|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 06/02 Sozialgericht Frankfurt - Arbeitsunfall bei Weihnachtsfeier
|
 |

|
Sozialgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 24.01.2006 - 10 SU 2623/03
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Sozialgericht Frankfurt entschieden?
Als Arbeitnehmer bzw. "Beschäftigter" ist man unter anderem durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt, d.h. man erhält Leistungen, falls ein Versicherungsfall vorliegt. Ein praktisch besonders wichtiger Versicherungsfall ist der "Arbeitsunfall".
Fraglich ist, ob ein Arbeitnehmer, der bei einer betrieblichen Weihnachtsfeier unter Alkoholeinfluß stürzt und einen Körperschaden erleidet, einen versicherten "Arbeitsunfall" erlitten hat - oder ob ein solcher Vorgang dem privaten und damit eigenverantwortlichen Bereich zuzurechnen ist. In diesem Falle bestünde kein Anspruch auf Versicherungsleistungen.
Zu dieser Frage hat sich das Sozialgericht (SG) Frankfurt in einer Entscheidung vom 24.01.2006 geäußert.
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des SG Frankfurt zugrunde?
Dem Urteil des Sozialgerichts Frankfurt lag folgender Fall zugrunde:
Der Kläger war Verwaltungsangestellter der Stadt D. Er arbeitete im Kultur- und Sportamt der Stadt, dessen Leiter Herr H war. Am 23.11.1996 fand in einem Restaurant eine vom Kultur- und Sportamt der Stadt D. organisierte und von dessen Amtsleiter H. genehmigte Weihnachtsfeier statt, an der neben dem Amtsleiter und dessen Stellvertreter etwa 25 weitere Mitarbeiter des Amtes teilnahmen. Verzehrkosten wurden von den Veranstaltungsteilnehmern selbst bezahlt.
Gegen 01.20 Uhr hatte die Mehrheit der Veranstaltungsteilnehmer die Feier verlassen. Im Restaurant waren nur noch der Kläger, der Amtsleiter H. sowie zwei Restaurantmitarbeiter anwesend. Gegen 03.15 Uhr kam der Kläger auf dem zur Toilette führenden Treppenabgang zu Fall und zog sich dabei u.a. ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus wurde bei dem Kläger ein Blutalkoholgehalt von 2.89 Promille festgestellt, der nach den Angaben der Ärzte allerdings forensisch nicht verwertbar ist. Nach Auskunft der Stadt D. war die Feier bereits gegen 1.20 Uhr zu Ende.
Die Unfallversicherung verweigerte die vom Kläger beantragte Anerkennung seines Sturzes als Arbeitsunfall und gewährte dementsprechend keine Leistungen. Hiergegen erhob der Arbeitnehmer nach erfolgloser Durchführung des Widerspruchsverfahrens Klage.
Wie hat das Sozialgericht Frankfurt entschieden?
Das Sozialgericht Frankfurt gab dem Kläger recht und hob die Entscheidung der Unfallversicherung auf. Zur Begründung heißt es:
Ein Arbeitsunfall im Sinne des Rechts der gesetzlichen Unfallversicherung ist ein Unfall, den ein Versicherter bei einer versicherten Tätigkeit erleidet. Bei der Weihnachtsfeier des Sport- und Kulturamtes der Stadt D. handelte es sich nach Ansicht des Gerichts um eine versicherte Tätigkeit, da hier eine sog. "betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung" vorlag, die grundsätzlich unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht. Dabei ist es unerheblich, ob der gesamte Betrieb (hier: die gesamte Verwaltung der Stadt D.) oder nur eine ihrer Abteilungen (hier: das Sport- und Kulturamt) eine solche Weihnachtsfeier durchführt. Eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung liegt in beiden Fällen vor. Entscheidend ist, daß der Betriebsabteilung gestattet ist, eine Weihnachtsfeier durchzuführen, daß der Leiter der Abteilung die Organisation und Durchführung der Feier genehmigt und daß er später als Verantwortlicher an ihr teilnimmt. Unter solchen Umständen ist die Feier als betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung anzusehen. Daran ändert sich auch nichts dadurch, daß die Teilnehmer die Verzehrkosten selbst zu tragen hatten.
Weiterhin stand der Kläger auch noch im Zeitpunkt des Unfallereignisses unter dem Schutz der Unfallversicherung, denn die Weihnachtsfeier war zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet. Zwar hatten gegen 01.20 Uhr bis auf den Kläger und den Amtsleiter H. sämtliche Veranstaltungsteilnehmer das Restaurant verlassen, doch liegt es nach Ansicht des Gerichts "in der Natur von Feierlichkeiten", daß am Ende nur noch wenige Personen anwesend sind, noch eine Weile lang sitzen bleiben und sich über Privates unterhalten. Außerdem war der Vorgesetzte des Klägers, Herr H., noch anwesend, so daß der Kläger auch deshalb davon ausgehen konnte, daß die Feier noch nicht beendet war.
Schließlich kann dem Kläger nach Ansicht des Sozialgerichts Frankfurt auch nicht entgegengehalten werden, daß er zu später Stunde noch Alkohol getrunken und sich über private Gesprächsthemen unterhalten hat. "Wenn nicht vorher konkret ein Alkoholverbot ausgesprochen wird, ist es üblich, daß auf Weihnachtsfeiern Alkohol getrunken wird und zwar bis zum Ende." Dabei werde selbstverständlich auch über private Themen gesprochen.
Fazit: Bis zu dem offiziellen Ende einer betrieblichen Weihnachtsfeier besteht Unfallversicherungsschutz. Ist dieses offizielle Ende nicht bestimmt, können die Teilnehmer von der Fortdauer der Veranstaltung ausgehen, solange der Vorgesetzte anwesend ist.

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 3. März 2011
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
|
|
 |
|