti­gen ge­setz­li­chen Pflich­ten der­zeit noch nicht vollständig be­stim­men las­sen. Gleich­zei­tig soll­ten Un­ter­neh­men die Ent­wick­lung nicht igno­rie­ren, da die be­ste­hen­den An­for­de­run­gen an Ent­gelt­gleich­heit be­reits heu­te gel­ten und die Be­deu­tung trans­pa­ren­ter Vergütungs­struk­tu­ren wei­ter zu­nimmt.

https://www.eb­ner­stolz.de/de/un­ser-an­ge­bot/leis­tun­gen/rechts­be­ra­tung/ar­beits­recht/um­set­zung-eu-ent­gelt­trans­pa­renz­richt­li­nie-106129.html

https://www.grantt­horn­ton.de/the­men/2026/eu-ent­gelt­trans­pa­renz­richt­li­nie-ist-der-7-ju­ni-2026-ein-har­ter-stich­tag/

https://www.bun­des­tag.de/pres­se/hib/kurz­mel­dun­gen-1195086

 

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Letzte Überarbeitung: 8. September 2026

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