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Arbeitsrecht aktuell: 11/186 LAG Hamburg - Kündigung bei Beschäftigungsmöglichkeit im Ausland
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Eine betriebsbedingte Kündigung scheitert nicht an der Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung im Ausland
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
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23.09.2011. Genießen Arbeitnehmer Kündigungsschutz, braucht der Arbeitgeber für jede ordentliche, d.h. fristgemäße Kündigung einen Grund, der vor § 1 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) Bestand hat. Das kann u.a. ein betriebsbedingter Grund sein, wenn z.B. aufgrund einer Umstrukturierung oder Betriebsstillegung die Fortführung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr möglich ist.
Erhebt der Arbeitnehmer gegen eine betriebsbedingte Kündigung eine Kündigungsschutzklage, muss der Arbeitgeber darlegen, dass er aufgrund seiner Unternehmerentscheidung dauerhaft keinen (ausreichenden) Arbeitsbedarf mehr hat. Die Unternehmerentscheidung kann eine Umstrukturierung, ein Outcourcing oder auch eine Betriebsstilllegung sein. Vor Gericht kann der Arbeitnehmer z.B. einwenden, dass er in einem anderen Betrieb des Arbeitgebers weiterbeschäftigt werden könnte, d.h. die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung an einem anderen Ort bringt eine betriebsbedingte Kündigung vor Gericht zu Fall.
Aber gilt das auch bei einer bei einer Weiterbeschäftigungsmöglichkeit im Ausland? Das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamburg, d.h. seine fünfte Kammer, meint nein (LAG Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11).
von Rechtsanwalt Sebastian Schroeder, Hamburg
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Hamburg
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Nach dem KSchG ist eine betriebsbedingte Kündigung unwirksam, wenn der Arbeitnehmer an einem anderen Arbeitsplatz in demselben Betrieb oder in einem anderen Betrieb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden kann (§ 1 Abs.2 Satz 2 Nr.1 b) KSchG). Dass diese Weiterbeschäftigungsmöglichkeit in Deutschland bestehen muss, sagt das Gesetz nicht ausdrücklich.
Allerdings ist das Bundesarbeitsgericht (BAG) bislang dieser Meinung, v.a. mit dem Argument, man könne ausländischen Betrieben nicht das deutsche Arbeitsrecht aufzwingen (BAG, Urteil vom 26.03.2009, 2 AZR 883/07). Das ist aber nicht sehr überzeugend, da mit dem KSchG keine Beschäftigung im Ausland erzwungen werden soll, sondern nur die Frage geklärt wird, ob eine in Deutschland ausgesprochene Kündigung wirksam ist oder nicht. Außerdem wird der Arbeitgeber die Behauptung, der Arbeitnehmer könne im Ausland weiter beschäftigt werden, meist mit praktischen Überlegungen entkräften können.
Das LAG Hamburg hat sich dem BAG angeschlossen und die Klage einer Airlines-Angestellten abgewiesen (LAG Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11). Ihr Arbeitgeber, eine ungarische Fluggesellschaft, hatte allen in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmern gekündigt, um die in Deutschland anfallenden Arbeiten künftig von Budapest aus zu erledigen. Die Arbeitnehmerin hatte sich darauf berufen, es sei der Airlines möglich, sie in Budapest weiter zu beschäftigen. Das ließ das LAG Hamburg nicht gelten. Denn das KSchG, so das LAG, ist nur auf in Deutschland liegende Betriebe anzuwenden.
Damit widerspricht das LAG Hamburg bzw. seine fünfte Kammer einem aktuellen Urteil der ersten Kammer des LAG Hamburg (Urteil vom 22.03.2011, 1 Sa 2/11). Die erste Kammer hatte einen Parallelfall, bei dem es um dieselbe ungarische Airlines ging, zugunsten eines gekündigten Arbeitnehmers entschieden. Denn das KSchG, so die erste Kammer des LAG Hamburg, erfasst nicht nur Betriebe in Deutschland.
Fazit: Über die beiden gegensätzlichen Urteile des LAG Hamburg wird demnächst das BAG entscheiden und dabei u.U. seine Rechtsprechung ändern. Immerhin hat das BAG vor kurzem entschieden, dass eine Betriebsverlagerung ins Ausland ein Betriebsübergang im Sinne von § 613a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) sein kann - mit der Folge, dass dem ausländischen Betriebserwerber der Fortbestand der deutschen Arbeitsverhältnisse zugemutet wird (BAG, Urteil vom 26.05.2011, 8 AZR 37/10). Wenn aber § 613a BGB an den Grenzen nicht Halt macht, wieso dann das KSchG? Arbeitnehmern, die betriebsbedingt gekündigt werden, ist bei einer Weiterbeschäftigungsmöglichkeit im Ausland derzeit zur Kündigungsschutzklage raten.
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Letzte Überarbeitung: 2. März 2012
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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