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LAG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 18.12.2008, 11 Sa 299/08

   
Schlagworte: Elternzeit: Teilzeit, Elternzeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Aktenzeichen: 11 Sa 299/08
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 18.12.2008
   
Leitsätze: Im Hinblick darauf, dass der/die Arbeitnehmer/in die Möglichkeit hat, die Inanspruchnahme von Elternzeit nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG unter die Bedingung der gleichzeitigen Zustimmung des Arbeitgebers zur beantragten Elternzeit zu stellen (BAG 15.04.2008 - 9 AZR 380/07 - Rz. 35 juris), kann er/sie im Falle der Ablehnung des Elternteilzeitwunsches nicht die Anpassung des dem Arbeitgeber mitgeteilten Elternzeitraums analog § 313 Abs. 1 BGB verlangen.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Essen, 26.09.2007 - 6 Ca 1828/07,
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, 15.12.2009 - 9 AZR 72/09
   


Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, 11 Sa 299/08


Te­nor: Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen om 26.09.2007 - 6 Ca 1828/07 - teil­wei­se ab­geändert:

Die Kla­ge wird ins­ge­samt ab­ge­wie­sen.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 26.09.2007 - 6 Ca 1828/07 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Kläge­rin.

Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin zu­ge­las­sen.

 

TAT­BESTAND: 1

Die Par­tei­en strei­ten über die Dau­er der El­tern­zeit der Kläge­rin und über de­ren Teil­zeit­beschäfti­gung während der El­tern­zeit.

2

Die am 05.04.1966 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Kläge­rin ist bei der Be­klag­ten bzw. ih­ren Rechts­vorgängern seit dem 01.05.1992 beschäftigt. Mit Wir­kung vom 01.01.2002 über­nahm sie auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 21.01.2002 die Po­si­ti­on der Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra.

3

Die Kläge­rin teil­te der Be­klag­ten im Jah­re 2006 mit, dass sie ein Kind er­war­te. We­gen der wei­te­ren Pla­nung des Ar­beits­verhält­nis­ses fan­den zwi­schen ihr und den Geschäftsführern der Be­klag­ten zwei Be­spre­chun­gen statt. Der In­halt der Gespräche, die nach An­ga­ben der Kläge­rin am 04.09.2006 und 22.09.2006 er­folg­ten, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Nach Be­haup­tung der Kläge­rin hat man ver­ein­bart, dass sie zwei Jah­re in El­tern­zeit ge­he und et­wa 6 Mo­na­te nach dem En­de der Mut­ter­schutz­frist in ih­rer bis­he­ri­gen Po­si­ti­on in Teil­zeit mit 20 Wo­chen­stun­den die Ar­beit wie­der auf­neh­men wer­de. Nach An­ga­ben der Be­klag­ten ließ die Kläge­rin sie in dem Glau­ben, dass sie - die Kläge­rin - nach der Mut­ter­schutz­zeit wie­der voll­zei­tig an ih­ren Ar­beits­platz zurück­keh­ren wer­de.

4

Am 20.10.2006 wur­de die Kläge­rin mit ei­nem von ihr für die Mit­ar­bei­ter des Stand­or­tes F. or­ga­ni­sier­tem Frühstück durch den Geschäftsführer der Be­klag­ten, Herrn E., in den Mut­ter­schutz ver­ab­schie­det. Er wies dar­auf hin, dass die Kläge­rin ja bald zurück­keh­ren wer­de. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten sind hin­sicht­lich der am 20.10.2006 ab­ge­ge­be­nen Erklärun­gen zwi­schen den Par­tei­en strei­tig.

5

Am 21.12.2006 ge­bar die Kläge­rin ih­ren Sohn, M. U. X.. Am 30.01.2007 be­gab sie sich in den Be­trieb der Be­klag­ten in F.. Am 31.01.2007 ging ein auf den 05.01.2007 da­tier­tes Schrei­ben der Kläge­rin bei der Be­klag­ten ein mit fol­gen­dem Wort­laut ein:

6
"An­mel­dung El­tern­zeit 7
Sehr ge­ehr­ter Herr K., sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren, 8

Am 21. De­zem­ber wur­de mein Sohn M. U. X. ge­bo­ren. Da­mit ein­her­ge­hend be­an­tra­ge ich wie mit Herrn C. E. und Ih­nen im Vor­feld be­spro­chen ei­ne zweijähri­ge El­tern­zeit.

9

Gleich­zei­tig möch­te ich während die­ser Zeit in Teil­zeit in­ner­halb des ge­setz­lich mögli­chen Um­fangs von ma­xi­mal 30 Wo­chen-St­un­den für 20 Wo­chen-St­un­den ar­bei­ten. Die­se Teil­zeit soll nach bis­he­ri­ger Ver­ein­ba­rung ab dem 23. Au­gust , al­so nach rund 6 Mo­na­ten nach Ab­lauf der Mut­ter­schutz­frist be­gin­nen und für die Dau­er mei­ner El­tern­zeit gel­ten. Für die Dau­er von ei­nem Jahr hat auch mein Mann, Herr G. X., bei sei­nem Ar­beit­ge­ber El­tern­zeit be­an­tragt, so dass von Au­gust 2007 bis Au­gust 2008 ei­ne ge­mein­sa­me El­tern­zeit gilt. Für mei­ne Teil­zeit würde ich den Mitt­woch, den Frei­tag und stun­den­wei­se Heim­ar­beit vor­se­hen bzw. vor­schla­gen.

10

Ich bit­te um Bestäti­gung die­ser Vor­ge­hens­wei­se. Ger­ne kom­me ich zu ei­nem wei­te­ren Gespräch bezüglich der Teil­zeit im Büro vor­bei."

11

Die Be­klag­te ant­wor­te­te mit Schrei­ben vom 20.02.2007. Hier­in bestätig­te sie der Kläge­rin de­ren El­tern­zeit vom 15.02.2007 bis zum 21.12.2008. Die gewünsch­te Teil­zeittätig­keit lehn­te die Be­klag­te ab und ver­wies in­so­weit auf näher erläuter­te ent­ge­gen­ste­hen­de drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe. In der Ab­tei­lung der Kläge­rin hat­te die Be­klag­te zu­vor ei­nem Teil­zeit­wunsch des Ar­beit­neh­mers J.-D. ent­spro­chen.

12

Mit ei­nem an die Be­klag­te ge­rich­te­ten Schrei­ben vom 08.03.2007 be­gründe­te die Kläge­rin ihr Teil­zeit­be­geh­ren näher. Zusätz­lich frag­te sie die Be­klag­te, ob ei­ne an­der­wei­ti­ge Teil­zeit­beschäfti­gung an­ge­bo­ten wer­den könne. Un­ter dem 13.03.2007 ant­wor­te­te die Be­klag­te, dass auch kei­ne an­der­wei­ti­ge Teil­zeit­beschäfti­gung bei ihr oder ih­ren Ver­trags­part­nern möglich sei. Un­ter Hin­weis auf das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses wur­de der Kläge­rin zu­gleich Pro­ku­ra ent­zo­gen und ihr zu En­de März 2007 das zur Verfügung ge­stell­te Han­dy und der ihr über­las­se­ne PKW zurück­ge­for­dert. Mit wei­te­rem Schrei­ben vom 05.04.2007 nahm die Be­klag­te noch­mals zu dem Schrei­ben der Kläge­rin vom 08.03.2007 ab­leh­nend Stel­lung.

13

Am 17.04.2007 fand zwi­schen der Kläge­rin und dem Geschäftsführer E. ein 40-minüti­ges Gespräch statt. Die Un­ter­re­dung en­de­te hin­sicht­lich der von der Kläge­rin gewünsch­ten Teil­zeit­beschäfti­gung oh­ne ein Er­geb­nis. Wei­te­re Erklärun­gen des Geschäftsführers E. während die­ses Gespräches wer­den von den Par­tei­en un­ter­schied­lich dar­ge­stellt.

14

Mit Schrei­ben vom 30.04.2007 wand­ten sich die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin mit dem Ziel ei­ner außer­ge­richt­li­chen Klärung der von die­ser gewünsch­ten Teil­zeit­beschäfti­gung an die Be­klag­te. Die­se lehn­te durch ih­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter dem 10.05.2007 wei­te­re Gespräche ab.

15

Am 23.05.2007 erklärten die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin die An­fech­tung des An­trags ih­rer Man­dan­tin vom 05.01.2007. Zur Be­gründung wie­sen sie dar­auf hin, dass sich die Kläge­rin von der Be­klag­ten getäuscht fühle und im Übri­gen die Geschäfts­grund­la­ge für die be­an­trag­te El­tern­zeit ent­fal­len sei. Zu­gleich be­an­trag­te die Kläge­rin durch ih­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zunächst lau­fend bis zum 22.08.2007 El­tern­zeit und für ein wei­te­res Jahr vom 23.08.2008 bis zum 22.09.2009 un­ter gleich­zei­ti­ger Teil­zeit­beschäfti­gung vom 23.08.2008 bis zum 22.09.2009 mit 20 Wo­chen­stun­den.

16

Mit ih­rer am 24.05.2007 bei dem Ar­beits­ge­richt Es­sen ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz macht die Kläge­rin hauptsächlich ih­re neu­en El­tern­zeit­anträge ein­sch­ließlich der Teil­zeit­beschäfti­gung gel­tend.

17
Die Kläge­rin hat im We­sent­li­chen be­haup­tet: 18

Sie ha­be in ei­nem Gespräch mit dem Geschäftsführer E. am 04.09.2006 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie nach der Ge­burt ih­res Soh­nes nach Ab­lauf der Mut­ter­schutz­frist ein hal­bes Jahr zu Hau­se blei­ben wol­le, um dann in Teil­zeit mit ei­nem Um­fang von 20 St­un­den zu ar­bei­ten. Herr E. ha­be ge­ant­wor­tet, dass er mit ei­ner sol­chen Teil­zeittätig­keit aus­drück­lich ein­ver­stan­den sei. Hin­sicht­lich der Ver­tre­tungs­fra­ge ha­be sie sich mit dem Geschäftsführer E. dar­auf ge­ei­nigt, dass der Mit­ar­bei­ter N. zum Ver­tre­ter be­stellt wer­den sol­le. In ei­nem wei­te­ren Gespräch mit den bei­den Geschäftsführern der Be­klag­ten E. und C. am 22.09.2006 ha­be sie dem letz­te­ren ih­re Pla­nung dar­ge­legt. Auch Herr C. ha­be aus­drück­lich die Zu­stim­mung si­gna­li­siert. In der Fol­ge­zeit sei­en so­wohl von ihr als auch von der Geschäfts­lei­tung die Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung G. und K. in­for­miert wor­den. Bei­de hätten ihr erklärt, mit ei­nem förm­li­chen An­trag könne sie bis nach der Nie­der­kunft war­ten. Herr E. ha­be den Mit­ar­bei­ter N. über die Ver­ein­ba­rung mit ihr in­for­miert. Er sei dann als kom­mis­sa­ri­scher Lei­ter Con­trol­ling bis zu ih­rer Rück­kehr ein­ge­setzt wor­den. In der Be­spre­chung vom 17.04.2007 ha­be Herr E. dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Pro­blem dar­in be­ste­he, dass sein Mit­geschäftsführer C. ih­re sach­lich kri­ti­sche Art nicht schätze. Es sei rich­tig, dass er früher be­reit ge­we­sen sei, die von ihr an­ge­streb­te Teil­zeittätig­keit zu ermögli­chen. Sei­ne Mei­nung ha­be er aber geändert.

19
Die Kläge­rin hat be­an­tragt, 20

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der von ihr be­an­trag­ten Gewährung von El­tern­zeit für den Zeit­raum vom 21.12.2006 bis zum 22.08.2007 und vom 23.08.2008 bis zum 22.08.2009 zu­zu­stim­men, und zwar mit ei­ner Beschäfti­gung während des Zeit­raums vom 23.08.2008 bis zum 22.08.2009 in der bis­he­ri­gen Funk­ti­on (Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra) in Teil­zeit (20 Wo­chen­stun­den), und zwar mon­tags und frei­tags je­weils an 8 St­un­den und für wei­te­re 4 St­un­den un­ter der Wo­che in Form von Ho­me-Of­fice;

21

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie vor­be­halt­lich der sich aus der Erfüllung des An­trags zu 1 er­ge­ben­den Rechts­fol­gen (Teil­zeittätig­keit während der be­an­trag­ten El­tern­zeit) zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen (Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra) zu beschäfti­gen;

22

3. hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen (Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra) während der für den Zeit­raum vom 21.12.2006 bis zum 20.12.2008 ver­ein­bar­ten El­tern­zeit in Teil­zeit (20 Wo­chen­stun­den) zu beschäfti­gen und dem An­trag zu­zu­stim­men, die Beschäfti­gung vor­zu­neh­men mitt­wochs und frei­tags an je­weils 8 St­un­den und im Um­fang von wei­te­ren 4 Wo­chen­stun­den zu Hau­se (Ho­me-Of­fice);

23

4. äußerst hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der von ihr be­an­trag­ten Gewährung von El­tern­zeit für den Zeit­raum vom 21.12.2006 bis zum 21.12.2008 zu­zu­stim­men, und zwar mit ei­ner Beschäfti­gung in der bis­he­ri­gen Funk­ti­on in Teil­zeit (20 Wo­chen­stun­den), und zwar mitt­wochs und frei­tags je­weils 8 St­un­den und für wei­te­re 4 St­un­den un­ter der Wo­che ab dem 23.08.2007.

24
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 25
die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 26
Die Be­klag­te hat im We­sent­li­chen aus­geführt: 27

Ih­re Geschäftsführer hätten nie die Zu­sa­ge ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung während der El­tern­zeit er­teilt. Die Kläge­rin ha­be bis zum Ein­gang ih­res Schrei­bens vom 05.01.2007 sie - die Be­klag­te - und auch ih­re Kol­le­gen in dem Glau­ben ge­las­sen, sie wer­de nach der Mut­ter­schutz­frist wie­der an ih­ren Ar­beits­platz in Voll­zeit zurück­keh­ren. Das Hilfs­be­geh­ren der Kläge­rin könne kei­nen Er­folg ha­ben, da dem drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen­ste­hen würden. Als Lei­te­rin Con­trol­ling ha­be die Kläge­rin ei­ne Schlüssel­po­si­ti­on in­ne. Dies gel­te ins­be­son­de­re für die zwin­gend er­for­der­li­che Teil­nah­me an den re­gelmäßigen, tägli­chen und kurz­fris­tig im vor­aus nicht plan­ba­ren Be­spre­chun­gen mit den Geschäftsführern, Nie­der­las­sungs­lei­tern, Ab­tei­lungs­lei­tern, Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, den Ge­sell­schaf­tern und Be­reichs­lei­tern der Kon­zern­mut­ter, den Mit­ar­bei­tern der Kläge­rin und den ex­ter­nen Wirt­schafts­prüfern und Steu­er­be­ra­tern. Die Not­wen­dig­keit ei­ner Voll­zeittätig­keit wer­de darüber hin­aus durch ei­ne Um­struk­tu­rie­rung und Neu­aus­rich­tung, die ei­ne Be­triebsände­rung zur Fol­ge ha­be, verschärft. Zu­dem er­fol­ge in den Jah­ren 2006 bis 2008 ei­ne kon­zern­wei­te Um­stel­lung/An­pas­sung der EDV-Sys­te­me von SAP auf das von der Kon­zern­mut­ter, der P. Ger­ma­ny Grup­pe, vor­ge­ge­be­ne Axap­ta-Sys­tem. Um den Sys­temüber­gang rei­bungs­los zu be­glei­ten und si­cher­zu­stel­len, sei es zwin­gend er­for­der­lich, dass die Lei­tung des Be­rei­ches Con­trol­ling den in­ter­nen und ex­ter­nen An­sprech­part­nern je­der­zeit zur Verfügung ste­he. Die Kläge­rin ha­be im Zu­sam­men­hang mit der Um­stel­lung ei­ne Schlüssel­po­si­ti­on in­ne. Die Kläge­rin müsse Dienst­rei­sen im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet und in das an­gren­zen­de eu­ropäische Aus­land durchführen. Die Ter­mi­ne für die Rei­sen und für die zusätz­lich statt­fin­den­den Vi­deo- und Te­le­fon­kon­fe­ren­zen sei­en in den sel­tens­ten Fällen über meh­re­re Ta­ge im vor­aus plan­bar. Auch gehöre es zu der tagtägli­chen Ar­beits­auf­ga­be der Lei­te­rin Con­trol­ling mit den Mit­ar­bei­tern und ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen der Nie­der­las­sun­gen der P. Group und ihr zu kom­mu­ni­zie­ren und für Rück­fra­gen zur Verfügung zu ste­hen.

28
Die Kläge­rin hat dem ent­ge­gen­ge­hal­ten: 29

Mee­tings, Be­spre­chun­gen und ähn­li­ches könn­ten so ab­ge­stimmt wer­den, dass ih­re An­we­sen­heit si­cher­ge­stellt sei. In der Ver­gan­gen­heit ha­be sie sich le­dig­lich zu 15 % ih­rer Ar­beits­zeit auf Dienst­rei­sen be­fun­den. 85 % ih­rer Tätig­keit wi­cke­le sie am PC oder Te­le­fon ab. Vie­le or­ga­ni­sa­to­ri­sche Din­ge könn­ten auch über ei­ne ET-An­bin­dung zu Hau­se oder per E-Mail und Da­ten­bank­an­schluss er­le­digt wer­den. Die Möglich­keit der Teil­zeit­ar­beit sei schon da­durch nach­ge­wie­sen, dass während ih­rer Ab­we­sen­heit in der El­tern­zeit der Lei­ter des Rech­nungs­we­sens von No­vem­ber 2006 bis Au­gust 2007 kom­mis­sa­risch zusätz­lich zu sei­nen bis­he­ri­gen Auf­ga­ben ih­re Po­si­ti­on wahr­ge­nom­men ha­be.

30

Mit sei­nem am 26.09.2007 verkünde­ten Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge bezüglich des Hilfs­an­trags zu 4. statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt:

31

Die Kläge­rin ha­be mit Schrei­ben vom 05.01.2007 die El­tern­zeit ver­bind­lich für den Zeit­raum vom 15.02.2007 bis zum 21.12.2008 fest­ge­legt, so dass sie die­se nicht vor­zei­tig zum 22.02.2007 hätte be­en­den und vom 23.08.2008 bis zum 22.08.2009 neu fest­le­gen können. Sie ha­be kei­nen der in § 16 Abs. 3 Satz 2 BEEG ge­nann­ten Aus­nah­mefälle, die ei­ne vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung der El­tern­zeit ermögli­chen würden, vor­ge­tra­gen. Sie könne von der Be­klag­ten auch nicht gemäß § 16 Abs. 2 Satz 1 BEEG die Zu­stim­mung zu der vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung der El­tern­zeit ver­lan­gen. Ei­ne Verände­rung des El­tern­zeit­wun­sches könne die Kläge­rin auch nicht durch ih­re An­fech­tung des El­tern­zeit­an­tra­ges vom 05.01.2007 er­rei­chen. Von die­sem könne sie sich eben­so we­nig nach den Re­geln über den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge lösen. Mit dem Schei­tern des Kla­ge­an­trags zu 1. müsse gleich­zei­tig der Kla­ge­an­trag zu 2. ab­ge­wie­sen wer­den. Auch der Kla­ge­an­trag zu 3. könne kei­nen Er­folg ha­ben. Zum ei­nen könne die Kläge­rin mit ih­rem Teil­zeit­ver­lan­gen nicht den Ar­beits­ver­trag da­hin­ge­hend ändern, dass sie ei­nen Teil ih­rer Ar­beit zu Hau­se im Ho­me-Of­fice leis­te. Zum an­de­ren könne sie mit ih­rem Kla­ge­an­trag zu 3. nicht die von ihr be­gehr­te Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zu der gewünsch­ten Beschäfti­gung er­rei­chen, da es hierfür an der er­for­der­li­chen Ver­tragsände­rung feh­le. So­weit der Kla­ge­an­trag zu 4. zulässig sei, sei er be­gründet. Die Be­klag­te müsse gemäß § 15 Abs. 7 BEEG der von der Kläge­rin be­gehr­ten Teil­zeit­beschäfti­gung zu­stim­men. Die von ihr ge­gen die El­tern­teil­zeit vor­ge­tra­ge­nen Ge­sichts­punk­te würden nicht aus­rei­chen, um von drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen i. S. des § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG aus­ge­hen zu können.

32

Ge­gen das ih­nen am 30.01.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben die Par­tei­en mit ei­nem bei Ge­richt am 13.02.2008 (Be­klag­te) bzw. am 14.02.2008 (Kläge­rin) ein­ge­reich­ten Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 25.02.2008 (Kläge­rin) bzw. - nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 28.04.2008 - mit ei­nem am 28.04.2008 (Be­klag­te) ein­ge­reich­ten Schrift­satz be­gründet.

33

Die Kläge­rin macht un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens im We­sent­li­chen gel­tend:

34

Ih­rem schrift­li­chen An­trag vom 05.01.2007 sei je­de Grund­la­ge ent­zo­gen wor­den. Vor al­lem sei ih­re An­fech­tung be­gründet. Sie sei in mehr­fa­cher Hin­sicht getäuscht wor­den. Zum ei­nen ha­be man sie da­von ab­ge­hal­ten, ei­nen schrift­li­chen An­trag zu stel­len. Zum an­de­ren ha­be man dann ge­nau die­sen Punkt auf­ge­grif­fen und sie ver­an­lasst, das münd­lich Ver­ein­bar­te schrift­lich zu be­an­tra­gen, um dann ei­nen Teil an­zu­neh­men und ei­nen Teil nicht. Im Übri­gen sei Geschäfts­grund­la­ge für ihr El­tern­zeit­be­geh­ren ge­we­sen, dass sie nach ei­ner kur­zen El­tern­zeit wie­der in den Be­trieb zurück­keh­ren könne.

35
Die Kläge­rin be­an­tragt, 36
die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung ab­zuändern, so­weit die Kla­ge ab­ge­wie- 37
sen wor­den ist. 38
Die Be­klag­te be­an­tragt, 39
1. die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen; 40
2. un­ter Abände­rung des am 26.09.2007 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Es­sen - 6 Ca 1828/07 - die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen. 41

Die Be­klag­te macht un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens im We­sent­li­chen gel­tend:

42

Das Ar­beits­ge­richt ha­be über­se­hen, dass der Kla­ge be­reits das Rechts­schutz­bedürf­nis feh­le. Er­kenn­ba­res, be­an­trag­tes und primäres Ziel der Kläger sei es vom Zeit­punkt der Kla­ge­ein­rei­chung bis zum Kam­mer­ter­min am 26.09.2007 ge­we­sen, ab dem 23.08.2007 in Voll­zeit zu ar­bei­ten. Le­dig­lich mit dem Hilfs­an­trag ha­be sie ei­ne Teil­zeittätig­keit ab dem 23.08.2007 be­gehrt. Da­mit ha­be sich die Kläge­rin selbst ge­gen ih­ren ursprüng­li­chen An­trag vom 05.01.2007 ge­stellt. Die wech­seln­den Zie­le der Kläge­rin im Hin­blick auf La­ge und Aus­ge­stal­tung der El­tern­zeit so­wie der Wech­sel zwi­schen Voll­zeit- und Teil­zeit­beschäfti­gung zwi­schen bzw. während der El­tern­zeit ha­be da­zu geführt, dass ihr ei­ne nicht mehr hin­zu­neh­men­de Un­ge­wiss­heit über die In­an­spruch­nah­me der El­tern­zeit zu­ge­mu­tet wor­den sei. Sie ha­be be­reits erst­in­stanz­lich dar­ge­legt, dass die ent­ste­hen­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­schwie­rig­kei­ten so er­heb­lich sei­en, dass sie den An­for­de­run­gen der drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe i. S. von § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG genügen würden. Der Ar­beits­platz der Kläge­rin würde spätes­tens mit Wir­kung zum 01.04.2008 bzw. 30.06.2008 durch die Ver­la­ge­rung des ge­sam­ten Con­trol­ling von F. nach C. gemäß dem Ge­sell­schaf­ter­be­schluss vom 24.10.2007 ent­fal­len. Nicht nur zu­vor, son­dern auch nach die­sem Be­schluss sei die Po­si­ti­on des Lei­ters Con­trol­ling aus den erst­in­stanz­lich dar­ge­leg­ten Gründen nicht teil­bar.

43
Die Kläge­rin be­an­tragt noch, 44
die geg­ne­ri­sche Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. 45
Die Kläge­rin macht in­so­fern im We­sent­li­chen gel­tend: 46

Un­verständ­lich sei es, wenn die Be­klag­te erkläre, es ha­be kei­ne Pla­nungs­si­cher­heit ge­ge­ben. Sie ha­be den an­ge­streb­ten Um­fang ih­rer Tätig­keit mit der Be­klag­ten be­spro­chen. Bis heu­te ha­be die­se die ih­rem Teil­zeit­wunsch ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe nicht schlüssig dar­ge­legt. So­weit für den Um­zug und den Auf­bau des Un­ter­neh­mens Con­trol­ling in C. ei­ne voll­zei­ti­ge An­we­sen­heit er­for­der­lich ge­we­sen wäre, ha­be sie dies für das Über­g­angs­jahr 2007/2008 an­ge­bo­ten, was die Be­klag­te aber ab­ge­lehnt ha­be. Der Be­klag­ten sei es möglich ge­we­sen, mit ihr, da sie grundsätz­lich zu fle­xi­blen Lösun­gen be­reit ge­we­sen sei, auch ei­ne Ver­ein­ba­rung zu tref­fen, die Tätig­kei­ten an ver­schie­de­nen Stand­or­ten vor­ge­se­hen hätte.

47

We­gen des sons­ti­gen Vor­brin­gens der Par­tei­en im Ein­zel­nen wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Ak­te ergänzend Be­zug ge­nom­men.

48
ENT­SCHEI­DUN­GSGRÜNDE: 49
A. 50

Die Be­ru­fung der Kläge­rin, ge­gen de­ren Zulässig­keit kei­ner­lei Be­den­ken be­ste­hen, ist un­be­gründet.

51

I. Zu Recht hat die Vor­in­stanz an­ge­nom­men, dass durch das Schrei­ben der Kläge­rin vom 05.01.2007 die dort ver­lang­te El­tern­zeit ver­bind­lich für den Zeit­raum vom 15.02.2007 bis zum 21.12.2008 fest­ge­legt wor­den ist, sich hier­an in der Fol­ge­zeit nichts geändert hat und da­mit der Kla­ge­an­trag zu 1) un­be­gründet ist.

52

1. Die wirk­sa­me In­an­spruch­nah­me der El­tern­zeit der Kläge­rin rich­tet sich vor­lie­gend nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG. Die Kläge­rin hat erst nach In­kraft­tre­ten des BEEG am 01.01.2007 El­tern­zeit für ih­ren am 21.12.2006 ge­bo­re­nen Sohn be­an­sprucht. Da kei­ner der in der Über­g­angs­vor­schrift des § 27 BEEG ge­re­gel­ten Tat­bestände im Streit­fall vor­liegt, schei­det ei­ne An­wen­dung des BErzGG aus (vgl. auch BAG 05.06.2007 - 9 AZR 82/07 - NZA 2007, 1352, 1354; BAG 15.04.2008 - 9 AZR 380/07 - Rz. 19, EzA § 15 BErzGG Nr. 17). Im Übri­gen be­steht für den Streit­fall kein in­halt­li­cher Un­ter­schied hin­sicht­lich der An­wen­dung von §§ 15, 16 BErzGG oder §§ 15, 16 BEEG.

53
a) Die Vor­aus­set­zun­gen des von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­ten An­spruchs auf El­tern­zeit sind, wie die Vor­in­stanz rich­tig er­kannt hat, gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 a, Abs. 2 Satz 1 BEEG ge­ge­ben. Die Kläge­rin hat außer­dem gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG in ih­rem Schrei­ben vom 05.01.2007 erklärt, für wel­chen Zeit­raum sie in­ner­halb von zwei Jah­ren El­tern­zeit neh­men will. Auch wenn die Kläge­rin ih­re El­tern­zeit ab dem 15.02.2007 (vgl. § 15 Abs. 2 Satz 2 BEEG) nicht in­ner­halb der sie­benwöchi­gen Ankündi­gungs­frist des § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG ver­langt hat - ihr Schrei­ben vom 05.01.2007 ist bei der Be­klag­ten erst am 31.01.2007 ein­ge­gan­gen -, hat dies auf die Wirk­sam­keit ih­res El­tern­zeit­be­geh­rens kei­nen Ein­fluss. Denn der Ar­beit­ge­ber kann auf die Ein­hal­tung der aus­sch­ließlich sei­nen In­ter­es­sen die­nen­den Ankündi­gungs­frist des § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG ver­zich­ten (vgl. nur Buch­ner/Be­cker, BEEG, 8. Aufl. 2008, § 16 Rz. 9). Vor­lie­gend hat die Be­klag­te kon­klu­dent auf die Fris­tein­hal­tung ver­zich­tet, da sie sich mit Schrei­ben vom 20.02.2007 auf die von der Kläge­rin be­gehr­te El­tern­zeit ein­ge­las­sen und die­se aus­drück­lich bestätigt hat. 54
b) Die Kläge­rin hat erst­mals mit ih­rem Schrei­ben vom 05.01.2007 ihr El­tern­zeit­be­geh­ren in rechts­er­heb­li­cher Form gel­tend ge­macht. Das in § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG nor­mier­te Schrift­for­mer­for­der­nis ist ei­ne Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die In­an­spruch­nah­me der El­tern­zeit (BAG 26.06.2008 - 2 AZR 23/07 - Rz. 24, EzA § 18 BErzGG Nr. 9 m. w. N.). Das Schrift­for­mer­for­der­nis dient der Rechts­klar­heit. Denn am Be­ginn ei­ner El­tern­zeit sind meh­re­re Fall­ge­stal­tun­gen denk­bar, in de­nen - bei feh­len­der schrift­li­cher Be­an­tra­gung - of­fen­bleibt, ob El­tern­zeit in An­spruch ge­nom­men oder ei­ne an­de­re Form der Ar­beits­be­frei­ung gel­tend ge­macht wird. Da­her kommt dem schrift­li­chen Ver­lan­gen nach El­tern­zeit ei­ne vor al­lem klar­stel­len­de Funk­ti­on für die Par­tei­en zu (BAG 26.06.2008 - 2 AZR 23/07 - Rz. 25, a. a. 0.). 55

2. Die für den 15.02.2007 bis zum 21.12.2008 ver­bind­lich fest­ge­leg­te El­tern­zeit der Kläge­rin ist in der Fol­ge­zeit nicht ent­fal­len.

56
a) Zunächst hat die Vor­in­stanz zu­tref­fend er­kannt, dass die­se El­tern­zeit zu kei­nem Zeit­punkt vor­zei­tig be­en­det wor­den ist. In­so­fern fehlt die hierfür nach § 16 Abs. 3 Satz 1 BEEG vor­ge­schrie­be­ne Zu­stim­mung der Be­klag­ten. Für die An­nah­me ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung (vgl. § 242 BGB) lie­gen, wie die Vor­in­stanz rich­tig aus­geführt hat, kei­ner­lei An­halts­punk­te vor. Ge­gen die­se Fest­stel­lung hat sich die Kläge­rin auch nicht in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung ge­wandt. 57
b) Die in ih­rem Schrei­ben vom 05.01.2007 sei­tens der Kläge­rin erklärte In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit ist nicht durch ih­re An­fech­tungs­erklärung vom 23.05.2007 (vgl. § 143 Abs. 1 BGB ana­log) nach § 142 Abs. 1 BGB nich­tig ge­wor­den. Zwar ist das Ver­lan­gen nach El­tern­zeit gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG als rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung zu qua­li­fi­zie­ren und des­halb an­fecht­bar nach §§ 119 ff. BGB ana­log (vgl. Buch­ner/Be­cker, a. a. 0., § 16 Rz. 4). Es fehlt je­doch an dem von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­ten An­fech­tungs­grund der arg­lis­ti­gen Täuschung (vgl. § 123 Abs. 1 BGB ana­log). 58

aa) Der Tat­be­stand der arg­lis­ti­gen Täuschung setzt in ob­jek­ti­ver Hin­sicht vor­aus, dass der Täuschen­de durch Vor­spie­ge­lung oder Ent­stel­lung von Tat­sa­chen beim Erklärungs­geg­ner ei­nen Irr­tum er­regt und ihn zur Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung ver­an­lasst. Die Täuschung muss sich auf ob­jek­tiv nach­prüfba­re Umstände be­zie­hen, während sub­jek­ti­ve Wert­ur­tei­le nicht genügen. Die Täuschung kann durch po­si­ti­ves Tun, al­so ins­be­son­de­re durch Be­haup­ten, Un­ter­drücken oder Ent­stel­len von Tat­sa­chen er­fol­gen. Sie kann aber auch in dem Ver­schwei­gen von Tat­sa­chen be­ste­hen, so­fern der Erklären­de zur Of­fen­ba­rung der frag­li­chen Tat­sa­che ver­pflich­tet ist (z. B. BAG 29.01.1997 - 2 AZR 472/96 - NZA 1997, 485, 486). In sub­jek­ti­ver Hin­sicht muss der Täuschen­de arg­lis­tig han­deln. Das ist der Fall, wenn der Täuschen­de die Un­rich­tig­keit sei­ner An­ga­ben kennt und zu­min­dest bil­li­gend in Kauf nimmt, der Erklärungs­empfänger könn­te durch die Täuschung be­ein­flusst wer­den (BAG 28.05.1998 - 2 AZR 549/97 - EzA § 123 BGB Nr. 49; BAG 20.05.1999 - 2 AZR 320/98 - EzA § 123 BGB Nr. 52; vgl. auch BAG 23.11.2006 - 8 AZR 349/06 - EzA § 613 a BGB 2002 Nr. 61).

59

bb) Zu­min­dest im Er­geb­nis hat die Vor­in­stanz rich­tig er­kannt, dass der Be­klag­ten kei­ne arg­lis­ti­ge Täuschung i. S. von § 123 Abs. 1 BGB vor­zu­wer­fen ist. Denn von ei­ner der Be­klag­ten sei­tens der Kläge­rin vor­ge­hal­te­nen, von vorn­her­ein nicht be­ste­hen­den Ab­sicht, die an­geb­lich mit ihr - der Kläge­rin - für die Zeit vom 23.08.2008 bis zum 22.08.2009 ver­ein­bar­te Teil­zeit während der El­tern­zeit nicht zu rea­li­sie­ren, kann schon des­halb kei­ne Re­de sein, weil die Kläge­rin, wor­auf be­reits hin­ge­wie­sen wor­den ist, mit ih­rem Schrei­ben vom 05.01.2007 über­haupt erst­mals El­tern­zeit wirk­sam für die Zeit vom 15.02.2007 bis zum 21.12.2008 in An­spruch ge­nom­men hat und da­mit auch gleich­zei­tig erst­mals die gewünsch­te Teil­zeit in die­ser El­tern­zeit be­gehrt wer­den konn­te.

60
c) Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten auch nicht die An­pas­sung des durch ihr Schrei­ben vom 05.01.2007 fest­ge­leg­ten Zeit­raums ih­rer El­tern­zeit nach den Re­geln über den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge gemäß § 313 Abs. 1 BGB im Hin­blick auf die in ih­rem Kla­ge­an­trag zu 1) ge­nann­ten Zeiträum­en ver­lan­gen. 61

aa) Nach § 313 Abs. 1 BGB kann die An­pas­sung ei­nes zwi­schen den Par­tei­en zu­stan­de ge­kom­me­nen Ver­tra­ges ver­langt wer­den, so­fern sich die Umstände, die zur Grund­la­ge des Ver­tra­ges ge­wor­den sind, nach Ver­trags­schluss schwer­wie­gend verändert ha­ben, die Par­tei­en den Ver­trag nicht oder mit an­de­rem In­halt ge­schlos­sen hätten und ei­nem Ver­trags­teil un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der ver­trag­li­chen oder ge­setz­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung, das Fest­hal­ten am un­veränder­ten Ver­trag nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann.

62

bb) Es be­ste­hen be­reits Be­den­ken da­ge­gen, die­se Vor­schrift auf das El­tern­zeit­ver­lan­gen der Kläge­rin vom 05.01.2007 an­zu­wen­den. Denn durch die­ses Ver­lan­gen und die Bestäti­gung der von der Kläge­rin gewünsch­ten El­tern­zeit durch die Be­klag­te mit ih­rem Schrei­ben vom 20.02.2007 ist nicht et­wa ein Ver­trag zwi­schen den Par­tei­en zu­stan­de ge­kom­men. Durch die In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit wer­den viel­mehr le­dig­lich die Haupt­pflich­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. § 611 Abs. 1 BGB) zum Ru­hen ge­bracht (BAG 15.04.2008 - 9 AZR 380/07 - Rz. 35, EzA § 15 BErzGG Nr. 17).

63

cc)Aber selbst wenn man § 313 Abs. 1 BGB auf das El­tern­zeit­ver­lan­gen nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG zu Guns­ten der Kläge­rin ana­log an­wen­den würde, ver­hilft ihr das nicht zu ei­ner Abände­rung des fest­ge­leg­ten Zeit­raums.

64
(1) Wie § 313 Abs. 1 BGB aus­drück­lich be­stimmt, ist für ei­ne Berück­sich­ti­gung von Störun­gen der Geschäfts­grund­la­ge grundsätz­lich dann kein Raum, wenn es um Er­war­tun­gen und Umstände geht, die nach der ver­trag­li­chen oder ge­setz­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung in den Ri­si­ko­be­reich ei­ner der Par­tei­en fal­len sol­len. Ei­ne sol­che ver­trag­li­che oder ge­setz­li­che Ri­si­ko­ver­tei­lung bzw. Ri­si­koüber­nah­me schließt für den Be­trof­fe­nen re­gelmäßig die Möglich­keit aus, sich bei Ver­wirk­li­chung des Ri­si­kos auf den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge zu be­ru­fen (vgl. z. B. BGH 21.09.2005 - XII - ZR 66/03 - NJW 2006, 899, 901). 65
(2) Wie dem El­tern­zeit­ver­lan­gen der Kläge­rin vom 05.01.2007 zu ent­neh­men ist, war der gewünsch­te Zeit­raum durch die gleich­zei­tig be­gehr­te El­tern­teil­zeit be­ein­flusst. Al­ler­dings un­ter­lie­gen El­tern­zeit und El­tern­teil­zeit un­ter­schied­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen. Dies führt zu Pro­ble­men, wenn der Ar­beit­neh­mer El­tern­zeit in An­spruch nimmt, um aus wirt­schaft­li­chen Gründen während der El­tern­zeit mit ver­rin­ger­ter Ar­beits­zeit ar­bei­ten zu wol­len. Durch die In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit wer­den die Haupt­pflich­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. § 611 Abs. 1 BGB), wie be­reits erwähnt, zum Ru­hen ge­bracht. Ver­wei­gert der Ar­beit­ge­ber zu Recht die be­gehr­te El­tern­teil­zeit we­gen drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe (vgl. § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG), kann der Ar­beit­neh­mer sei­ne wirt­schaft­li­chen Über­le­gun­gen nicht ver­wirk­li­chen. Er bleibt in El­tern­zeit oh­ne die be­an­trag­te El­tern­teil­zeit. Die­sem Ri­si­ko ist er je­doch nicht schutz­los aus­ge­lie­fert. Er hat die Möglich­keit, die In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit un­ter die Be­din­gung zu stel­len, dass der Ar­beit­ge­ber der gleich­zei­tig be­an­trag­ten El­tern­teil­zeit zu­stimmt. Die grundsätz­li­che Be­din­gungs­feind­lich­keit von Ge­stal­tungs­rech­ten steht dem nicht ent­ge­gen. Der Ar­beit­ge­ber als Erklärungs­empfänger hat den Ein­tritt der Be­din­gung selbst in der Hand. Die Ausübung ei­nes Ge­stal­tungs­rechts un­ter ei­ner sol­chen Po­testa­tiv­be­din­gung ist zulässig, da beim Erklärungs­empfänger kei­ne Un­klar­heit über den Be­din­gungs­ein­tritt vor­liegt (BAG 15.04.2008 - 9 AZR 380/07 - Rz. 35, EzA § 15 BErzGG Nr. 17; vgl. auch BAG 05.06.2007 - 9 AZR 82/07 - Rz. 40, EzA § 15 BErzGG Nr. 16). Die Kläge­rin hätte es des­halb selbst in der Hand ge­habt, ihr in ih­rem Schrei­ben vom 05.01.2007 geäußer­tes El­tern­zeit­ver­lan­gen von der gleich­zei­tig gewünsch­ten El­tern­teil­zeit abhängig zu ma­chen. Da­mit aber liegt die Fest­le­gung der El­tern­zeit oh­ne Erfüllung der in die­sem Zeit­raum gewünsch­ten Teil­zeit­beschäfti­gung in der Ri­si­ko­sphäre der Kläge­rin. 66

II. Aus der Un­be­gründet­heit des Kla­ge­an­trags zu 1 folgt, wie die Vor­in­stanz zu Recht fest­ge­stellt hat, oh­ne wei­te­res, dass auch der Kla­ge­an­trag zu 2 un­be­gründet ist. Denn mit ihm be­gehrt die Kläge­rin die tatsächli­che Beschäfti­gung während der ihr nicht zu­ste­hen­den El­tern­zeit in Teil­zeit.

67

III. Rich­ti­ger­wei­se hat die Vor­in­stanz auch den Kla­ge­an­trag zu 3 für un­be­gründet ge­hal­ten. Zur Be­gründung der Ab­wei­sung des im ers­ten Teil die­ses An­trags gel­tend ge­mach­ten Teil­zeit­beschäfti­gungs­ver­lan­gens ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass, wie noch zum Kla­ge­an­trag zu 4 dar­zu­stel­len sein wird, die Kläge­rin gar kei­nen An­spruch auf ei­ne auf 20 St­un­den in der Wo­che re­du­zier­te Ar­beits­zeit hat. Was die Ab­wei­sung des zwei­ten Teils des Kla­ge­an­trags zu 3 be­trifft, ist mit der Vor­in­stanz dar­auf hin­zu­wei­sen, dass mit dem Teil­zeit­ver­lan­gen nach § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG kein Orts­wech­sel (zeit­wei­ses Ar­bei­ten zu Hau­se) ver­knüpft wer­den kann. Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich die Be­ru­fungs­be­gründung der Kläge­rin über­haupt nicht mit der Ar­gu­men­ta­ti­on der Vor­in­stanz hin­sicht­lich der Ab­wei­sung des Kla­ge­an­trags zu 3 aus­ein­an­der ge­setzt hat.

68
B. 69

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten, ge­gen de­ren Zulässig­keit kei­ner­lei Be­den­ken be­ste­hen, ist be­gründet. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz ist auch der Kla­ge­an­trag zu 4 un­be­gründet. Denn das Teil­zeit­ver­lan­gen der Kläge­rin, wie sie es im Kla­ge­an­trag zu 4 geäußert hat, ist we­gen ent­ge­gen­ste­hen­der Auf­fas­sung drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe i.S. von § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG aus­ge­schlos­sen.

70

(.Nach § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG setzt der An­spruch auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit während der El­tern­zeit das Feh­len ent­ge­gen­ste­hen­der drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe vor­aus. An das ob­jek­ti­ve Ge­wicht der Ab­leh­nungs­gründe sind er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len, wie der Be­griff "drin­gend" ver­deut­licht. Mit ihm wird aus­ge­drückt, dass ei­ne An­ge­le­gen­heit not­wen­dig, er­for­der­lich oder auch sehr wich­tig ist. Die ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen In­ter­es­sen müssen mit­hin von er­heb­li­chen Ge­wicht sein. Sie müssen sich gleich­sam als zwin­gen­de Hin­der­nis­se für die be­an­trag­te Verkürzung der Ar­beits­zeit dar­stel­len (BAG 05.06.2007 - 9 AZR 82/07 - Rz. 48, EzA § 15 BErzGG Nr. 16; vgl. auch BAG 15.04.2008 - 9 AZR 380/07 - Rz. 29, EzA § 15 BErzGG Nr. 17).

71
II. Trotz der Auf­nah­me in den Ka­ta­log der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen ob­liegt die Dar­le­gung der Tat­sa­chen, aus de­nen sich die ent­ge­gen­ste­hen­den drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe er­ge­ben sol­len, und de­ren Be­weis dem Ar­beit­ge­ber. Es han­delt sich um ei­ne sog. ne­ga­ti­ve An­spruchs­vor­aus­set­zung. Der Ar­beit­neh­mer genügt sei­ner Dar­le­gungs­last be­reits dann, wenn er be­haup­tet, der­ar­ti­ge ent­ge­gen­ste­hen­de Gründe würden nicht be­ste­hen (BAG 05.06.2007 - 9 AZR 82/07 - Rz. 49, a. a. 0.). 72
III. Der Vor­in­stanz kann nicht dar­in ge­folgt wer­den, dass das Feh­len ent­ge­gen­ste­hen­der drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe i. S. von § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 1 BEEG dar­aus her­ge­lei­tet wer­den kann, dass während der El­tern­zeit der Kläge­rin oh­ne ir­gend­ei­ne Ar­beits­leis­tung ih­re Auf­ga­ben durch an­de­re Mit­ar­bei­ter mit er­le­digt wor­den sind. Aus dem Um­stand, dass dem An­spruch auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen dürfen, kann nicht her­ge­lei­tet wer­den, die drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe müss­ten der (ver­trag­li­chen) Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ent­ge­gen­ste­hen. Ent­schei­dend sind viel­mehr die Fol­gen der Ver­ein­ba­rung. Die El­tern­teil­zeit lässt die Beschäfti­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers während der El­tern­zeit mit der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit wie­der auf­le­ben. Nur dem können be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen­ste­hen (BAG 15.04.2008 - 9 AZR 380/07 - Rz. 34, EzA § 15 BErzGG Nr. 17). 73

IV.Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz ist vor­lie­gend von ei­nem un­teil­ba­ren Ar­beits­platz der Kläge­rin und da­mit von ei­nem an­er­kann­ten ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Grund i. S. von § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG (vgl. hier­zu BAG 05.06.2007 - 9 AZR 82/07 - NZA 2007, 1352, 1356) aus­zu­ge­hen.

74

1. Geht es um die sog. Un­teil­bar­keit des Ar­beits­plat­zes oder die Ver­ein­bar­keit der gewünsch­ten Teil­zeit­ar­beit mit den be­trieb­li­chen Ar­beits­zeit­mo­del­len, sind, wie die Vor­in­stanz zu Recht er­kannt hat, die Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen, die dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt für die be­trieb­li­chen Ab­leh­nungs­gründe i. S. des § 8 Tz­B­fG ent­wi­ckel­ten Prüfungs­maßstab ent­spre­chen. Dies folgt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus der ver­gleich­ba­ren In­ter­es­sen­la­ge bei­der Be­stim­mun­gen (vgl. BAG 05.06.2007 - 9 AZR 82/07 - a. a. 0.). Da­nach ist zunächst fest­zu­stel­len, wel­ches be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept der vom Ar­beit­ge­ber als er­for­der­lich an­ge­se­he­nen Ar­beits­zeit­re­ge­lung zu­grun­de liegt. Auf ei­ner zwei­ten Stu­fe ist dann zu prüfen, in­wie­weit die­se Ar­beits­zeit­re­ge­lung dem Ar­beits­zeit­ver­lan­gen des Ar­beit­neh­mers tatsächlich ent­ge­gen­steht. Da­bei ist auch der Fra­ge nach­zu­ge­hen, ob durch ei­ne dem Ar­beit­ge­ber zu­mut­ba­re Ände­rung von be­trieb­li­chen Abläufen oder des Per­so­nal­ei­sat­zes die be­trieb­lich er­for­der­li­che Ar­beits­zeit­re­ge­lung und Wah­rung des Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zepts mit dem in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit­wunsch des Ar­beit­neh­mers zur De­ckung ge­bracht wer­den kann. Können die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen nicht in Ein­klang ge­bracht wer­den, ist zu­letzt das ob­jek­ti­ve Ge­wicht der vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­tra­ge­nen Be­ein­träch­ti­gung zu prüfen (vgl. nur BAG 08.05.2007 - 9 AZR 1112/06 - EzA § 8 Tz­B­fG Nr. 18). Drin­gen­de be­trieb­li­che Be­lan­ge i. S. von § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG lie­gen nur vor, wenn sie der Verkürzung der Ar­beits­zeit als zwin­gen­de Hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen (vgl. BAG 19.04.2005 - 9 AZR 233/04 - EzA § 15 BErzGG Nr. 15).

75

2. Ent­ge­gen der An­sicht der Vor­in­stanz ist im Streit­fall vom Vor­lie­gen ei­nes Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zep­tes der Be­klag­ten aus­zu­ge­hen, das die Ver­rin­ge­rung der von der Kläge­rin gewünsch­ten Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den, und zwar ver­teilt auf mitt­wochs und frei­tags je­weils acht St­un­den und wei­te­re vier St­un­den un­ter der Wo­che aus­sch­ließt.

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a) Nach dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten setzt die Po­si­ti­on der "Lei­te­rin Con­trol­ling", die die Kläge­rin be­klei­det, ei­ne voll­zei­ti­ge An­we­sen­heit der/des Ar­beit­neh­me­rin/-neh­mers von Mon­tag bis Frei­tag und ge­ge­be­nen­falls darüber hin­aus vor­aus. Dies gel­te ins­be­son­de­re für die zwin­gend er­for­der­li­che Teil­nah­me an re­gelmäßigen, tägli­chen und kurz­fris­ti­gen im Vor­aus nicht plan­ba­ren Be­spre­chun­gen mit den Geschäftsführern, Nie­der­las­sungs­lei­tern, Ab­tei­lungs­lei­tern, Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, den Ge­sell­schaf­tern und Be­reichs­lei­te­rin von P. Ger­ma­ny und P. Lu­xem­burg, den Mit­ar­bei­tern der Kläge­rin u. a., so­wie den durch­zuführen­den Dienst­rei­sen im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet und das an­gren­zen­de eu­ropäische Aus­land. Darüber hin­aus er­for­dert nach An­ga­ben der Be­klag­ten die stu­fen­wei­se Ver­le­gung des Con­trol­ling von F. nach C. auf­grund des mit Wir­kung vom 24.10.2007 ge­fass­ten Ent­schlus­ses der Be­klag­ten, die Haupt­ver­wal­tung inF. bis spätes­tens zum 30.06.2008 zu schließen, aus den in ih­rer Be­ru­fungs­be­gründung ge­nann­ten Gründen (Sei­te 6 und 7) die tägli­che An­we­sen­heit der Kläge­rin in Voll­zeit. 77
b) Die Kläge­rin, die die­ses Vor­brin­gen zu Un­recht als un­sub­stan­ti­iert be­zeich­net, räumt selbst die Not­wen­dig­keit ih­rer An­we­sen­heit im Be­trieb der Be­klag­ten über 20 Wo­chen­stun­den hin­aus und da­mit zu­gleich die Un­teil­bar­keit ih­res Ar­beits­plat­zes zu­min­dest in­di­rekt ein. Sie meint nämlich "selbst­verständ­lich" könn­ten Be­spre­chun­gen, Mee­tings etc. so ab­ge­stimmt wer­den, dass ih­re An­we­sen­heit, so­weit er­for­der­lich, auch außer­halb der von ihr gewünsch­ten zwei An­we­sen­heits­ta­ge si­cher­ge­stellt sei. Für die­sen Fall würde sie ei­ne Kin­der­be­treu­ung für ih­ren Sohn or­ga­ni­sie­ren. Auch sei sie be­reit, über die An­zahl von 20 St­un­den hin­aus ih­re Ar­beits­kraft zur Verfügung zu stel­len, wenn z. B. ei­ne Pro­jekt­ar­beit am Stück dies er­for­der­lich ma­che oder nicht auf­schieb­ba­re Auf­ga­ben­stel­lun­gen an­ste­hen würden. 78
c) Dies al­les steht aber ei­nem Teil­zeit­ver­lan­gen, das zu kei­ner un­zu­mut­ba­ren Ein­schränkung der Pla­nungs­si­cher­heit des Ar­beit­ge­bers führen darf (vgl. BAG 19.04.2005 - 9 AZR 233/04 - a. a. 0.), ent­ge­gen. Die Be­klag­te müss­te nämlich, wenn sie die Kläge­rin außer­halb der von ihr be­gehr­ten An­we­sen­heits­zei­ten benötigt, zunächst fra­gen, ob sie für die­sen Ein­satz tatsächlich ei­ne Kin­der­be­treu­ung or­ga­ni­siert be­kommt. Auch hat die Kläge­rin ih­re An­we­sen­heit außer­halb der von ihr gewünsch­ten Teil­zeit un­ter den Vor­be­halt der Er­for­der­lich­keit ge­stellt. Es ist nicht aus­zu­sch­ließen, dass hierüber Streit zwi­schen den Par­tei­en ent­steht und die Be­klag­te, ins­be­son­de­re wenn sie die Kläge­rin kurz­fris­tig benötigt, kaum die zu er­le­di­gen­de Ar­beit an­der­wei­tig ver­tei­len kann. 79
d) So­weit die Kläge­rin bezüglich der stu­fen­wei­sen Ver­le­gung des Con­trol­ling von F. nach C. dar­auf hin­weist, es sei der Be­klag­ten möglich ge­we­sen, mit ihr, da sie grundsätz­lich zu fle­xi­blen Lösun­gen be­reit sei, auch ei­ne Ver­ein­ba­rung zu tref­fen, die Tätig­kei­ten an ver­schie­de­nen Stand­or­ten vor­ge­se­hen hätte, ist ihr ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass es vor­lie­gend, wie auch schon die Vor­in­stanz in an­de­rem Zu­sam­men­hang aus­geführt hat, nicht um die Ände­rung ih­res Ein­satz­or­tes, son­dern aus­sch­ließlich um die Re­du­zie­rung von Ar­beits­zeit geht. Aus die­sem Grund ist auch ih­re Be­reit­schaft, die Tätig­kei­ten von Herrn D. aus­zuführen, un­er­heb­lich. 80
C. 81
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG. 82

Die Kam­mer hat der Rechts­sa­che grundsätz­li­che Be­deu­tung zu­ge­mes­sen und des­halb für die Kläge­rin die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt gemäß § 72 Abs. 1 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

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