|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 07/42 Kündigung „Nur gucken, nicht anfassen!“ ist unwirksam.
|
 |

|
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 18.04.2007, 12 Sa 132/07
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschieden?
23.08.2007. Eine schriftliche „Willenserklärung“ wie zum Beispiel eine Kündigung, die gegenüber einem persönlich anwesenden Erklärungsadressaten erklärt werden soll, wird wirksam, wenn sie ihm ausgehändigt bzw. übergeben wird oder sonstwie endgültig in seinen „Herrschaftsbereich“ gelangt ist. Lehnt der Erklärungsempfänger es ab, die Kündigung zu lesen oder gibt er dem Erklärenden die Kündigung ungelesen zurück, kann er dadurch nicht das Wirksamwerden der Kündigung verhindern.
Fraglich ist, ob eine unter Anwesenden abzugebende Kündigungserklärung auch dann in den Herrschaftsbereich des Erklärungsadressaten gelangt und damit wirksam wird, wenn der Kündigende das Kündigungsschreiben zwar im Original, aber nur zur Ansicht und nicht zur Mitnahme vorlegt. Über diese Frage hatte das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf in einem Urteil vom 18.04.2007 (12 Sa 132/07) zu entscheiden.
Welcher Sachverhalt lag dem Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf zugrunde?
Die klagende Arbeitnehmerin wurde mit weiteren 20 Arbeitnehmern im Juli 2006 zum Büro der Personalabteilung gebeten, da der Arbeitgeber plante, den betroffenen Mitarbeitern betriebsbedingt zu kündigen. Die Arbeitnehmer wurden einzeln in das Büro hereingebeten. Sodann wurden den Arbeitnehmern das Originalkündigungsschreiben sowie eine Fotokopie des Schreibens vorgelegt, so dass die Arbeitnehmer beide Schreiben lesen konnten. Im Rahmen eines kurzen Gesprächs ließ sich der Bevollmächtigte des Arbeitgebers den Kündigungszugang auf beiden Schreiben quittieren. Anschließend faltete er die Kopie zusammen, steckte sie in einen Umschlag und gab den Umschlag dem Arbeitnehmer mit.
Bei der Klägerin verhielt sich die Übergabe anders. Die Klägerin verweigerte die Quittierung des Zugangs, woraufhin der Beauftragte des Arbeitgebers sowohl auf das Originalschreiben als auch auf die Kopie handschriftlich den Vermerk „unter Zeugen übergeben“ setzte, datierte und unterzeichnete. Der Klägerin wurde in einem Umschlag das kopierte Kündigungsschreiben mitgegeben. Das in der ersten Instanz angerufene Arbeitsgericht Mönchengladbach wies die Klage ab, da es der Meinung war, die Kündigung sei wirksam geworden.
Wie hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschieden?
Das LAG Düsseldorf war der Ansicht, daß die Kündigung nicht wirksam wurde, da sie nicht in einer der gesetzlichen Schriftform (§ 623 BGB) entsprechenden Weise der Arbeitnehmerin gegenüber erklärt worden sei. Zur Begründung heißt es:
Die Klägerin habe zu keinem Zeitpunkt die Verfügungsgewalt über das Originalkündigungsschreiben erhalten, und zwar auch nicht vorübergehend, da sie nach den Umständen davon ausgehen musste, dass das Originalkündigungsschreiben im Büro der Personalabteilung liegen und damit dauerhaft in der Verfügungsgewalt des Arbeitgebers bleiben sollte. Den Umständen nach sollte daher der Klägerin lediglich die Gelegenheit gegeben werden, das Originalschreiben zu lesen. Ein solches „Erklärungsverhalten“ des verklagten Arbeitgebers – nach dem Motto „Nur gucken, nicht anfassen!“ – stellt nach Ansicht des LAG Düsseldorf keine Übergabe des Originalkündigungsschreibens (im Sinne einer rechtlich erforderlichen Aushändigung bzw. Aufgabe der Verfügungsgewalt) dar. Dass die Arbeitnehmerin den Erhalt der Kündigung auch auf dem Originalschreiben quittieren sollte, stehe dem nicht entgegen, da die Empfangsbestätigung auf das von dem Arbeitgeber zurückgehaltene Originalschreiben gesetzt werden sollte, so dass die Beklagte das Originalschreiben auch wegen der Dokumentation des Kündigungsausspruchs gerade nicht endgültig aus der Hand geben wollte.
Fazit: Kündigungsschreiben sollten im Original ausgehändigt und der Vermerk der Übergabe (Ort, Datum, Uhrzeit und Zeugen) auf die Kopie des Schreibens gesetzt werden. Das „Behalten“ des Originalkündigungsschreibens nützt dem Kündigenden nichts, sondern schadet ihm nur. Behalten werden sollte nur die Kopie.
Nähere Informationen finden Sie hier:

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 1. März 2012
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
|
|
 |
|