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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/083

Kün­di­gung: An­hö­rung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (MAV) ge­mäß MA­VO

Der MAV in ka­tho­li­schen Ein­rich­tun­gen sind die Grün­de für ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung bei der An­hö­rung voll­stän­dig mit­zu­tei­len: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 26.10.2010, 12 Sa 936/10
Gesetzestext mit darauf liegendem Holzkreuz Grün­de für die Kün­di­gung müs­sen im An­hö­rungs­ver­fah­ren voll­stän­dig mit­ge­teilt wer­den
29.04.2011. Vor je­der Kün­di­gung müs­sen Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat an­hö­ren und da­bei al­le aus ih­rer Sicht wich­ti­gen Kün­di­gungs­grün­de mit­tei­len. Der Be­triebs­rat soll da­durch die Mög­lich­keit ha­ben, sich ei­ne ei­ge­ne Mei­nung zu bil­den. Des­we­gen ist ei­ne Kün­di­gung nicht nur un­wirk­sam, wenn die An­hö­rung über­haupt nicht statt­fin­det (§ 102 Abs. 1 Satz 3 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG), son­dern auch, wenn die Mit­tei­lung be­wusst un­voll­stän­dig ist.

Statt ei­nes Be­triebs­ra­tes gibt es in Ein­rich­tun­gen der ka­tho­li­schen Kir­che und der Ca­ri­tas ei­ne Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (MAV). De­ren Rech­te rich­ten sich nach der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tungs­ord­nung (MA­VO), ei­nem dem Be­trVG ähn­li­chen Re­ge­lungs­werk. Da­her ist die MAV vor Kün­di­gun­gen in ähn­li­cher Wei­se wie ein Be­triebs­rat an­zu­hö­ren. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ent­schied nun, ob die Re­geln des Be­triebs­ver­fas­sungs­rechts über ei­ne be­wusst un­voll­stän­di­ge und ir­re­füh­ren­de Mit­tei­lung auch für die MA­VO gel­ten (Ur­teil vom 26.10.2010, 12 Sa 936/10).

Ge­klagt hat­te ein Koch ge­gen sei­ne frist­lo­se ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung. Sein Ar­beit­ge­ber, ei­ne Ein­rich­tung des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des, hat­te der MAV bei der An­hö­rung nicht mit­ge­teilt, dass er sich ent­schul­digt hat­te. So­wohl das Ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 08.04.2010, 6 Ca 11038/09) als auch das LAG hiel­ten die Kün­di­gung des­halb für un­wirk­sam. Die Recht­spre­chung zu § 102 Be­trVG kann auf die MA­VO über­tra­gen wer­den, weil sich die Re­ge­lun­gen hin­rei­chend äh­neln, so das Ge­richt.

Fa­zit: Wie auch bei den Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tungs­ge­set­zen der evan­ge­li­schen Kir­che und ih­rer Dia­ko­ni­en kann bei der Aus­le­gung der ka­tho­li­schen MA­VO auf die Recht­spre­chung zum Be­trVG zu­rück­ge­grif­fen wer­den. Das ist für die An­wen­dung der MA­VO wich­tig, weil das Recht der Kir­chen nach wie vor nicht so stark sys­te­ma­ti­siert ist wie das welt­li­che Recht. Für ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer be­deu­tet die­ses Ur­teil, dass sie sich bei ih­rer In­ter­es­sen­ver­tre­tung nach dem In­halt der An­hö­rung er­kun­di­gen soll­ten.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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