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Arbeitsrecht aktuell: 07/79 Altersgrenze von 60 Jahren bei Lufthansapiloten ist rechtens
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Hessisches LAG, Urteil vom 15.10.2007, 17 Sa 809/07
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Hessische LAG entschieden?
Die Richtlinie 2000/78 verbietet Diskriminierungen von Erwerbstätigen, insbesondere Arbeitnehmern, wegen bestimmter persönlicher Merkmale wie etwa des Geschlechts, der religiösen Überzeugung oder des Alters.
Dieses Diskriminierungsverbot wurde durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in das deutsche Recht übernommen.
Sowohl die Richtlinie 2000/78 (Art.6 Abs.1 der Richtlinie) als auch das AGG (§ 10 AGG) erlauben allerdings Schlechterstellungen wegen des Alters, wenn sie „objektiv und angemessen“ sind und durch ein „legitimes Ziel“ wie etwa die Beschäftigungsförderung gerechtfertigt sind; außerdem müssen die Mittel zur Erreichung dieses Ziels „angemessen und erforderlich“ sein.
Derzeit sehr umstritten ist, ob die tarif- oder arbeitsvertragliche Befristung von Arbeitsverhältnissen, d.h. deren automatische Beendigung mit Erreichen eines bestimmten Alters – meist: des Renteneintrittsalters - eine rechtlich verbotene Altersdiskriminierung darstellt oder nicht. Hierüber hatte das Hessische Landesarbeitsgericht (LAG) in einem Urteil vom 15.10.2007 (17 Sa 809/07) zu entscheiden.
Welcher Sachverhalt lag dem Urteil des Hessischen LAG zugrunde?
Drei bei der Lufthansa angestellte Piloten im Alter von knapp über 60 Jahren erhielten von der Lufthansa unter Verweis auf eine tarifliche Altersgrenze, die – unstreitig – auf die Arbeitsverhältnisse Anwendung findet, die Mitteilung, dass ihr Arbeitsverhältnis altersbedingt mit Ablauf des Monatsende, in dem die Piloten das sechzigste Lebensjahres erreichten.
Die dem zugrundeliegende tarifvertragliche Befristungsnorm ist in § 19 Abs.1 des Manteltarifvertrags Nr.5a für das Cockpitpersonal bei der Lufthansa AG enthalten.
Gegen diese aufgrund von Befristung eintretende Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse erhoben die drei Piloten im Rahmen eines einheitlichen Verfahrens (AZ: 6 Ca 7405/06) Klage vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main und beantragten festzustellen, dass ihre Arbeitsverhältnisse nicht aufgrund der o.g. tariflichen Befristungsvorschrift geendet haben.
Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main wies die Klage mit Urteil vom 14.03.2007 zurück, woraufhin die Kläger Berufung zum Hessischen Landesarbeitsgericht einlegten.
Wie hat das Hessische LAG entschieden?
Das LAG hat wie bereits das Arbeitsgericht Frankfurt am Main gegen die Piloten entschieden, d.h. es hielt die tarifliche Befristung der Arbeitsverträge für rechtens. Außerdem ließ es die Einlegung der Revision zum Bundesarbeitsgericht zu.
Da die Urteilsgründe derzeit noch nicht in schriftlicher Form vorliegen, kann man über die vom LAG gegebene Begründung nur soviel sagen, dass sich das Gericht von den wesentlichen rechtlichen Argumenten der Kläger offenbar nicht überzeugen ließ.
Das zentrale Argument der Piloten lautete, dass die in der Vertragsbeendigung liegende Schlechterstellung nicht durch Art.6 Abs.1 der Richtlinie 2000/78 bzw. durch § 10 AGG gerechtfertigt sei, da eine mögliche altersbedingte Verminderung der Leistungsfähigkeit auch durch regelmäßige Gesundheitsüberprüfungen, d.h. durch ein weniger einschneidendes Mittel ausgeschlossen werden könne.
Demgegenüber hatte aber bereits das Arbeitsgericht Frankfurt darauf hingewiesen, dass das generelle Ausscheiden von über 60jährigen Piloten gegenüber Gesundheitschecks das sicherere Mittel sei, d.h. dass Gesundheitschecks eben nicht ebenso geeignet zur Abwehr von Sicherheitsrisiken wie eine generelle Altersgrenze seien.
Die Verhältnismäßigkeit im engeren Sinne (Zumutbarkeit) hatte das Arbeitsgericht mit Blick auf die immensen Gefahren des Luftverkehrs bejaht. Offenbar wollte auch das LAG an diesem Punkt der Argumentation der Piloten nicht folgen.
Ein weiteres Argument der Piloten zielte darauf, dass andere Fluggesellschaften Piloten auch im Alter von über 60 Jahren, d.h. bis zur Altersgrenze von 65 Jahren beschäftigen würden. Dieses Argument ist aber von vornherein nicht überzeugend, da diese Handhabung ja möglicherweise mit zu hohen Risiken für den Flugverkehr verbunden ist.
Aufgrund der Tatsache, dass zufälligerweise einen Tag nach dem Pilotenurteil des Hessischen LAG auch der EuGH zu der Frage der Zulässigkeit rechtlicher Altersgrenzen – und zwar in einem arbeitnehmerunfreundlichen Sinne - entschieden hat (EuGH, Urteil vom 16.10.2007, Rs. C-411/05 - Palacios de la Villa), dürften die Prozessaussichten der drei Lufthansapiloten in einem möglichen Revisionsverfahren vor dem BAG äußerst schlecht stehen.
Es scheint derzeit, als könnte man das Thema Altersdiskriminierung – jedenfalls juristisch - zu den Akten legen, da Schlechterstellungen wegen des Alters aufgrund der aktuellen Rechtsprechung durch alle möglichen Gründe „gerechtfertigt“ sein könnten, so dass das allgemeine Verbot selbst im Ergebnis leer läuft.
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Letzte Überarbeitung: 31. Januar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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