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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/227

Bun­des­re­gie­rung will Ar­beits­be­din­gun­gen für Pa­ket­bo­ten ver­bes­sern

Pa­ket­zu­stell­diens­te sol­len künf­tig da­für haf­ten, wenn ih­re Su­b­un­ter­neh­mer kei­ne So­zi­al­ab­ga­ben ent­rich­ten.
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08.10.2019. Un­ter­neh­men, die in per­so­nal­in­ten­si­ven Bran­chen tä­tig sind, kön­nen durch den Ein­satz un­se­riö­ser Su­b­un­ter­neh­men Per­so­nal­kos­ten „ein­spa­ren“, näm­lich da­durch, dass die Su­b­un­ter­neh­men ih­rer­seits Lohn­dum­ping oder Lohn­prel­le­rei be­trei­ben oder ge­gen ih­re ge­setz­li­che Pflicht ver­sto­ßen, So­zi­al­ab­ga­ben für ih­re Mit­ar­bei­ter zu ent­rich­ten.

Da­her gibt es seit län­ge­rem be­reits für zwei Bran­chen ei­ne sog. Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung, näm­lich für die Bau­wirt­schaft und die Fleisch­wirt­schaft:

Ge­mäß § 28e Abs.3a) Satz 1 Vier­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IV) haf­tet ein Bau­un­ter­neh­men, das ein Su­b­un­ter­neh­men mit der Er­brin­gung von Bau­leis­tun­gen be­auf­tragt, für die Ab­füh­rung der So­zi­al­ab­ga­ben durch das Su­b­un­ter­neh­men (oder ei­nes von die­sem be­auf­trag­ten wei­te­ren Su­b­un­ter­neh­mens) wie ein selbst­schuld­ne­ri­scher Bür­ge. Die­se seit 2002 für die Bau­wirt­schaft gel­ten­de Re­ge­lung wur­de 2017 auf die Fleisch­wirt­schaft über­tra­gen, näm­lich durch § 3 Abs.1 des Ge­set­zes zur Si­che­rung von Ar­beit­neh­mer­rech­ten in der Fleisch­wirt­schaft (GSA Fleisch).

Die Bun­des­re­gie­rung plant, die für Un­ter­neh­men der Bau- und Fleisch­wirt­schaft gel­ten­de Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung auf die Ku­rier-, Ex­press- und Pa­ket­dienst­leis­ter zu über­tra­gen (sog. KEP-Bran­che). Da­zu soll § 28e SGB IV um ei­ne ent­spre­chen­de Re­ge­lung er­gänzt wer­den. Zur Be­grün­dung heißt es in dem Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 19.09.2019 (Bun­des­rat Drucks.453/19, S.3):

"Im Rah­men der Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung (auch Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer­haf­tung ge­nannt) haf­tet der Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer, hier al­so ins­be­son­de­re die gro­ßen Pa­ket­dienst­leis­ter, für von sei­nen Nach­un­ter­neh­mern ab­zu­füh­ren­de Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ge­samt­schuld­ne­risch. Da­mit soll die So­li­dar­ge­mein­schaft der Bei­trags­zah­ler ge­schützt und Schwarz­ar­beit so­wie il­le­ga­le Be­schäf­ti­gung ein­ge­dämmt wer­den. Der Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer setzt ge­ge­be­nen­falls über ei­ne ag­gres­si­ve Preis­po­li­tik ge­ra­de erst die Ur­sa­che für ver­brei­te­ten Miss­brauch. Die Nach­un­ter­neh­mer­haf­tung soll da­ge­gen be­wir­ken, dass er Druck auf sei­ne Nach­un­ter­neh­mer aus­übt oder sich ver­ge­wis­sert, dass sie se­ri­ös sind. Dies soll mit­tel­bar auch die Nach­un­ter­neh­mer da­vor schüt­zen, dass sie sich selbst ei­nem Ri­si­ko aus­set­zen."

Wie be­reits in der Bau- und Fleisch­wirt­schaft, so soll es auch in der KEP-Bran­che die Mög­lich­keit ei­ner Haf­tungs­be­frei­ung ge­ben. Be­auf­tra­gen­de Un­ter­neh­men kön­nen sich von ih­ren Su­b­un­ter­neh­men Un­be­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen vor­le­gen las­sen, die von Kran­ken­kas­sen und Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten aus­ge­stellt wer­den. Dar­in wird be­schei­nigt, dass der Su­b­un­ter­neh­mer bis­her sei­ne So­zi­al­ab­ga­ben ord­nungs­ge­mäß ab­ge­führt hat.

Liegt dem be­auf­tra­gen­den Un­ter­neh­men ei­ne sol­che Be­schei­ni­gung vor, haf­tet es nicht, wenn der Su­b­un­ter­neh­mer ge­gen sei­ne Pflicht zur Ab­füh­rung von So­zi­al­ab­ga­ben ver­stößt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 8. Juli 2020

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