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Arbeitsrecht aktuell: 04/05 Arbeitsvertrag: Formularmäßige Vertragsstrafen bei Nichtantritt des Dienstes
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Vertragsstrafe bei einer Kündigung vor Dienstantritt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 04.03.2004, 8 AZR 196/03
Mit dem Schuldrechtsmodernisierungsgesetz sind die Vorschriften des "Gesetzes zur Regelung des Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedingungen" (AGB-Gesetz) zum 01.01.2002 in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingefügt worden.
Die Vorschriften des AGB-Gesetzes bzw. die jetzt in §§ 305 bis 310 BGB enthaltenen Regelungen bezwecken in erster Linie den Schutz des Verbrauchers vor unangemessenen Vertragsbedingungen, die der andere Vertragsteil bei Abschluß des Vertrags stellt, d.h. den Schutz des Verbrauchers vor dem "Kleingedruckten".
Nach wie vor diskutiert wird die Frage, ob vor dem Hintergrund der Schuldrechtsmodernisierung Vertragsstrafen noch zulässig sind. Nun hatte das Bundesarbeitsgericht (BAG) die Möglichkeit sich zur Zulässigkeit derartiger Abreden zu äußern.
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
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Mit der Übernahme des AGB-Rechts in das BGB zum 01.01.2002 wurde erstmals auch geregelt, daß diese Verbraucherschutzvorschriften im allgemeinen auch auf Arbeitsverträge anzuwenden sind, wobei allerdings "die im Arbeitsrecht geltenden Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen" sind (§ 310 Abs.4 Satz 2 BGB).
Vor diesem Hintergrund ist nunmehr klar, daß die vom Arbeitgeber vorformulierten Vertragsbedingungen im Arbeitsvertrag, d.h. das im Arbeitsvertrag enthaltene "Kleingedruckte", grundätzlich am Maßstab des AGB-Rechts, d.h. am Maßstab der §§ 305 ff. BGB zu messen sind.
In Rechtsprechung und Literatur besteht seit Anfang 2002 Streit darüber, ob Vertragsstrafenversprechen in vorformulierten Arbeitsverträgen noch zulässig sind. Dagegen spricht, daß gemäß § 309 Nr.6 BGB eine in Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthaltene Bestimmung unwirksam ist, wenn diese dem Verwender u.a. für den Fall, daß sich der andere Vertragsteil vom Vertrag löst, eine Vertragsstrafe verschafft.
Die Arbeitgeberin schloß mit der beklagten Arbeitnehmerin am 23.01.2002 einen Arbeitsvertrag. Danach sollte die Arbeitnehmerin ab dem 01.03.2002 für eine monatliche Bruttovergütung von 1.840,65 Euro als Fachverkäuferin tätig werden. In § 11 des Arbeitsvertrags war u.a. geregelt, daß sie eine Vertragsstrafe in Höhe eines Bruttomonatsentgelts zu zahlen habe, wenn sie ihr Arbeitsverhältnis nicht antrete oder sich von ihm vertragswidrig löse. Die Kündigung vor Dienstantritt war vertraglich ausgeschlossen. Für die Dauer der vereinbarten Probezeit betrug die Kündigungsfrist zwei Wochen.
Mit Schreiben vom 27.01.2002, d.h. über einen Monat vor Dienstantritt, teilte die Arbeitnehmerin mit, daß sie ihre Tätigkeit nicht aufnehmen werde. Mit der Klage macht die Arbeitgeberin die Vertragsstrafe geltend. Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht Hamm haben die Klage abgewiesen.
Das Bundesarbeitsgericht hat sich der Meinung der Vorinstanzen angeschlossen und die Abweisung der Klage auf Vertragsstrafe bestätigt.
In seiner Begründung stellt das Bundesarbeitsgericht zunächst klar, daß arbeitgeberseitig vorformulierte Vertragsstrafeversprechen nicht allgemein unzulässig sind. Insbesondere steht § 309 Nr.6 BGB solchen formularmäßigen Vereinbarungen nicht generell entgegen.
Gegen die allgemeine Unwirksamkeit arbeitgeberseitig vorformulierter Vertragsstrafeversprechen für den Fall eines Vertragsbruchs durch den Arbeitnehmer spricht nämlich folgende "Besonderheit des Arbeitsrechts": Arbeitnehmer können aufgrund spezieller arbeitsrechtlicher Rechtsvorschriften, d.h. aufgrund von § 888 Abs. 3 Zivilprozessordnung (ZPO), zur Erbringung der Arbeitsleistung weder durch Zwangsgeld noch durch Zwangshaft angehalten werden. Daher besteht nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts ein Bedürfnis zur Vereinbarung von Vertragsstrafen, mit denen die Vertragstreue des Arbeitnehmers abgesichert werden soll.
Allerdings sind arbeitgeberseitig vorformulierte Vertragsstrafenversprechen, die den Arbeitnehmer entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen, gemäß § 307 BGB unwirksam. Die Unangemessenheit kann daraus folgen, daß zwischen der Pflichtverletzung und der Höhe der Vertragsstrafe ein Mißverhältnis besteht. Nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts ist eine Vertragsstrafe in Höhe eines Monatsgehaltes, die für den Fall des Nichtantritts der Arbeit vereinbart wird, bei einer in der Probezeit geltenden Kündigungsfrist von nur zwei Wochen in der Regel zu hoch bzw. unangemessen.
Diese Überlegung führte zur Unwirksamkeit der Vertragstrafenregelung. Eine Herabsetzung ist nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts in einem solchen Fall nicht möglich.
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Letzte Überarbeitung: 10. Februar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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