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Arbeitsrecht aktuell: 11/016 LAG Hamm - Unterlassungsanspruch des Betriebsrates bei Betriebsänderungen und unzureichenden Verhandlungen
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LAG Hamm: Betriebsräte haben bei Betriebsänderungen einen Unterlassungsanspruch
Landesarbeitsgericht Hamm, Beschluss vom 28.06.2010, 13 Ta 372/10
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Leitsätze der Redaktion: "Das Landesarbeitsgericht Hamm ist der Auffassung, dass Betriebsräte einem im Wege der einstweiligen Verfügung durchsetzbaren Anspruch auf Unterlassung einer Betriebsänderung zur Sicherung ihres Verhandlungsanspruchs haben. Dieser werde auch nicht durch den individualrechtlichen Anspruch der betroffenen Arbeitnehmer auf Nachteilsausgleich (§ 113 Abs.3 Betriebsverfassungsgesetz) ausgeschlossen."
24.01.2011. Arbeitgeber, die in mitbestimmten Betrieben mit mehr als 20 Arbeitnehmern eine Betriebsänderung im Sinne der §§ 111 ff. Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) planen, müssen den Betriebsrat hierüber nicht nur rechtzeitig und umfassend informieren, sondern auch versuchen, mit ihm zu einem Interessenausgleich zu kommen. Zwar kann der Arbeitgeber zu einen solchen Interessenausgleich nicht gezwungen werden. Er muss aber ernsthaft, d.h. im Zweifel vor einer Einigungsstelle, verhandeln. Tut er dies nicht, haben von der Betriebsänderung nachteilig betroffene Arbeitnehmer einen Anspruch auf sogenannten Nachteilsausgleich gemäß § 113 Abs. 3 BetrVG.
Da der Nachteilsausgleich in gewisser Weise das mitbestimmungswidrige Verhalten des Arbeitgebers kompensiert, ist fraglich, ob ein Betriebsrat dem Arbeitgeber durch eine einstweilige Verfügung die Durchführung der geplanten Betriebsänderung vorläufig verbieten lassen kann, wenn er seiner Verhandlungspflicht nicht nachkommt. Streitigkeiten über diese Frage werden im Beschlussverfahren vor den Arbeitsgerichten ausgetragen. Insoweit gibt es jedoch nur zwei Instanzen. Entscheidend ist damit nicht die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes, sondern des jeweils letztinstanzlich zuständigen Landesarbeitsgerichts (LAG). Da die Gerichte unterschiedlicher Auffassung sind, ist es notwendig, sich im Fall des Falles mit der Rechtsprechung des "eigenen" LAG auseinanderzusetzen.
Beispielsweise bestätigte Ende Juni 2010 das LAG Hamm seine seit sieben Jahren ständige Rechtsprechung, der Betriebsrat habe einen Anspruch darauf, dass Betriebsänderungen unterlassen werden, "bis von Seiten des Arbeitgebers den Anforderungen des § 111 Satz 1 BetrVG Rechnung getragen worden ist" (grundlegend: LAG Hamm, Beschluss vom 28.08.2003, 13 TaBV 127/03). Nur so könne sichergestellt werden, dass der Betriebsrat seine durch das Betriebsverfassungsgesetz zugewiesenen Aufgaben wahrnehmen kann. Bei der Gewährung des Unterlassungsanspruchs gehe es darum, den Weg bis zum ordnungsgemäßen Zu-Stande-Kommen eines Interessenausgleichs oder seines Scheiterns verfahrensrechtlich abzusichern. Andernfalls würde der Betriebsrat hinsichtlich seiner Rechte im Ergebnis schutzlos gestellt. Hieran ändere auch der Nachteilsausgleich nichts. Insoweit müsse zwischen dem kollektivrechtlichen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat einerseits und dem individualrechtlichen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer andererseits unterschieden werden.
Fazit: Die Entscheidung ist rechtskräftig. Sie ist auch richtig. Hierfür spricht unter anderem die nach wie vor in Deutschland nicht umgesetzte und damit nicht unmittelbar anwendbare, aber gleichwohl bei der Auslegung zu berücksichtigende sogenannte Konsultationsrichtlinie (Richtlinie 2002/14/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11.03.2002), die insoweit in Art. 8 eine Sicherung der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates durch geeignete Maßnahmen und Verfahren fordert.
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Letzte Überarbeitung: 2. März 2012
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München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
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Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
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Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
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Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
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Berlin, 05.04.2012 Unkündbarkeit:
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Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
Hamburg, 12.03.2012 Provision:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 06.12.2011, 1 Sa 13 a/11
Hannover, 11.03.2012 Befristung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 29.06.2011, 7 AZR 6/10
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