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Arbeitsrecht aktuell: 11/239 Vertragsstrafe im Arbeitsvertrag: Zu hohe Strafen machen Klausel unwirksam
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LAG Niedersachsen erteilt zu hohen Vertragsstrafen in Arbeitsverträgen eine Absage
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 15.09.2011, 7 Sa 1908/10
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30.11.2011. Mit Vertragsstrafen wollen Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer dazu bringen, ihre arbeitsvertraglichen Pflichten einzuhalten. Dabei geht es vor allem um die Einhaltung von Kündigungsfristen, manchmal abe auch um die Respektierung eines nachvertraglichen Wettbewerbsverbots. Vertragsstraferegelungen sind praktisch immer Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) und werden daher von den Arbeitsgerichten streng kontrolliert.
An diese Vorgaben sollten sich Arbeitgeber deshalb halten, wenn sie ihre Vertragsklauseln formulieren. Andernfalls könnten sie so leer ausgehen wie der Arbeitgeber in einem kürzlich vom Landesarbeitsgericht Niedersachsen entschiedenen Fall (Urteil vom 15.09.2011, 7 Sa 1908/10).
von Rechtsanwältin Nina Lüking, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Hannover
Hensche Rechtsanwälte, Büro Hannover
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In einer Vertragsstrafenregelung verpflichtet sich der Arbeitnehmer, bei Verstößen gegen bestimmte Pflichten eine bestimmte Summe zu bezahlen. Meist geht es darum, die Pflicht zum pünktlichen Erscheinen bei der Arbeit oder die Einhaltung der Kündigungsfrist bei einer Eigenkündigung abzusichern. Die Höhe der Strafe orientiert sich deshalb auch meist an dem wirtschaftlichen Wert der Arbeitsleistung, d.h. am Bruttoeinkommen.
Finden sich Vertragsstrafen im Arbeitsvertrag wieder, sind sie in aller Regel vom Arbeitgeber einseitig vorformuliert und werden inhaltlich nicht verhandelt. Sie sind dann Allgemeine Geschäftsbedingungen bzw. AGB und müssen daher klar und verständlich sein. Außerdem sind in AGB enthaltene Vertragsstrafeklauseln nur wirksam, wenn sie den Arbeitnehmer nicht unangemessen benachteiligen (vgl. § 307 Bürgerliches Gesetzbuch).
Ob das der Fall ist, hängt davon ab, wie „wertvoll“ die mit der Strafe abgesicherte Pflicht ist. Geht es darum, dass der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses für einige Zeit keine Konkurrenz macht (Wettbewerbsverbot) und/oder bei dieser Gelegenheit nicht die Kunden des Arbeitgebers mitnimmt (Kunden- bzw. Mandantenschutzklausel), sind Beträge erlaubt, die weit über ein Bruttomonatsgehalt hinausgehen. Der Frage, welche finanzielle Grenze hier gezogen werden sollte, ging kürzlich das LAG Niedersachsen nach.
Ein angestellter Steuerberater hatte sich in einem vom Arbeitgeber vorformulierten Arbeitsvertrag verpflichtet, nach dem Ende seines Arbeitsverhältnisses zwei Jahre lang keine Mandanten seines Arbeitgebers zu übernehmen. Als Vertragsstrafe bei Verstößen war das Sechsfache der zuletzt mit dem Mandanten erzielten Jahresumsätze vorgesehen.
Es kam zum Streit über die Wirksamkeit dieser Vereinbarung, der vom Arbeitsgericht Hannover (Urteil vom 10.11.2010, 5 Ca 141/10) und vom LAG zu Gunsten des angestellten Steuerberaters entschieden wurde. Denn selbst beim Verkauf einer kompletten Steuerberaterkanzlei ist nur etwa das Doppelte der Jahresumsätze üblich. Nur zur Absicherung eines nachvertraglichen Wettbewerbsverbots mit einem Arbeitnehmer ein Vielfaches hiervon anzusetzen, erschien den Gerichten daher als unzulässige, einseitige Übersicherung.
Fazit: Die Vertragsstrafenvereinbarung war einseitig an den Interessen des Arbeitgebers ausgerichtet und daher als „unangemessene Benachteiligung“ des Arbeitnehmers unwirksam. Der Fall zeigt, dass Arbeitgeber realistische Vertragsstrafen vereinbaren sollten. Das sind nur Summen, die zum Gehalt des Arbeitnehmers passen und nicht irgendwelchen „Mondzahlen“.
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Letzte Überarbeitung: 12. Januar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hamburg, 24.05.2012 Fristlose Kündigung:
Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 23.05.2012, 2 Ca 2565/11
Frankfurt, 23.05.2012 TVöD-Mehrurlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.05.2012, 9 AZR 575/10
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
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