HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/421

Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ja­nu­ar 2015

Ge­set­ze zur Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik - was än­dert sich im neu­en Jahr?
Bibliothek

30.12.2014. Im fol­gen­den fin­den Sie ei­nen kur­zen Über­blick über die we­sent­li­chen Ge­set­zes­än­de­run­gen zum 01. Ja­nu­ar 2015 im Be­reich der Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik.

Die wich­tigs­te Neue­rung ist si­cher­lich das In­kraft­tre­ten des deutsch­land­weit ver­bind­li­chen Min­dest­lohns von 8,50 EUR brut­to pro St­un­de ge­mäß dem Min­dest­l­ohn­ge­setz (Mi­LoG).

Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so wer­den auch zu Be­ginn des Jah­res 2015 die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Ren­ten­ver­si­che­rung und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung an­ge­ho­ben. Nach oben an­ge­passt wer­den auch die Pflicht­ver­si­che­rungs­gren­zen und Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Wei­ter­hin er­hö­hen sich die Re­gel­be­darfs­sät­ze bei der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de ("Hartz IV").

Wich­tig für den deut­schen Ar­beits­markt ist auch die Ver­län­ge­rung ei­ni­ger ge­setz­li­cher Son­der­re­ge­lun­gen zum Kurz­ar­bei­ter­geld und zur Ar­beits­för­de­rung über den 31.12.2014 hin­aus.

Min­dest­lohn von 8,50 EUR pro St­un­de

Ab Ja­nu­ar 2015 ha­ben im Prin­zip al­le Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land ei­nen An­spruch auf den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn von 8,50 EUR brut­to pro St­un­de.

Der Min­dest­lohn gilt al­ler­dings nicht für Lang­zeit­ar­beits­lo­se, für Zei­tungs­zu­stel­ler und für Ar­beit­neh­mer, die un­ter bran­chen­be­zo­ge­ne Min­dest­lohn­ta­ri­fe fal­len. Auch Ju­gend­li­che oh­ne ab­ge­schlos­se­ne Be­rufs­aus­bil­dung ha­ben kei­nen An­spruch auf den Min­dest­lohn.

Dafür fal­len Prak­ti­kan­ten im Prin­zip un­ter das Ge­setz, ob­wohl sie ei­gent­lich kei­ne Ar­beit­neh­mer sind, so dass das § 22 Abs.1 Mi­LoG die­je­ni­gen Prak­ti­ka im Ein­zel­nen fest­le­gen muss, die kei­nen Min­dest­lohn­an­spruch auslösen.

Bei­trags­satz zur Ren­ten­ver­si­che­rung sinkt auf 18,7 Pro­zent

Ei­gent­lich hätte der Bei­trags­satz zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­reits zu An­fang 2014 von 18,9 auf 18,3 Pro­zent sin­ken müssen, denn auf­grund der gu­ten fi­nan­zi­el­len La­ge der Ren­ten­kas­se ist ei­ne sol­che Ab­sen­kung ge­setz­lich vor­ge­se­hen.

Auf­grund des ge­stie­ge­nen Fi­nanz­be­darfs in­fol­ge der Ren­ten­re­for­men 2014 (Mütter­ren­te, Ren­te mit 63) ver­hin­der­te die große Ko­ali­ti­on die Sen­kung des Bei­trags­sat­zes durch ein spe­zi­ell da­ge­gen ge­rich­te­tes Son­der­ge­setz En­de 2013.

Jetzt, d.h. ein Jahr später, wird der Bei­trags­satz tatsächlich sin­ken, je­doch "nur" um be­schei­de­ne 0,2 Pro­zent­punk­te. Auch das wird Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer aber vor­aus­sicht­lich um zwei Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr ent­las­ten.

Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Ren­ten­ver­si­che­rung und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung

Auch zum Ja­nu­ar 2015 steigt die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ren­ten­ver­si­che­rung und der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung wie­der an, und zwar von der­zeit 5.850 EUR auf 6.050 EUR (Mo­nats­ge­halt - West). Die mo­nat­li­che Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze (Ost) steigt von 5.000 EUR auf 5.200 EUR.

Dem­ent­spre­chend erhöhen sich die Jah­res­wer­te von bis­her 71.400 EUR (West) auf 72.600 EUR (West) bzw. von bis­her 60.000 EUR (Ost) auf 62.400 EUR (Ost).

Wer mehr ver­dient, muss zwar im­mer noch Beiträge zur ge­setz­li­chen Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zah­len, doch sind Ge­halts­be­stand­tei­le, die die­se Grenz­wer­te über­stei­gen, bei­trags­frei in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung. Be­zo­gen auf die­se Ge­halts­be­stand­tei­le wer­den kei­ne Beiträge ab­geführt.

Pflicht­ver­si­che­rungs­gren­zen und Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung

Die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) ist ein­heit­lich fest­ge­legt, d.h. hier gel­ten kei­ne ver­schie­de­nen Wer­te in West- und Ost­deutsch­land. Sie erhöht sich zu An­fang 2015 von bis­her 53.550 EUR auf 54.900 EUR.

Ar­beit­neh­mer, die mehr als 54.900 EUR ver­die­nen, müssen sich nicht in der GKV ver­si­chern, son­dern können zu ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln. 

Auch in der GKV gilt ei­ne Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze, die un­ter­halb der Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze liegt. Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der GKV steigt zum neu­en Jahr 2015 von bis­her 48.600 EUR jähr­lich auf 49.500 EUR jähr­lich bzw. von bis­her 4.050 EUR mo­nat­lich auf 4.125 EUR pro Mo­nat.

Wer die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze in der GKV von 54.900 EUR nicht über­schrei­tet und da­her ver­si­che­rungs­pflich­tig in der GKV ist, un­ter­liegt auf­grund der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze nur mit dem Ein­kom­mens­teil von 49.500 EUR der Bei­trags­pflicht zur GKV. Die darüber lie­gen­den Ge­halts­be­stand­tei­le sind bei­trags­frei in der GKV.

Kurz­ar­bei­ter­geld auch in Zu­kunft bis zu zwölf Mo­na­te

Ei­gent­lich ist die ma­xi­ma­le Be­zugs­dau­er für das Kurz­ar­bei­ter­geld ge­setz­lich auf sechs Mo­na­te be­grenzt. Die­se Be­gren­zung der Be­zugs­dau­er wur­de seit der 2008 Re­zes­si­on des Jah­res 2008 im­mer wie­der ge­lo­ckert, d.h. die Höchst­dau­er des Kurz­ar­bei­ter­gel­des wur­de auf zwölf Mo­na­te verlängert, al­ler­dings im­mer nur als zeit­lich be­grenz­te Kri­sen­maßnah­me.

Nach­dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) be­reits En­de 2012 die Erhöhung auf ma­xi­mal zwölf Mo­nats­zah­lun­gen bis En­de 2013 verlänger­te und dann En­de 2013 noch­mals bis En­de 2014, hat sie die­se Ent­schei­dung er­neut ge­trof­fen.

Kon­kret hat das BMAS ei­ne Ver­ord­nung er­las­sen, nach der die Be­zugs­dau­er für das Kurz­ar­bei­ter­geld bei Ansprüchen, die bis zum 31. De­zem­ber 2015 ent­ste­hen, bis zu zwölf Mo­na­te be­tra­gen kann. Kurz­ar­bei­ter­geld kann da­her auch in 2015 wie in den Jah­ren da­vor nicht nur für sechs Mo­na­te, son­dern bis zu zwölf Mo­na­ten gewährt wer­den.

Hartz IV

Wie schon zu Be­ginn des Jah­res 2014 erhöhen sich auch zum Ja­nu­ar 2015 die Re­gel­be­dar­fe in der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de („Hartz IV“).

Für al­lein­ste­hen­de und al­lein­er­zie­hen­de Leis­tungs­be­rech­tig­te erhöht sich der Re­gel­be­darf von der­zeit mo­nat­lich 391 EUR auf 399 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 1). Wer mit ei­nem Part­ner in ei­nem ge­mein­sa­men Haus­halt zu­sam­men­lebt, erhält statt bis­her 353 EUR ab Ja­nu­ar 360 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 2).

Er­wach­se­ne Leis­tungs­be­rech­tig­te, die kei­nen ei­ge­nen und kei­nen ge­mein­sa­men Haus­halt mit ei­nem Part­ner führen, be­kom­men bis­her 313 EUR mo­nat­lich und ab Ja­nu­ar 320 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 3).

Sch­ließlich gibt es für Ju­gend­li­che von 14 bis un­ter 18 Jah­re mo­nat­lich 302 EUR (bis­her: 296 EUR - Re­gel­be­darfs­stu­fe 4), für Kin­der von sechs bis 13 Jah­ren mo­nat­lich 267 EUR (bis­her: 261 EUR - Re­gel­be­darfs­stu­fe 5) und für Kin­der bis fünf Jah­ren mo­nat­lich 234 EUR (bis­her: 229 EUR - Re­gel­be­darfs­stu­fe 6).

Letzte Überarbeitung: 15. September 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche,
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-Mail: berlin@hensche.de
Bewertung: Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ja­nu­ar 2015 4.5 von 5 Sternen (4 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de