|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 11/189 Befristung des Arbeitsvertrags: Der Sachgrund Haushaltsbefristung erlaubt keine jahrelange Kettenbefristung
|
 |

|
Die jahrelange Befristung von Arbeitsverträgen aufgrund von § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) verstößt gegen das Europarecht
Generalanwalt Jääskinen, Schlussanträge vom 15.09.2011, C-313/10 (Jansen)
|
28.09.2011. Im Jahr 1999 einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf EU-Ebene über eine „Rahmenvereinbarung über befristete Arbeitsverträge“, die anschließend in die Richtlinie 1999/70/EG übernommen wurde. Ein wichtiges Ziel der Rahmenvereinbarung bzw. der Richtlinie 1999/70/EG ist es, den Missbrauch von befristeten Arbeitsverträgen durch viele aufeinander folgende Zeitverträge („Kettenbefristung“) zu vermeiden.
Um einen solchen Missbrauch von Arbeitsvertragsbefristungen zu erreichen, können die EU-Mitgliedsstaaten Verlängerungen befristeter Arbeitsverträge nur im Falle eines „sachlichen Grund“ erlauben (§ 5 Nr. 1 a der Rahmenvereinbarung), wie dies in Deutschland geltendes Recht ist, und/oder sie können die insgesamt zulässige Höchstdauer befristeter Verträge und/oder die Höchstzahl von Vertragsverlängerungen eingrenzen.
In Deutschland setzt das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) diese EU-Vorgaben um. Allerdings fragt sich, ob die im TzBfG vorgesehene Möglichkeit der sog. Haushaltsbefristung den Anforderungen der Richtlinie 1999/70/EG entspricht.
von Rechtsanwalt Sebastian W. Kreuziger, Berlin
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Berlin
|
An sich enthält das TzBfG viele Beschränkungen der Befristung von Arbeitsverhältnissen: Es schreibt eine Obergrenze von zwei Jahren für Zeitverträge vor, die allerdings nur eingreift, wenn es keinen „sachlichen Grund“ für die Befristung gibt (§ 14 Abs.2-3 TzBfG). Darüber hinaus, d.h. bei einer längeren (Gesamt-)Dauer von zeitlich befristeten Verträgen, verlangt das TzBfG einen Sachgrund für die Befristung - dann aber gelten keine zeitlichen Höchstgrenzen. Das nutzen einige Arbeitgeber aus, vor allem im öffentlichen Dienst, um unter Berufung auf den Befristungsgrund der Vertretung eines anderen Arbeitnehmers (§ 14 Abs.1 Satz 2 Nr.3 TzBfG) und/oder der haushaltsrechtlichen Vorgaben (§ 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 TzBfG) Arbeitnehmer in langjährige Kettenbefristungen zu drängen.
Eine haushaltsrechtliche Befristung ist zulässig, wenn der Arbeitnehmer "aus Haushaltsmitteln vergütet wird, die haushaltsrechtlich für eine befristete Beschäftigung bestimmt sind, und er entsprechend beschäftigt wird“ (§ 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 TzBfG). Öffentliche Arbeitgeber können sich so mit ihren Haushaltsentscheidungen selbst Sachgründe für die Befristung von Arbeitsverhältnissen schaffen.
Viele Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst werden auf dieser Grundlage bis zu zehn Jahren und länger "in der Kette" befristet beschäftigt. Da liegt es nahe, dies als Missbrauch der Befristungsmöglichkeit anzusehen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) überprüfte aber solche Befristungsketten (bzw. die zuletzt vereinbarte Befristung einer solchen Kette) biser nicht strenger als andere Befristungen. Erst in letzter Zeit äußerte es Zweifel an seiner Rechtsprechung.
Auch das Landesarbeitstgericht (LAG) Köln hatte Bedenken und fragte daher den Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit Beschluss vom 13.04.2010 (7 Sa 1224/09), ob die angeblichen Sachgründe bei langjährigen Kettenbefristungen strenger als sonst überprüft werden müssen (wir berichteten in Arbeitsrecht aktuell: 10/140 Sind Kettenbefristungen aus Haushaltsgründen europarechtswidrig?). Ja, so jedenfalls der Generalanwalt beim EuGH Jääskinen in seinem Schlussanträgen in diesem Verfahren (Schlussanträge vom 15.09.2011, C-313/10, Jansen).
Die Justizangestellte Frau Jansen wurde seit 1997 beim Landgericht Köln beschäftigt - auf der Grundlage von acht (!) aufeinander folgenden befristeten Arbeitsverträgen in neun (!) Jahren. Kurz vor Ablauf ihrer letzten Befristung klagte sie auf Feststellung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses. Der Fall landete beim LAG Köln.
Das LAG setzte das Verfahren aus und bat den EuGH um eine Stellungnahme zu der Frage, ob die in Deutschland endlos zulässigen Kettenbefristungen aus Haushaltsgründen mit dem EU-Recht vereinbar sind. Diese Frage verneinte der Generalanwalt. Denn nur durch eine strengere Befristungskontrolle als bisher in Deutschland üblich kann der Missbrauch von Befristungen wirksam bekämpft werden, wie von der Richtlinie 1999/70/EG gefordert. Außerdem ist der Generalanwalt der Auffassung, dass die Richtlinie es nicht erlaubt, beim „sachlichen Grund“ zwischen privaten und öffentlichen Arbeitgebern zu unterscheiden.
Fazit: Sollte der EuGH - wie er das meistens tut - dem Entscheidungsvorschlag des Generalanwalts folgen, ist das deutsche Befristungsrecht künftig so anzuwenden, dass auch Kettenbefristungen aus Haushaltsgründen endlich ernsthaft auf Missbrauch hin geprüft werden. Möglicherweise muss die Haushaltsbefristung generell abgeschafft werden. Arbeitnehmern ist deshalb derzeit bei Auslaufen eines haushaltsrechtlich befristeten Arbeitsvertrags zu einer Entfristungsklage zu raten.
Nähere Informationen finden Sie hier:
Sie möchten regelmäßig die neuesten Fachartikel unserer Kanzlei zum Arbeitsrecht,
Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten?
Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter Arbeitsrecht!

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 1. November 2011
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
|
|
 |
|