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Arbeitsrecht aktuell: 11/197 Betriebsrat - Minderheitenliste kann kein eigenes Büro für sich verlangen
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Eine Minderheitsliste im Betriebsrat kann weder vom Arbeitgeber noch vom Betriebsrat eigene Büroräume für sich als Minderheitsgruppe verlangen.
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11
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11.10.2011. Der Betriebsrat vertritt die Interessen aller Arbeitnehmer des Betriebes - und soll zu diesem Zweck mit dem Arbeitgeber vertrauensvoll zusammenarbeiten (§ 2 Abs.1 Betriebsverfassungsgesetz - BetrVG). Auch die Betriebsratsmitglieder nehmen die Interessen aller Arbeitnehmer wahr. Soweit jedenfalls die rechtliche Idealvorstellung.
Faktisch sind Betriebsräte - jedenfalls in großen Betrieben mit dementsprechend vielen Betriebsratsmitgliedern (vgl. § 9 BetrVG) - eine Versammlung verschiedener Gruppen und Grüppchen, die oft sehr verschiedene Vorstellungen von der "richtigen" Betriebsratsarbeit haben.
Dann können die Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Gruppierungen im Betriebsrat so stark werden, dass Minderheitengruppierungen eigene Rechte, zumindest aber eigene Räume für sich beanspruchen. Ob zurecht oder nicht, hatte vor kurzem das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg zu entscheiden (Beschluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11).
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Berlin
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Der Betriebsrat kann - als "einheitliches" Gremium - vom Arbeitgeber gemäß § 40 BetrVG Räume und Sachmittel verlangen, d.h. Bürtechnik, Literatur, Büromaterial usw. Der Anspruch auf Räume und Sachmittel und das Verbot, die Arbeit des Betriebsrats und seiner Mitglieder zu behindern und Betriebsratsmitglieder zu benachteiligen, wird die Unabhängigkeit des Betriebsrats gesichert (§ 78 BetrVG).
Da das BetrVG von einem einheitlichen Gremium "Betriebsrat" ausgeht, das dem Arbeitgeber gegenübersteht, enthält es keine Regelungen zum Minderheitenschutz. „Fraktionen“ bzw. „Koalitionen“ im Betriebsrat werden vom Gesetz nicht erwähnt. Die Konkurrenz verschiedener Gruppierungen im Betriebsrat spielt nur während der Betriebsratswahl eine Rolle. Dann sind verschiedene Wahlvorschläge möglich (vgl. § 14 BetrVG). Aber auch dann haben die Mitglieder verschiedener Vorschlagslisten nur Informationsrechte, und wenn sie von Wahlfehlern betroffen sind, haben sie als Wahlliste kein eigenes Recht, die Wahl anzufechten (vgl. § 19 BetrVG).
Doch konfliktfreudige Betriebsrätsmitglieder sind erfinderisch. Immerhin könnten anderweitig bestehende Regeln zum Minderheitenschutz auf den Betriebsrat entsprechend anzuwenden sein. Nach Ansicht des LAG Berlin-Brandenburg ist das aber nicht der Fall (Beschluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11).
In dem Berliner Werk eines Automobilproduzenten waren bei einer Betriebsratswahl neben Kandidaten der Gewerkschaftsliste auch Kandidaten einer Alternativliste gewählt worden. Der Arbeitgeber hatte dem Betriebsrat ein eigenes Gebäude mit eigenen Räumen und Materialien zur Verfügung gestellt. Mit der vom Betriebsrat beschlossenen Verteilung dieser Mittel waren die Mitglieder der Alternativliste nicht einverstanden und forderten eigene, für die anderen nicht zugängliche Räume und Sachmittel.
Damit hatten sie weder vor dem Arbeitsgericht Berlin (Beschluss vom 07.02.2011, 17 BV 14806/10) noch vor dem LAG Erfolg. Nach Auffassung der Gerichte geht das BetrVG davon aus, dass der Betriebsrat nur als Einheit gegenüber dem Arbeitgeber auftreten kann und einer Minderheitengruppierung im Betriebsrat keine eigenen Rechte zustehen - weder gegenüber dem Arbeitgeber noch gegenüber dem Betriebsrat.
Fazit: Da der Minderheitenschutz kein Prinzip des BetrVG ist, haben Minderheitsgruppen im Betriebsrat keine eigenen betriebsverfassungsrechtlichen Rechte. Sie müssen sich mit der Mehrheit im Betriebsrat irgendwie arrangieren. Das kann im Alltag lästig sein. Letztlich hilft dann nur, auf private Kommunikationsmittel zurückzugreifen, z.B. in Form einer eigenen Webseite.
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Letzte Überarbeitung: 2. April 2012
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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