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Kün­di­gung in der Pro­be­zeit - Hei­rat ei­ner Chi­ne­sin

Kün­di­gung in der Pro­be­zeit we­gen Hei­rat ei­ner Chi­ne­sin ist sit­ten­wid­rig und da­her un­wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Rechte Hand mit roter Karte Wen der Ar­beit­neh­mer hei­ra­tet geht den Ar­beit­ge­ber nichts an
25.08.2011. Vor ei­ner Kün­di­gung ist man durch das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) erst nach sechs Mo­na­ten ge­schützt (§ 1 Abs.1 KSchG). Die­se sechs­mo­na­ti­ge War­te­zeit wird oft Pro­be­zeit ge­nannt - was nicht ganz stimmt, weil ei­ne ech­te Pro­be­zeit ver­trag­lich fest­ge­legt wird und län­ger oder kür­zer als sechs Mo­na­te sein kann. Ist die "ge­setz­li­che Pro­be­zeit" noch nicht her­um, kann man ge­gen ei­ne Kün­di­gung nur sel­ten et­was ein­wen­den, z.B. bei ei­ner Schwan­ger­schaft oder we­gen feh­ler­haf­ter Be­triebs­rats­an­hö­rung.

Ein wei­te­rer Aus­nah­me­fall liegt vor, wenn die Kün­di­gung ge­gen „Treu und Glau­ben“ ver­stößt, d.h. ge­gen § 242 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB), oder wenn sie „sit­ten­wid­rig“ im Sin­ne von § 138 BGB ist. Dann muss die Kün­di­gung aber schon "ex­trem da­ne­ben" sein, d.h. im Ju­ris­ten­deutsch das "An­stands­ge­fühl al­ler bil­lig und ge­recht Den­ken­den" ver­let­zen. Über ei­nen sol­chen Ex­trem­fall hat­te vor kur­zem das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein zu ent­schei­den (Ur­teil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11).

Ein Leih­ar­bei­ter mit chi­ne­si­scher Freun­din wur­de von ei­nem Ent­lei­her ab­ge­wor­ben, der die Be­zie­hung kann­te und da­mit kein Pro­blem hat­te. Wäh­rend der War­te­zeit hei­ra­te­te der Ar­beit­neh­mer die Chi­ne­sin und wur­de prompt we­gen sei­ner chi­ne­si­schen Frau als Si­cher­heits­ri­si­ko ein­ge­stuft. Die des­halb aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung be­fand das Ar­beits­ge­richt Elms­horn als wirk­sam (Ur­teil vom 08.12.2010, 4 Ca 1016 d/10), wäh­rend die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge vor dem LAG Er­folg hat­te: Die Kün­di­gung war sit­ten­wid­rig.

Fa­zit: Das Ur­teil ist rich­tig. Es ist men­sch­lich schä­big und ei­ne Miss­ach­tung des Grund­rechts auf Ehe und Fa­mi­lie (Art.6 Grund­ge­setz - GG), ei­nen Ar­beit­neh­mer erst ab­zu­wer­ben und dann we­gen sei­ner Hei­rat mit ei­ner Chi­ne­sin zu kün­di­gen. Auf An­trag des Klä­gers lös­te das Ge­richt das Ar­beits­ver­hält­nis ge­gen ei­ne Ab­fin­dung von im­mer­hin 28.000,00 EUR (!) auf. Ar­beit­neh­mer soll­ten auch bei ei­ner Pro­be­zeit­kün­di­gung im­mer durch ei­nen An­walt prü­fen las­sen, ob ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge sinn­voll ist.

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Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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