|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 09/111 BAG: Keine Pflicht zu Gespräch über Vertragsänderung
|
 |

|
Zur Rechtmäßigkeit einer arbeitgeberseitigen Anordnung zur Führung von Personalgesprächen
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.06.2009, 2 AZR 606/08
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
29.06.2009. Arbeitnehmer werden oft zu Personalgesprächen „gebeten“, da der Arbeitgeber hofft, auf diesem Wege eine von ihm gewünschte Vertragsänderung durchsetzen zu können. Rechtlich fragwürdig sind solche Aufforderungen zu Vertragsverhandlungen, wenn der Arbeitgeber auf sein Direktions- oder Weisungsrecht hinweist, d.h. auf dem Standpunkt steht, der Arbeitnehmer sei zu Gesprächen über eine Vertragsänderung verpflichtet.
Wenn solche Gespräche - zumindest nebenher - der Durchführung des Arbeitsverhältnisses dienen, d.h. die Aufgaben des Arbeitnehmers oder sein Verhalten im Betrieb betreffen, kann der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer die Teilnahme am Gespräch verlangen. Immerhin hat er gemäß § 106 Gewerbeordnung (GewO) das Recht, Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach seinem Ermessen näher zu bestimmen und auch Fragen der Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb auf diesem Wege, d.h. einseitig festzulegen.
Fraglich ist jedoch, ob das auch dann noch gilt, wenn die vom Arbeitgeber angeordnete Unterredung ausschließlich die Vertragsänderung zum Inhalt hat. Darüber hatte das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit Urteil vom 23.06.2009 (2 AZR 606/08) zu entscheiden.
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zugrunde?
Die klagende Arbeitnehmerin war seit 1982 zunächst im öffentlichen Dienst und später aufgrund entsprechender Veränderungen auf der Arbeitgeberseite bei einer zur Diakonie gehörenden Einrichtung als Altenpflegerin tätig. Auf das Arbeitsverhältnis war aufgrund arbeitsvertraglicher Bezugnahme der Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) - Bund und Länder - in der jeweils gültigen Fassung anzuwenden.
Ende 2006 trat der Arbeitgeber an die Klägerin heran und bat aufgrund wirtschaftlicher Probleme um ihr Einverständnis zu einer Vertragsänderung des Inhalts, dass das gemäß den BAT-Regelungen zu zahlende Weihnachtsgeld gekürzt würde. Diesem Ansinnen widersetzte sich die Arbeitnehmerin, die daraufhin zu einem offiziellen Personalgespräch für den 13.11.2006 geladen wurde. Dieses wollte sie nicht, wie vom Arbeitgeber gewünscht, allein bzw. als Einzelgespräch führen, sondern nur zusammen mit ihren ebenfalls betroffenen Kollegen.
Daraufhin erteilte ihr der Arbeitgeber ihr eine Abmahnung, da sie durch die Verweigerung des Einzelgesprächs gegen ihre Dienstpflichten verstoßen und die arbeitsvertraglich geschuldete Leistung verweigert habe.
Die Arbeitnehmerin zog vor Gericht und begehrte die Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte. Das in der ersten Instanz zuständige Arbeitsgericht Hannover wies die Klage ab (Urteil vom 11.05.2007, 1 Ca 82/07), wohingegen das Landesarbeitsgericht (LAG) Niedersachsen der Klägerin recht gab (Urteil vom 03.06.2008, 3 Sa 1041/07). Nähere Einzelheiten zum Sachverhalt und zur Entscheidung des LAG Niedersachsen finden Sie unter Arbeitsrecht aktuell: 08/091 Keine Vertragspflicht zum Führen von Vertragsverhandlungen.
Wie hat das Bundesarbeitsgerichts entschieden?
Das Bundesarbeitsgericht bestätigte die Entscheidung des LAG Niedersachsen, d.h. es wies die Revision des beklagten Arbeitgebers zurück.
Zur Begründung heißt es in der derzeit allein vorliegenden Pressemitteilung des BAG, dass die Klägerin zur Teilnahme an dem Personalgespräch vom 13.11.2006 nicht verpflichtet gewesen sei. Die Weisung des Arbeitgebers, an diesem Gespräch teilzunehmen, betraf nämlich nach Ansicht des BAG keinen der von § 106 GewO genannten Gegenstände des dem Arbeitgeber zustehenden Weisungsrechts. Weder war die Arbeitsleistung der Klägerin noch Ordnung oder Verhalten im Betrieb betroffen. Es ging vielmehr ausschließlich eine von der Beklagten gewünschte Änderung des Arbeitsvertrags.
Fazit: Der Arbeitnehmer ist frei in seiner Entscheidung darüber, ob er einer vom Arbeitgeber gewünschten Änderung des Arbeitsvertrags zustimmen möchte oder nicht. Diese Freiheit hat eine zeitliche Vorwirkung, d.h. der Arbeitnehmer ist auch frei in der Entscheidung darüber, ob er solche die Vertragsänderung betreffenden Gespräche mit seinem Arbeitgeber überhaupt führen möchte. Ein Recht, solche Gespräche einseitig per Direktions- bzw. Weisungsrecht anzuordnen, hat der Arbeitgeber nicht.
Nähere Informationen finden Sie hier:
Hinweis: In der Zwischenzeit, d.h. nach Erstellung dieses Artikels, hat das Gericht seine Entscheidungsgründe schriftlich abgefasst und veröffentlicht. Die Entscheidungsgründe im Volltext finden Sie hier:

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 23. März 2011
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
|
|
 |
|