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Arbeitsrecht aktuell: 12/055 Kündigungsschutz - Auslandsvertrag zählt bei Wartezeit mit




Beschäftigungszeiten auf Basis eines ausländischem Arbeitsvertrags werden auf die Kündigungsschutz-Wartezeit angerechnet

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10

03.02.2012. Kündigungsschutz auf der Grundlage des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG) können Arbeitnehmer erst in Anspruch nehmen, wenn sie mehr als sechs Monate in demselben Betrieb oder Unternehmen beschäftigt sind. Vor Ablauf dieser sechsmonatigen Wartezeit kann der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer auch ohne Kündigungsgrund kündigen.

Bislang noch nicht klar entschieden ist die Frage, ob die Wartezeit des § 1 Abs.1 KSchG auch erfüllt ist, wenn der Arbeitnehmer zwar länger als sechs Monate bei demselben Arbeitgeber beschäftigt ist, dabei aber zunächst auf der Grundlage eines Arbeitsvertrages, der ausländischem Recht unterliegt. Anders gesagt: Zählen ausländische Arbeitsverträge mit, wenn es um die Wartezeit für den gesetzlichen Kündigungsschutz geht? Diese Frage hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einer aktuellen Entscheidung geklärt (BAG, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10).

Im Streitfall hatte eine lettische Bank im April 2008 für ihre Münchner Zweigstelle einen Filialleiter auf Grundlage eines Arbeitsvertrages eingestellt, der sich nach lettischem Recht richtete. Im Juni wurde dieser lettische Arbeitsvertrag aufgehoben (an einem Freitag) und wenige Tage später (am nächsten Montag) ein neuer Arbeitsvertrag nach deutschem Recht abgeschlossen. Im Dezember kündigte die Bank dann das „neue“ Arbeitsverhältnis unter Hinweis auf eine vertragliche vereinbarte Probezeit. Außerdem berief sich die Bank darauf, dass das KSchG gar nicht anwendbar sei, da ja die sechsmonatige gesetzliche Wartezeit noch nicht abgelaufen sei.

Mit seiner Kündigungsschutzklage hatte der Filialleiter in der ersten Instanz keinen Erfolg. Das Arbeitsgericht Berlin meinte nämlich, dass das lettische Arbeitsverhältnis für die Wartezeit keine Rolle spiele. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (Urteil vom 06.10.2009, 7 Sa 569/09) entschied dagegen zugunsten des Filialleiters, da es seiner Meinung nach nur auf das Bestehen eines Arbeitsverhältnisses für mehr als sechs Monate ankommt, nicht aber auf die Frage, ob diese Wartezeit teilweise unter Geltung eines ausländischen Vertragsrechts zurückgelegt wurde. Und zusammengerechnet war der Filialleiter von April bis Dezember 2008 und damit seit mehr als sieben Monaten beschäftigt (wir berichteten darüber in: Arbeitsrecht aktuell 10/061 Kündigungsschutz durch ausländisches Arbeitsverhältnis).

Die pro Arbeitnehmer ergangen LAG-Entscheidung hat das BAG nunmehr bestätigt. Denn der Zweck der sechsmonatigen Wartzeit besteht darin, dem Arbeitgeber Zeit zu geben, den Arbeitnehmer näher kennenzulernen und ihn einschätzen zu können. Dies ist dem Arbeitgeber aber auch auf Grundlage eines Arbeitsverhältnisses nach ausländischem Recht möglich. Somit galt im Streitfall das KSchG, und da die Bank keine Kündigungsgründe vorweisen konnte, war die Kündigung unwirksam.

Fazit: Das Urteil des BAG ist zurecht pro Arbeitnehmer ergangen, da sich der Regelung des § 1 Abs.1 KSchG kein Anhaltspunkt dafür entnehmen lässt, dass nur Beschäftigungszeiten auf der Grundlage von Arbeitsverträgen zählen, die deutschem Arbeitsrecht unterliegen. Entscheidend ist allein, ob der zuletzt gekündigte Vertrag deutschem Recht unterliegt. Ist das der Fall, muss der Arbeitgeber damit leben, dass es gemäß § 1 Abs.1 KSchG nur auf die Gesamtdauer der Beschäftigung ankommt.

Im Ergebnis hat das BAG damit den Kündigungsschutz von Arbeitnehmern multinationaler Unternehmen gestärkt. Gekündigten Arbeitnehmern ist zu raten, sich nicht vorschnell von einer vertraglich vereinbarten Probezeit entmutigen zu lassen, sondern zunächst einmal überprüfen zu lassen, wie es mit der gesetzlichen Wartezeit steht.

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Letzte Überarbeitung: 19. März 2012

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Arbeitsrecht aktuell:


Berlin, 22.05.2012
Konkurrentenklage:

Mit Konkurrentenklage rechtswidrige Stellenbesetzung verhindert

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11

Berlin, 19.05.2012
Teilzeitanspruch:

Arbeitszeitverringerung im Eilverfahren

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11

Berlin, 17.05.2012
Outsourcing:

Tarifvertrag und Betriebsübergang

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10

Berlin, 17.05.2012
Öffentlicher Dienst:

Leistungsentgelt gemäß § 18 TVöD

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11

München, 16.05.2012
Altersversorgung:

Betriebliche Übung und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11

Hannover, 15.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung bei Krankheit

Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11

Frankfurt, 14.05.2012
Leiharbeit:

Für Leiharbeitsfirmen werden die CGZP-Tarifverträge teuer

Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER

Berlin, 12.05.2012
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Rettungszweckverband

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10

Köln, 09.05.2012
Whistleblowing:

Fristlose Kündigung wegen Strafanzeige

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11

Köln, 08.05.2012
Lohnrückzahlung:

Gehaltsüberzahlung bei Überstundenvergütung

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11

München, 07.05.2012
Kündigungsschutzklage:

LAG München zu Kündigungsschutzklage und Rücknahme der Kündigung

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10

Frankfurt, 04.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit auch für Beamte

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel

Köln, 03.05.2012
Korruption:

Kündigung - Schmiergeld als Kündigungsgrund

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

Köln, 02.05.2012
Kündigung und Krankheit:

Arbeitsgericht Trier: Kündigung nach Krankmeldung als Maßregelung

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11

Köln, 30.04.2012
Fristlose Kündigung:

Betriebsrat - Fristlose Kündigung und trotzdem im Amt?

Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11

Frankfurt, 25.04.2012
Urlaubsabgeltung:

Urlaubsabgeltung nach Krankheit und Verfallfrist

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10

Köln, 24.04.2012
Diskriminierungsschutz:

Geschäftsführer und Altersdiskriminierung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

Frankfurt, 23.04.2012
Fristlose Kündigung:

Kündigung wegen Stalkings

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11

Hamburg, 20.04.2012
Lohnuntergrenzen:

Mindestlohn gemäß Arbeitnehmer-
Entsendegesetz (AEntG)

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10

Hamburg, 20.04.2012
Diskriminierung:

Auskunftsanspruch des abgelehnten Stellenbewerbers?

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)

Hannover, 18.04.2012
Gleichbehandlung:

Altersteilzeit und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10

Hamburg, 13.04.2012
Kündigungsschutzklage:

Anfechtung eines Vergleichs nur im Ausnahmefall

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

Stuttgart, 12.04.2012
Änderungskündigung:

Abmahnung vor Änderungskündigung

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11

Köln, 28.03.2012
Ermahnung:

Entfernung einer Ermahnung aus der Personalakte

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11

Frankfurt, 26.03.2012
Mitarbeitergespräche:

Mitbestimmung des Betriebsrates bei Mitarbeiterjahresgesprächen

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11

Berlin, 22.03.2012
Massenentlassungsanzeige

Massenentlassung und Stellungnahme des Betriebsrats

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10

Berlin, 21.03.2012
Gleicher Urlaub:

Urlaub nach Alter ist eine Diskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10

Berlin, 18.03.2012
Änderungskündigung:

Fallstricke bei betriebsbedingter Änderungskündigung wegen Betriebsschließung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11

Berlin, 16.03.2012
Bewerberdiskriminierung

Diskriminierung - Frist zur Forderung von Entschädigung rechtens

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11

Berlin, 15.03.2012
Urlaubsrecht:

Kein Urlaubsverfall bei günstigem Arbeitsvertrag

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10