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ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/212

Kün­di­gung ei­nes schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers in der Pro­be­zeit

Ver­zicht auf Pro­be­zeit­kün­di­gung durch Ur­laubs­pla­nung über die Pro­be­zeit hin­aus?: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 27.08.2010, 13 Sa 988/10
Abrisskalender Die Ge­wäh­rung von Ur­laub schließt ei­ne Kün­di­gung nicht aus

29.10.2010. Das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ver­bie­tet so­zi­al un­ge­recht­fer­tig­te Kün­di­gun­gen, d.h. Kün­di­gun­gen oh­ne trif­ti­ge per­so­nen­be­ding­te, ver­hal­tens­be­ding­te oder be­triebs­be­ding­te Grün­de. Doch das Ge­setz ist erst an­zu­wen­den, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis mehr als sechs Mo­na­te be­stan­den hat.

Auch der be­son­de­re Kün­di­gungs­schutz von Schwer­be­hin­der­ten greift erst ein, wenn das Ar­beits­ver­hält­nis mehr als sechs Mo­na­te be­stan­den hat, d.h. erst da­nach ist für ei­ne wirk­sa­me Kün­di­gung die Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes er­for­der­lich.

In­ner­halb der sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit kön­nen Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung da­her meist we­nig ein­wen­den. Ab­ge­se­hen von ei­ner Schwan­ger­schaft hilft dann nur die Be­ru­fung auf all­ge­mei­ne zi­vil­recht­li­che Rechts­grund­sät­ze wie Sit­ten­wid­rig­keit und Treu­wid­rig­keit, die die Ge­rich­te aber meist nicht ak­zep­tie­ren.

Und könn­te ei­ne Pro­be­zeit­kün­di­gung dar­an schei­tern, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ner über die Pro­be­zeit hin­aus­ge­hen­den "län­ger­fris­ti­gen" Ur­laubs­pla­nung zu­ge­stimmt hat?

In ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­de­nen Fall strit­ten die Par­tei­en über die Wirk­sam­keit ei­ner Kün­di­gung, die der Ar­beit­ge­ber in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Ar­beits­ver­hält­nis­ses aus­ge­spro­chen hat­te. Be­trof­fen war ein schwer­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer.

Er hielt die Kün­di­gung für un­wirk­sam und mein­te, sie sei sit­ten­wid­rig im Sin­ne von § 138 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) und ver­sto­ße ge­gen Treu und Glau­ben (§ 242 BGB). Au­ßer­dem sei ihm durch die Ur­laubs­pla­nung vor­ge­gau­kelt wor­den, nach Ab­lauf der War­te­zeit über­nom­men zu wer­den.

Da­mit hat­te er we­der vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 30.03.2010, 36 Ca 13076/09) noch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg (Ur­teil vom 27.08.2010, 13 Sa 988/10) Er­folg.

Auch der Ver­stoß des Ar­beit­ge­bers ge­gen die Pflicht, die aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung ei­nes Schwer­be­hin­der­ten dem In­te­gra­ti­ons­amt in­ner­halb von vier Ta­gen an­zu­zei­gen (§ 90 Abs. 3 So­zi­al­ge­setz­buch Neun­tes Buch - SGB IX), führ­te nicht zur Un­wirk­sam­keit der Kün­di­gung.

Fa­zit: Ab­ge­se­hen vom Son­der­fall der Schwan­ger­schaft geht ei­ne Kün­di­gung in den ers­ten sechs Mo­na­ten vor Ge­richt prak­tisch im­mer durch.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2014

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