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Arbeitsrecht aktuell: 11/221 Betrug bei Bewerbung - Bewerbungsbetrug führt nur selten zu Ansprüchen auf Lohnrückzahlung




Zeugnisfälschung bei der Einstellung: Geprellte Arbeitgeber können nur ausnahmsweise Lohnrückzahlung vom Bewerbungsbetrüger verlangen

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 24.08.2011, 15 Sa 980/11

10.11.2011. Betrug bei der Stellenbewerbung kommt öfter vor als ehrliche Menschen vermuten würden: Studien belegen, dass in mindestens einer von zehn Bewerbungen handfest gelogen wird oder dass sogar gefälschte Zeugnisse vorgelegt werden. Strafrechtlich gesehen liegen dann Urkundenfälschung und Betrug vor.

Fliegt der Bewerbungsbetrug später infolge schlechter Leistungen auf, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis zwar anfechten und fristlos kündigen. Den gezahlten Arbeitslohn bekommt er damit aber noch lange nicht zurück. Denn in aller Regel hat die Anfechtung des Arbeitsvertrags nach der Rechtsprechung keine Rückwirkung auf den Zeitpunkt des Arbeitsvertragssschlusses. Und (irgend)eine "Arbeitsleistung" hat der Arbeitgeber ja erhalten. 

Ein aktuelles Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin-Brandenburg zeigt, dass die Gerichte an dieser Linie festhalten: LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 24.08.2011, 15 Sa 980/11).

von Rechtsanwalt Sebastian Kreuziger, Berlin

Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Berlin

Betrug bei der Einstellung: Können Arbeitgeber später den Lohn zurückverlangen?

Wer sich mit einem gefälschten Arbeitszeugnis oder Ausbildungszeugnis bewirbt und daraufhin eingestellt wird, begeht eine Urkundenfälschung (§ 267 Strafgesetzbuch - StGB) und einen Anstellungsbetrug (§ 263 StGB). Auch wenn das erst nach Jahren herauskommt, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis durch Anfechtung wegen "arglistiger Täuschung" (§§ 142, 123 Bürgerliches Gesetzbuch - BGB) sowie durch fristlose Kündigung (§ 626 BGB) sofort beenden.

Das ändert aber nichts daran, dass bis dahin faktisch ein Arbeitsverhältnis bestand: Der Arbeitnehmer ging zur Arbeit und hat dafür einen Lohn erhalten. Und da die Arbeitsleistung nur selten vollkommen wertlos war (wie z.B. bei einem "Arzt", der mangels Approbation keiner ist und daher Patienten gar nicht behandeln darf), führt die nicht vorhandene Qualifikation des Arbeitnehmers rechtlich nicht dazu, dass er "ungerechtfertigt bereichert" wäre und/oder durch seinen Betrug einen Vermögensschaden des Arbeitgebers verursacht hätte. So verständlich der Reflex des geprellten Arbeitgebers ist, sein Geld wieder haben zu wollen, so schwer lässt sich das vor Gericht umsetzen.

LAG Berlin-Brandenburg: Bei Bewerbungsbetrug durch Vorlage eines falschen Zeugnisses muss er erhaltene Lohn in der Regel nicht zurückgezahlt werden

Ein Arbeitgeber suchte einen Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss. Einer der Bewerber legte ein gefälschtes Diplomzeugnis vor und wurde eingestellt. Seine Leistungen waren aber so grottenschlecht, dass er schon knapp zwei Monate später wieder entlassen wurde. Dabei flog auch der Bewerbungsbetrug auf. Der Arbeitgeber berechnete daraufhin, was die Arbeitsleistung „wirklich“ wert gewesen war und klagte die Differenz zum gezahlten Lohn als Schadensersatz wegen Betruges (§§ 826, 823 BGB i.V.m. § 263 StGB) ein.

Das Arbeitsgericht Berlin gab der Klage größtenteils statt (Urteil vom 17.02.2011, 2 Ca 4958/10), das LAG dagegen wies sie ab. Es gab eben, so das LAG, weder eine Bereicherung auf seiten des Arbeitnehmers noch einen Schaden auf seiten des Arbeitgebers. Die Anstellung selbst war kein Schaden, da der Arbeitgeber ja jemanden einstellen und dafür Geld bezahlen wollte. Und Leistungsdefizite haben als solche nach der Rechtsprechung kein Lohnminderungsrecht zur Folge.

Fazit: Wird ein Arbeitgeber bei der Einstellung betrogen, d.h. über eine Qualifikation getäuscht, kann er das Arbeitsverhältnis zwar jederzeit fristlos beenden, muss dem Bewerbungsbetrüger aber den gezahlten Lohn belassen. Will er Schadensersatz, muss er konkret nachweisen, dass er Geld für eine Korrektur schlechter Arbeitsergebnisse und/oder für eine Ersatzkraft hat ausgeben müssen.

Nähere Informationen finden Sie hier:

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Letzte Überarbeitung: 7. Dezember 2011

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Arbeitsrecht aktuell:


Berlin, 22.05.2012
Konkurrentenklage:

Mit Konkurrentenklage rechtswidrige Stellenbesetzung verhindert

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11

Berlin, 19.05.2012
Teilzeitanspruch:

Arbeitszeitverringerung im Eilverfahren

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11

Berlin, 17.05.2012
Outsourcing:

Tarifvertrag und Betriebsübergang

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10

Berlin, 17.05.2012
Öffentlicher Dienst:

Leistungsentgelt gemäß § 18 TVöD

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11

München, 16.05.2012
Altersversorgung:

Betriebliche Übung und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11

Hannover, 15.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung bei Krankheit

Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11

Frankfurt, 14.05.2012
Leiharbeit:

Für Leiharbeitsfirmen werden die CGZP-Tarifverträge teuer

Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER

Berlin, 12.05.2012
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Rettungszweckverband

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10

Köln, 09.05.2012
Whistleblowing:

Fristlose Kündigung wegen Strafanzeige

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11

Köln, 08.05.2012
Lohnrückzahlung:

Gehaltsüberzahlung bei Überstundenvergütung

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11

München, 07.05.2012
Kündigungsschutzklage:

LAG München zu Kündigungsschutzklage und Rücknahme der Kündigung

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10

Frankfurt, 04.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit auch für Beamte

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel

Köln, 03.05.2012
Korruption:

Kündigung - Schmiergeld als Kündigungsgrund

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

Köln, 02.05.2012
Kündigung und Krankheit:

Arbeitsgericht Trier: Kündigung nach Krankmeldung als Maßregelung

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11

Köln, 30.04.2012
Fristlose Kündigung:

Betriebsrat - Fristlose Kündigung und trotzdem im Amt?

Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11

Frankfurt, 25.04.2012
Urlaubsabgeltung:

Urlaubsabgeltung nach Krankheit und Verfallfrist

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10

Köln, 24.04.2012
Diskriminierungsschutz:

Geschäftsführer und Altersdiskriminierung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

Frankfurt, 23.04.2012
Fristlose Kündigung:

Kündigung wegen Stalkings

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11

Hamburg, 20.04.2012
Lohnuntergrenzen:

Mindestlohn gemäß Arbeitnehmer-
Entsendegesetz (AEntG)

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10

Hamburg, 20.04.2012
Diskriminierung:

Auskunftsanspruch des abgelehnten Stellenbewerbers?

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)

Hannover, 18.04.2012
Gleichbehandlung:

Altersteilzeit und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10

Hamburg, 13.04.2012
Kündigungsschutzklage:

Anfechtung eines Vergleichs nur im Ausnahmefall

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

Stuttgart, 12.04.2012
Änderungskündigung:

Abmahnung vor Änderungskündigung

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11

Köln, 28.03.2012
Ermahnung:

Entfernung einer Ermahnung aus der Personalakte

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11

Frankfurt, 26.03.2012
Mitarbeitergespräche:

Mitbestimmung des Betriebsrates bei Mitarbeiterjahresgesprächen

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11

Berlin, 22.03.2012
Massenentlassungsanzeige

Massenentlassung und Stellungnahme des Betriebsrats

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10

Berlin, 21.03.2012
Gleicher Urlaub:

Urlaub nach Alter ist eine Diskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10

Berlin, 18.03.2012
Änderungskündigung:

Fallstricke bei betriebsbedingter Änderungskündigung wegen Betriebsschließung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11

Berlin, 16.03.2012
Bewerberdiskriminierung

Diskriminierung - Frist zur Forderung von Entschädigung rechtens

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11

Berlin, 15.03.2012
Urlaubsrecht:

Kein Urlaubsverfall bei günstigem Arbeitsvertrag

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10