HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/148

Kün­di­gung: Zu­gang ei­ner Kün­di­gung durch Über­ga­be an den Ehe­gat­ten

Da der Ehe­gat­te des Kün­di­gungs­emp­fän­gers des­sen Emp­fangs­bo­te ist, geht die Kün­di­gung auch zu, wenn die­ser die Wei­ter­lei­tung ver­zö­gert: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 687/09
Kündigung Wall-Street-Karton mit Frau Ehe­gat­ten als Brief­käs­ten

02.08.2011. Ei­ne or­dent­li­che Kün­di­gung be­en­det ein Ar­beits­ver­hält­nis erst nach Ab­lauf der Kün­di­gungs­frist zu ei­nem be­stimm­ten Kün­di­gungs­ter­min (§ 622 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Bis zu die­sem Tag ent­ste­hen Lohn­an­sprü­che.

Da­mit die Kün­di­gungs­frist zu lau­fen be­ginnt, muss die Kün­di­gung je­doch erst ein­mal wirk­sam wer­den. Ent­schei­dend da­für ist nicht ihr Aus­stel­lungs­da­tum, son­dern ihr „Zu­gang“ (§ 130 Abs.1 BGB).

Zu­ge­gan­gen ist ei­ne Kün­di­gung nicht nur, wenn sie der Ge­kün­dig­te „in die Hand ge­drückt“ be­kommt, son­dern be­reits dann, wenn das Kün­di­gungs­schrei­ben in sei­nen „Macht­be­reich“ ge­langt ist und man un­ter ge­wöhn­li­chen Um­stän­den da­mit rech­nen kann, dass er das Schrei­ben zur Kennt­nis neh­men kann.

Zum „Macht­be­reich“ ge­hö­ren der Brief­kas­ten und er­wach­se­ne Mit­glie­der im Haus­halt, die da­mit als „per­so­na­li­sier­te Brief­käs­ten“ gel­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat nun ent­schie­den, ob sie das auch au­ßer­halb der Woh­nung sind (Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 687/09).

Ein Ar­beit­ge­ber hat­te ei­ner Ar­beit­neh­me­rin ge­kün­digt, in­dem er das Kün­di­gungs­schrei­ben ih­rem Ehe­mann an des­sen Ar­beits­platz durch ei­nen sei­ner Mit­ar­bei­ter über­ge­ben ließ. Un­ter die­sen Um­stän­den durf­te der Ar­beit­ge­ber da­mit rech­nen, dass die Kün­di­gung noch am glei­chen Tag bei der Ge­kün­dig­ten ein­trifft, mein­ten das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 07.09.2009, 2 Sa 210/09) und das BAG, ob­wohl der Ehe­mann die Kün­di­gung tat­säch­lich erst am nächs­ten Tag mit nach Hau­se ge­bracht hat­te.

Fa­zit: Ehe­leu­te sind auch dann „wan­deln­de Brief­käs­ten“, wenn sie au­ßer­halb der ge­mein­sa­men Woh­nung an­ge­trof­fen wer­den. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung von Ehe­leu­ten ist das nicht, da das auch für Le­bens­part­ner nicht­ehe­li­cher Le­bens­ge­mein­schaf­ten gilt. Bei ih­nen kann der Kün­di­gen­de im All­ge­mei­nen da­vor aus­ge­hen, dass ei­ne ih­nen über­ge­be­ne Kün­di­gung noch am glei­chen Tag beim Adres­sat „lan­det“. Wol­len Ehe­leu­te bzw. Le­bens­part­ner das ver­hin­dern, müs­sen sie die An­nah­me und Wei­ter­lei­tung der Kün­di­gung ab­leh­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 5. Oktober 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Thomas Becker
Rechtsanwalt

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln
Telefon: 0221 - 70 90 718
Telefax: 0221 - 70 90 731
E-Mail: koeln@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de