HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 26/028

Die neue Grund­si­che­rung als Nach­fol­ger des Bür­ger­gel­des

Seit dem 1. Ju­li 2026 wird das bis­he­ri­ge Bür­ger­geld schritt­wei­se durch das Grund­si­che­rungs­geld er­setzt. Da­bei än­dert sich nicht nur die Be­zeich­nung der Leis­tung, son­dern auch ei­ni­ge Re­geln für Men­schen, die Un­ter­stüt­zung vom Job­cen­ter er­hal­ten
Schreiben der Bundesagentur für Arbeit mit darauf liegenden Geldscheinen

15.09.2026. Ziel der Re­form ist es vor al­lem, Men­schen, die ar­bei­ten kön­nen, schnel­ler in ei­ne Be­schäf­ti­gung zu ver­mit­teln. Gleich­zei­tig wer­den die Pflich­ten der Leis­tungs­be­zie­hen­den ver­bind­li­cher und Ver­stö­ße stär­ker sank­tio­niert. Ei­ne wich­ti­ge Än­de­rung ist der so­ge­nann­te Ver­mitt­lungs­vor­rang. Zu­nächst soll ge­prüft wer­den, ob ei­ne Per­son di­rekt in ei­ne zu­mut­ba­re Ar­beit ver­mit­telt wer­den kann. Wenn dies nicht mög­lich oder für ei­ne dau­er­haf­te Ein­glie­de­rung we­ni­ger er­folg­ver­spre­chend ist, kön­nen wei­ter­hin Wei­ter­bil­dun­gen und an­de­re Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men ein­ge­setzt wer­den. Be­son­ders bei Men­schen un­ter 30 Jah­ren spielt die­ser An­satz ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Auch El­tern sol­len frü­her wie­der in Be­ra­tung und Ver­mitt­lung ein­be­zo­gen wer­den. Wenn die Be­treu­ung des Kin­des ge­si­chert ist, kann be­reits ab dem voll­ende­ten 14. Le­bens­mo­nat ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit oder die Teil­nah­me an be­stimm­ten Maß­nah­men als zu­mut­bar gel­ten.

Neue Pflich­ten und Ein­schränkun­gen beim Leis­tungs­be­zug

Ne­ben den stärke­ren Bemühun­gen um ei­ne Ver­mitt­lung in Ar­beit verändern sich auch die Pflich­ten der Leis­tungs­be­zie­hen­den. Wer ei­ne zu­mut­ba­re Ar­beit auf­neh­men kann, soll sei­ne Ar­beits­kraft ent­spre­chend ein­set­zen. Auch die Ein­hal­tung von Ver­ein­ba­run­gen mit dem Job­cen­ter wird wich­ti­ger. Bei Pflicht­ver­let­zun­gen kann der Re­gel­be­darf um 30 Pro­zent für drei Mo­na­te gekürzt wer­den. Wer­den Ter­mi­ne beim Job­cen­ter oh­ne aus­rei­chen­den Grund wie­der­holt versäumt, können eben­falls Kürzun­gen er­fol­gen. Nach meh­re­ren auf­ein­an­der­fol­gen­den versäum­ten Ter­mi­nen kann der Leis­tungs­an­spruch im äußers­ten Fall vollständig ent­fal­len. 
Verändert wur­den außer­dem die Re­ge­lun­gen zu Vermögen und Wohn­kos­ten. Die bis­he­ri­ge einjähri­ge Ka­renz­zeit beim Vermögen wird ab­ge­schafft. Statt­des­sen rich­tet sich die Höhe des geschütz­ten Vermögens künf­tig nach dem Al­ter. Auch bei den Un­ter­kunfts­kos­ten gibt es ei­ne Be­gren­zung. Während des ers­ten Jah­res des Leis­tungs­be­zugs können grundsätz­lich höchs­tens Kos­ten bis zum Ein­ein­halb­fa­chen der ört­li­chen An­ge­mes­sen­heits­gren­ze über­nom­men wer­den. Für be­stimm­te Fälle, bei­spiels­wei­se Be­darfs­ge­mein­schaf­ten mit Kin­dern, sind Aus­nah­men vor­ge­se­hen. 

Un­terstützung für Bedürf­ti­ge bleibt be­ste­hen

Trotz der Re­form bleibt die grund­le­gen­de Funk­ti­on der Un­terstützung be­ste­hen. Grund­si­che­rungs­geld können ins­be­son­de­re er­werbsfähi­ge und hil­fe­bedürf­ti­ge Men­schen er­hal­ten, die ih­ren Le­bens­un­ter­halt nicht aus ei­ge­ner Kraft fi­nan­zie­ren können. Da­zu gehören bei­spiels­wei­se Ar­beits­lo­se oh­ne aus­rei­chen­den An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld so­wie Men­schen, die zwar ar­bei­ten, aber nicht genügend ver­die­nen. Auch nicht er­werbsfähi­ge Per­so­nen können un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Leis­tun­gen er­hal­ten, wenn sie mit ei­ner er­werbsfähi­gen leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­son in ei­ner Be­darfs­ge­mein­schaft le­ben. 
Für Men­schen, die be­reits Bürger­geld be­zie­hen, er­folgt die Um­stel­lung grundsätz­lich oh­ne ei­nen neu­en An­trag. Die bis­he­ri­gen An­sprech­part­ner beim Job­cen­ter blei­ben er­hal­ten und lau­fen­de Maßnah­men, bei­spiels­wei­se Wei­ter­bil­dun­gen, können fort­ge­setzt wer­den. Erst wenn der ak­tu­el­le Be­wil­li­gungs­zeit­raum en­det, ist ein Wei­ter­be­wil­li­gungs­an­trag not­wen­dig.

Fa­zit

Ins­ge­samt ver­bin­det die neue Grund­si­che­rung so­mit wei­ter­hin staat­li­che Un­terstützung mit stärke­ren An­for­de­run­gen an die Mit­wir­kung. Men­schen, die Hil­fe benöti­gen, sol­len un­terstützt wer­den, gleich­zei­tig wird von den­je­ni­gen, die ar­bei­ten können, stärker er­war­tet, dass sie sich um ei­ne ei­ge­ne Si­che­rung ih­res Le­bens­un­ter­halts bemühen.

Grund­si­che­rungs­geld löst Bürger­geld ab | Bun­des­agen­tur für Ar­beit

Bürger­geld wird zur neu­en Grund­si­che­rung | Bun­des­re­gie­rung

FAQ zu So­zi­al­hil­fe und neu­er Grund­si­che­rung | Bun­des­re­gie­rung

 

Hand­buch Ar­beits­recht: Ar­beits­lo­sen­geld I

Hand­buch Ar­beits­recht: Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rungs­pflicht

Hand­buch Ar­beits­recht: Ar­beits­zeit und Ar­beits­zeit­recht

Hand­buch Ar­beits­recht: Min­dest­lohn

Hand­buch Ar­beits­recht: So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht

Letzte Überarbeitung: 23. Oktober 2026

Weitere Auskünfte erteilen Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Kontakt:
030 / 26 39 620
hensche@hensche.de
Christoph Hildebrandt
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Kontakt:
030 / 26 39 620
hildebrandt@hensche.de
Nina Wesemann
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Kontakt:
040 / 69 20 68 04
wesemann@hensche.de

Bewertung:

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Kurfürstendamm 194, 10707 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2026:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Kurfürstendamm 194, 10707 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de