HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

HANDBUCH ARBEITSRECHT

Kün­di­gung - Zu­rück­wei­sung der Kün­di­gung

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Kün­di­gung - Zu­rück­wei­sung der Kün­di­gung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Stoppschild auf Boden

Le­sen Sie hier, wann Sie ei­ne Kün­di­gung zu­rück­wei­sen kön­nen, weil der Kün­di­gen­de kei­ne Voll­machts­ur­kun­de bei­ge­fügt hat.

Im Ein­zel­nen fin­den Sie In­for­ma­tio­nen da­zu, was die Zu­rück­wei­sung ei­ner Kün­di­gung ge­mäß § 174 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) da­von un­ter­schei­det, dass der Ge­kün­dig­te das Feh­len ei­ner Be­voll­mäch­ti­gung ge­mäß § 180 Satz 2 BGB be­an­stan­det, wie lan­ge Sie sich mit der Zu­rück­wei­sung ei­ner Kün­di­gung Zeit las­sen kön­nen und was Sie bei der For­mu­lie­rung ei­ner Zu­rück­wei­sung be­ach­ten soll­ten.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Wann ist ei­ne Kündi­gung, die ein Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers aus­spricht, wirk­sam?

Größere Ar­beit­ge­ber müssen sich beim Ab­schluss von Ar­beits­verträgen und bei Kündi­gun­gen ver­tre­ten las­sen.

Bei Kündi­gun­gen ge­schieht das übli­cher­wei­se, in­dem ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung auf dem Brief­pa­pier des Ar­beit­ge­bers die Kündi­gung erklärt und sei­ne Un­ter­schrift un­ter das Kündi­gungs­schrei­ben setzt. Durch die Ver­wen­dung des Fir­men­brief­pa­piers wird deut­lich, dass er die Kündi­gung nicht im ei­ge­nen Na­men aus­spre­chen will (er ist ja nicht der Ar­beit­ge­ber), son­dern im Na­men der von ihm ver­tre­te­nen Fir­ma, d.h. des Ar­beit­ge­bers.

Da­hin­ter steht § 164 Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Die­se Vor­schrift lau­tet:

„Ei­ne Wil­lens­erklärung, die je­mand in­ner­halb der ihm zu­ste­hen­den Ver­tre­tungs­macht im Na­men des Ver­tre­te­nen ab­gibt, wirkt un­mit­tel­bar für und ge­gen den Ver­tre­te­nen. Es macht kei­nen Un­ter­schied, ob die Erklärung aus­drück­lich im Na­men des Ver­tre­te­nen er­folgt oder ob die Umstände er­ge­ben, dass sie in des­sen Na­men er­fol­gen soll.“

Aus die­ser Re­ge­lung er­gibt sich, dass ei­ne Kündi­gung, die ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung für den Ar­beit­ge­ber aus­spricht, für und ge­gen den Ar­beit­ge­ber wirkt, wenn drei Be­din­gun­gen erfüllt sind:

  1. Der Mit­ar­bei­ter, der die Kündi­gung erklärt, muss ei­ne ei­ge­ne Erklärung ab­ge­ben, d.h. er muss den Kündi­gungs­ent­schluss zu Pa­pier brin­gen. Steht vor sei­ner Un­ter­schrift „im Auf­trag“ bzw. „i.A.“, liegt kei­ne ei­ge­ne Erklärung des Un­ter­zeich­nen­den vor, denn er über­mit­telt nur als Bo­te die Erklärung ei­nes an­de­ren.
  2. Der Mit­ar­bei­ter, der die Kündi­gung erklärt, darf kein Ge­heim­nis dar­aus ma­chen, dass er die­se Erklärung für ei­nen an­de­ren, nämlich für den Ar­beit­ge­ber ab­gibt. Die Stell­ver­tre­tung muss of­fen­kun­dig sein.
  3. Der Mit­ar­bei­ter, der die Kündi­gung erklärt, muss da­zu be­vollmäch­tigt sein, d.h. er muss recht­lich in der La­ge sein, den Ar­beit­ge­ber zu ver­tre­ten (Voll­macht, Ver­tre­tungs­macht).

War­um soll­te man Kündi­gungs­erklärun­gen nicht „im Auf­trag“ (i.A.) un­ter­schrei­ben?

Wie ge­sagt be­deu­tet das Kürzel „im Auf­trag“ bzw. „i.A.“, dass der Un­ter­zeich­nen­de ei­ne von ei­nem an­de­ren vor­ge­ge­be­ne Erklärung nur zu Pa­pier bringt, d.h. als Be­auf­trag­ter, Ge­hil­fe bzw. Bo­te des­je­ni­gen, der die Erklärung zu ver­ant­wor­ten hat.

Das führt bei der Kündi­gung ei­nes Ar­beits­ver­trags zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung, denn § 623 BGB schreibt vor, dass die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwin­gend schrift­lich erklärt wer­den muss. Da­zu muss aber der­je­ni­ge, der den an­de­ren mit der Aus­fer­ti­gung des Kündi­gungs­schrei­bens be­auf­tragt hat, selbst bzw. persönlich un­ter­schrei­ben (§ 126 Abs.1 BGB). Dass der Be­auf­trag­te („i.A.“) un­ter­schrie­ben hat, genügt nicht, denn er hat die Kündi­gung ja nicht erklärt, son­dern eben nur „im Auf­trag“ über­mit­telt.

In die­sem Sin­ne hat vor ei­ni­gen Jah­ren das Ar­beits­ge­richt Ham­burg ent­schie­den (Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 08.12.2006, 27 Ca 21/06, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 06/21 Ar­beits­ge­richt Ham­burg: Kei­ne Kündi­gung "i.A.").

Was können Sie als gekündig­ter Ar­beit­neh­mer tun, wenn der Kündi­gung kei­ne Voll­machts­ur­kun­de bei­liegt?

Aus § 164 Abs.1 Satz 1 BGB folgt, dass ei­ne Kündi­gung („Wil­lens­erklärung“) durch ei­nen Stell­ver­tre­ter nur dann für den ver­tre­te­nen Ar­beit­ge­ber wirkt, wenn sich der Stell­ver­tre­ter da­bei in­ner­halb der ihm zu­ste­hen­den Ver­tre­tungs­macht be­wegt.

Da­mit ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung Ver­tre­tungs­macht be­sitzt, muss ihn der Ar­beit­ge­ber be­vollmäch­tigt ha­ben. Ei­ne Be­vollmäch­ti­gung wird meist schrift­lich fest­ge­hal­ten, nämlich in ei­ner Voll­machts­ur­kun­de.

Da Kündi­gun­gen im Un­ter­schied zu Verträgen ein­sei­ti­ge Erklärun­gen sind, kommt es auf Ge­gen­erklärun­gen des gekündig­ten Ver­trags­part­ners nicht an. Dem­ent­spre­chend soll­te möglichst schnell klar sein, ob ei­ne Kündi­gung wirkt oder nicht.

Da­her gibt § 174 BGB dem Kündi­gungs­empfänger die Möglich­keit, sich Klar­heit darüber zu ver­schaf­fen, ob ei­ne wirk­sa­me Voll­macht vor­liegt oder nicht. Die­se Vor­schrift lau­tet:

„Ein ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft, das ein Be­vollmäch­tig­ter ei­nem an­de­ren ge­genüber vor­nimmt, ist un­wirk­sam, wenn der Be­vollmäch­tig­te ei­ne Voll­machts­ur­kun­de nicht vor­legt und der an­de­re das Rechts­geschäft aus die­sem Grund un­verzüglich zurück­weist. Die Zurück­wei­sung ist aus­ge­schlos­sen, wenn der Voll­macht­ge­ber den an­de­ren von der Be­vollmäch­ti­gung in Kennt­nis ge­setzt hat­te.“

Das heißt: Er­hal­ten Sie als Ar­beit­neh­mer ei­ne schrift­li­che Kündi­gung aus dem Hau­se Ih­res Ar­beit­ge­bers, die ein Mit­ar­bei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung für Ih­ren Ar­beit­ge­ber un­ter­schrie­ben hat, können Sie er­war­ten, dass der Kündi­gung ei­ne schrift­li­che Voll­macht Ih­res Ar­beit­ge­bers bei­gefügt ist. An­dern­falls können sie die Kündi­gung zurück­wei­sen, z.B. durch fol­gen­de Erklärung:

„Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,

am XX.XX.20XX ha­be ich ei­ne auf den XX.XX.20XX da­tier­te Kündi­gung aus Ih­rem Hau­se er­hal­ten, die von Herrn / Frau XY als Ih­rem / Ih­rer an­geb­li­chen Be­vollmäch­tig­ten aus­ge­spro­chen bzw. un­ter­zeich­net wur­de. Da mir kei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­ge­legt wur­de, wel­che Herrn / Frau XY le­gi­ti­mie­ren würde, wei­se ich die Kündi­gung hier­mit aus die­sem Grun­de gemäß § 174 Satz 1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) zurück.

Mit freund­li­chen Grüßen,

(Ar­beit­neh­mer)“

Wel­che recht­li­chen Fol­gen hat die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB?

Die Rechts­fol­ge der Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung gemäß § 174 BGB be­steht dar­in, dass die zurück­ge­wie­se­ne Kündi­gung un­wirk­sam ist. Die Un­wirk­sam­keit kann auch nicht mehr be­sei­tigt bzw. „ge­heilt“ wer­den, in­dem später ei­ne Voll­machts­ur­kun­de nach­ge­reicht wird.

Viel­mehr muss die Kündi­gung er­neut, dies­mal mit ei­ner bei­lie­gen­den Voll­machts­ur­kun­de, aus­ge­spro­chen wer­den. Das kann da­zu führen, dass das Ar­beits­verhält­nis länger fort­be­steht, als sich der Ar­beit­ge­ber das wünschen würde.

BEISPIEL: Im Ar­beits­ver­trag ist ei­ne Kündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de ver­ein­bart. Am 29. Sep­tem­ber erklärt der Ar­beit­ge­ber, ver­tre­ten durch ei­nen Mit­ar­bei­ter der HR-Ab­tei­lung, die or­dent­li­che Kündi­gung zum 31. De­zem­ber. Da der Kündi­gungs­erklärung kei­ne Voll­macht bei­gefügt war, erklärt der gekündig­te Ar­beit­neh­mer am 02. Ok­to­ber schrift­lich per Bo­ten die Zurück­wei­sung der Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB.

In die­sem Bei­spiels­fall ist die Kündi­gung vom 29. Sep­tem­ber in­fol­ge der Zurück­wei­sungs­erklärung un­wirk­sam. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber er­neut kündi­gen. Das kann er frühes­tens im Ver­lauf des Ok­to­bers ma­chen. Da­her ist der nächs­te or­dent­li­che Kündi­gungs­ter­min nicht mehr der 31. De­zem­ber, son­dern der 31. März des Fol­ge­jah­res.

Die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung we­gen feh­len­der Voll­machts­ur­kun­de kann auch da­zu führen, dass ei­ne Kündi­gung endgültig schei­tert, al­so auch nicht mehr nach­ge­holt wer­den kann. Die­ser Fall kann bei frist­lo­sen Kündi­gun­gen ein­tre­ten.

Ei­ne frist­lo­se bzw. außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist nämlich nur auf der Grund­la­ge von § 626 BGB zulässig. Und gemäß § 626 Abs.2 BGB hat der Ar­beit­ge­ber nur zwei Wo­chen Zeit für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung. Die Zwei­wo­chen­frist be­ginnt mit dem Zeit­punkt, in dem er vollständi­ge Kennt­nis von den Tat­sa­chen er­langt hat, die ihn zur frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen.

BEISPIEL: Der Ar­beit­neh­mer hat ei­nen Kun­den am 10. Ok­to­ber grob be­lei­digt und wird da­her noch am sel­ben Tag zum Per­so­nal­gespräch ein­be­stellt. Das Gespräch fin­det in An­we­sen­heit des Geschäftsführers statt, der über die Kündi­gung zu ent­schei­den hat. Der Ar­beit­neh­mer räumt den Vor­fall ein, wei­gert sich aber, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zu un­ter­schrei­ben. Die schrift­li­che frist­lo­se Kündi­gung geht ihm am 21. Ok­to­ber zu, d.h. drei Ta­ge vor Ab­lauf der Zwei­wo­chen­frist des § 626 Abs.2 BGB. Da die Kündi­gung von ei­nem Rechts­an­walt erklärt und un­ter­schrie­ben ist, der kei­ne Voll­machts­ur­kun­de bei­gefügt hat, erklärt der Ar­beit­neh­mer am 25. Ok­to­ber un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB die Zurück­wei­sung der Kündi­gung.

In die­sem Fall ist die frist­lo­se Kündi­gung we­gen der Zurück­wei­sung gemäß § 174 BGB un­wirk­sam. Und was für den Ar­beit­ge­ber noch schlim­mer ist: Sie kann auch nicht durch ei­ne er­neu­te frist­lo­se Kündi­gung nach­ge­holt wer­den, da die Zwei­wo­chen­frist am 24. Ok­to­ber ab­ge­lau­fen ist. Dem Ar­beit­ge­ber bleibt da­her nur noch, ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung oder ei­ne Ab­mah­nung aus­zu­spre­chen.

Wie lan­ge ha­ben Sie Zeit, um ei­ne Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB zurück­zu­wei­sen?

Wer ei­ne Kündi­gung oh­ne bei­lie­gen­de Voll­macht er­hal­ten hat und die­se da­her zurück­wei­sen möch­te, darf nicht trödeln, son­dern muss sei­ne Zurück­wei­sung „un­verzüglich“ erklären. Und gemäß § 121 Abs.1 Satz 1 BGB heißt „un­verzüglich“ „oh­ne schuld­haf­tes Zögern“.

Nach der Recht­spre­chung kann sich der Kündi­gungs­empfänger da­her ein we­nig Zeit zum Über­le­gen las­sen und sich recht­lich be­ra­ten las­sen, aber nach ei­ner Wo­che ist im Nor­mal­fall Schluss.

Wer ei­ne Kündi­gung nicht spätes­tens ei­ne Wo­che nach Er­halt un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB we­gen feh­len­der Voll­machts­ur­kun­de zurück­weist, erklärt sei­ne Zurück­wei­sung nicht mehr un­verzüglich. Die Zurück­wei­sung hat dann kei­ne recht­li­che Wir­kung mehr.

Ist für die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung ei­ne be­stimm­te Form vor­ge­schrie­ben?

Nein, ei­ne Zurück­wei­sung kann münd­lich, in Text­form (per Fax, E-Mail oder SMS) oder auch schrift­lich erklärt wer­den. Um hin­ter­her be­wei­sen zu können, wann ge­nau die Zurück­wei­sung erklärt wur­de und dass sie den rich­ti­gen Adres­sa­ten er­reicht hat, ist es aber drin­gend zu emp­feh­len, sie schrift­lich zu erklären und dem Ar­beit­ge­ber per Bo­ten zu über­mit­teln.

Ach­tung: Wer in Stell­ver­tre­tung für ei­nen an­de­ren ei­ne Zurück­wei­sung erklärt, z.B. als Rechts­an­walt für ei­nen Man­dan­ten, muss der Zurück­wei­sungs­erklärung un­be­dingt ei­ne Voll­macht sei­nes Auf­trag­ge­bers beifügen, denn sonst droht die Zurück­wei­sung der Zurück­wei­sung. Nicht nur ei­ne Kündi­gung, son­dern auch de­ren Zurück­wei­sung gemäß § 174 BGB ist nämlich ein „ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft“ und kann da­her zurück­ge­wie­sen wer­den, wenn kei­ne Voll­macht bei­gefügt ist.

Muss der Kündi­gen­de, um ei­ne Zurück­wei­sung zu ver­mei­den, ei­ne Ori­gi­nal­voll­macht vor­le­gen?

Ja, die Voll­macht, die den Ver­tre­ter zur Kündi­gung be­rech­tigt, muss der Kündi­gung im Ori­gi­nal bei­gefügt wer­den. Ei­ne Ko­pie der Voll­macht genügt nicht.

Da­her schei­den auch elek­tro­ni­sche Über­mitt­lun­gen per Fax (bzw. als Fax­ko­pie) oder per E-Mail (als an­gehäng­tes pdf) aus.

Wann ist ei­ne Zurück­wei­sung aus­ge­schlos­sen, weil der gekündig­te Ar­beit­neh­mer Kennt­nis von der Be­vollmäch­ti­gung hat?

Gemäß § 174 Satz 2 BGB ist die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gung aus­ge­schlos­sen, wenn der Ar­beit­ge­ber als Voll­macht­ge­ber den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer von der Be­vollmäch­ti­gung des Mit­ar­bei­ters in Kennt­nis ge­setzt hat­te, der die Kündi­gung erklärt.

Das ist nach der Recht­spre­chung z.B. dann der Fall, wenn der Lei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung, der auch die Ar­beits­verträge un­ter­schreibt, ei­ne Kündi­gungs­erklärung un­ter­zeich­net. Denn dann ist dem gekündig­ten Ar­beit­neh­mer durch die her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung des Per­so­nal­lei­ters be­kannt, dass die­ser zum Aus­spruch von Kündi­gun­gen be­vollmäch­tigt ist.

Können gekündig­te Ar­beit­neh­mer auch ei­ne Kündi­gung zurück­wei­sen, die ein GmbH-Geschäftsführer un­ter­schrie­ben hat?

Manch­mal ist auch bei ei­nem Geschäftsführer ei­ner GmbH nicht zwei­fels­frei klar, dass er die GmbH bei ei­ner Kündi­gung ver­tre­ten kann. Mögli­cher­wei­se ist ja ab­be­ru­fen wor­den oder er kann nur zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren Geschäftsführer oder ei­nem Pro­ku­ris­ten kündi­gen.

Sol­che Zwei­fel be­rech­ti­gen den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall nicht da­zu, ei­ne vom Geschäftsführer un­ter­schrie­ben Kündi­gung un­ter Ver­weis auf § 174 Satz 1 BGB zurück­zu­wei­sen. Denn die­se Vor­schrift ist auf Voll­mach­ten zu­ge­schnit­ten, d.h. auf ei­ne Ver­tre­tungs­macht, die sich aus ei­ner ent­spre­chen­den rechts­geschäft­li­chen Erklärung (Be­vollmäch­ti­gung) her­lei­tet. Dem­ge­genüber kann der GmbH-Geschäftsführer die GmbH auf­grund ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung ver­tre­ten, d.h. er be­sitzt als Or­gan der Ge­sell­schaft Ver­tre­tungs­macht (§ 35 Abs.1 Satz 1 GmbH-Ge­setz).

Al­ler­dings kann sich aus dem GmbH-Ge­sell­schafts­ver­trag er­ge­ben, dass zwei Geschäftsführer zu­sam­men ei­ne Erklärung ab­ge­ben müssen, um die Ge­sell­schaft zu ver­tre­ten. Dann ist es üblich und auch zulässig, wenn ein Geschäftsführer den an­de­ren in be­stimm­ten An­ge­le­gen­hei­ten da­zu ermäch­tigt, al­lein zu un­ter­schrei­ben.

Ei­ne sol­che Ermäch­ti­gung steht aber ei­ner Voll­macht im Sin­ne von § 174 Satz 1 BGB gleich, so dass der gekündig­te Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung zurück­wei­sen kann,

  • wenn zwei Geschäftsführer an sich nur zur Ge­samt­ver­tre­tung be­rech­tigt sind,
  • wenn dem­ge­genüber nur ein Geschäftsführer die Kündi­gung un­ter­schrie­ben hat, und
  • wenn der Kündi­gung kei­ne ent­spre­chen­de Ermäch­ti­gung durch den an­de­ren Geschäftsführer bei­gefügt ist.

Können gekündig­te Ar­beit­neh­mer auch ei­ne Kündi­gung zurück­wei­sen, die ein Pro­ku­rist un­ter­schrie­ben hat?

Wer Pro­ku­ra hat, be­sitzt gemäß § 49 Abs.1 Han­dels­ge­setz­buch (HGB) ei­ne um­fas­sen­de Ver­tre­tungs­macht für sei­nen Ar­beit­ge­ber.

Wenn ein Pro­ku­rist die Kündi­gung für den Ar­beit­ge­ber un­ter­schrie­ben hat, oh­ne ei­ne schrift­li­che Voll­macht bei­zufügen, und wenn sei­ne Pro­ku­ra im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen und be­kannt ge­macht wor­den ist, kann der gekündig­te Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung nicht un­ter Be­ru­fung auf § 174 Satz 1 BGB zurück­wei­sen.

Der Grund dafür liegt dar­in, dass die Ein­tra­gung der Pro­ku­ra im Han­dels­re­gis­ter dem Ar­beit­neh­mer aus­rei­chen­de Ge­wiss­heit über das Be­ste­hen und den Um­fang der Ver­tre­tungs­macht des Pro­ku­ris­ten gibt.

Müssen Sie in­ner­halb von drei Wo­chen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, wenn Sie sich ge­gen ei­ne Kündi­gung weh­ren wol­len, die Sie zurück­wei­sen ha­ben?

Ja, das soll­ten Sie tun.

Denn § 4 Satz 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) schreibt vor, dass man als gekündig­ter Ar­beit­neh­mer in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang ei­ner schrift­li­chen Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben muss, wenn man gel­tend ma­chen möch­te, dass die Kündi­gung ge­gen das KSchG verstößt „oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist“.

Und wenn Sie ei­ne Kündi­gung Ih­res Ar­beit­ge­bers un­ter Be­ru­fung auf § 174 Satz 1 BGB zurück­ge­wie­sen ha­ben, weil ihr kei­ne Voll­macht bei­gefügt war, ist die Kündi­gung „aus an­de­ren Gründen“ im Sin­ne von § 4 Satz 1 KSchG rechts­un­wirk­sam.

Das wie­der­um heißt, dass ei­ne später als drei Wo­chen nach Er­halt der Kündi­gung ein­ge­reich­te bzw. ver­späte­te Kla­ge da­zu führt, dass die Kündi­gung (ob­wohl ei­gent­lich un­wirk­sam!) gemäß § 7 KSchG als wirk­sam an­zu­se­hen ist.

Wor­in be­steht der Un­ter­schied zwi­schen der Nicht­vor­la­ge ei­ner Voll­machts­ur­kun­de und dem Nicht­be­ste­hen ei­ner Be­vollmäch­ti­gung?

Spricht ein Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter im Na­men des Ar­beit­ge­bers ei­ne Kündi­gung aus und fügt kei­ne schrift­li­che Voll­machts­ur­kun­de bei, lässt er den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer im Un­kla­ren darüber, ob ei­ne Be­vollmäch­ti­gung be­steht oder nicht. Um die­se Un­klar­heit zu be­sei­ti­gen, kann der Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung gemäß § 174 Satz 1 BGB zurück­wei­sen und da­durch „ab­schießen“.

Das Zurück­wei­sungs­recht gemäß § 174 Satz 1 BGB ist un­abhängig von der Fra­ge, ob die Kündi­gung durch ei­ne Voll­macht ge­deckt ist oder nicht. Ent­schei­dend ist die Un­si­cher­heit des Gekündig­ten über die­se Fra­ge, die da­durch ent­steht, dass der Kündi­gen­de ein Stück Pa­pier, nämlich die Ori­gi­nal-Voll­machts­ur­kun­de, der Kündi­gung nicht bei­gefügt hat. Das Zurück­wei­sungs­recht be­steht auch dann, wenn der Kündi­gen­de ord­nungs­gemäß be­vollmäch­tigt ist, aber nicht dar­an ge­dacht hat, dem Gekündig­ten ei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­zu­le­gen.

An­ders ist es da­ge­gen, wenn der Kündi­gen­de gar nicht be­vollmäch­tigt ist. Dann ist die Kündi­gung als „ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft“ von vorn­her­ein un­wirk­sam, d.h. nicht erst dann, wenn der Gekündig­te sie zurück­weist. Hier­zu enthält § 180 Satz 1 und 2 BGB fol­gen­de Re­ge­lung:

„Bei ei­nem ein­sei­ti­gen Rechts­geschäft [wie z.B. bei ei­ner Kündi­gung] ist Ver­tre­tung oh­ne Ver­tre­tungs­macht un­zulässig. Hat je­doch der­je­ni­ge, wel­chem ge­genüber ein sol­ches Rechts­geschäft vor­zu­neh­men war [al­so z.B. der Ar­beit­neh­mer als Empfänger der Kündi­gung], die von dem Ver­tre­ter be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht bei der Vor­nah­me des Rechts­geschäfts nicht be­an­stan­det (…), so fin­den die Vor­schrif­ten über Verträge ent­spre­chen­de An­wen­dung.“

Das be­deu­tet: Verfügt der Kündi­gen­de über kei­ne aus­rei­chen­de Voll­macht, ist die Kündi­gung un­wirk­sam. Im Re­gel­fall wird der gekündig­te Ar­beit­neh­mer das aber nicht wis­sen und da­her die vom Kündi­gen­den in An­spruch ge­nom­me­ne Voll­macht nicht be­an­stan­den. Dann fin­den die Vor­schrif­ten über Verträge An­wen­dung, d.h. der Ar­beit­ge­ber kann die zunächst un­wirk­sa­me Kündi­gung sei­ner voll­macht­lo­sen Ver­tre­ter im Nach­hin­ein gemäß § 177 BGB ge­neh­mi­gen.

BEISPIEL: Ein Pro­ku­rist verfügt über ei­ne sog. Ge­samt­pro­ku­ra, d.h. er kann den Ar­beit­ge­ber nur zu­sam­men mit ei­nem an­de­ren Pro­ku­ris­ten ver­tre­ten. Er kündigt im Na­men des Ar­beit­ge­bers ei­nen Ar­beit­neh­mer und un­ter­schreibt die Kündi­gung zu­sam­men mit ei­nem Per­so­nal­sach­be­ar­bei­ter, der kei­ne Pro­ku­ra hat. Der Ar­beit­neh­mer er­hebt zwei Mo­na­te nach Zu­gang der Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit der Be­gründung, dass die Kündi­gung man­gels wirk­sa­mer Be­vollmäch­ti­gung der bei­den Ver­tre­ter un­wirk­sam war.

In die­sem Fall ist die Kündi­gung gemäß § 180 Satz 1 BGB un­wirk­sam und der Ar­beit­neh­mer hat erst ein­mal gu­te Aus­sich­ten, den Pro­zess zu ge­win­nen. Dass er sich mit der Kla­ge länger als drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung Zeit ge­las­sen hat, scha­det ihm nicht, denn §§ 4 und 7 KSchG sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) nicht auf den Fall an­zu­wen­den, dass ei­ne Kündi­gung we­gen feh­len­der Be­vollmäch­ti­gung un­wirk­sam ist (BAG, Ur­teil vom 26.03.2009, 2 AZR 403/07).

Da der gekündig­te Ar­beit­neh­mer hier im Bei­spiels­fall die von den Kündi­gen­den in An­spruch ge­nom­me­ne Voll­macht nicht be­an­stan­det hat­te, kann der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings noch im Kla­ge­ver­fah­ren die Kündi­gung nachträglich ge­neh­mi­gen. Da­zu kann ihn der Ar­beit­neh­mer auch sei­ner­seits auf­for­dern, was den Ar­beit­ge­ber un­ter Zeit­druck setzt, weil er die Ge­neh­mi­gung dann nur bin­nen zwei Wo­chen nach ei­ner sol­chen Auf­for­de­rung erklären kann (§ 177 Abs.2 BGB).

Mit der Ge­neh­mi­gung ist die man­geln­de Be­vollmäch­ti­gung als Grund für die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung vom Tisch, wo­bei die Ge­neh­mi­gung auf den Zeit­punkt der Kündi­gung zurück­wirkt (§ 184 Abs.1 BGB). Der Ar­beit­neh­mer hat trotz­dem recht­zei­tig Kla­ge er­ho­ben, denn laut BAG be­ginnt die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist in ei­nem sol­chen Fall erst dann, wenn dem gekündig­ten Ar­beit­neh­mer die Ge­neh­mi­gung der Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber zu­geht (BAG, Ur­teil vom 06.09.2012, 2 AZR 858/11).

TIP: Wer ei­ne Kündi­gung un­ter Be­ru­fung auf § 174 BGB zurück­weist, weil ihm kei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­ge­legt wur­de, soll­te das vor­sorg­lich im­mer da­mit ver­bin­den, dass er die vom Ver­tre­ter be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht gemäß § 180 Satz 2 BGB be­an­stan­det. Ei­ne sol­che Erklärung könn­te lau­ten:

„Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,

am XX.XX.20XX ha­be ich ei­ne auf den XX.XX.20XX da­tier­te Kündi­gung aus Ih­rem Hau­se er­hal­ten, die von Herrn / Frau XY als Ih­rem / Ih­rer an­geb­li­chen Be­vollmäch­tig­ten aus­ge­spro­chen bzw. un­ter­zeich­net wur­de. Da mir kei­ne Voll­machts­ur­kun­de vor­ge­legt wur­de, wel­che Herrn / Frau XY le­gi­ti­mie­ren würde, wei­se ich die Kündi­gung hier­mit aus die­sem Grun­de gemäß § 174 Satz 1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) zurück.

Außer­dem be­an­stan­de ich hier­mit die von Herrn / Frau XY be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht gemäß § 180 Satz 2 BGB.

Mit freund­li­chen Grüßen,

(Ar­beit­neh­mer)“

Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Kündi­gung - Zurück­wei­sung der Kündi­gung?

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Kündi­gung - Zurück­wei­sung der Kündi­gung in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:

Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Kündi­gung - Zurück­wei­sung der Kündi­gung fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 8. Oktober 2016

Was können wir für Sie tun?

Wenn Sie Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der Zu­rück­wei­sung ei­ner Kün­di­gung ha­ben oder wenn Sie da­her vor der Ent­schei­dung ste­hen, ei­ne Zu­rück­wei­sung zu er­klä­ren und/oder Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.

Je nach La­ge des Fal­les bzw. ent­spre­chend Ih­ren Wün­schen tre­ten wir ent­we­der nach au­ßen nicht in Er­schei­nung oder aber wir ver­han­deln in Ih­rem Na­men mit Ih­rem Ar­beit­ge­ber bzw. mit den Ver­tre­tern der Ge­sell­schaf­ter.

Für ei­ne mög­lichst ra­sche und ef­fek­ti­ve Be­ra­tung be­nö­ti­gen wir fol­gen­de Un­ter­la­gen:

  • Ar­beits­ver­trag / Ge­schäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trag
  • Ge­halts­nach­wei­se
  • Kün­di­gungs­schrei­ben
  • An­ge­bot Ab­wick­lungs­ver­trag (falls vor­han­den)
  • An­ge­bot Auf­he­bungs­ver­trag (falls vor­han­den)

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de