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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/141

An­hö­rung des Be­triebs­rats vor Kün­di­gung

An­hö­rung des Be­triebs­rats vor Kün­di­gung im Ge­mein­schafts­be­trieb: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 132/10
Betriebsratsbüro Betriebsratsbeschluss Mit­be­stim­mung bei Kün­di­gung: Vor­sicht ist bes­ser als Nach­sicht

22.07.2011. Oh­ne vor­he­ri­ge An­hö­rung des Be­triebs­ra­tes ist ei­ne Kün­di­gung des Ar­beit­ge­bers un­wirk­sam (§ 102 Abs. 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Die­se Re­gel ist so wich­tig, dass sie aus­nahms­los gilt. Frag­lich ist aber manch­mal, wel­cher Be­triebs­rat ei­gent­lich an­ge­hört wer­den muss. So kom­men bei ei­nem Un­ter­neh­men, das Ar­beit­neh­mer ei­ner mit ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men ge­bil­de­ten ge­mein­sa­men Ein­rich­tung zu­weist, gleich zwei Be­triebs­rä­te in Be­tracht, wenn die Ein­rich­tung ein ge­mein­sa­mer Be­trieb (Ge­mein­schafts­be­trieb) ist.

Klar ist, dass das „ent­lei­hen­de“ Un­ter­neh­men sei­nen Be­triebs­rat selbst dann an­hö­ren muss, wenn des­sen Wahl an­ge­foch­ten wird (vgl. § 19 Be­trVG), weil er bis zu ei­nem rechts­kräf­ti­gen Ge­richts­be­schluss in Amt und Wür­den bleibt. Ob das aber auch für ei­nen an­fecht­bar ge­wähl­ten Be­triebs­rat ei­nes nur ver­meint­li­chen Ge­mein­schafts­be­trie­bes gilt, muss­te kürz­lich das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) klä­ren (Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 132/10).

Die Stadt Frank­furt hat­te mit der ört­li­chen Ar­beits­agen­tur ei­ne ge­mein­sa­me Ein­rich­tung ge­bil­det, für die - als an­geb­li­chen Ge­mein­schafts­be­trieb - ein Be­triebs­rat ge­wählt wur­de. Spä­ter wur­de des­sen Wahl er­folg­reich an­ge­foch­ten. Zwi­schen­zeit­lich hat­te die Stadt ei­nem ih­rer dem Be­trieb zu­ge­wie­se­nen Ar­beit­neh­mer ge­kün­digt, da­bei je­doch nur ih­ren ei­ge­nen Per­so­nal­rat an­ge­hört. Das ge­nüg­te dem BAG (an­ders als zu­vor dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt - Ur­teil vom 18.12.20 09, 19/3 Sa 323/09).

Fa­zit: Wie sich aus der BAG-Pres­se­mit­tei­lung er­gibt, war hier ent­schei­dend, dass der an­geb­li­che ge­mein­sa­me Be­trieb nur auf dem Pa­pier stand und da­her nur die Stadt Ar­beit­ge­ber des Ge­kün­dig­ten war - und da­her bloß ih­ren Per­so­nal­rat an­hö­ren muss­te. Oh­ne­hin ist bei der Kün­di­gung von Leih­ar­beit­neh­mern im All­ge­mei­nen nur der Be­triebs­rat der Leih­ar­beits­fir­ma an­zu­hö­ren. Ar­beit­ge­ber mit kom­ple­xen Or­ga­ni­sa­tio­nen ist zu ra­ten, vor Kün­di­gun­gen al­le in Be­tracht kom­men­den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen an­zu­hö­ren.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. Juli 2016

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Dr. Simone Wernicke
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