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Arbeitsrecht aktuell: 11/178 EuGH kippt Altersgrenze 60 für Lufthansa-Piloten
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EuGH: Tarifvertragliche Altersgrenze 60 für Piloten der Deutschen Lufthansa ist diskriminierend
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Viele Tarifverträge sehen vor, dass Arbeitsverhältnisse automatisch mit dem Renteneintrittsalter enden, das heute (noch) bei 65 Jahren liegt. Wer ohnehin in den Ruhestand treten möchte, kann damit leben. Andere Arbeitnehmer bewerten den ungewollten Verlust ihres Arbeitsplatzes allein aufgrund des Rentenalters als verbotene Altersdiskriminierung.
Denn eine Altersdiskriminierung liegt vor, wenn Arbeitnehmer nur wegen ihres jugendlichen oder vorgerückten Alters ungünstiger behandelt werden als ältere oder jüngere Kollegen, ohne dass dies durch eine „verhältnismäßige“ Verfolgung sozialpolitischer Ziele oder durch zwingende Sicherheitsgründe gerechtfertigt wäre. Das ergibt sich aus dem EU-Recht, v.a. aus der Richtlinie 2000/78/EG, und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das diese und andere EU-Richtlinien umsetzt. Wie erwähnt, hält der EuGH tarifliche Altersgrenzen im Allgemeinen für zulässig. Allerdings trifft die Altersgrenze Piloten härter, da sie schon mit 60 ausscheiden sollen.
Drei Piloten der Deutschen Lufthansa, Reinhard Prigge, Michael Fromm und Volker Lambach, erreichten im November 2006 bzw. im Laufe des Jahres 2007 ihr 60. Lebensjahr, woraufhin sich die Lufthansa unter Verweis auf eine tarifvertragliche Altersklausel auf den Standpunkt stellte, ihre Arbeitsverhältnisse seien altersbedingt beendet. Dagegen klagten die Piloten im Oktober 2006 vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main, das die Klage abwies (Urteil vom 14.03.2007, 6 Ca 7405/06). Auch vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht (LAG) hatten sie keinen Erfolg (Hessisches LAG, Urteil vom 15.10.2007, 17 Sa 809/07 - wir berichteten in: Arbeitsrecht aktuell 07/79 Altersgrenze von 60 Jahren bei Lufthansapiloten ist rechtens). Arbeitsgericht und LAG hielten die tarifliche Altersgrenze für zulässig.
Daraufhin hatte das BAG im Jahre 2009 über den Fall zu entscheiden und bezweifelte, ob seine bisherige Rechtsprechung zur tariflichen Altersgrenze von 60 Jahren bei Piloten mit dem Europarecht vereinbar ist. Das BAG legte diese Frage daher dem EuGH vor (Beschluss vom 17.06.2009, 7 AZR 112/08 (A) - wir berichteten darüber in: Arbeitsrecht aktuell 09/118 Ist die Zwangsverrentung von Piloten mit 60 Jahren doch europarechtswidrig?).
Nachdem der EuGH-Generalanwalt Villalón die streitige Tarifregelung in seinen Schlussanträge vom 19.05.2011, C-447/09 als diskriminierend bewertet hatte, war zu erwarten, dass der EuGH ebenfalls in diesem Sinne, d.h. zugunsten der Piloten entscheiden würde (einen Bewertung der Schlussanträge des Generalanwalts finden Sie in: Arbeitsrecht aktuell: 11/124 Altersgrenze 60 für Piloten im Tarifvertrag ist diskriminierend).
In diesem Sinne hat der EuGH heute tatsächlich entschieden (Urteil vom 13.09.2011, Rs. C-447/09, Prigge u.a. gg. Deutsche Lufthansa). Zur Begründung heißt es in dem Urteil:
Die in der Richtlinie 2000/78/EG vorgesehene Ausnahme vom Verbot der Altersdiskriminierung, die für Regelungen im Interesse der „öffentlichen Sicherheit“ gilt (Art. 2 Abs. 5), gilt hier nicht. Denn dann müsste der Staat selbst tätig werden und dürfte die Regelung einer so wichtigen Frage nicht den Tarifparteien überlassen.
Die tarifliche Altersgrenze ist auch nicht durch Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 2000/78/EG gerechtfertigt, da ein Alter unter 60 Jahren keine „wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung“ für die Arbeit eines Piloten darstellt. Denn sowohl deutsche als auch internationale Regeln erlauben es Verkehrspiloten, bis zum 65. Lebensjahr zu arbeiten.
Somit kann die streitige Tarifvorschrift nur auf Art. 6 der Richtlinie 2000/78/EG als Rechtfertigungsgrund gestützt werden, der altersbedingte Schlechterstellungen erlaubt, wenn sie objektiv und angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt sind. Hier aber meint der EuGH, dass als „legitime Ziele“ für eine Zwangspensionierung im Sinne dieser Vorschrift nur beschäftigungspolitische Ziele herangezogen werden können, nicht aber die öffentliche Sicherheit. Und das mögliche beschäftigungspolitische Ziel der Förderung jüngerer Arbeitnehmer erlaubt eine tarifliche Zwangsberentung von Piloten im Alter von 60 Jahren nicht, da dies unverhältnismäßig wäre. Denn da Piloten ohnehin mit 65 Jahren nicht mehr arbeiten dürfen, ist es ihnen nicht zuzumuten, auf immerhin fünf volle Jahre ihres möglichen Berufslebens zu verzichten.
Fazit: Piloten müssen aufgrund internationaler Sicherheitsbestimmungen so oder so mit 65 Jahren aufhören. Diese Grenze um satte fünf (!) Jahre vorzuverlagern, ist von der Regelungsmacht der Tarifpartner nicht mehr gedeckt und den betroffenen Piloten nicht zuzumuten. Die tarifliche Altersgrenze 60 verstößt daher gegen das Verbot der Altersdiskriminierung. Betroffenen Piloten ist zu raten, gegen die von der Fluggesellschaft behauptete Auflösung ihrer Arbeitsverhältnisse mit Erreichen der Altersgrenze 60 zu klagen.
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Letzte Überarbeitung: 2. März 2012
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
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Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
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Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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