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BAG, Be­schluss vom 21.11.2017, 1 ABR 47/16

   
Schlagworte: Betriebsrat, Mitbestimmung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 1 ABR 47/16
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 21.11.2017
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 14.07.2015, 9 BV 30/14
Landesarbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 14.06.2016, 2 TaBV 2/16
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 47/16
2 TaBV 2/16
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ham­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
21. No­vem­ber 2017

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1. 

An­trag­stel­ler,

2. 

Be­schwer­deführe­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,

3. 

Be­schwer­deführe­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,

4. 

Be­schwer­deführer,

 

- 2 - 

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 21. No­vem­ber 2017 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt K. Schmidt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Hein­kel so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Stem­mer und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Spoo für Recht er­kannt:

1. Auf die Rechts­be­schwer­de der zu 2. und 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 14. Ju­ni 2016 - 2 TaBV 2/16 - in­so­weit auf­ge­ho­ben, als die Be­schwer­den der zu 2. und 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 14. Ju­li 2015 - 9 BV 30/14 - zurück­ge­wie­sen wor­den sind.

2. Auf die Be­schwer­den der zu 2. und 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin­nen wird der vor­ge­nann­te Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg in­so­weit ab­geändert, als den Anträgen des Be­triebs­rats ent­spro­chen wor­den ist.

Die Anträge des Be­triebs­rats wer­den ab­ge­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über ein Mit­be­stim­mungs­recht bei ei­ner kon­zern­wei­ten Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung.

Die zu 2. be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin (Herz­zen­trum) bie­tet als 100%ige Toch­ter­ge­sell­schaft des zu 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­bers (Uni­ver­sitätskli­ni­kum) die Dia­gnos­tik und The­ra­pie von Herz- und Kreis­lauf­er­kran­kun­gen an. In ih­rem Be­trieb ist der zu 1. be­tei­lig­te Be­triebs­rat gewählt. Das Uni­ver­sitätskli­ni­kum ist Kon­zer­no­ber­ge­sell­schaft für wei­te­re wis­sen­schaft­li­che und me­di­zi­ni­sche Toch­ter- und Ser­vice­ge­sell­schaf­ten. Bei ihm ist der zu 4. be­tei­lig­te Kon­zern­be­triebs­rat ge­bil­det.

Im Jahr 2015 fand auf der Grund­la­ge ei­nes Vor­stands­be­schlus­ses des Uni­ver­sitätskli­ni­kums - wie be­reits im Jahr 2012 - ei­ne kon­zern­wei­te Mit­ar­bei­te-

 

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rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung (Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015) statt, bei der die P gGmbH mit der Be­reit­stel­lung von Fra­ge­bo­gen und de­ren Aus­wer­tung be­auf­tragt war. Die in Pa­pier­form ge­hal­te­nen und nach Be­ant­wor­tung an­onym an die P gGmbH zurück­zu­sen­den­den Fra­ge­bo­gen wur­den vom Geschäfts­be­reich Qua­litäts­ma­nage­ment und kli­ni­sches Pro­zess­ma­nage­ment des Uni­ver­sitätskli­ni­kums per Post an die Kon­zern­mit­ar­bei­ter ver­schickt, nach­dem der Geschäfts­be­reich Per­so­nal, Recht und Or­ga­ni­sa­ti­on des Uni­ver­sitätskli­ni­kums die Beschäftig­ten­adres­sen zur Verfügung ge­stellt hat­te. Hier­zu war vom Geschäfts­be­reich Qua­litäts­ma­nage­ment und kli­ni­sches Pro­zess­ma­nage­ment ua. mit­ge­teilt:

„Rück­schlüsse auf ein­zel­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sind nicht möglich. Die Aus­wer­tung fin­det nur in zu­sam­men­ge­fass­ter Form statt. So sind auch kei­ne Rück­schlüsse auf Grup­pen mit we­ni­ger als zehn Per­so­nen möglich. Die Teil­nah­me ist frei­wil­lig. Die Fra­gebögen ver­blei­ben beim P. Drei Mo­na­te nach Be­rich­ter­stel­lung wer­den die Fra­gebögen ver­nich­tet. Das [Uni­ver­sitätskli­ni­kum] hat kei­ner­lei Möglich­keit die Fra­gebögen zu sich­ten. Die Roh­da­ten lie­gen dem [Uni­ver­sitätskli­ni­kum] nicht vor.

Mit der Be­fra­gung sol­len ins­be­son­de­re fol­gen­de Zie­le ver­folgt wer­den:

1. In­tern: Die Be­fra­gung soll zei­gen, ob um­ge­setz­te Maßnah­men aus der Vorgänger­be­fra­gung 2012 so­wie An­ge­bo­te aus dem Be­reich ... Verände­run­gen der Ar­beits­zu­frie­den­heit der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nach sich ge­zo­gen ha­ben.

2. In­tern: Die Be­fra­gung soll Hand­lungs­be­dar­fe insb. auf fol­gen­de Per­spek­ti­ven hin iden­ti­fi­zie­ren um ggf. Ver­bes­se­rungs­maßnah­men ab­lei­ten zu können:

l Führungs- und Un­ter­neh­mens­kul­tur bzw. Verhält­nis zu di­rek­ten Vor­ge­setz­ten
l Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Frei­zeit ...
l Be­trieb­li­ches Ge­sund­heits­ma­nage­ment ...
l (In­ter­dis­zi­plinäre/In­ter­pro­fes­sio­nel­le) Zu­sam­men­ar­beit
l Be­din­gun­gen der Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung

3. Ex­tern: Die Mit­ar­bei­te­rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung soll außer­dem als Chan­ce ge­nutzt wer­den das [Uni­ver­sitätskli­ni­kum] als at­trak­ti-

 

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ven Ar­beit­ge­ber zu po­si­tio­nie­ren. Fra­ge­bo­gen

Im An­hang fin­det sich der Ent­wurf des Fra­ge­bo­gens. Wie 2012 ist es der leicht mo­di­fi­zier­te Stan­dard­fra­ge­bo­gen des P.“

Im In­tra­net des Uni­ver­sitätskli­ni­kums war außer­dem aus­zugs­wei­se ver­laut­bart:

„Die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 wird an­onym durch­geführt. Das heißt, es können (und sol­len) kei­ne Rück­schlüsse auf ein­zel­ne Per­so­nen ge­zo­gen wer­den.

Die Fra­gebögen wer­den nach dem Ausfüllen von den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern di­rekt an das P gGmbH ge­schickt. Das [Uni­ver­sitätskli­ni­kum] be­kommt die Fra­gebögen nicht zu se­hen. Die Fra­gebögen sind in kei­ner Wei­se mar­kiert. Al­le Mit­ar­bei­ter er­hal­ten ei­nen iden­ti­schen Fra­ge­bo­gen. Auch die so­ge­nann­ten Roh­da­ten blei­ben beim P. Das [Uni­ver­sitätskli­ni­kum] erhält le­dig­lich zu­sam­men­ge­fass­te Aus­wer­tun­gen. Aus die­sen Aus­wer­tun­gen ist es nicht möglich zu schließen, was ei­ne ein­zel­ne Per­son ge­ant­wor­tet hat.“

Die über 100 Fra­gen des stan­dar­di­sier­ten Fra­ge­bo­gens wa­ren in meh­re­re The­men­kom­ple­xe ge­glie­dert (ua. „Ih­re Ar­beits­um­ge­bung“, „Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen“, „Kran­ken­haus­lei­tung und Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung“ und „In­ter­ne Or­ga­ni­sa­ti­on und Zeit­ma­nage­ment“) und ent­hiel­ten - bis auf zwei Fra­gen mit Frei­text­fel­dern - vor­ge­ge­be­ne, an­zu­kreu­zen­de Ant­wortalter­na­ti­ven (et­wa „Sel­ten/ Hin und wie­der/Meis­tens/Im­mer“ oder „Sehr zu­frie­den/Zu­frie­den/Un­zu­frie­den/ Sehr un­zu­frie­den“ oder „Sehr gut/Gut/Mit­telmäßig/Schlecht“). Auf der Grund­la­ge der Aus­wer­tung der 2012 durch­geführ­ten Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung wa­ren in ei­ni­gen kon­zern­an­gehöri­gen Un­ter­neh­men kon­kre­te Maßnah­men er­grif­fen wor­den, nicht je­doch im Herz­zen­trum.

Auf An­trag des Be­triebs­rats er­ließ das Ar­beits­ge­richt Ham­burg am 23. De­zem­ber 2014 ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung, mit der dem Herz­zen­trum auf­ge­ge­ben wur­de, das Uni­ver­sitätskli­ni­kum an­zu­wei­sen, die Durchführung und Aus­wer­tung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer des Herz­zen­trums zu un­ter­las­sen, so­lan­ge der Be­triebs­rat dem nicht zu­ge­stimmt

 

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ha­be oder sei­ne Zu­stim­mung er­setzt sei. Die Be­fra­gung un­ter­blieb dar­auf­hin im Herz­zen­trum.

Der Be­triebs­rat hat in dem vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren sein Be­geh­ren auch in der Haupt­sa­che ver­folgt. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ha­be hin­sicht­lich der streit­be­fan­ge­nen Maßnah­me ein im We­ge der an­ge­brach­ten Haupt-, je­den­falls aber Hilfs­anträge zu si­chern­des Mit­be­stim­mungs­recht. Bei der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 han­de­le es sich ins­ge­samt - zu­min­dest aber bei be­stimm­ten Fra­gen - um ei­ne Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung bzw. ei­ne Maßnah­me des Ge­sund­heits­schut­zes und darüber hin­aus um ei­nen mit­zu­be­stim­men­den Per­so­nal­fra­ge­bo­gen. Sei­nem Mit­be­stim­mungs­recht stünde nicht ent­ge­gen, dass die Be­fra­gung nicht durch das Herz­zen­trum, son­dern im Auf­trag des Uni­ver­sitätskli­ni­kums durch die P gGmbH durch­geführt wer­de. Es kom­me nicht dar­auf an, von wem die Maßnah­me aus­ge­he, son­dern wel­che Aus­wir­kun­gen sie im Herz­zen­trum ha­be. Das Mit­be­stim­mungs­recht des ört­li­chen Be­triebs­rats lie­fe an­dern­falls in Kon­zer­nen leer.

Der Be­triebs­rat hat zu­letzt be­an­tragt,

1. der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, den zu 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber an­zu­wei­sen, die Durchführung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung auf der Grund­la­ge des als An­la­ge Ast 14 über­reich­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­fra­ge­bo­gens 2015 der P gGmbH, hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin - mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten - zu un­ter­las­sen, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats hier­zu er­teilt bzw. durch den Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist;

2. der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, den zu 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber an­zu­wei­sen, die Aus­wer­tung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung auf der Grund­la­ge des als An­la­ge Ast 14 über­reich­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­fra­ge­bo­gens 2015 der P gGmbH, hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin - mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten - zu un­ter­las­sen, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats hier­zu er­teilt bzw. durch den Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist;

hilfs­wei­se

 

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3. der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, den zu 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber an­zu­wei­sen, die Durchführung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung auf der Grund­la­ge des als An­la­ge Ast 14 über­reich­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­fra­ge­bo­gens 2015 der P gGmbH, hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin - mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten - im Hin­blick auf die Fra­gen 1 - 13, 19 - 22, 24, 35, 38, 42, 43, 45 - 48, 50 - 52, 54 - 56, 66 - 72, 74 - 79 so­wie 84 - 86 zu un­ter­las­sen, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats hier­zu er­teilt bzw. durch den Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist;

4. der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, den zu 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber an­zu­wei­sen, die Aus­wer­tung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung auf der Grund­la­ge des als An­la­ge Ast 14 über­reich­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­fra­ge­bo­gens 2015 der P gGmbH, hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin - mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten - im Hin­blick auf die Fra­gen 1- 13, 19 - 22, 24, 35, 38, 42, 43, 45 - 48, 50 - 52, 54 - 56, 66 - 72, 74 - 79 so­wie 84 - 86 zu un­ter­las­sen, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats hier­zu er­teilt bzw. durch den Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist;

höchst hilfs­wei­se

5. fest­zu­stel­len, dass der Be­triebs­rat vor Durchführung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung auf der Grund­la­ge des als An­la­ge Ast 14 über­reich­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen- und Mit­ar­bei­ter­fra­ge­bo­gens 2015 der P gGmbH, hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter der zu 2. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­be­rin - mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten - zu be­tei­li­gen ist.

Herz­zen­trum und Uni­ver­sitätskli­ni­kum ha­ben be­an­tragt, die Anträge ab­zu­wei­sen. Sie ha­ben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 sei nicht mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Sie die­ne al­lein der Mo­ti­va­ti­ons­for­schung. Es ge­he dar­um, all­ge­mein die Zu­frie­den­heit der Mit­ar­bei­ter zu er­mit­teln, ei­nen Ver­gleich der Mit­ar­bei­ter­zu­frie­den­heit mit an­de­ren Kli­ni­ken her­zu­stel­len und das Uni­ver­sitätskli­ni­kum als at­trak­ti­ven Ar­beit­ge­ber zu po­si­tio­nie­ren.

 

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Das Ar­beits­ge­richt hat den Kon­zern­be­triebs­rat als Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten an­gehört. Des­sen Anträge, mit de­nen er ein in sei­ne Zuständig­keit fal­len­des Mit­be­stim­mungs­recht bei der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 und bei die­ser we­sens­glei­chen Maßnah­men re­kla­miert hat, hat es ab­ge­wie­sen, während es den Haupt­anträgen des Be­triebs­rats ent­spro­chen hat. Die da­ge­gen ge­rich­te­ten Be­schwer­den des Herz­zen­trums und Uni­ver­sitätskli­ni­kums so­wie des Kon­zern­be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen. Mit der nur vom Herz­zen­trum und Uni­ver­sitätskli­ni­kum er­ho­be­nen Rechts­be­schwer­de ver­fol­gen die­se ihr Ziel der An­trags­ab­wei­sung wei­ter.

B. Die zulässi­ge Rechts­be­schwer­de hat Er­folg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de des Herz­zen­trums und des Uni­ver­sitätskli­ni­kums ge­gen die den (Haupt-)Anträgen zu 1. und 2. des Be­triebs­rats statt­ge­ben­de ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung zu Un­recht zurück­ge­wie­sen. Dem Be­triebs­rat steht das mit den (Haupt-)Anträgen zu 1. und 2. re­kla­mier­te Recht nicht zu. Das gilt gleich­falls für die dem Se­nat zur Ent­schei­dung an­fal­len­den (Hilfs-)Anträge zu 3. und 4. so­wie den Fest­stel­lungs­an­trag. Die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 un­ter­liegt nicht der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats.

I. Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­ber ist zulässig. Ins­be­son­de­re genügt ih­re Be­gründung den An­for­de­run­gen des § 94 Abs. 2 Satz 2 ArbGG. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­triebs­rats setzt sie sich mit den Gründen der an­ge­foch­te­nen Be­schwer­de­ent­schei­dung hin­rei­chend aus­ein­an­der. Ih­re in­halt­li­che Nähe zur Be­schwer­de­be­gründung be­ruht dar­auf, dass die Be­gründung der lan­des­ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ih­rer­seits der des ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schlus­ses ent­spricht. Von ei­nem Rechts­mitt­elführer kann je­doch kei­ne wei­ter­ge­hen­de Be­gründungs­tie­fe ver­langt wer­den als je­ne, die die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung auf­weist.

II. Der Kon­zern­be­triebs­rat ist als Be­tei­lig­ter auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren zu hören, § 83 Abs. 3 ArbGG. Zwar ist das von ihm be­an­spruch­te Mit­be­stim­mungs­recht rechts­kräftig ab­er­kannt, weil er ge­gen die Zurück­wei­sung sei­ner Be­schwer­de ge­gen den sei­ne Anträge ab­wei­sen­den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss kei­ne Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt hat. Al­ler­dings berührt ei­ne Ent-

 

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schei­dung über die Anträge des Be­triebs­rats nach wie vor sei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung, weil Herz­zen­trum und Uni­ver­sitätskli­ni­kum - soll­te die ver­fah­rens­ge­genständ­li­che An­ge­le­gen­heit mit­be­stim­mungs­pflich­tig sein - sei­ne Zuständig­keit wei­ter ein­ge­wandt ha­ben.

III. Die Rechts­be­schwer­de ist be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben den Haupt­anträgen des Be­triebs­rats - mit de­nen die­ser im pro­zes­sua­len Sinn nur ein Be­geh­ren ver­folgt - zu Un­recht ent­spro­chen.

1. Die Anträge zu 1. und 2. sind zulässig, bedürfen aber der Aus­le­gung.

Mit ih­nen hat der Be­triebs­rat der Sa­che nach nur ei­nen Ver­fah­rens­ge­gen­stand an­ge­bracht. Nach der sprach­li­chen Fas­sung der Anträge be­an­sprucht er ein Recht auf An­wei­sung des Herz­zen­trums ge­genüber dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum, dass ei­ner­seits die Durchführung und an­de­rer­seits die Aus­wer­tung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer des Herz­zen­trums oh­ne sei­ne Zu­stim­mung un­ter­blei­ben. Wie der Be­triebs­rat im Ter­min zur Anhörung vor dem Se­nat klar­ge­stellt hat, geht es ihm bei dem mit dem Be­griff der „An­wei­sung“ aus­ge­drück­ten Be­geh­ren dar­um, dass das Herz­zen­trum das Uni­ver­sitätskli­ni­kum - ggf. schrift­lich - auf­for­dert, die bei der Kon­zer­no­ber­ge­sell­schaft geführ­ten Beschäftig­ten­da­ten nicht dafür zu nut­zen, die Fra­ge­bo­gen an die Mit­ar­bei­ter des Herz­zen­trums zu ver­sen­den. Die Ver­sen­dung ent­spricht - was ih­rer­seits die zu 2. und 3. be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber klar­ge­stellt ha­ben - der gewähl­ten Art und Wei­se der „Durchführung“ der Be­fra­gung. Der An­trag zu 2. hat kei­nen darüber hin­aus­ge­hen­den ei­genständi­gen In­halt. Der Be­triebs­rat hat das auf ei­ne An­wei­sung zum Un­ter­las­sen der „Aus­wer­tung“ der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 ge­rich­te­te Be­geh­ren auch auf Nach­fra­ge im Anhörungs­ter­min nicht näher kon­kre­ti­sie­ren können. Der Se­nat geht des­halb da­von aus, dass mit dem An­trag zu 2. le­dig­lich die mit dem An­trag zu 1. be­an­spruch­te Rechts­fol­ge ver­deut­licht und kein ei­genständi­ger pro­zes­sua­ler An­spruch ver­folgt wer­den soll.

2. Das an­ge­brach­te Be­geh­ren ist un­be­gründet. Der Be­triebs­rat hat kei­nen An­spruch auf ei­ne Ver­pflich­tung des Herz­zen­trums, ge­genüber dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum die streit­be­fan­ge­ne An­wei­sung zu täti­gen.

 

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a) Ein sol­cher An­spruch folgt nicht aus be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gründen. Es han­delt sich bei der er­streb­ten Ver­pflich­tung we­der um ei­ne der Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen­de - und in­so­fern ggf. in­itia­tiv­recht­lich durch­zu­set­zen­de - Maßnah­me, noch um ei­nen aus sons­ti­gen Be­tei­li­gungs­rech­ten fol­gen­den An­spruch des Be­triebs­rats. So­weit die­ser auf ein ihm nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG iVm. §§ 3 und 5 Ar­bSchG oder nach § 94 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG zu­ste­hen­des Mit­be­stim­mungs­recht ver­weist, ver­kennt er, dass die von ihm ver­lang­te Rechts­fol­ge - die Ausübung ei­ner An­wei­sungs­macht des Herz­zen­trums ge­genüber dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum - kei­ne Maßnah­me des Ge­sund­heits­schut­zes ist und auch kei­nen Per­so­nal­fra­ge­bo­gen dar­zu­stel­len ver­mag. So­weit er auf die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 an sich ab­hebt, ver­kennt er, dass er ei­nen An­spruch auf die Vor­nah­me ei­ner be­stimm­ten Hand­lung - die An­wei­sung - ge­genüber dem­je­ni­gen gel­tend macht, der nicht Maßnah­meträger ist. Der Be­triebs­rat rich­tet sein Be­geh­ren ge­gen das Herz­zen­trum; die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 ist aber ei­ne Maßnah­me des Uni­ver­sitätskli­ni­kums. Sie wird an­ge­sichts ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on und Aus­ge­stal­tung auch nicht durch das Herz­zen­trum und die an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men als je­weils de­ren Maßnah­me auf be­trieb­li­cher Ebe­ne um­ge­setzt. Schon aus die­sem Grund kann das mit den Haupt­anträgen ver­folg­te Be­geh­ren des Be­triebs­rats kei­nen Er­folg ha­ben.

b) Über­dies kann die be­an­spruch­te Rechts­fol­ge nicht auf da­ten­schutz­recht­li­che Erwägun­gen gestützt wer­den. Da­bei kann auf sich be­ru­hen, ob das vom Be­schwer­de­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne Zweck­bin­dungs­ge­bot von im Zu­sam­men­hang mit Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen er­ho­be­nen Da­ten (vgl. da­zu zB BGH 20. Ja­nu­ar 2015 - VI ZR 137/14 - zu II 2 b bb der Gründe) ei­ne Ver­pflich­tung des Herz­zen­trums, ge­genüber dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum an­wei­send tätig zu wer­den, über­haupt trägt. Je­den­falls könn­te der Be­triebs­rat vom Herz­zen­trum die Ausübung ei­ner sol­chen An­wei­sung nicht aus ei­ge­nem Recht ver­lan­gen, denn sie folg­te al­len­falls aus dem Persönlich­keits­recht der von der Ver­wen­dung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer. Die­ses höchst­persönli­che Recht ver­mit­telt kei­nen Gre­mi­en­an­spruch (vgl. da­zu auch BAG 4. De­zem­ber 2013 - 7 ABR 7/12 - Rn. 39). Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ver­kannt.

 

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IV. Die dem Se­nat da­mit zur Ent­schei­dung an­fal­len­den (Hilfs-)Anträge zu 3. und 4. sind gleich­falls un­be­gründet. Sie un­ter­schei­den sich von den Haupt­anträgen le­dig­lich da­hin­ge­hend, dass der Be­triebs­rat sein Be­geh­ren nicht auf den ge­sam­ten, der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 zu­grun­de lie­gen­den Fra­ge­bo­gen, son­dern auf ein­zel­ne dar­in ent­hal­te­ne Fra­gen und Fra­ge­kom­ple­xe be­zieht. Auch in­so­weit hat der Be­triebs­rat aber we­der aus be­triebs­ver­fas­sungs- noch aus da­ten­schutz­recht­li­chen Gründen ei­nen An­spruch ge­gen das Herz­zen­trum auf Vor­nah­me der be­gehr­ten An­wei­sung.

V. Der we­gen der Ab­wei­sung der Un­ter­las­sungs­haupt- und -hilfs­anträge dem Se­nat zur Ent­schei­dung an­fal­len­de Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig, aber un­be­gründet.

1. Der An­trag be­darf zur Be­stim­mung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des der Aus­le­gung. Nach sei­nem kla­ren Wort­laut be­zieht er sich nicht auf jeg­li­che, künf­tig ggf. ge­plan­te Mit­ar­bei­ter­be­fra­gun­gen, son­dern auf die kon­kre­te, 2015 un­ter­neh­mensüberg­rei­fend durch­geführ­te Be­fra­gung nach dem be­nann­ten Fra­gen­ka­ta­log. Der Be­triebs­rat re­kla­miert sei­ne Be­tei­li­gung dar­an al­lein ge­genüber dem Herz­zen­trum und nur be­zo­gen auf die Durchführung der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 in die­sem Un­ter­neh­men. Das hat er in der Anhörung vor dem Se­nat aus­drück­lich klar­ge­stellt. Er macht kein Recht gel­tend, die Maßnah­me mit dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum als Ver­hand­lungs­part­ner aus­zu­ge­stal­ten.

2. Der so ver­stan­de­ne An­trag ist zulässig. Die Maßnah­me, hin­sicht­lich de­rer der Be­triebs­rat ei­ne Mit­be­stim­mung be­an­sprucht, ist hin­rei­chend be­stimmt be­nannt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Mit der Ent­schei­dung steht fest, für wel­chen Vor­gang das Mit­be­stim­mungs­recht be­jaht oder ver­neint wor­den ist. Dem An­trag fehlt es nicht an dem von § 256 Abs. 1 ZPO ge­for­der­ten Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Es be­ste­hen kei­ne An­halts­punk­te, dass die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 im Herz­zen­trum mitt­ler­wei­le statt­ge­fun­den hat oder von ih­rer Durchführung endgültig Ab­stand ge­nom­men wäre.

3. Der An­trag ist un­be­gründet. Dem Be­triebs­rat steht kein Mit­be­stim­mungs­recht bei der streit­be­fan­ge­nen An­ge­le­gen­heit zu.

 

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a) Das folgt schon dar­aus, dass die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 kei­ne Maßnah­me des Herz­zen­trums ist, son­dern ei­ne des Uni­ver­sitätskli­ni­kums als Kon­zer­no­ber­ge­sell­schaft. Die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 - und das sieht auch der Be­triebs­rat - führt nicht das Herz­zen­trum, son­dern das Uni­ver­sitätskli­ni­kum durch. Sie wird auch nicht et­wa le­dig­lich vom Uni­ver­sitätskli­ni­kum vor­ge­ge­ben oder zen­tral ge­steu­ert und ih­re kon­kre­te Ausführung den kon­zern­an­gehöri­gen Un­ter­neh­men auf­ge­ge­ben oder über­las­sen. Wo aber nichts be­stimmt wird, ist auch nichts durch den Be­triebs­rat mit­zu­be­stim­men. Das ver­kennt der Ver­weis des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf die von ihm zi­tier­te Se­nats­recht­spre­chung, wo­nach sich der Ar­beit­ge­ber in mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten Drit­ten ge­genüber grundsätz­lich nicht in ei­ner Wei­se bin­den kann, die die Mit­re­ge­lungs­be­fug­nis des Be­triebs­rats fak­tisch aus­sch­ließen würde (vgl. da­zu auch BAG 30. Sep­tem­ber 2014 - 1 ABR 106/12 - Rn. 15 f. mwN). Das Herz­zen­trum hat kei­ne ei­ge­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis „aus­ge­la­gert“ oder sich der Kon­zern­spit­ze als „Drit­te“ zur Ausübung ei­ner (mit­be­stimm­ten) Maßnah­me be­dient. Eben­so ver­fehlt ist die Ar­gu­men­ta­ti­on des Be­triebs­rats, er könne das Mit­be­stim­mungs­recht be­an­spru­chen, weil es an­de­ren­falls bei ei­nem Kon­zern­sach­ver­halt wie dem vor­lie­gen­den leer­lie­fe. Es be­steht kei­ne mit­be­stim­mungs­recht­li­che Lücke. Die für al­le Kon­zern­un­ter­neh­men vor­ge­se­he­ne und kon­zep­tio­nell an ei­nen ein­heit­lich ge­stal­te­ten Stan­dard­fra­ge­bo­gen ge­knüpfte Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 un­ter­liegt - soll­te es sich um ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Maßnah­me han­deln - der Be­tei­li­gung des Kon­zern­be­triebs­rats. Das folgt dar­aus, dass nach der Kon­zep­ti­on des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes die Mit­be­stim­mung auf der Ebe­ne ein­setzt, auf der die Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz in der be­tref­fen­den An­ge­le­gen­heit liegt. Das ist im Streit­fall die Kon­zern­lei­tung.

b) Un­ge­ach­tet des­sen un­terfällt die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 we­der der Mit­be­stim­mung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG noch der nach § 94 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG.

aa) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG, wo­nach der Be­triebs­rat mit­zu­be­stim­men hat bei Re­ge­lun­gen über die Verhütung von Ar­beits­unfällen und Be­rufs­krank­hei­ten so­wie über den Ge­sund­heits­schutz im Rah­men

 

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der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten oder der Un­fall­verhütungs­vor­schrif­ten, lie­gen nicht vor.

(1) Der Be­triebs­rat ver­weist zu­tref­fend dar­auf, dass er dem Grun­de nach ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 5 Ar­bSchG hat (ausf. BAG 8. Ju­ni 2004 - 1 ABR 13/03 - zu B I 2 b bb der Gründe, BA­GE 111, 36). Ge­gen­stand der Mit­be­stim­mung ist, wie der Ar­beit­ge­ber die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung or­ga­ni­siert und durchführt. Der Be­triebs­rat ver­kennt aber, dass die streit­be­fan­ge­ne Maßnah­me ob­jek­tiv kei­ne Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist. Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung als In­stru­ment zur Be­ur­tei­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen (Pie­per Arb­schR 6. Aufl. § 5 Ar­bSchG Rn. 1a) dient der Über­prüfung, ob und ggf. wel­che Gefähr­dun­gen für die Beschäftig­ten mit ih­rer Ar­beit ver­bun­den sind. Durch sie ist zu er­mit­teln, wel­che Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes er­for­der­lich sind. Nach § 5 Abs. 2 Satz 1 Ar­bSchG ist die Be­ur­tei­lung je nach Art der Tätig­kei­ten vor­zu­neh­men; nach § 5 Abs. 2 Satz 2 Ar­bSchG genügt bei gleich­ar­ti­gen Be­din­gun­gen die Be­ur­tei­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ei­nes kon­kre­ten Ar­beits­plat­zes oder ei­ner kon­kre­ten Tätig­keit. Ei­ner sol­chen Ana­ly­se mögli­cher Gefähr­dun­gen genügt die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 für sich ge­se­hen nicht. Sie ließe schon we­gen der Frei­wil­lig­keit an ih­rer Teil­nah­me und ih­rer An­ony­mität, vor al­lem aber we­gen ih­res Kon­zern­be­zugs kei­ne orts­ge­bun­de­nen ar­beits­platz-, tätig­keits- bzw. ar­beits­be­reichs­be­zo­ge­ne Schlüsse über Ar­beits­be­din­gun­gen im Be­trieb des Herz­zen­trums zu. Ent­spre­chend würde das zum be­trieb­li­chen Ar­beits­schutz ver­pflich­te­te Herz­zen­trum al­lein mit der streit­be­fan­ge­nen Maßnah­me sei­ner Ver­pflich­tung zur Be­ur­tei­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen nach § 5 Ar­bSchG nicht genügen. Da­mit wird nicht ver­kannt, dass ei­ne Beschäftig­ten­be­fra­gung als Mit­tel der Gefähr­dungs­ana­ly­se in­fra­ge kom­men kann. Der Be­triebs­rat kann je­doch bei sei­ner Be­tei­li­gung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG iVm. § 5 Ar­bSchG auf ei­ne ent­spre­chen­de Be­fra­gung hin­wir­ken.

 

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(2) Die ar­beits­schutz­recht­li­chen Grund­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers nach § 3 Ar­bSchG tra­gen eben­so kein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG.

(a) Für ei­ne Mit­be­stim­mung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG iVm. § 3 Abs. 1 Satz 1 Ar­bSchG fehlt es am Vor­lie­gen von Gefähr­dun­gen, die ent­we­der fest­ste­hen oder im Rah­men ei­ner Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung fest­zu­stel­len sind (vgl. hier­zu BAG 28. März 2017 - 1 ABR 25/15 -). Über­dies ist die Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 kei­ne Maßnah­me des Ar­beits­schut­zes iSd. § 3 Abs. 1 Satz 1 Ar­bSchG.

(b) Die Rechts­pflicht zur Wirk­sam­keits­kon­trol­le nach § 3 Abs. 1 Satz 2 Ar­bSchG löst kei­ne Mit­be­stim­mung bei der streit­be­fan­ge­nen An­ge­le­gen­heit aus. Da­bei kann da­hin­ste­hen, in­wie­weit bei die­sem In­stru­ment der be­trieb­li­chen Selbst­kon­trol­le die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG eröff­net ist. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass auf der Grund­la­ge der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2012 im Herz­zen­trum kei­ne kon­kre­ten Maßnah­men er­grif­fen wor­den sind. Be­reits aus die­sem Grund kann die Be­fra­gung ob­jek­tiv kei­ner Kon­trol­le iSv. § 3 Abs. 1 Satz 2 Ar­bSchG im Herz­zen­trum die­nen.

bb) Sch­ließlich han­delt es sich bei dem im Zu­sam­men­hang mit der Mit­ar­bei­ter­be­fra­gung 2015 ver­wand­ten Stan­dard­fra­ge­bo­gen nicht um ei­nen nach § 94 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Per­so­nal­fra­ge­bo­gen. Die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nach § 94 Abs. 1 Be­trVG dient dem präven­ti­ven Schutz des Persönlich­keits­rechts des Ar­beit­neh­mers, so­weit die­ses durch Fra­gen des Ar­beit­ge­bers nach persönli­chen Verhält­nis­sen, Ei­gen­schaf­ten und Fähig­kei­ten be­ein­träch­tigt wer­den kann (vgl. BAG 9. Ju­li 1991 - 1 ABR 57/90 - zu B II 2 der Gründe mwN, BA­GE 68, 127). Ei­ne sol­che Be­ein­träch­ti­gung schei­det vor­lie­gend - un­ge­ach­tet der Fra­ge ei­ner aus­rei­chen­den An­ony­mi­sie­rung der Be­fra­gung - be­reits des­halb aus, weil die Teil­nah­me an der Mit­ar­bei­ter­be­fra-

 

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gung 2015 strikt frei­wil­lig aus­ge­stal­tet ist und es da­mit am Ar­beit­neh­mer liegt, ob und in wel­chem Um­fang er die ge­stell­ten Fra­gen be­ant­wor­tet oder nicht.

Schmidt
Hein­kel
K. Schmidt
Stem­mer
Si­byl­le Spoo

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