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Arbeitsrecht aktuell: 03/03 Frage nach Schwangerschaft unzulässig
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Recht zur Lüge: Arbeitgeber muss auch ein Beschäftigungsverbot hinnehmen
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2003, 2 AZR 621/01
Erreicht ein Arbeitnehmer den Abschluß des Arbeitsvertrages durch bewußt falsche Beantwortung von Fragen, die der Arbeitgeber ihm vor Vertragsschluß stellt, so kann darin eine arglistige Täuschung im Sinne von § 123 Abs.1 BGB liegen. In einem solchen Fall kann der getäuschte Arbeitgeber den Vertrag anfechten. Der Arbeitsvertrag verliert mit dieser Erklärung, ähnlich wie im Falle einer außerordentlichen Kündigung, seine rechtliche Wirksamkeit mit sofortiger Wirkung.
Eine solche Anfechtungsmöglichkeit besteht allerdings nicht, wenn die gestellte Frage unzulässig war. In einem solchen Fall ist das Fragerecht des Arbeitgebers eingeschränkt. Der befragte Arbeitnehmer hat ein "Recht zur Lüge". Ob dieses Recht auch besteht, wenn Art und Umfang der zu besetzenden Stelle von Anfang an ein Beschäftigungsverbot einer schwangeren Arbeitnehmerin erfordern würde, hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) kürzlich entschieden.
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
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Nach bisheriger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts war die Frage des Arbeitnehmers nach einer Schwangerschaft der Bewerberin im allgemeinen unzulässig, d.h. die Bewerberin durfte diese Frage falsch beantworten. Davon machte das Bundesarbeitsgericht allerdings dann eine Ausnahme, d.h. es sah die Frage nach einer Schwangerschaft ausnahmsweise als zulässig an, wenn die Beschäftigung der schwangeren Bewerberin auf dem vorgesehenen Arbeitsplatz von vornherein wegen eines Beschäftigungsverbots zum Schutz der Schwangeren oder des ungeborenen Kindes nach dem MuSchG (Mutterschutzgesetz) unzulässig wäre.
Eine solche Ausnahme will das Bundesarbeitsgericht jetzt nicht mehr machen. Dies folgt aus dem Urteil vom 06.02.2003.
In dem vom Bundesarbeitsgericht entschiedenen Fall ging es um folgendes:
Die Klägerin schloß mit der beklagten Arbeitgeberin am 03.05.2000 einen Arbeitsvertrag. Bei Vertragsschluß versicherte sie auf Befragen der Arbeitgeberin, daß sie nicht schwanger sei. Diese Angabe war allerdings falsch bzw. gelogen, da die Klägerin durch Auskunft ihrer Ärztin vom 11.04.2000 bereits wußte, daß sie schwanger war. Etwa zwei Wochen nach Vertragsschluß, am 19.05.2000, informierte die Klägerin die Beklagte dann über ihre Schwangerschaft. Daraufhin focht die Beklagte mit Schreiben vom 08.06.2000 den Arbeitsvertrag unter Berufung auf § 123 Abs.1 BGB wegen arglistiger Täuschung an.
Im folgenden erhob die Klägerin Klage mit dem Antrag, das Gericht möge feststellen, daß ihr Arbeitsverhältnis durch die Anfechtung der Beklagten nicht beendet worden sei. In dem Prozeß wandte die Beklagte ein, die vereinbarte Tätigkeit sei auf Grund gesetzlicher Bestimmungen für Schwangere nicht geeignet. Einen anderen Arbeitsplatz könne sie der Klägerin nicht anbieten.
Das Arbeitsgericht und das Landesarbeitsgericht haben der Klage stattgegeben, d.h. das Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses festgestellt. Dagegen wandte sich die beklagte Arbeitgeberin mit der Revision.
Das Bundesarbeitsgericht hat sich der Meinung der Arbeitnehmerin angeschlossen und daher die Entscheidungen der beiden Vorinstanzen bestätigt. Zur Begründung heißt es in dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts:
Die Frage der Beklagten nach der Schwangerschaft sei hier unzulässig, weil sie eine nach § 611a BGB verbotene Diskriminierung wegen des Geschlechts enthalte.
In Fortentwicklung seiner bisherigen Rechtsprechung und in Übereinstimmung mit dem Europäischen Gerichtshof sieht das Bundesarbeitsgericht in der Frage nach der Schwangerschaft nunmehr auch dann eine unzulässige Diskriminierung der weiblichen Bewerberin, wenn eine unbefristet einzustellende Arbeitnehmerin die vereinbarte Tätigkeit während der Schwangerschaft wegen eines mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbotes zunächst nicht ausüben kann.
Das Beschäftigungshindernis ist in diesen Fällen als nur vorübergehend anzusehen, so daß es nach Auffassung des Bundesarbeitsgerichts nicht zu einer dauerhaften Störung des Vertragsverhältnisses führt.

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Letzte Überarbeitung: 9. Februar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
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Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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