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Arbeitsrecht aktuell: 09/224 Arbeitnehmer kann zur Arbeit am Sonntag gezwungen werden
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Bundesarbeitsgericht bestätigt Entscheidung der Vorinstanz
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2009, 9 AZR 757/08
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03.12.2009. Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg, dass ein Arbeitnehmer zur Arbeit am Sonntag verpflichtet werden kann, wenn dies nicht ausdrücklich arbeitsvertraglich anders geregelt ist, ist vom Bundesarbeitsgericht in einer aktuellen Entscheidung bestätigt worden. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2009, 9 AZR 757/08
von Rechtsanwalt Benjamin Biere, Frankfurt am Main
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In Arbeitsrecht aktuell 09/090 (Pflicht zur Sonntagsarbeit auch ohne arbeitsvertragliche Grundlage) berichteten wir über eine Entscheidung des Landesarbeitsgericht (LAG) Baden-Württemberg vom 17.07.2008 (9 Sa 20/08), nach der ein Arbeitnehmer auch noch nach dreißig Jahren von seinem Arbeitgeber verpflichtet werden durfte, sonntags zu arbeiten, wenn diesbezüglich keine Regelung im Arbeitsvertrag getroffen worden war.
Dem Arbeitgeber steht gegenüber einem Arbeitnehmer ein Weisungsrecht gemäß § 106 Satz 1 Gewerbeordnung (GewO) zu. Dies bedeutet, dass er Anordnungen bezüglich Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung treffen kann, soweit er damit nur den Rahmen der arbeitsvertraglich oder tarifvertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen präzisiert. Die Weisung muss „billigem Ermessen“ entsprechen, d.h. der Arbeitgeber muss versuchen, die Interessen des Arbeitnehmers zu berücksichtigen.
Das Weisungsrecht beinhaltet damit auch die Befugnis des Arbeitgebers anzuordnen, an welchen Tagen der Arbeitnehmer arbeiten soll, sofern dies nicht ausdrücklich im Arbeitsvertrag geregelt ist. Allerdings ist fraglich, ob dies bezüglich der Anordnung von Sonntagsarbeit anders und eine ausdrückliche Vereinbarung erforderlich ist, weil der Sonntag ein von der Verfassung besonders geschützter Tag der Arbeitsruhe ist, vgl. Art. 139 Weimarer Reichsverfassung (WRV) in Verb. mit Art. 140 Grundgesetz (GG), und deshalb nach den Regelungen des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) Sonntagsarbeit nur in Ausnahmefällen erlaubt ist.
Eine derartige Ausnahmegenehmigung zur Sonntagsarbeit hatte der Arbeitgeber im vorliegenden Fall für seinen Betrieb erwirkt. Der klagende Arbeitnehmer hatte bei dem Arbeitgeber seit 30 Jahren nie sonntags arbeiten müssen. In seinem Arbeitsvertrag war nur die Arbeit in einem bestimmten Schichtmodell vereinbart, ohne dass dort bestimmte Arbeitstage festgelegt waren. Als der Arbeitgeber anordnete, dass der Arbeitnehmer auch sonntags arbeiten sollte, ging der Arbeitnehmer vor Gericht und unterlag.
Das BAG (Urteil vom 15.09.2009, 9 AZR 757/08) hält die Anordnung von Sonntagsarbeit für zulässig. Zunächst stellt es fest, dass ein gesetzliches Verbot der Sonntagsarbeit nicht entgegenstand, weil der Arbeitgeber ja eine Ausnahmegenehmigung zur Sonntagsarbeit hatte und auch im Tarifvertrag kein Verbot vereinbart war. Deshalb kam es allein auf den Arbeitsvertrag des klagenden Arbeitnehmers an und wie zu bewerten war, dass dieser eine ausdrückliche Vereinbarung zur Sonntagsarbeit nicht enthielt.
Dazu führt das BAG aus, dass der Arbeitgeber normalerweise gerade keine individuelle Beschränkung der Arbeitszeit mit Arbeitnehmern treffen will, da es in seinem Interesse liegt, dass die Beschäftigten gleichzeitig bzw. aufeinander abgestimmt arbeiten. Daraus folgert das BAG, dass im Zweifel, also wenn der Arbeitsvertrag keine Regelung enthält, der Arbeitgeber in der Anordnung, wann ein Arbeitnehmer arbeiten soll, frei ist. Das Recht des Arbeitgebers, die Arbeitszeit festzulegen hält das BAG sogar für einen Kernbereich seines Weisungsrechts. Nur bei konkreten Anhaltspunkten, dass etwas anderes gewollt ist, ist der Arbeitgeber in seinem Recht auf die Verteilung der Arbeitszeit beschränkt, so das BAG. Derartige konkrete Anhaltspunkte fehlten vorliegend aber gerade.
Das BAG folgte ebenso wenig der Argumentation des klagenden Arbeitnehmers, dass durch die dreißigjährige Praxis, nie an Sonntagen arbeiten zu müssen, das Recht des Arbeitgebers dies zu ändern beschränkt sei. Allein die lange Dauer einer bestimmten Vertragspraxis verwehrt dem Arbeitgeber nicht die Änderung dieser Praxis, meint das BAG.
Fazit: In Betrieben, in denen sonntags gearbeitet werden kann, muss ein Arbeitnehmer also damit rechnen, dass auch ihn die Pflicht zur Sonntagsarbeit trifft, wenn dies arbeitsvertraglich nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist. Etwas anderes gilt allerdings in Betrieben mit einem Betriebsrat. Denn gemäß § 87 Abs. 1 Nr.2 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) hat der Betriebsrat bei der Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Tage sowei hinsichtlich Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit ein Mitbestimmungsrecht, so dass einseitige Anordnungen durch den Arbeitgeber hier verhindert werden können.
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Letzte Überarbeitung: 29. April 2010
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Arbeitsrecht aktuell: |
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München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Berlin, 05.04.2012 Unkündbarkeit:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 07.02.2012, 7 Sa 2164/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
Hamburg, 12.03.2012 Provision:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 06.12.2011, 1 Sa 13 a/11
Hannover, 11.03.2012 Befristung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 29.06.2011, 7 AZR 6/10
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