HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

EuGH, Ur­teil vom 16.10.2007, C-411/05

   
Schlagworte: Diskriminierung: Alter
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Aktenzeichen: C-411/05
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 16.10.2007
   
Leitsätze:

Das in der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf konkretisierte Verbot jeglicher Diskriminierung wegen des Alters ist dahin gehend auszulegen, dass es einer nationalen Regelung wie der des Ausgangsverfahrens nicht entgegensteht, die in Tarifverträgen enthaltene Klauseln über die Zwangsversetzung in den Ruhestand für gültig erklärt, in denen als Voraussetzung lediglich verlangt wird, dass der Arbeitnehmer die im nationalen Recht auf 65 Jahre festgesetzte Altersgrenze für den Eintritt in den Ruhestand erreicht hat und die übrigen sozialversicherungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bezug einer beitragsbezogenen Altersrente erfüllt, sofern

- diese Maßnahme, auch wenn sie auf das Alter abstellt, objektiv und angemessen ist und im Rahmen des nationalen Rechts durch ein legitimes Ziel, das in Beziehung zur Beschäftigungspolitik und zum Arbeitsmarkt steht, gerechtfertigt ist und

- die Mittel, die zur Erreichung dieses im Allgemeininteresse liegenden Ziels eingesetzt werden, nicht als dafür unangemessen und nicht erforderlich erscheinen.

Vorinstanzen: Juzgado de lo Social nº 33 de Madrid (Spanien), Vorabentscheidungsersuchen nach Art.234 EG vom 14.11.2005
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Große Kam­mer)

16. Ok­to­ber 2007(*)

„Richt­li­nie 2000/78/EG − Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf − Um­fang − Ta­rif­ver­trag, der die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­sieht, wenn der Ar­beit­neh­mer das 65. Le­bens­jahr voll­endet und An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te hat − Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Al­ters − Recht­fer­ti­gung“

In der Rechts­sa­che C‑411/05

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Juz­ga­do de lo So­ci­al nº 33 de Ma­drid (Spa­ni­en) mit Ent­schei­dung vom 14. No­vem­ber 2005, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 22. No­vem­ber 2005, in dem Ver­fah­ren

Félix Pa­la­ci­os de la Vil­la

ge­gen

Corte­fiel Ser­vici­os SA

erlässt

DER GERICH­TSHOF (Große Kam­mer)

un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten P. Jann, C. W. A. Tim­mer­m­ans, A. Ro­sas, K. Lena­erts und A. Tiz­za­no, der Rich­ter R. Sch­int­gen (Be­richt­er­stat­ter) und J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, der Rich­te­rin R. Sil­va de La­pu­er­ta, des Rich­ters M. Ilešič, der Rich­te­rin P. Lindh so­wie der Rich­ter J.‑C. Bo­ni­chot und T. von Dan­witz,

Ge­ne­ral­an­walt: J. Mazák,

Kanz­ler: M. Fer­rei­ra, Haupt­ver­wal­tungsrätin,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21. No­vem­ber 2006,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

– von Herrn Pa­la­ci­os de la Vil­la, ver­tre­ten durch P. Ber­nal de Pa­blo Blan­co, aboga­do,

– der Corte­fiel Ser­vici­os SA, ver­tre­ten durch D. López González, aboga­do,

– der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M. Muñoz Pérez als Be­vollmäch­tig­ten,

– Ir­lands, ver­tre­ten durch D. J. O’Ha­gan als Be­vollmäch­tig­ten im Bei­stand von N. Tra­vers und F. O’Dub­h­ghaill, BL, so­wie durch M. McLaugh­lin und N. Mc­Cut­che­on, So­li­ci­tors,

– der nie­derländi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch H. G. Se­vens­ter, M. de Mol und P. P. J. van Gin­ne­ken als Be­vollmäch­tig­te,

– der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch R. Caud­well als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von A. Da­shwood, Bar­ris­ter,

– der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und R. Vi­dal Pu­ig als Be­vollmäch­tig­te,

nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 15. Fe­bru­ar 2007

fol­gen­des

Ur­teil

1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 13 EG so­wie von Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16). 
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Pa­la­ci­os de la Vil­la und sei­ner Ar­beit­ge­be­rin, der Corte­fiel Ser­vici­os SA (im Fol­gen­den: Corte­fiel), we­gen der au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­ver­trags auf­grund der Tat­sa­che, dass er die im na­tio­na­len Recht auf 65 Jah­re fest­ge­leg­te Al­ters­gren­ze für die Zwangs­ver­set­zung ei­nes Ar­beit­neh­mers in den Ru­he­stand er­reicht hat­te.

Recht­li­cher Rah­men

Ge­mein­schafts­recht

Die Richt­li­nie 2000/78 wur­de auf der Grund­la­ge von Art. 13 EG er­las­sen. Ih­re Erwägungs­gründe 4, 6, 8, 9, 11 bis 14, 25 und 36 lau­ten:

„(4) Die Gleich­heit al­ler Men­schen vor dem Ge­setz und der Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung ist ein all­ge­mei­nes Men­schen­recht; die­ses Recht wur­de in der All­ge­mei­nen Erklärung der Men­schen­rech­te, im VN-Übe­r­ein­kom­men zur Be­sei­ti­gung al­ler For­men der Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en, im In­ter­na­tio­na­len Pakt der VN über bürger­li­che und po­li­ti­sche Rech­te, im In­ter­na­tio­na­len Pakt der VN über wirt­schaft­li­che, so­zia­le und kul­tu­rel­le Rech­te so­wie in der Eu­ropäischen Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten an­er­kannt, die von al­len Mit­glied­staa­ten un­ter­zeich­net wur­den. Das Übe­r­ein­kom­men 111 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on un­ter­sagt Dis­kri­mi­nie­run­gen in Beschäfti­gung und Be­ruf.

(6) In der Ge­mein­schafts­char­ta der so­zia­len Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer wird an­er­kannt, wie wich­tig die Bekämp­fung je­der Art von Dis­kri­mi­nie­rung und ge­eig­ne­te Maßnah­men zur so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Ein­glie­de­rung älte­rer Men­schen und von Men­schen mit Be­hin­de­rung sind.

(8) In den vom Eu­ropäischen Rat auf sei­ner Ta­gung am 10. und 11. De­zem­ber 1999 in Hel­sin­ki ver­ein­bar­ten beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en für 2000 wird die Not­wen­dig­keit un­ter­stri­chen, ei­nen Ar­beits­markt zu schaf­fen, der die so­zia­le Ein­glie­de­rung fördert, in­dem ein gan­zes Bündel auf­ein­an­der ab­ge­stimm­ter Maßnah­men ge­trof­fen wird, die dar­auf ab­stel­len, die Dis­kri­mi­nie­rung von be­nach­tei­lig­ten Grup­pen, wie den Men­schen mit Be­hin­de­rung, zu bekämp­fen. Fer­ner wird be­tont, dass der Un­terstützung älte­rer Ar­beit­neh­mer mit dem Ziel der Erhöhung ih­res An­teils an der Er­werbs­bevölke­rung be­son­de­re Auf­merk­sam­keit gebührt.

(9) Beschäfti­gung und Be­ruf sind Be­rei­che, die für die Gewähr­leis­tung glei­cher Chan­cen für al­le und für ei­ne vol­le Teil­ha­be der Bürger am wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und so­zia­len Le­ben so­wie für die in­di­vi­du­el­le Ent­fal­tung von ent­schei­den­der Be­deu­tung sind.

(11) Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung können die Ver­wirk­li­chung der im EG-Ver­trag fest­ge­leg­ten Zie­le un­ter­mi­nie­ren, ins­be­son­de­re die Er­rei­chung ei­nes ho­hen Beschäfti­gungs­ni­veaus und ei­nes ho­hen Maßes an so­zia­lem Schutz, die He­bung des Le­bens­stan­dards und der Le­bens­qua­lität, den wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Zu­sam­men­halt, die So­li­da­rität so­wie die Freizügig­keit.

(12) Da­her soll­te je­de un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in den von der Richt­li­nie ab­ge­deck­ten Be­rei­chen ge­mein­schafts­weit un­ter­sagt wer­den. ...

(13) Die­se Richt­li­nie fin­det we­der An­wen­dung auf die So­zi­al­ver­si­che­rungs- und So­zi­al­schutz­sys­te­me, de­ren Leis­tun­gen nicht ei­nem Ar­beits­ent­gelt in dem Sin­ne gleich­ge­stellt wer­den, der die­sem Be­griff für die An­wen­dung des Ar­ti­kels 141 des EG-Ver­trags ge­ge­ben wur­de, noch auf Vergütun­gen je­der Art sei­tens des Staa­tes, die den Zu­gang zu ei­ner Beschäfti­gung oder die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zum Ziel ha­ben.

(14) Die­se Richt­li­nie berührt nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand.

(25) Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters stellt ein we­sent­li­ches Ele­ment zur Er­rei­chung der Zie­le der beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en und zur Förde­rung der Viel­falt im Be­reich der Beschäfti­gung dar. Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters können un­ter be­stimm­ten Umständen je­doch ge­recht­fer­tigt sein und er­for­dern da­her be­son­de­re Be­stim­mun­gen, die je nach der Si­tua­ti­on der Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­lich sein können. Es ist da­her un­be­dingt zu un­ter­schei­den zwi­schen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung, die ins­be­son­de­re durch rechtmäßige Zie­le im Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­mark­tes und der be­ruf­li­chen Bil­dung ge­recht­fer­tigt ist, und ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, die zu ver­bie­ten ist.

(36) Die Mit­glied­staa­ten können den So­zi­al­part­nern auf de­ren ge­mein­sa­men An­trag die Durchführung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über­tra­gen, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len, so­fern sie al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men tref­fen, um je­der­zeit gewähr­leis­ten zu können, dass die durch die­se Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den.“

4 Laut ih­rem Art. 1 be­zweckt die Richt­li­nie 2000/78 „die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
5 Art. 2 („Der Be­griff ,Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt in sei­nen Abs. 1 und 2 Buchst. a:

„(1) Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie be­deu­tet ,Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe ge­ben darf.

(2) Im Sin­ne des Ab­sat­zes 1

a) liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde; …“

6

Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) der Richt­li­nie sieht in sei­nem Abs. 1 vor:

„Im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf

c) die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts;

…“

Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) lau­tet:

„(1) Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.

Der­ar­ti­ge Un­gleich­be­hand­lun­gen können ins­be­son­de­re Fol­gen­des ein­sch­ließen:

a) die Fest­le­gung be­son­de­rer Be­din­gun­gen für den Zu­gang zur Beschäfti­gung und zur be­ruf­li­chen Bil­dung so­wie be­son­de­rer Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Be­din­gun­gen für Ent­las­sung und Ent­loh­nung, um die be­ruf­li­che Ein­glie­de­rung von Ju­gend­li­chen, älte­ren Ar­beit­neh­mern und Per­so­nen mit Fürsor­ge­pflich­ten zu fördern oder ih­ren Schutz si­cher­zu­stel­len;

b) die Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen an das Al­ter, die Be­rufs­er­fah­rung oder das Dienst­al­ter für den Zu­gang zur Beschäfti­gung oder für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le;

c) die Fest­set­zung ei­nes Höchst­al­ters für die Ein­stel­lung auf­grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes oder auf­grund der Not­wen­dig­keit ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand.

(2) Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt.“

8 Art. 8 („Min­dest­an­for­de­run­gen“) der Richt­li­nie 2000/78 hat fol­gen­den Wort­laut:

„(1) Die Mit­glied­staa­ten können Vor­schrif­ten einführen oder bei­be­hal­ten, die im Hin­blick auf die Wah­rung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes güns­ti­ger als die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten sind.

(2) Die Um­set­zung die­ser Richt­li­nie darf kei­nes­falls als Recht­fer­ti­gung für ei­ne Ab­sen­kung des von den Mit­glied­staa­ten be­reits ga­ran­tier­ten all­ge­mei­nen Schutz­ni­veaus in Be­zug auf Dis­kri­mi­nie­run­gen in den von der Richt­li­nie ab­ge­deck­ten Be­rei­chen be­nutzt wer­den.“

9 Art. 16 („Ein­hal­tung“) der Richt­li­nie be­stimmt:

„Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass

a) die Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, die dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu­wi­der­lau­fen, auf­ge­ho­ben wer­den;

b) die mit dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht zu ver­ein­ba­ren­den Be­stim­mun­gen in Ar­beits- und Ta­rif­verträgen, Be­triebs­ord­nun­gen und Sta­tu­ten der frei­en Be­ru­fe und der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen für nich­tig erklärt wer­den oder erklärt wer­den können oder geändert wer­den.

10 Nach Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 muss­ten die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten er­las­sen, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 nach­zu­kom­men, oder konn­ten den So­zi­al­part­nern die Durchführung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über­tra­gen, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len. In die­sem Fall muss­ten die Mit­glied­staa­ten je­doch gewähr­leis­ten, dass die So­zi­al­part­ner spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 im Weg ei­ner Ver­ein­ba­rung die er­for­der­li­chen Maßnah­men ge­trof­fen hat­ten; da­bei wa­ren die Mit­glied­staa­ten ge­hal­ten, al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen, um je­der­zeit gewähr­leis­ten zu können, dass die durch die­se Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den. Sie muss­ten darüber hin­aus die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten un­verzüglich von den be­tref­fen­den Vor­schrif­ten in Kennt­nis set­zen.

Na­tio­na­les Recht

11  Von 1980 bis 2001 nutz­te der spa­ni­sche Ge­setz­ge­ber zur Eindämmung der Ar­beits­lo­sig­keit das In­stru­ment der zwangs­wei­sen Ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern, die ein be­stimm­tes Al­ter er­reicht hat­ten, in den Ru­he­stand.
12 So sah die Fünf­te Zu­satz­be­stim­mung des Ge­set­zes 8/1980 über das Ar­beit­neh­mer­sta­tut (Ley 8/1980 del Es­ta­tu­to de los Tra­ba­ja­do­res) vom 10. März 1980 vor:

„Für die Ar­beitsfähig­keit und das Erlöschen der Ar­beits­verträge gilt die Al­tershöchst­gren­ze, die die Re­gie­rung in Abhängig­keit von der Auf­nah­mefähig­keit der So­zi­al­ver­si­che­rung und des Ar­beits­markts fest­legt. In je­dem Fall beträgt die Al­ters­gren­ze – vor­be­halt­lich der Möglich­keit, War­te­zei­ten für ei­nen An­spruch auf Al­ters­ren­te zu erfüllen – 69 Jah­re.

In den Ta­rif­ver­hand­lun­gen können – vor­be­halt­lich der in­so­weit für die So­zi­al­ver­si­che­rung gel­ten­den Be­stim­mun­gen – Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand frei ver­ein­bart wer­den.“

13 Mit dem Re­al De­cre­to Le­gis­la­tivo 1/1995 vom 24. März 1995 (BOE Nr. 75 vom 29. März 1995, S. 9654) wur­de die Neu­fas­sung des Ge­set­zes 8/1980 er­las­sen, des­sen Zehn­te Zu­satz­be­stim­mung (im Fol­gen­den: Zehn­te Zu­satz­be­stim­mung) im We­sent­li­chen die Re­ge­lung der Fünf­ten Zu­satz­be­stim­mung des Ge­set­zes 8/1980 über­nahm, die es ermöglich­te, die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand als In­stru­ment der Beschäfti­gungs­po­li­tik ein­zu­set­zen.
14 Das De­cre­to-ley 5/2001 vom 2. März 2001 über So­fort­maßnah­men zur Re­form des Ar­beits­markts für mehr und bes­se­re Beschäfti­gung, das mit dem Ge­setz 12/2001 vom 9. Ju­li 2001 bestätigt wur­de, hob die Zehn­te Zu­satz­be­stim­mung zum 11. Ju­li 2001 auf.
15 Das vor­le­gen­de Ge­richt weist in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf hin, dass der spa­ni­sche Ge­setz­ge­ber auf­grund der Bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen La­ge auf­gehört ha­be, die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand als ein die Beschäfti­gungs­po­li­tik un­terstützen­des In­stru­ment an­zu­se­hen, son­dern die­se Maßnah­me nun­mehr als Be­las­tung für die So­zi­al­ver­si­che­rung be­grei­fe, so dass er be­schlos­sen ha­be, die Po­li­tik der Förde­rung der Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand durch Maßnah­men zu er­set­zen, die An­rei­ze für die Schaf­fung ei­nes Sys­tems für ei­nen fle­xi­blen Ein­tritt in den Ru­he­stand schaf­fen soll­ten.
16 Die Art. 4 und 17 des Ge­set­zes 8/1980 in ih­rer geänder­ten Fas­sung, die sich aus dem Ge­setz 62/2003 vom 30. De­zem­ber 2003 zur Einführung steu­er­li­cher, ver­wal­tungs­recht­li­cher und so­zia­ler Maßnah­men (BOE Nr. 313 vom 31. De­zem­ber 2003, S. 46874; im Fol­gen­den: Ar­beit­neh­mer­sta­tut) er­gibt, mit dem die Richt­li­nie 2000/78 in spa­ni­sches Recht um­ge­setzt wer­den soll und das am 1. Ja­nu­ar 2004 in Kraft trat, re­geln das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung u. a. we­gen des Al­ters.
17

Art. 4 Abs. 2 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts lau­tet:

„Die Ar­beit­neh­mer ha­ben im Zu­sam­men­hang mit der Ar­beit das Recht,

c) nicht im Hin­blick auf die Ein­stel­lung oder während des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses auf­grund des Ge­schlechts, des Fa­mi­li­en­stands, des Al­ters in­ner­halb der durch die­ses Ge­setz fest­ge­leg­ten Gren­zen, der Ras­se oder der eth­ni­schen Her­kunft, der so­zia­len Stel­lung, der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, der po­li­ti­schen Ide­en, der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung, der Zu­gehörig­keit oder Nicht­zu­gehörig­keit zu ei­ner Ge­werk­schaft oder auf­grund der Spra­che im spa­ni­schen Staat un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar dis­kri­mi­niert zu wer­den. Eben­so we­nig dürfen sie auf­grund ei­ner Be­hin­de­rung dis­kri­mi­niert wer­den, so­fern sie in der La­ge sind, die be­tref­fen­de Beschäfti­gung oder Tätig­keit aus­zuüben.

…“

18 Art. 17 Abs. 1 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts be­stimmt:

„Als null und nich­tig gel­ten Be­stim­mun­gen in Ver­ord­nun­gen, Klau­seln in Ta­rif­verträgen, in­di­vi­du­el­le Ver­ein­ba­run­gen und ein­sei­ti­ge Ent­schei­dun­gen des Ar­beit­ge­bers, die un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar be­nach­tei­li­gen­de Dis­kri­mi­nie­run­gen auf­grund des Al­ters … ent­hal­ten.“

19

Dem vor­le­gen­den Ge­richt zu­fol­ge gab die Auf­he­bung der Zehn­ten Zu­satz­be­stim­mung An­lass für zahl­rei­che Rechts­strei­tig­kei­ten über die Gültig­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Klau­seln, die die Zwangs­ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern in den Ru­he­stand er­laub­ten.

20 Dar­auf­hin er­ließ der spa­ni­sche Ge­setz­ge­ber das Ge­setz 14/2005 über ta­rif­ver­trag­li­che Klau­seln, die sich auf das Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand be­zie­hen (Ley 14/2005 sob­re las cláusu­las de los con­ve­ni­os colec­tiv­os re­fe­ri­das al cum­pli­mi­en­to de la edad or­di­na­ria de ju­bi­la­ción), vom 1. Ju­li 2005 (BOE Nr. 157 vom 2. Ju­li 2005, S. 23634), das am 3. Ju­li 2005 in Kraft trat.
21 Das letzt­ge­nann­te Ge­setz führ­te das In­stru­ment der Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand wie­der ein; es sieht in­so­weit al­ler­dings un­ter­schied­li­che Vor­aus­set­zun­gen vor, je nach­dem, ob sei­ne endgülti­ge Re­ge­lung oder sei­ne Über­g­angs­re­ge­lung ein­schlägig ist.
22 So stellt der ein­zi­ge Ar­ti­kel des Ge­set­zes für die nach des­sen In­kraft­tre­ten ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge die Zehn­te Über­g­angs­be­stim­mung mit fol­gen­den Wor­ten wie­der her:

Ta­rif­verträge können Klau­seln ent­hal­ten, die es ermögli­chen, dass der Ar­beits­ver­trag er­lischt, wenn der Ar­beit­neh­mer die in den so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten fest­ge­leg­te Re­gel­al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­reicht hat, so­fern fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind:

a) Die­se Maßnah­me muss in Ver­bin­dung mit Zie­len ste­hen, die mit der Beschäfti­gungs­po­li­tik übe­rein­stim­men und im Ta­rif­ver­trag ge­nannt sind, wie die Ver­bes­se­rung der Sta­bi­lität der Beschäfti­gung, die Um­wand­lung von be­fris­te­ten Verträgen in un­be­fris­te­te Verträge, die Beschäfti­gungs­si­che­rung, die Ein­stel­lung neu­er Ar­beit­neh­mer oder an­de­re Zwe­cke, die auf die Ver­bes­se­rung der Qua­lität der Beschäfti­gung ge­rich­tet sind.

b) Der vom Erlöschen des Ar­beits­ver­trags be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer muss die Min­dest­bei­trags­zeit oder, wenn dies im Ta­rif­ver­trag so ver­ein­bart wur­de, ei­ne länge­re Zeit zurück­ge­legt ha­ben und die übri­gen so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen An­spruch auf ei­ne bei­trags­be­zo­ge­ne Al­ters­ren­te erfüllen.“

23 Bei vor dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes 14/2005 ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen hin­ge­gen ver­langt die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung die­ses Ge­set­zes (im Fol­gen­den: Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung) le­dig­lich die zwei­te der bei­den Vor­aus­set­zun­gen, die die in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer wie­der­ge­ge­be­ne Be­stim­mung anführt; jeg­li­cher Hin­weis auf ein beschäfti­gungs­po­li­ti­sches Ziel fehlt.
24 Die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung lau­tet wie folgt:

„Klau­seln in vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen, in de­nen ver­ein­bart wur­de, dass der Ar­beits­ver­trag er­lischt, wenn der Ar­beit­neh­mer die Re­gel­al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­reicht hat, sind gültig, wenn gewähr­leis­tet ist, dass der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer die Min­dest­bei­trags­zeit zurück­ge­legt hat und die übri­gen so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen An­spruch auf ei­ne bei­trags­be­zo­ge­ne Al­ters­ren­te erfüllt.

Der vor­ste­hen­de Ab­satz fin­det auf Sach­ver­hal­te, die vor In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes recht­lich ab­ge­schlos­sen wa­ren, kei­ne An­wen­dung.“

25 Die Be­zie­hung zwi­schen den Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens wird durch den Ta­rif­ver­trag für den Tex­til­han­del für die Co­mu­ni­dad de Ma­drid (im Fol­gen­den: Ta­rif­ver­trag) ge­re­gelt.
26 Der Ta­rif­ver­trag wur­de am 10. März 2005 ge­schlos­sen und am 26. Mai 2005 veröffent­licht. Er galt nach sei­nem Art. 3 bis zum 31. De­zem­ber 2005. Da die­ser Ta­rif­ver­trag dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes 14/2005 vor­aus­ging, fin­det die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung auf ihn An­wen­dung.
27 Art. 19 Abs. 3 des Ta­rif­ver­trags sieht vor:

„Zum Zweck der Beschäfti­gungsförde­rung wird ver­ein­bart, dass die Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand 65 Jah­re beträgt, es sei denn, der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer hat die für den Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te er­for­der­li­che War­te­zeit nicht erfüllt; in die­sem Fall kann er bis zur Ver­vollständi­gung der War­te­zeit wei­ter sei­ner Tätig­keit nach­ge­hen.“

Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­gen

28 Nach den Ak­ten, die das vor­le­gen­de Ge­richt dem Ge­richts­hof über­mit­telt hat, war Herr Pa­la­ci­os de la Vil­la, ge­bo­ren am 3. Fe­bru­ar 1940, seit dem 17. Au­gust 1981 als Or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­ter bei Corte­fiel beschäftigt.
29 Mit Schrei­ben vom 18. Ju­li 2005 teil­te ihm Corte­fiel mit, dass sein Ar­beits­verhält­nis au­to­ma­tisch be­en­det sei, weil er das Al­ter für ei­ne Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand nach Art. 19 Abs. 3 des Ta­rif­ver­trags er­reicht ha­be und am 2. Ju­li 2005 das Ge­setz 14/2005 veröffent­licht wor­den sei, das in sei­ner Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung ei­ne sol­che Maßnah­me er­lau­be.
30 Es steht fest, dass Herr Pa­la­ci­os de la Vil­la an dem Tag, an dem ihm Corte­fiel die Auflösung des zwi­schen ih­nen ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags mit­teil­te, die er­for­der­li­chen Beschäfti­gungs­zei­ten zurück­ge­legt hat­te, um ei­ne Al­ters­ren­te aus der So­zi­al­ver­si­che­rung be­an­spru­chen zu können, die – vor­be­halt­lich der in den na­tio­na­len Vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Höchst­gren­zen – 100 % sei­ner Bei­trags­be­mes­sungs­grund­la­ge von 2.347,78 Eu­ro ent­spricht.
31 Da Herr Pa­la­ci­os de la Vil­la der Auf­fas­sung war, dass die­se Mit­tei­lung ei­ner Ent­las­sung gleich­kom­me, er­hob er ge­gen die­se am 9. Au­gust 2005 beim Juz­ga­do de lo So­ci­al nº 33 de Ma­drid Kla­ge. Mit der Kla­ge be­an­tragt er, die Maßnah­me, von der er be­trof­fen sei, für nich­tig zu erklären, weil sie sei­ne Grund­rech­te und ins­be­son­de­re sein Recht, nicht we­gen des Al­ters dis­kri­mi­niert zu wer­den, ver­let­ze, da die­se Maßnah­me al­lein auf dem Um­stand be­ru­he, dass er das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­be.
32 Corte­fiel hin­ge­gen ver­tritt die Auf­fas­sung, die Auflösung des Ar­beits­ver­trags von Herrn Pa­la­ci­os de la Vil­la ste­he im Ein­klang mit Art. 19 Abs. 3 des Ta­rif­ver­trags so­wie der Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung und sei auch nicht mit den Er­for­der­nis­sen des Ge­mein­schafts­rechts un­ver­ein­bar.
33

Das vor­le­gen­de Ge­richt äußert ernst­haf­te Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit des ers­ten Ab­sat­zes der Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung mit dem Ge­mein­schafts­recht, da die­ser Ab­satz die Bei­be­hal­tung ta­rif­ver­trag­li­cher Klau­seln er­lau­be, die zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des Ge­set­zes 14/2005 be­reits be­stan­den hätten und die Zwangs­ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern in den Ru­he­stand vorsähen, wenn die­se das Ren­ten­al­ter er­reicht hätten und die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen des na­tio­na­len So­zi­al­ver­si­che­rungs­rechts für den Be­zug ei­ner bei­trags­be­zo­ge­nen Al­ters­ren­te erfüll­ten. Denn die­se Vor­schrift ver­lan­ge nicht, dass die in­fol­ge des Er­rei­chens des Ren­ten­al­ters ein­tre­ten­de Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Beschäfti­gungs­po­li­tik des be­tref­fen­den Mit­glied­staats be­gründet wer­de, während die nach dem In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes aus­ge­han­del­ten Verträge nur dann Klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand ent­hal­ten dürf­ten, wenn die­se Maßnah­me – zusätz­lich zu der Vor­aus­set­zung, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ei­nen Ren­ten­an­spruch ha­ben müss­ten – im Ta­rif­ver­trag ge­nann­te Zie­le ver­fol­ge, die in Be­zie­hung zur na­tio­na­len Beschäfti­gungs­po­li­tik stünden, wie die Ver­bes­se­rung der Sta­bi­lität der Beschäfti­gung, die Um­wand­lung von be­fris­te­ten Verträgen in un­be­fris­te­te Verträge, die Beschäfti­gungs­si­che­rung, die Ein­stel­lung neu­er Ar­beit­neh­mer oder die Ver­bes­se­rung der Qua­lität der Beschäfti­gung

34 Un­ter die­sen Be­din­gun­gen würden Ar­beit­neh­mer, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet hätten, nach dem­sel­ben Ge­setz und un­ter den­sel­ben wirt­schaft­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten al­lein da­nach un­ter­schied­lich be­han­delt, ob der für sie gel­ten­de Ta­rif­ver­trag vor oder nach dem Tag der Veröffent­li­chung des Ge­set­zes 14/2005, nämlich dem 2. Ju­li 2005, in Kraft ge­tre­ten sei, wo­bei die Er­for­der­nis­se der Beschäfti­gungs­po­li­tik über­haupt kei­ne Berück­sich­ti­gung fänden, wenn der Ta­rif­ver­trag vor die­sem Tag in Kraft ge­we­sen sei, ob­wohl die Richt­li­nie 2000/78, de­ren Um­set­zungs­frist am 2. De­zem­ber 2003 ab­ge­lau­fen sei, dies ver­lan­ge.
35 Zwar las­se Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ei­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters zur Ver­fol­gung be­stimm­ter le­gi­ti­mer ob­jek­ti­ver Zie­le zu, so­weit die zu ih­rer Er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sei­en, und die in der Zehn­ten Zu­satz­be­stim­mung vor­ge­se­he­ne endgülti­ge Re­ge­lung sei oh­ne Zwei­fel ge­eig­net, un­ter den ge­nann­ten Art. 6 Abs. 1 zu fal­len, da sie ei­nen kon­kre­ten Zu­sam­men­hang zwi­schen der Ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern in den Ru­he­stand und le­gi­ti­men ob­jek­ti­ven Zie­len aus dem Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik ver­lan­ge.
36 Der ers­te Ab­satz der Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung hin­ge­gen ver­lan­ge kei­nen sol­chen Zu­sam­men­hang und ste­he des­halb of­fen­kun­dig nicht im Ein­klang mit den in Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen. Über­dies sei die Ent­wick­lung des Ar­beits­markts seit 2001 ein­deu­tig po­si­tiv, und die un­ter dem Ein­fluss der So­zi­al­part­ner ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung des spa­ni­schen Ge­setz­ge­bers, die­se Über­g­angs­be­stim­mung ein­zuführen, ha­be kei­nen an­de­ren Zweck ge­habt, als die Recht­spre­chung des Tri­bu­nal Su­pre­mo zu ändern. Das Tri­bu­nal Con­sti­tu­cio­nal ha­be im Übri­gen Ta­rif­ver­hand­lun­gen als sol­che nie als ei­ne ob­jek­ti­ve und an­ge­mes­se­ne Recht­fer­ti­gung dafür an­ge­se­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer, der ein be­stimm­tes Al­ter er­reicht ha­be, zwangs­wei­se in den Ru­he­stand ver­setzt wer­de.
37 Zu­dem sei­en Art. 13 EG und Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimm­te und un­be­ding­te Vor­schrif­ten, die die na­tio­na­len Ge­rich­te gemäß dem Grund­satz des Vor­rangs des Ge­mein­schafts­rechts ver­pflich­te­ten, na­tio­na­les Recht, das wie die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung ge­gen das Ge­mein­schafts­recht ver­s­toße, un­an­ge­wandt zu las­sen.
38 In sei­nem Ur­teil vom 15. Ja­nu­ar 1998, Schöning-Kouge­be­to­pou­lou (C‑5/96, Slg. 1998, I‑47), ha­be der Ge­richts­hof im Übri­gen ei­ne Ta­rif­ver­trags­be­stim­mung für mit dem Ge­mein­schafts­recht un­ver­ein­bar erklärt, weil sie ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ent­hal­te, und in­so­weit fest­ge­stellt, dass das na­tio­na­le Ge­richt in ei­nem sol­chen Fall auf die Mit­glie­der der durch die­se Dis­kri­mi­nie­rung be­nach­tei­lig­ten Grup­pe die glei­che Re­ge­lung an­zu­wen­den ha­be wie auf die übri­gen Ar­beit­neh­mer, oh­ne die Be­sei­ti­gung die­ser Be­stim­mung durch Ta­rif­ver­hand­lun­gen oder ein an­de­res Ver­fah­ren ver­lan­gen oder ab­war­ten zu müssen.
39 Soll­te das Ge­mein­schafts­recht da­hin ge­hend aus­zu­le­gen sein, dass es tatsächlich der An­wen­dung der Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung auf den vor­lie­gen­den Fall ent­ge­gen­ste­he, ha­be Art. 19 Abs. 3 des Ta­rif­ver­trags folg­lich kei­ne Rechts­grund­la­ge und könne da­her im Aus­gangs­ver­fah­ren nicht an­ge­wandt wer­den.
40 Un­ter die­sen Umständen hat der Juz­ga­do de lo So­ci­al nº 33 de Ma­drid be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:

1. Steht der in Art. 13 EG und in Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 nie­der­ge­leg­te Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, der je­de Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Al­ters ver­bie­tet, ei­nem na­tio­na­len Ge­setz (kon­kret dem ers­ten Ab­satz der Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung) ent­ge­gen, das in Ta­rif­verträgen ent­hal­te­ne Klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand für gültig erklärt, die als Vor­aus­set­zung le­dig­lich ver­lan­gen, dass der Ar­beit­neh­mer die Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­reicht hat und die im So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht des spa­ni­schen Staa­tes fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner bei­trags­be­zo­ge­nen Al­ters­ren­te erfüllt?

Falls die ers­te Fra­ge be­jaht wird:

2. Ver­pflich­tet mich der in Art. 13 EG und in Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 nie­der­ge­leg­te Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, der je­de Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Al­ters ver­bie­tet, als na­tio­na­len Rich­ter, den ers­ten Ab­satz der Ein­zi­gen Über­g­angs­be­stim­mung auf den vor­lie­gen­den Fall nicht an­zu­wen­den?

Zu den Vor­la­ge­fra­gen

Zur ers­ten Fra­ge

41  Um ei­ne sach­dien­li­che Ant­wort auf die­se Fra­ge ge­ben zu können, ist zunächst fest­zu­stel­len, ob die Richt­li­nie 2000/78 auf ei­nen Sach­ver­halt wie den des Aus­gangs­ver­fah­rens An­wen­dung fin­det, und so­dann ge­ge­be­nen­falls zu prüfen, ob und in­wie­weit die­se Richt­li­nie ei­ner Re­ge­lung wie der vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­nann­ten ent­ge­gen­steht.

Zur An­wend­bar­keit der Richt­li­nie 2000/78

42 Die Richt­li­nie 2000/78 soll, wie sich so­wohl aus ih­rem Ti­tel und ih­ren Erwägungs­gründen als auch aus ih­ren Be­stim­mun­gen und ih­rem Zweck er­gibt, ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen, der gewähr­leis­tet, dass je­der „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem sie dem Be­trof­fe­nen ei­nen wirk­sa­men Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter auch das Al­ter – bie­tet.
43 Im Ein­zel­nen geht aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 her­vor, dass die­se im Rah­men der den Ge­mein­schaf­ten über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten „für al­le Per­so­nen … in Be­zug auf … die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“, gilt.
44 Zwar berührt die Richt­li­nie 2000/78 laut ih­rem 14. Erwägungs­grund nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand. Die­ser Erwägungs­grund be­schränkt sich je­doch auf die Klar­stel­lung, dass die Richt­li­nie nicht die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten tan­giert, das Al­ter für den Ein­tritt in den Ru­he­stand zu be­stim­men, und steht in kei­ner Wei­se der An­wen­dung der Richt­li­nie auf na­tio­na­le Maßnah­men ent­ge­gen, mit de­nen die Be­din­gun­gen ge­re­gelt wer­den, un­ter de­nen ein Ar­beits­ver­trag en­det, wenn das auf die­se Wei­se fest­ge­setz­te Ru­he­stands­al­ter er­reicht wird.
45 Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Re­ge­lung, die die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zwi­schen ei­nem Ar­beit­ge­ber und ei­nem Ar­beit­neh­mer, wenn die­ser das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat, für gültig erklärt, berührt die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en und – all­ge­mei­ner – die Be­rufs­ausübung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers, in­dem sie die­sen dar­an hin­dert, zukünf­tig am Er­werbs­le­ben teil­zu­neh­men.
46 Ei­ne der­ar­ti­ge Re­ge­lung ist da­her so zu be­wer­ten, dass mit ihr Vor­schrif­ten über die „Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sung … und des Ar­beits­ent­gelts“, im Sin­ne des Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 ge­schaf­fen wer­den.
47 Un­ter die­sen Umständen fin­det die­se Richt­li­nie auf ei­nen Sach­ver­halt wie den, der zu dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit geführt hat, An­wen­dung.

Zur Aus­le­gung der Art. 2 und 6 der Richt­li­nie 2000/78

48 Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob das Ver­bot jeg­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters bei den Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen da­hin ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass es ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens ent­ge­gen­steht, die in Ta­rif­verträgen ent­hal­te­ne Klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand für gültig erklärt, in de­nen als Vor­aus­set­zung le­dig­lich ver­langt wird, dass der Ar­beit­neh­mer die im na­tio­na­len Recht auf 65 Jah­re fest­ge­setz­te Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­reicht hat und die übri­gen so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner bei­trags­be­zo­ge­nen Al­ters­ren­te erfüllt.
49 Die Richt­li­nie 2000/78 be­zweckt nach ih­rem Art. 1, im Be­reich von Beschäfti­gung und Be­ruf be­stimm­te Ar­ten der Dis­kri­mi­nie­rung – dar­un­ter auch die we­gen des Al­ters – im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten zu bekämp­fen.
50 Nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“ im Sin­ne der Richt­li­nie, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe ge­ben darf. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie stellt klar, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Abs. 1 vor­liegt, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son.
51 Ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, wo­nach das Er­rei­chen des in die­ser Re­ge­lung für den Ein­tritt in den Ru­he­stand fest­ge­setz­ten Al­ters au­to­ma­tisch zur Auflösung des Ar­beits­ver­trags führt, lässt den Ar­beit­neh­mern, die die­ses Al­ter er­reicht ha­ben, un­mit­tel­bar ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung zu­teil wer­den als al­len an­de­ren Er­werbstäti­gen. Ei­ne sol­che Re­ge­lung führt da­her zu ei­ner un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­den Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 und Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
52 Spe­zi­ell in Be­zug auf Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters er­gibt sich je­doch aus Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie, dass sol­che Un­gleich­hei­ten kei­ne nach ih­rem Art. 2 ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, „so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind“. Un­terabs. 2 die­ser Vor­schrift führt meh­re­re Bei­spie­le für Un­gleich­be­hand­lun­gen an, die die in Un­terabs. 1 ge­nann­ten Merk­ma­le auf­wei­sen und dem­zu­fol­ge mit den Er­for­der­nis­sen des Ge­mein­schafts­rechts ver­ein­bar sind.
53 Im vor­lie­gen­den Fall ist zu be­ach­ten, dass – wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 71 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat – die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung, die ge­stat­tet, in Ta­rif­verträge Klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern in den Ru­he­stand auf­zu­neh­men, auf Be­trei­ben der So­zi­al­part­ner als Teil ei­nes na­tio­na­len Pro­gramms ver­ab­schie­det wur­de, mit dem über ei­ne bes­se­re Beschäfti­gungs­ver­tei­lung zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen der Beschäfti­gungs­zu­gang gefördert wer­den soll­te.
54 Das vor­le­gen­de Ge­richt hat zwar her­vor­ge­ho­ben, dass die ge­nann­te Über­g­angs­be­stim­mung kei­nen aus­drück­li­chen Hin­weis auf ein der­ar­ti­ges Ziel ent­hal­te.
55 Die­ser Um­stand al­lein ist je­doch nicht aus­schlag­ge­bend.
56 Aus Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 lässt sich nämlich nicht ab­lei­ten, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die das an­ge­streb­te Ziel nicht ge­nau an­gibt, au­to­ma­tisch von ei­ner Recht­fer­ti­gung nach die­ser Be­stim­mung aus­ge­schlos­sen ist.
57 Fehlt es an ei­ner sol­chen ge­nau­en An­ga­be, so ist al­ler­dings wich­tig, dass an­de­re – aus dem all­ge­mei­nen Kon­text der be­tref­fen­den Maßnah­me ab­ge­lei­te­te – An­halts­punk­te die Fest­stel­lung des hin­ter die­ser Maßnah­me ste­hen­den Ziels ermögli­chen, da­mit des­sen Rechtmäßig­keit so­wie die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der zu sei­ner Er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel ge­richt­lich über­prüft wer­den können.
58 Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den Erläute­run­gen des vor­le­gen­den Ge­richts her­vor, dass ers­tens die zwangs­wei­se Ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern in den Ru­he­stand, die ein be­stimm­tes Al­ter er­reicht ha­ben, 1980 in ei­nem von ho­her Ar­beits­lo­sig­keit ge­kenn­zeich­ne­ten wirt­schaft­li­chen Um­feld in das spa­ni­sche Recht ein­geführt wur­de, um im Rah­men der na­tio­na­len Beschäfti­gungs­po­li­tik Per­so­nen, die ei­ne Beschäfti­gung su­chen, Chan­cen auf dem Ar­beits­markt zu eröff­nen.
59 Zwei­tens wur­de ein sol­ches Ziel aus­drück­lich in der Zehn­ten Zu­satz­be­stim­mung ge­nannt.
60 Drit­tens hat der spa­ni­sche Ge­setz­ge­ber – nach­dem die­se Zu­satz­be­stim­mung 2001 auf­ge­ho­ben wor­den war und die spa­ni­sche Re­gie­rung, die Ar­beit­ge­ber­verbände so­wie die Ge­werk­schaf­ten die „Erklärung zum so­zia­len Dia­log 2004 in Be­zug auf Wett­be­werbsfähig­keit, sta­bi­le Beschäfti­gungs­verhält­nis­se und so­zia­len Zu­sam­men­halt“ un­ter­zeich­net hat­ten – mit dem Ge­setz 14/2005 das In­stru­ment der Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand wie­der ein­geführt. Die­ses Ge­setz selbst be­zweckt, Per­so­nen, die ei­ne Beschäfti­gung su­chen, Chan­cen auf dem Ar­beits­markt zu eröff­nen. Sein ein­zi­ger Ar­ti­kel knüpft dem­ent­spre­chend die Zulässig­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Klau­seln, die es ermögli­chen, dass der Ar­beits­ver­trag we­gen des Er­rei­chens der Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­lischt, an die Be­din­gung, dass die­se Maßnah­me „in Ver­bin­dung mit Zie­len steh[t], die mit der Beschäfti­gungs­po­li­tik übe­rein­stim­men und im Ta­rif­ver­trag ge­nannt sind“, wie „die Ver­bes­se­rung der Sta­bi­lität der Beschäfti­gung, die Um­wand­lung von be­fris­te­ten Verträgen in un­be­fris­te­te Verträge, die Beschäfti­gungs­si­che­rung [oder] die Ein­stel­lung neu­er Ar­beit­neh­mer“.
61 In die­sem Kon­text und in An­be­tracht der zahl­rei­chen Rechts­strei­tig­kei­ten darüber, wie nach der Auf­he­bung der Zehn­ten Zu­satz­be­stim­mung die­je­ni­gen Ta­rif­ver­trags­klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand zu be­han­deln sind, die un­ter der Gel­tung des Ge­set­zes 8/1980 so­wohl in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung als auch in der Fas­sung des Re­al De­cre­to Le­gis­la­tivo 1/1995 ver­ein­bart wor­den wa­ren, so­wie an­ge­sichts der sich dar­aus für die So­zi­al­part­ner er­ge­ben­den Rechts­un­si­cher­heit hat die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung die Möglich­keit bestätigt, in An­wen­dung die­ser Ta­rif­verträge ei­ne Al­ters­gren­ze für die Ver­set­zung in den Ru­he­stand fest­zu­le­gen. 
62 Stellt man die Ein­zi­ge Über­g­angs­be­stim­mung auf die­se Wei­se wie­der in ih­ren Kon­text, so zielt sie folg­lich dar­auf ab, den na­tio­na­len Ar­beits­markt zu re­gu­lie­ren, um u. a. die Ar­beits­lo­sig­keit ein­zudämmen.
63 Die­se Wer­tung wird zu­dem durch den Um­stand un­ter­mau­ert, dass Art. 19 Abs. 3 des Ta­rif­ver­trags im vor­lie­gen­den Fall aus­drück­lich die „Beschäfti­gungsförde­rung“ als Ziel der durch die­se Vor­schrift ge­schaf­fe­nen Maßnah­me nennt.
64 Die Rechtmäßig­keit ei­nes sol­chen im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Ziels kann nicht ernst­haft in Zwei­fel ge­zo­gen wer­den, da die Beschäfti­gungs­po­li­tik so­wie die Ar­beits­markt­la­ge zu den Zie­len gehören, die in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 aus­drück­lich ge­nannt wer­den, und nach Art. 2 Abs. 1 ers­ter Ge­dan­ken­strich EU und Art. 2 EG die Förde­rung ei­nes ho­hen Beschäfti­gungs­ni­veaus ei­nes der Zie­le dar­stellt, die so­wohl von der Eu­ropäischen Uni­on als auch von der Ge­mein­schaft ver­folgt wer­den.
65 Zu­dem hat der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den, dass die Förde­rung von Ein­stel­lun­gen un­be­streit­bar ein le­gi­ti­mes Ziel der So­zi­al- oder Beschäfti­gungs­po­li­tik der Mit­glied­staa­ten dar­stellt (vgl. u. a. Ur­teil vom 11. Ja­nu­ar 2007, ITC, C‑208/05, Slg. 2007, I‑181, Rand­nr. 39), und die­se Wer­tung muss of­fen­sicht­lich auch für In­stru­men­te der na­tio­na­len Ar­beits­markt­po­li­tik gel­ten, die für be­stimm­te Ar­beit­neh­mer­grup­pen die Chan­cen auf Ein­glie­de­rung in das Er­werbs­le­ben ver­bes­sern sol­len.
66

Dem­zu­fol­ge ist ein Ziel wie das­je­ni­ge, das mit der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Re­ge­lung ver­folgt wird, grundsätz­lich als ei­ne – wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ver­langt – „im Rah­men des na­tio­na­len Rechts“ „ob­jek­tiv[e] und an­ge­mes­sen[e]“ Recht­fer­ti­gung für ei­ne von den Mit­glied­staa­ten an­ge­ord­ne­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters an­zu­se­hen.

67 Fer­ner muss nach dem Wort­laut der ge­nann­ten Vor­schrift ge­prüft wer­den, ob die zur Er­rei­chung ei­nes sol­chen le­gi­ti­men Ziels ein­ge­setz­ten Mit­tel „an­ge­mes­sen und er­for­der­lich“ sind.
68 In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­an zu er­in­nern, dass die Mit­glied­staa­ten und ge­ge­be­nen­falls die So­zi­al­part­ner auf na­tio­na­ler Ebe­ne beim ge­genwärti­gen Stand des Ge­mein­schafts­rechts nicht nur bei der Ent­schei­dung, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik sie ver­fol­gen wol­len, son­dern auch bei der Fest­le­gung der Maßnah­men zu sei­ner Er­rei­chung über ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel­raum verfügen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 22. No­vem­ber 2005, Man­gold, C‑144/04, Slg. 2005, I‑9981, Rand­nr. 63).
69 Wie schon aus den Wor­ten „be­son­de­re Be­stim­mun­gen, die je nach der Si­tua­ti­on der Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­lich sein können“ im 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 her­vor­geht, gilt dies ins­be­son­de­re für die Ent­schei­dung, die Le­bens­ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer zu verlängern oder, im Ge­gen­teil, de­ren frühe­ren Ein­tritt in den Ru­he­stand vor­zu­se­hen, zu der sich die be­tref­fen­den na­tio­na­len Stel­len auf­grund po­li­ti­scher, wirt­schaft­li­cher, so­zia­ler, de­mo­gra­fi­scher und/oder haus­halts­be­zo­ge­ner Erwägun­gen und in An­be­tracht der kon­kre­ten Ar­beits­markt­la­ge in ei­nem be­stimm­ten Mit­glied­staat ver­an­lasst se­hen können.
70 Im Übri­gen müssen die zuständi­gen Stel­len auf na­tio­na­ler, re­gio­na­ler oder Bran­chen­ebe­ne die Möglich­keit ha­ben, die zu­guns­ten ei­nes le­gi­ti­men Ziels von all­ge­mei­nem In­ter­es­se ein­ge­setz­ten Mit­tel zu ändern, in­dem sie sie bei­spiels­wei­se an die Beschäfti­gungs­la­ge im be­tref­fen­den Mit­glied­staat an­pas­sen. Dass im vor­lie­gen­den Fall das Ver­fah­ren der Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand in Spa­ni­en wie­der ein­geführt wur­de, nach­dem es meh­re­re Jah­re lang ab­ge­schafft war, ist da­her oh­ne Be­lang.
71 Es ist so­mit Sa­che der zuständi­gen Stel­len der Mit­glied­staa­ten, ei­nen ge­rech­ten Aus­gleich zwi­schen den ver­schie­de­nen wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen zu fin­den. Es ist je­doch wich­tig, dar­auf zu ach­ten, dass die in die­sem Zu­sam­men­hang vor­ge­se­he­nen na­tio­na­len Maßnah­men nicht über das hin­aus­ge­hen, was an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist, um das von dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat ver­folg­te Ziel zu er­rei­chen.
72 Die An­nah­me der Stel­len ei­nes Mit­glied­staats, dass ei­ne Maßnah­me wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein kann, um das im Rah­men der na­tio­na­len Beschäfti­gungs­po­li­tik an­geführ­te le­gi­ti­me Ziel der Förde­rung von Voll­beschäfti­gung durch Begüns­ti­gung des Zu­gangs zum Ar­beits­markt zu er­rei­chen, er­scheint nicht un­vernünf­tig.
73 Darüber hin­aus kann die ge­nann­te Maßnah­me auch nicht als übermäßige Be­ein­träch­ti­gung der be­rech­tig­ten Er­war­tun­gen der Ar­beit­neh­mer an­ge­se­hen wer­den, die we­gen Er­rei­chens der fest­ge­leg­ten Al­ters­gren­ze zwangs­wei­se in den Ru­he­stand ver­setzt wor­den sind, da die ein­schlägi­ge Re­ge­lung nicht nur auf ein be­stimm­tes Al­ter ab­stellt, son­dern auch den Um­stand berück­sich­tigt, dass den Be­trof­fe­nen am En­de ih­rer be­ruf­li­chen Lauf­bahn ein fi­nan­zi­el­ler Aus­gleich in Ge­stalt ei­ner Al­ters­ren­te wie die in der na­tio­na­len Re­ge­lung im Aus­gangs­ver­fah­ren vor­ge­se­he­ne zu­gu­te­kommt, de­ren Höhe nicht als un­an­ge­mes­sen be­trach­tet wer­den kann.
74 Im Übri­gen eröff­net die ein­schlägi­ge na­tio­na­le Re­ge­lung den So­zi­al­part­nern die Möglich­keit, über Ta­rif­verträge und da­her mit nicht un­er­heb­li­cher Fle­xi­bi­lität von dem In­stru­ment der Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand Ge­brauch zu ma­chen, so dass nicht nur die Ge­samt­la­ge des be­tref­fen­den Ar­beits­markts, son­dern auch die spe­zi­el­len Merk­ma­le der je­wei­li­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­se gebührend berück­sich­tigt wer­den können.
75 In An­be­tracht des­sen lässt sich nicht über­zeu­gend die An­sicht ver­tre­ten, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de mit den Er­for­der­nis­sen der Richt­li­nie 2000/78 un­ver­ein­bar ist.
76 Un­ter Berück­sich­ti­gung der vor­ste­hend vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung der Richt­li­nie 2000/78 ist es nicht mehr not­wen­dig, dass der Ge­richts­hof auf Art. 13 EG ein­geht, der eben­falls in der ers­ten Vor­la­ge­fra­ge erwähnt wird und auf des­sen Grund­la­ge die Richt­li­nie er­las­sen wur­de.
77 Nach al­le­dem ist auf die ers­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass das in der Richt­li­nie 2000/78 kon­kre­ti­sier­te Ver­bot jeg­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters da­hin ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass es ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens nicht ent­ge­gen­steht, die in Ta­rif­verträgen ent­hal­te­ne Klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand für gültig erklärt, in de­nen als Vor­aus­set­zung le­dig­lich ver­langt wird, dass der Ar­beit­neh­mer die im na­tio­na­len Recht auf 65 Jah­re fest­ge­setz­te Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­reicht hat und die übri­gen so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner bei­trags­be­zo­ge­nen Al­ters­ren­te erfüllt, so­fern

– die­se Maßnah­me, auch wenn sie auf das Al­ter ab­stellt, ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, das in Be­zie­hung zur Beschäfti­gungs­po­li­tik und zum Ar­beits­markt steht, ge­recht­fer­tigt ist und

– die Mit­tel, die zur Er­rei­chung die­ses im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Ziels ein­ge­setzt wer­den, nicht als dafür un­an­ge­mes­sen und nicht er­for­der­lich er­schei­nen.

Zur zwei­ten Fra­ge

78

Da die ers­te Fra­ge des vor­le­gen­den Ge­richts ver­neint wur­de, braucht die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge nicht be­ant­wor­tet zu wer­den. 

Kos­ten

79 

Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig. 

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Große Kam­mer) für Recht er­kannt:

Das in der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­sier­te Ver­bot jeg­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ist da­hin ge­hend aus­zu­le­gen, dass es ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens nicht ent­ge­gen­steht, die in Ta­rif­verträgen ent­hal­te­ne Klau­seln über die Zwangs­ver­set­zung in den Ru­he­stand für gültig erklärt, in de­nen als Vor­aus­set­zung le­dig­lich ver­langt wird, dass der Ar­beit­neh­mer die im na­tio­na­len Recht auf 65 Jah­re fest­ge­setz­te Al­ters­gren­ze für den Ein­tritt in den Ru­he­stand er­reicht hat und die übri­gen so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner bei­trags­be­zo­ge­nen Al­ters­ren­te erfüllt, so­fern

– die­se Maßnah­me, auch wenn sie auf das Al­ter ab­stellt, ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, das in Be­zie­hung zur Beschäfti­gungs­po­li­tik und zum Ar­beits­markt steht, ge­recht­fer­tigt ist und

– die Mit­tel, die zur Er­rei­chung die­ses im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Ziels ein­ge­setzt wer­den, nicht als dafür un­an­ge­mes­sen und nicht er­for­der­lich er­schei­nen.

Un­ter­schrif­ten

* Ver­fah­rens­spra­che: Spa­nisch.

Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu

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