HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

BAG, Be­schluss vom 27.10.2010, 7 AZR 485/09 (A)

   
Schlagworte: Befristung, Haushalt
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 7 AZR 485/09 (A)
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 27.10.2010
   
Leitsätze: Der Senat bittet den Gerichtshof der Europäischen Union (Gerichtshof) nach Art 267 AEUV darum, die Grundfrage zu beantworten, ob der Umstand, dass öffentliche Arbeitgeber nach deutschem Recht keine Verpflichtungen eingehen dürfen, die haushaltsrechtlich nicht gedeckt sind, es nach § 5 Nr 1 Buchst a der Rahmenvereinbarung über befristete Arbeitsverträge (juris: EGRL 70/99) sachlich rechtfertigt, für sie einen zusätzlichen Befristungstatbestand zu schaffen, auf den sich private Arbeitgeber nicht berufen können. Im Zusammenhang mit dieser Grundfragestellung richtet der Senat vier weitere Fragen an den Gerichtshof, die für die unionsrechtskonforme Auslegung des § 14 Abs 1 Satz 2 Nr 7 TzBfG von Bedeutung sein können.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 10.01.2008, 19 Ca 8970/06
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 8.05.2009, 10 Sa 231/08
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 AZR 485/09 (A)

10 Sa 231/08

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln

Verkündet am 27. Ok­to­ber 2010

BESCHLUSS

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

be­klag­tes, be­ru­fungs­kla­gen­des und re­vi­si­ons­be­klag­tes Land,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 27. Ok­to­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt


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Gall­ner und Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vor­bau und Will­ms be­schlos­sen:

I. Dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on wer­den nach Art. 267 AEUV fol­gen­de Fra­gen vor­ge­legt:

1. Ist es un­ter Berück­sich­ti­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 (Rah­men­ver­ein­ba­rung) ver­ein­bar, al­lein die Tat­sa­che der Beschäfti­gung bei ei­nem öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber und den Um­stand, dass die­ser kei­ne Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen darf, die haus­halts­recht­lich nicht ge­deckt sind, als ei­nen mit der Be­son­der­heit der Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausführung zu­sam­menhängen­den ob­jek­ti­ven Fak­tor zu er­ach­ten, der es recht­fer­tigt, in ei­ner Vor­schrift des na­tio­na­len Rechts für Ar­beits­verhält­nis­se im öffent­li­chen Dienst zusätz­lich zu den übri­gen na­tio­nal­staat­li­chen, die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen recht­fer­ti­gen­den Sach­gründen ei­nen wei­te­ren ei­ne Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­den Sach­grund vor­zu­se­hen, der für Ar­beit­neh­mer in der Pri­vat­wirt­schaft kei­ne An­wen­dung fin­det?

Falls der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on die ers­te Fra­ge ver­neint:

2. Ist die ers­te Fra­ge zu be­ja­hen, wenn die Ar­beit­neh­mer Auf­ga­ben er­le­di­gen, die aus­sch­ließlich dem öffent­li­chen Dienst über­tra­gen sind?

Falls der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on die ers­te oder zwei­te Fra­ge be­jaht:

3. Ist es mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar, bei der An­wen­dung ei­ner Vor­schrift des na­tio­na­len Rechts, nach der ein sach­li­cher Grund zur Recht­fer­ti­gung der wie­der­hol­ten Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses vor­liegt, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird, zu berück­sich­ti­gen, ob der ent­spre­chen­de Haus­halts­plan un­mit­tel­bar von ei­nem durch Wah­len le­gi­ti­mier­ten Haus­halts­ge­setz­ge­ber be­schlos­sen oder ge­neh­migt ist?

4. Ist es mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar, die in der drit­ten Fra­ge be­schrie­be­ne Vor­schrift des na­tio­na­len Rechts da­hin aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den, dass ein sach­li­cher Grund zur Recht-


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fer­ti­gung der wie­der­hol­ten Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auch dann vor­liegt, wenn der ent­spre­chen­de Haus­halts­plan vor­sieht, dass die durch die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit von Stel­len­in­ha­bern frei wer­den­den Haus­halts­mit­tel für die be­fris­te­te Beschäfti­gung von Aus­hilfs­kräften in An­spruch ge­nom­men wer­den können, und wenn nicht ver­langt wird, dass die Aus­hilfs­kraft zur un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Ver­tre­tung des Stel­len­in­ha­bers ein­ge­stellt wird, son­dern es als aus­rei­chend an­ge­se­hen wird, wenn die Aus­hilfs­kraft Auf­ga­ben wahr­nimmt, die an­dern­falls ei­nem oder meh­re­ren an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Dienst­stel­le über­tra­gen wor­den wären, die dem Ar­beits­be­reich des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Stel­len­in­ha­bers an­gehören?

Falls der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on die vier­te Fra­ge be­jaht:

5. Ist es mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein-

ba­rung ver­ein­bar, die in der drit­ten Fra­ge be­schrie­be­ne Vor­schrift des na­tio­na­len Rechts da­hin aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den, dass ein sach­li­cher Grund zur Recht­fer­ti­gung der wie­der­hol­ten Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auch dann ge­ge­ben ist, wenn der ent­spre­chen­de Haus­halts­plan vor­sieht, dass die durch die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit von Stel­len­in­ha­bern frei wer­den­den Haus­halts­mit­tel für die be­fris­te­te Beschäfti­gung von Aus­hilfs­kräften in An­spruch ge­nom­men wer­den können, und es der Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung nicht ent­ge­gen­steht, wenn die Aus­hilfs­kräfte trotz ei­nes un­be­fris­te­ten tatsächli­chen Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung nur für die Dau­er ein­ge­stellt wer­den, für die Mit­tel aus zeit­wei­lig nicht in An­spruch ge­nom­me­nen Plan­stel­len vor­han­den sind?

II. Das Ver­fah­ren wird aus­ge­setzt.

Gründe

A. Ge­gen­stand und Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens:

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr letz­ter Ar­beits­ver­trag wirk­sam be­fris­tet ist.


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Die Kläge­rin war nach Ab­schluss ih­rer Aus­bil­dung zur Jus­tiz­fach­an­ge-

stell­ten beim be­klag­ten Land auf­grund von ins­ge­samt 13 be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen in der Zeit vom 9. Ju­li 1996 bis 31. De­zem­ber 2006 beschäftigt. Sie war durch­ge­hend als Jus­tiz­an­ge­stell­te in der Funk­ti­on ei­ner Schreib­kraft in der Bewährungs­hil­fe des Land­ge­richts Köln ein­ge­setzt. Seit 1998 nahm sie die Stel­le des in den Ru­he­stand ge­tre­te­nen Beschäftig­ten B ein. Das be­klag­te Land stütz­te die Be­fris­tun­gen teils auf die Ver­tre­tung an­de­rer Ar­beit­neh­mer, an­dern­teils auf die Möglich­keit, vorüber­ge­hend freie Haus­halts­mit­tel in An­spruch zu neh­men. Den letz­ten für die Zeit vom 5. Ju­li 2006 bis 31. De­zem­ber 2006 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vom 26. Ju­ni 2006 schlos­sen die Par­tei­en mit Be­zug auf das Haus­halts­ge­setz des be­klag­ten Lan­des aus An­lass vorüber­ge­hend frei­er Haus­halts­mit­tel der be­fris­tet nutz­ba­ren Stel­len­an­tei­le der Jus­tiz­an­ge­stell­ten M we­gen Son­der­ur­laubs nach § 50 Abs. 1 des Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trags (BAT). Die Kläge­rin wur­de nach Vergütungs­grup­pe (VergGr.) VII BAT vergütet und auf der Stel­le der Jus­tiz­an­ge­stell­ten M geführt. Die­ser war bis 4. Ju­li 2007 Son­der­ur­laub oh­ne Bezüge gewährt wor­den. Sie war vor ih­rer Be­ur­lau­bung als Schreib­kraft in der all­ge­mei­nen Zi­vil­ab­tei­lung des Land­ge­richts Köln tätig und wur­de eben­falls nach VergGr. VII BAT vergütet.

Die Kläge­rin hat sich mit ih­rer am 6. No­vem­ber 2006 beim Ar­beits-

ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ge­gen die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2006 ge­wandt. Sie hat be­an­tragt

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auf­grund der Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 26. Ju­ni 2006 nicht zum 31. De­zem­ber 2006 be­en­det wor­den ist;

2. das be­klag­te Land für den Fall des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 1. zu ver­ur­tei­len, sie über den 31. De­zem­ber 2006 hin­aus für die Dau­er des Rechts­streits als voll­beschäftig­te An­ge­stell­te wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Das be­klag­te Land hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­fris­tung sei

wirk­sam, weil die Kläge­rin aus Haus­halts­mit­teln vergütet wor­den sei, die auf­grund der Ab­we­sen­heit der Jus­tiz­an­ge­stell­ten M vorüber­ge­hend frei ge­we­sen sei­en.


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Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits-

ge­richt hat sie ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin das Ziel der Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz-li­chen Ur­teils.

B. Na­tio­na­le Vor­schrif­ten:

Die Zulässig­keit und die Vor­aus­set­zun­gen der Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen sind in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ins­be­son­de­re im Ge­setz über Teil­zeit­ar­beit und be­fris­te­te Ar­beits­verträge (Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG) ge­re­gelt, das der Um­set­zung des § 5 Nr. 1 der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 (Rah­men­ver­ein­ba­rung) dient.

I. Ge­setz über Teil­zeit­ar­beit und be­fris­te­te Ar­beits­verträge (Teil­zeit-

und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG) vom 21. De­zem­ber 2000 (BGBl. I S. 1966), zu­letzt geändert durch Art. 1 des Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der Be­schäfti­gungs­chan­cen älte­rer Men­schen vom 19. April 2007 (BGBl. I S. 538):

„§ 14 Zulässig­keit der Be­fris­tung

(1) Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ist zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist. Ein sach­li­cher Grund liegt ins­be­son­de­re vor, wenn

1. der be­trieb­li­che Be­darf an der Ar­beits­leis­tung nur vorüber­ge­hend be­steht,

2. die Be­fris­tung im An­schluss an ei­ne Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um er­folgt, um den Über­gang des Ar­beit­neh­mers in ei­ne An­schluss­beschäfti­gung zu er­leich­tern,

3. der Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers beschäftigt wird,

4. die Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung die Be­fris­tung recht­fer­tigt,

5. die Be­fris­tung zur Er­pro­bung er­folgt,

6. in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Gründe


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die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen,

7. der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird oder

8. die Be­fris­tung auf ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich be­ruht.

(2) Die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des ist bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zulässig; bis zu die­ser Ge­samt­dau­er von zwei Jah­ren ist auch die höchs­tens drei­ma­li­ge Verlänge­rung ei­nes ka­len­dermäßig be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges zulässig. Ei­ne Be­fris­tung nach Satz 1 ist nicht zulässig, wenn mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber be­reits zu­vor ein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat. ...

...

§ 16 Fol­gen un­wirk­sa­mer Be­fris­tung

Ist die Be­fris­tung rechts­un­wirk­sam, so gilt der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen; ...“

II. Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (GG):

„Art. 3

(1) Al­le Men­schen sind vor dem Ge­setz gleich. ...

Art. 109

(1) Bund und Länder sind in ih­rer Haus­halts­wirt­schaft selbständig und von­ein­an­der un­abhängig.

...

(3) Die Haus­hal­te von Bund und Ländern sind grundsätz­lich oh­ne Ein­nah­men aus Kre­di­ten aus­zu­glei­chen. ...

...

Art. 110

(1) Al­le Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des sind in den Haus­halts­plan ein­zu­stel­len; bei Bun­des­be­trie­ben und bei Son­der­vermögen brau­chen nur die Zuführun­gen oder die Ab­lie­fe­run­gen ein­ge­stellt zu wer­den. Der Haus­halts­plan ist in Ein­nah­me und Aus­ga­be aus­zu­glei­chen.

(2) Der Haus­halts­plan wird für ein oder meh­re­re Rech-


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nungs­jah­re, nach Jah­ren ge­trennt, vor Be­ginn des ers­ten Rech­nungs­jah­res durch das Haus­halts­ge­setz fest­ge­stellt. Für Tei­le des Haus­halts­pla­nes kann vor­ge­se­hen wer­den, daß sie für un­ter­schied­li­che Zeiträume, nach Rech­nungs­jah­ren ge­trennt, gel­ten.

...“

III. § 6 Abs. 8 Satz 1 des Ge­set­zes über die Fest­stel­lung des Haus-
halts­plans des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für das Haus­halts­jahr 2006

(HG NW 2006) vom 23. Mai 2006 (GVBl. NW S. 197):

„Plan­stel­len und Stel­len können für Zeiträume, in de­nen Stel­len­in­ha­be­rin­nen und Stel­len­in­ha­bern vorüber­ge­hend kei­ne oder kei­ne vol­len Bezüge zu gewähren sind, im Um­fang der nicht in An­spruch ge­nom­me­nen Plan­stel­len-oder Stel­len­an­tei­le für die Beschäfti­gung von be­am­te­ten Hilfs­kräften und Aus­hilfs­kräften in An­spruch ge­nom­men wer­den.“

IV. Hoch­schul­rah­men­ge­setz (HRG) in der Fas­sung vom 19. Ja­nu­ar
1999 (BGBl. I S. 18), gültig vom 25. Au­gust 1998 bis 30. De­zem­ber 2004:

„§ 57a Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen

Für den Ab­schluß von Ar­beits­verträgen für ei­ne be­stimm­te Zeit (be­fris­te­te Ar­beits­verträge) mit wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Mit­ar­bei­tern (§ 53), Per­so­nal mit ärzt­li­chen Auf­ga­ben (§ 54) und Lehr­kräften für be­son­de­re Auf­ga­ben (§ 56) so­wie mit wis­sen­schaft­li­chen Hilfs­kräften gel­ten die §§ 57b bis 57f. Die ar­beits­recht­li­chen Vor­schrif­ten und Grundsätze über be­fris­te­te Ar­beits­verträge sind nur in­so­weit an­zu­wen­den, als sie den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes nicht wi­der­spre­chen.

§ 57b Sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung

(1) Der Ab­schluß be­fris­te­ter Ar­beits­verträge mit dem in § 57a Satz 1 ge­nann­ten Per­so­nal ist zulässig, wenn die Be­fris­tung durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist, es sei denn, es be­darf nach den all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Vor­schrif­ten und Grundsätzen kei­nes sach­li­chen Grun­des.

(2) Sach­li­che Gründe, die die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags mit ei­nem wis­sen­schaft­li­chen oder künst­le­ri­schen Mit­ar­bei­ter nach § 53 so­wie mit Per­so­nal mit ärzt­li­chen


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Auf­ga­ben nach § 54 recht­fer­ti­gen, lie­gen auch vor, wenn ...

2. der Mit­ar­bei­ter aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird,

die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird,

...“

C. Ein­schlägi­ge Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts:

I. EGB-UN­ICE-CEEP Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits-

verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 (Rah­men­ver­ein­ba­rung, ABl. EG L 175 vom 10. Ju­li 1999 S. 43):

Abs. 2 und 3 der Präam­bel:

„Die Un­ter­zeich­ner­par­tei­en die­ser Ver­ein­ba­rung er­ken­nen an, daß un­be­fris­te­te Verträge die übli­che Form des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern dar­stel­len und wei­ter dar­stel­len wer­den. Sie er­ken­nen auch an, daß be­fris­te­te Beschäfti­gungs­verträge un­ter be­stimm­ten Umständen den Bedürf­nis­sen von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern ent­spre­chen.

Die Ver­ein­ba­rung legt die all­ge­mei­nen Grundsätze und Min­dest­vor­schrif­ten für be­fris­te­te Ar­beits­verträge in der Er­kennt­nis nie­der, daß bei ih­rer ge­nau­en An­wen­dung die be­son­de­ren Ge­ge­ben­hei­ten der je­wei­li­gen na­tio­na­len, sek­to­ra­len und sai­so­na­len Si­tua­ti­on berück­sich­tigt wer­den müssen. Sie macht den Wil­len der So­zi­al­part­ner deut­lich, ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men zu schaf­fen, der durch den Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung die Gleich­be­hand­lung von Ar­beit­neh­mern in be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen si­chert und die In­an­spruch­nah­me be­fris­te­ter Ar­beits­verträge auf ei­ner für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ak­zep­ta­blen Grund­la­ge ermöglicht.“

„Pa­ra­graph 1: Ge­gen­stand

Die­se Rah­men­ver­ein­ba­rung soll:

a) durch An­wen­dung des Grund­sat­zes der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung die Qua­lität be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se ver­bes­sern;

b) ei­nen Rah­men schaf­fen, der den Mißbrauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­hin­dert.


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Pa­ra­graph 4: Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung

1. Be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer dürfen in ih­ren

Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil für sie ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag oder ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis gilt, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten nicht schlech­ter be­han­delt wer­den, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.

...

Pa­ra­graph 5: Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Mißbrauch

1. Um Mißbrauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te

Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu ver­mei­den, er­grei­fen die Mit­glied­staa­ten nach der ge­setz­lich oder ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­schrie­be­nen oder in dem Mit­glied­staat übli­chen Anhörung der So­zi­al­part­ner und/oder die So­zi­al­part­ner, wenn kei­ne gleich-

Wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men zur Mißbrauchs­ver­hin­de­rung be­ste­hen, un­ter Berück­sich­ti­gung der An­for­de­run­gen be­stimm­ter Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en ei­ne oder meh­re­re der fol­gen­den Maßnah­men:

a) sach­li­che Gründe, die die Verlänge­rung sol­cher Verträge oder Verhält­nis­se recht­fer­ti­gen;

b) die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -ver-hält­nis­se;

c) die zulässi­ge Zahl der Verlänge­run­gen sol­cher Verträge oder Verhält­nis­se.

...

Pa­ra­graph 8: Um­set­zungs­be­stim­mun­gen

...

3. Die Um­set­zung die­ser Ver­ein­ba­rung darf nicht als

Recht­fer­ti­gung für die Sen­kung des all­ge­mei­nen Ni­veaus des Ar­beit­neh­mer­schut­zes in dem von die­ser Ver­ein­ba­rung er­faßten Be­reich die­nen.

...“

II. Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (GRC) in der Fas- 12


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sung vom 12. De­zem­ber 2007, gültig ab 1. De­zem­ber 2009 (AB!. EU C 83

vom 30. März 2010 S. 389):

„TI­TEL III

GLEICH­HEIT

Ar­ti­kel 20

Gleich­heit vor dem Ge­setz

Al­le Per­so­nen sind vor dem Ge­setz gleich.“

III. Ver­trag über die Eu­ropäische Uni­on (EUV) in der Fas­sung des

Ver­trags von Lis­sa­bon vom 13. De­zem­ber 2007, gültig ab 1. De­zem­ber

2009 (AB!. EU C 83 vom 30. März 2010 S. 13):

„Ar­ti­kel 6

(ex-Ar­ti­kel 6 EUV)

(1) Die Uni­on er­kennt die Rech­te, Frei­hei­ten und Grundsätze an, die in der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on vom 7. De­zem­ber 2000 in der am 12. De­zem­ber 2007 in Straßburg an­ge­pass­ten Fas­sung nie­der­ge­legt sind; die Char­ta der Grund­rech­te und die Verträge sind recht­lich gleich­ran­gig.

Durch die Be­stim­mun­gen der Char­ta wer­den die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten der Uni­on in kei­ner Wei­se er­wei­tert.

...“

D. Na­tio­na­le Recht­spre­chung:

I. Nach deut­schem Recht ist das un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis das

Nor­mal­ar­beits­verhält­nis. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags setzt ei­ne ge­setz­li­che Er­laub­nis vor­aus. Fehlt sie, ist die Be­fris­tung un­wirk­sam. Der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag gilt dann nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen. Bei meh­re­ren auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen un­terfällt nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats in der Re­gel nur der

letz­te Ver­trag der Be­fris­tungs­kon­trol­le (vgl. BAG 25. März 2009 - 7 AZR 34/08 -


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Rn. 9 mwN, EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 57).

II. Der deut­sche Ge­setz­ge­ber hat ins­be­son­de­re mit dem am 1. Ja­nu­ar
2001 in Kraft ge­tre­te­nen § 14 Tz­B­fG die Vor­ga­ben des § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung um­ge­setzt (vgl. et­wa EuGH 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - [Man­gold] Rn. 16 ff., Slg. 2005, I-9981). Er hat da­bei von ei­ner Kom­bi­na­ti­on der in § 5 Nr. 1 Buchst. a bis c der Rah­men­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen Maßnah­men Ge­brauch ge­macht. Er hat zum ei­nen in § 14 Abs. 2, 2a und 3 Tz­B­fG die ka­len­dermäßige Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen so­wie de­ren Verlänge­rung oh­ne Sach­grund für ei­ne be­stimm­te Höchst­dau­er und ei­ne be­stimm­te Zahl von Verlänge­run­gen für zulässig erklärt. Zum an­de­ren hat er in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 bis 8 Tz­B­fG sach­li­che Gründe be­zeich­net, die die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags recht­fer­ti­gen. Der Ka­ta­log ist nach der Recht­spre­chung des Se­nats nicht ab­sch­ließend.

III. Nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG liegt ein sach­li­cher Grund für die
Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags vor, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird.

1. Das setzt die Be­reit­stel­lung von Haus­halts­mit­teln für die be­fris­te­te Be-

schäfti­gung in ei­nem Haus­halts­plan und die Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus die­sen Haus­halts­mit­teln vor­aus. Nach der Recht­spre­chung des Se­nats ist zu­dem er­for­der­lich, dass die Haus­halts­mit­tel im Haus­halts­plan mit ei­ner kon­kre­ten Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung aus­ge­bracht sind. Die für die Vergütung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers verfügba­ren Haus­halts­mit­tel müssen für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein. Es muss sich um Tätig­kei­ten han­deln, die nicht dau­er­haft, son­dern nur zeit­wei­lig an­fal­len. Da­bei müssen die Rechts­vor­schrif­ten, mit de­nen die Haus­halts­mit­tel aus­ge­bracht wer­den, selbst die in­halt­li­chen An­for­de­run­gen für die im Rah­men der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge aus­zuüben­den Tätig­kei­ten oder die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen sie aus­zuführen sind, ent­hal­ten. Die Vergütung des Ar­beit­neh­mers muss aus


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Haus­halts­mit­teln er­fol­gen, die mit ei­ner kon­kre­ten Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung für ei­ne nur vorüber­ge­hen­de Beschäfti­gung ver­se­hen sind. Der Ar­beit­neh­mer muss über­wie­gend ent­spre­chend die­ser Zweck­set­zung beschäftigt wer­den (vgl. BAG 17. März 2010 - 7 AZR 843/08 - Rn. 10 mwN, AP Tz­B­fG § 14 Haus­halt Nr. 16).

2. Mit ei­ner sol­chen Aus­le­gung genügt § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG

nach der Recht­spre­chung des Se­nats den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben des Art. 12 Abs. 1 GG (vgl. BAG 17. März 2010 - 7 AZR 843/08 - Rn. 11 mwN, AP Tz­B­fG § 14 Haus­halt Nr. 16; 18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 17 bis 19, BA­GE 120, 42) und den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben der Rah­men­ver­ein­ba­rung (vgl. BAG 17. März 2010 - 7 AZR 843/08 - Rn. 12 bis 14, aaO; 18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 20 bis 22, aaO).

a) Der Um­stand, dass von der durch § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG
eröff­ne­ten Möglich­keit, Ar­beits­verhält­nis­se zu be­fris­ten, nur Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes, nicht da­ge­gen Ar­beit­ge­ber der Pri­vat­wirt­schaft Ge­brauch ma­chen können, verstößt nach der Se­nats­recht­spre­chung auch nicht ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG (BAG 7. No­vem­ber 2007 - 7 AZR 791/06 - Rn. 23, ZTR 2008, 393). Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung be­ruht auf den Be­son­der­hei­ten des öffent­li­chen Diens­tes. Öffent­li­che Ar­beit­ge­ber sind an­ders als pri­va­te Ar­beit­ge­ber an die haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben ge­bun­den und dürfen kei­ne Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen, die haus­halts­recht­lich nicht ge­deckt sind (BAG 7. No­vem­ber 2007 - 7 AZR 791/06 - Rn. 23, aaO). Nach Art. 110 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 GG sind al­le Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des in den Haus­halts­plan ein­zu­stel­len, der nach Art. 110 Abs. 2 Satz 1 GG vor Be­ginn des ers­ten Rech­nungs­jah­res durch das Haus­halts­ge­setz fest­zu­stel­len ist.

b) Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat al­ler­dings ent­schie­den, die Un-
gleich­be­hand­lung der Un­ver­fall­bar­keit von Be­triebs­ren­ten in der Pri­vat­wirt­schaft und im öffent­li­chen Dienst durch das deut­sche Be­triebs­ren­ten­ge­setz ver­let­ze den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG (vgl. BVerfG 15. Ju­li 1998 - 1 BvR 1554/89, 1 BvR 963/94, 1 BvR 964/94 - zu C II 3 der Gründe,


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BVerfGE 98, 365). Die­se Un­gleich­be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst mit Ar­beit­neh­mern in der Pri­vat­wirt­schaft wird auch nicht durch das le­gi­ti­me In­ter­es­se an ei­ner Ent­las­tung der öffent­li­chen Haus­hal­te ge­recht­fer­tigt (BVerfG 15. Ju­li 1998 - 1 BvR 1554/89, 1 BvR 963/94, 1 BvR 964/94 - zu C II 3 g der Gründe, aaO). Dar­auf wird im Schrift­tum im Zu­sam­men­hang mit § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG hin­ge­wie­sen (vgl. ErfK/Müller-Glöge 11. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 71; Preis/Grei­ner RdA 2010, 148, 157).

3. Sach­lich ge­recht­fer­tigt ist es nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des

Se­nats auch, Haus­halts­mit­tel, die auf­grund der zeit­lich be­grenz­ten Ab­we­sen­heit von Plan­stel­len- und Stel­len­in­ha­bern zur Verfügung ste­hen, zu nut­zen, um ei­nen be­ste­hen­den Ar­beits­kräfte­be­darf be­fris­tet ab­zu­de­cken. Ermöglicht der Haus­halts­ge­setz­ge­ber die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern nur in­so­weit, als Haus­halts­mit­tel zB durch Son­der­ur­laub frei wer­den, steht das der Ent­schei­dung gleich, durch die ei­ne be­stimm­te Per­so­nal­stel­le ge­stri­chen oder le­dig­lich für ei­ne ge­wis­se Zeit be­wil­ligt wird und an­sch­ließend ent­fal­len soll (vgl. BAG 14. Ja­nu­ar 2004 - 7 AZR 342/03 - zu II 2 c der Gründe, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 8 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 5). Dar­an knüpft § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 an. Die Haus­halts­norm be­stimmt, dass Plan­stel­len und Stel­len für Zeiträume, in de­nen Stel­len­in­ha­be­rin­nen und Stel­len­in­ha­bern vorüber­ge­hend kei­ne oder kei­ne vol­len Dienst­bezüge zu gewähren sind, im Um­fang der nicht in An­spruch ge­nom­me­nen Plan­stel­len- oder Stel­len­an­tei­le für die Beschäfti­gung von be­am­te­ten Hilfs­kräften und Aus­hilfs­kräften in An­spruch ge­nom­men wer­den können.

a) Das Merk­mal der Aus­hilfs­kraft ori­en­tiert sich nach der Recht­spre­chung

des Se­nats an den Sach­gründen des vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung und der Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers. Bei­des sind Auf­ga­ben von vorüber­ge­hen­der Dau­er, die der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber als Sach­gründe für die be­fris­te­te Beschäfti­gung in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 3 Tz­B­fG an­er­kannt hat. Die für die Aus­hilfs­kraft iSd. § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 gel­ten­den An­for­de­run­gen müssen al­ler­dings nicht den An­for­de­run­gen an die Sach­gründe in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 3 Tz­B­fG genügen. Sonst hätte der


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Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG kei­ne ei­genständi­ge Be­deu­tung. Des­halb können die nach § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 an den Be­griff der Aus­hilfs­kraft zu stel­len­den An­for­de­run­gen hin­ter den Vor­aus­set­zun­gen der ge­nann­ten Sach­gründe zurück­blei­ben. Sie müssen aber noch ei­ne dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­maßver­bot und den uni­ons­recht­li­chen An­for­de­run­gen genügen­de Be­fris­tungs­kon­trol­le ermögli­chen. Das er­for­dert ei­nen er­kenn­ba­ren Zu­sam­men­hang zwi­schen der Ab­we­sen­heit des Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers und der Beschäfti­gung des Aus­hilfs­an­ge­stell­ten (vgl. BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 AZR 193/06 - Rn. 16, BA­GE 121, 236).

b) § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 stellt selbst zwar kei­ne Haus­halts­mit­tel
für die Ein­stel­lung von be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern be­reit. Die Be­stim­mung enthält le­dig­lich ei­ne an die Ver­wal­tung ge­rich­te­te Ermäch­ti­gung für die Beschäfti­gung von Aus­hilfs­kräften. Der Be­trag der hierfür zur Verfügung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel er­gibt sich erst aus der Zu­ord­nung zu dem im Haus­halts­zeit­raum vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber, die von der Ver­wal­tung vor­ge­nom­men wird. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ver­langt nach der Se­nats­recht­spre­chung je­doch nicht, dass die für die be­fris­te­te Beschäfti­gung zur Verfügung ste­hen­den Haus­halts­mit­tel ih­rem Be­trag nach im Haus­halts­plan aus­ge­wie­sen wer­den. Viel­mehr reicht es aus, wenn die Plan­stel­len und Stel­len, bei de­nen die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 erfüllt sind, durch die Lan­des­ver­wal­tung vor dem Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags in nach­voll­zieh­ba­rer Form - re­gelmäßig durch ei­nen Ak­ten­ver­merk - fest­ge­stellt wor­den sind. Da­durch ste­hen die nach § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 verfügba­ren Haus­halts­mit­tel fest (vgl. BAG 18. April 2007 - 7 AZR 316/06 - Rn. 14; 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 AZR 193/06 - Rn. 13, BA­GE 121, 236).

c) Nach der Se­nats­recht­spre­chung kommt ei­ne Beschäfti­gung als Aus-
hilfs­kraft iSv. § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 in zwei Fall­ge­stal­tun­gen in Be­tracht. Die haus­halts­mit­tel­be­wirt­schaf­ten­de Dienst­stel­le muss ent­we­der ei­nen Mehr­be­darf bei sich oder in ei­ner Dienst­stel­le ih­res nach­ge­ord­ne­ten Geschäfts­be­reichs ab­de­cken oder ei­nen be­trieb­li­chen Be­darf in der Dienst­stel­le aus-


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glei­chen, der der vorüber­ge­hend ab­we­sen­de Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber an­gehört. Mit die­sem In­halt genügt die Vor­schrift den An­for­de­run­gen, die an ei­ne aus­rei­chen­de haus­halts­recht­li­che Zweck­set­zung zu stel­len sind (vgl. BAG 22. April 2009 - 7 AZR 535/08 - Rn. 23 mwN, USK 2009 - 133; grund­le­gend 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 AZR 193/06 - Rn. 14 ff., BA­GE 121, 236).

d) Wird der be­fris­tet ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer in der­sel­ben Dienst­stel­le

beschäftigt wie der vorüber­ge­hend be­ur­laub­te Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber vor sei­ner Be­ur­lau­bung, muss der Be­darf an der Ar­beits­leis­tung des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nicht auf ei­ner an­ge­stie­ge­nen Ar­beits­men­ge be­ru­hen, son­dern kann - ähn­lich wie beim Sach­grund der Ver­tre­tung - dar­auf zurück­zuführen sein, dass die in der Dienst­stel­le gewöhn­lich an­fal­len­de Ar­beits­men­ge durch die vor­han­de­ne Be­leg­schaft nicht ab­ge­deckt wird. An­ders als beim Sach­grund der Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG ist aber kein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der be­fris­te­ten Beschäfti­gung der Aus­hilfs­kraft und dem durch die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit des Plan­stel­len-oder Stel­len­in­ha­bers in der Dienst­stel­le ent­ste­hen­den Ar­beits­kräfte­be­darf er­for­der­lich. § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 ver­langt nicht, dass der be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers oder ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers ein­ge­stellt wor­den ist. Ei­ne recht­li­che und fach­li­che Aus­tausch­bar­keit der Aus­hilfs­kraft mit dem vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber ist nicht er­for­der­lich. Viel­mehr genügt es, wenn der be­fris­tet Beschäftig­te Auf­ga­ben wahr­nimmt, die sonst ei­nem oder meh­re­ren an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Dienst­stel­le über­tra­gen wor­den wären, die dem Ar­beits­be­reich des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers an­gehören (vgl. BAG 22. April 2009 - 7 AZR 535/08 - Rn. 24 mwN, USK 2009 - 133).

E. Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit und Erläute­rung der Vor­la­ge­fra­gen:

I. Auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen na­tio­na­len Recht­spre­chung wäre die

Kla­ge ab­zu­wei­sen. Nach der vom Se­nat ent­wi­ckel­ten Aus­le­gung von § 14


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Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG, § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 ist die am 26. Ju­ni 2006 ver­ein­bar­te letz­te Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags der Kläge­rin zum 31. De­zem­ber 2006 durch den Sach­grund der sog. haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tung ge­recht­fer­tigt.

1. Die Kläge­rin wur­de aus Haus­halts­mit­teln vergütet, die dem be­klag­ten
Land bei Ver­trags­schluss auf­grund des un­be­zahl­ten Son­der­ur­laubs der Jus­tiz­an­ge­stell­ten M zur Beschäfti­gung von Aus­hilfs­kräften iSv. § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 zur Verfügung stan­den. Die Kläge­rin wur­de auch ent­spre­chend der haus­halts­recht­li­chen Zweck­set­zung beim Land­ge­richt Köln beschäftigt.

2. Das be­klag­te Land be­ruft sich nicht auf ei­nen Mehr­be­darf in der haus-
halts­mit­tel­be­wirt­schaf­ten­den Dienst­stel­le oder in ei­ner Dienst­stel­le ih­res nach­ge­ord­ne­ten Geschäfts­be­reichs, son­dern auf ei­nen be­trieb­li­chen Be­darf in der Dienst­stel­le, der die be­ur­laub­te Frau M an­gehört. Da­bei han­delt es sich um das Land­ge­richt Köln. Der Se­nat geht da­von aus, dass die Bewährungs­hil­fe Teil die­ser Dienst­stel­le im Sin­ne sei­ner Recht­spre­chung ist und nicht et­wa ei­ne ei­ge­ne Dienst­stel­le des nach­ge­ord­ne­ten Geschäfts­be­reichs. Die Kläge­rin war da­mit in der Dienst­stel­le der we­gen ih­res Son­der­ur­laubs nach § 50 Abs. 1 BAT ab­we­sen­den Stel­len­in­ha­be­rin M ein­ge­setzt. Bei­de Ar­beit­neh­me­rin­nen wur­den nach den Ar­beits­verträgen als Jus­tiz­an­ge­stell­te in der Funk­ti­on von Schreib­kräften in VergGr. VII BAT tätig.

II. Der Se­nat zwei­felt dar­an, ob er an der An­wen­dung und Aus­le­gung von

§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG fest­hal­ten kann oder ob dem die Rah­men­ver­ein­ba­rung un­ter Berück­sich­ti­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes ent­ge­gen­steht.

1. Der Sach­ver­halt, über den der Se­nat zu ent­schei­den hat, fällt in den

sach­li­chen und zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich der Rah­men­ver­ein­ba­rung. Die Richt­li­nie 1999/70/EG und die in ih­rem An­hang ent­hal­te­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung sind auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge und -verhält­nis­se an­wend­bar, die mit Behörden oder an­de­ren Stel­len des öffent­li­chen Sek­tors ge­schlos­sen wer­den


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(EuGH 7. Sep­tem­ber 2006 - C-53/04 - [Mar­ro­su und Sar­di­no] Rn. 39 bis 42 mwN, Slg. 2006, I-7213). § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung gilt al­ler­dings nur für wie­der­hol­te Be­fris­tun­gen (EuGH 23. April 2009 - C-378/07 bis C-380/07 - [An­gel­i­da­ki] Rn. 56, 90, 107 und 181, Slg. 2009, I-3071). Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt. Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ih­res 13. Ar­beits­ver­trags.

2. Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist we­der vom Ge­richts­hof ab­sch­ließend

geklärt noch of­fen­kun­dig, ob die sog. haus­halts­recht­li­che Be­fris­tung des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ins­be­son­de­re un­ter Berück­sich­ti­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung in Ein­klang steht. Mit die­sem Be­fris­tungs­grund wird für Ar­beits­verhält­nis­se im öffent­li­chen Dienst (öffent­li­chen Sek­tor) zusätz­lich zu den auch dort vom na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber vor­ge­se­he­nen Sach­gründen ein Recht­fer­ti­gungs­grund zu­ge­las­sen, der für Ar­beits­verhält­nis­se in der Pri­vat­wirt­schaft nicht zur Verfügung steht.

a) Der Se­nat ist bis­lang da­von aus­ge­gan­gen, dass die sog. Haus­halts-

recht­li­che Be­fris­tung des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG in der von ihm vor­ge­nom­me­nen re­strik­ti­ven Aus­le­gung un­ter Be­ach­tung der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs mit Uni­ons­recht ver­ein­bar und kein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 Abs. 3 AEUV er­for­der­lich ist (vgl. zu­letzt BAG 17. März 2010 - 7 AZR 843/08 - Rn. 12 ff., AP Tz­B­fG § 14 Haus­halt Nr. 16; grund­le­gend 18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 419/05 - Rn. 20 ff., BA­GE 120, 42). Die ge­genüber der Pri­vat­wirt­schaft un­ter­schied­li­che Be­hand­lung be­ru­he auf den Be­son­der­hei­ten des öffent­li­chen Diens­tes. Öffent­li­che Ar­beit­ge­ber sei­en - an­ders als pri­va­te Ar­beit­ge­ber - an die haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben ge­bun­den und dürf­ten kei­ne Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen, die haus­halts­recht­lich nicht ge­deckt sei­en. Die­sem Um­stand tra­ge die Be­fris­tungsmöglich­keit der § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG, § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 in der vom Se­nat vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung Rech­nung. Für die Un­gleich­be­hand­lung öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber ge­genüber pri­va­ten Ar­beit­ge­bern be­ste­he al­so ein sach­li­cher Grund. Ge­gen­tei­li­ges er­ge­be sich nicht aus den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben. We­der aus der


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Be­fris­tungs­richt­li­nie noch aus der in­kor­po­rier­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung las­se sich ent­neh­men, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung des öffent­li­chen Diens­tes ge­genüber der Pri­vat­wirt­schaft ge­ne­rell und trotz der mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­nen Be­son­der­hei­ten un­zulässig sei (vgl. BAG 7. No­vem­ber 2007 - 7 AZR 791/06 - Rn. 22 f., ZTR 2008, 393 mit Be­zug auf EuGH 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler] Rn. 69 bis 75, Slg. 2006, I-6057).

b) Nach er­neu­ter Prüfung hält es der Se­nat we­der für vom Ge­richts­hof

ab­sch­ließend geklärt noch für of­fen­kun­dig, dass § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG auch in der von ihm vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung un­ter Berück­sich­ti­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes mit dem Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung, ver­ein­bar ist.

aa) Der Ge­richts­hof hat sich al­ler­dings schon mehr­fach mit Fra­gen un­ter-

schied­li­cher na­tio­na­ler Rechts­grund­la­gen im öffent­li­chen und im pri­va­ten Sek­tor be­fasst.

(1) So ist geklärt, dass der nicht aus­drück­lich de­fi­nier­te Be­griff der „sach-
li­chen Gründe“ iSv. § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nau be­zeich­ne­te kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang die Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (st. Rspr., vgl. EuGH 22. April 2010 - C-486/08 - [Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols] Rn. 42, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 99/70 Nr. 3; 23. April 2009 - C-378/07 bis C-380/07 - [An­gel­i­da-ki] Rn. 96 mwN, Slg. 2009, I-3071; 13. Sep­tem­ber 2007 - C-307/05 - [Del Cer­ro Alon­so] Rn. 53, Slg. 2007, I-7109; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler] Rn. 69 f., Slg. 2006, I-6057).

(2) Der Ge­richts­hof hat fer­ner klar­ge­stellt, dass § 5 Nr. 1 Buchst. a der
Rah­men­ver­ein­ba­rung der Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar-


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beits­verträge ent­ge­gen­steht, die al­lein da­mit ge­recht­fer­tigt wird, dass sie in ei­ner all­ge­mei­nen Rechts­vor­schrift ei­nes Mit­glied­staats vor­ge­se­hen ist. Der Be­griff „sach­li­che Gründe“ iSv. § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­langt viel­mehr, dass der in der in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung vor­ge­se­he­ne Rück­griff auf die­se be­son­de­re Art von Ar­beits­verhält­nis­sen durch kon­kre­te Ge­sichts­punk­te ge­recht­fer­tigt wird, die vor al­lem mit der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung zu­sam­menhängen (EuGH 24. April 2009 - C-519/08 - [Kouk­ou] Te­nor Nr. 1, Slg. 2009, I-65*; 12. Ju­ni 2008 - C-364/07 - [Vas­silak­is] Te­nor Nr. 2, Slg. 2008, I-90*). Ei­ne rein for­ma­le Vor­schrift, die die Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge nicht mit ob­jek­ti­ven Fak­to­ren, die mit den Be­son­der­hei­ten der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausführung zu­sam­menhängen, spe­zi­fisch recht­fer­tigt, birgt die kon­kre­te Ge­fahr ei­nes miss­bräuch­li­chen Rück­griffs auf be­fris­te­te Verträge. Sie ist mit dem Ziel und der prak­ti­schen Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung un­ver­ein­bar. Würde zu­ge­las­sen, dass ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift von Ge­set­zes we­gen und oh­ne wei­te­re Präzi­sie­rung auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen könn­te, lie­fe dies auf ei­ne Miss­ach­tung der Ziel­set­zung der Rah­men­ver­ein­ba­rung, mit der die Ar­beit­neh­mer ge­gen un­si­che­re Beschäfti­gungs­verhält­nis­se geschützt wer­den sol­len, und auf ei­ne Aushöhlung des Grund­sat­zes hin­aus, dass un­be­fris­te­te Verträge die übli­che Form des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses sind (vgl. EuGH 23. April 2009 - C-378/07 bis C-380/07 - [An­gel­i­da­ki] Rn. 98 f. mwN, Slg. 2009, I-3071; 4. Ju­li 2006 - C­212/04 - [Aden­eler] Rn. 72 f., Slg. 2006, I-6057).

(3) Der Ge­richts­hof hat je­doch auch ver­deut­licht, dass § 5 der Rah­men­ver-

ein­ba­rung es ei­nem Mit­glied­staat grundsätz­lich nicht ver­bie­tet, den miss­bräuch­li­chen Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se im öffent­li­chen und im pri­va­ten Sek­tor un­ter­schied­lich zu be­han­deln (vgl. EuGH 24. April 2009 - C-519/08 - [Kouk­ou] Te­nor Nr. 5, Slg. 2009, I-65*; 7. Sep­tem­ber 2006 - C-53/04 - [Mar­ro­su und Sar­di­no] Rn. 48, Slg. 2006, I-7213; 7. Sep­tem­ber 2006 - C-180/04 - [Vas­sal­lo] Rn. 33, Slg. 2006, I-7251). Dafür spricht der den Mit­glied­staa­ten von § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ein­geräum­te Er­mes­sens­spiel­raum bei der Um­set­zung der uni­ons­recht­li­chen


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Vor­ga­ben (vgl. EuGH 7. Sep­tem­ber 2006 - C-53/04 - [Mar­ro­su und Sar­di­no] Rn. 47 und 49, aaO).

(a) Ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die le­dig­lich im öffent­li­chen Sek­tor die Um-
wand­lung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge in ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag un­ter­sagt, kann nur dann als mit der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar an­ge­se­hen wer­den, wenn das in­ner­staat­li­che Recht des Mit­glied­staats in die­sem Sek­tor ei­ne an­de­re wirk­sa­me Maßnah­me enthält, um den miss­bräuch­li­chen Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zu ver­hin­dern und ge­ge­be­nen­falls zu ahn­den. Die Mit­glied­staa­ten sind nach § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­pflich­tet, ef­fek­tiv und mit ver­bind­li­cher Wir­kung min­des­tens ei­ne der dort auf­geführ­ten Maßnah­men zur Ver­hin­de­rung des rechts­miss­bräuch­li­chen Ein­sat­zes auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu er­las­sen, so­fern das na­tio­na­le Recht noch kei­ne gleich­wer­ti­gen Maßnah­men enthält. Sieht das Uni­ons­recht - wie § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung - kei­ne spe­zi­fi­schen Sank­tio­nen für Miss­bräuche vor, ob­liegt es den na­tio­na­len Stel­len, ge­eig­ne­te Ab­hil­fe­maßnah­men zu tref­fen. Die­se müssen nicht nur verhält­nismäßig, son­dern auch ef­fek­tiv und ab­schre­ckend ge­nug sein, um die vol­le Wirk­sam­keit der zur Durchführung der Rah­men­ver­ein­ba­rung er­las­se­nen Vor­schrif­ten si­cher­zu­stel­len (vgl. EuGH 7. Sep­tem­ber 2006 - C-53/04 - [Mar­ro­su und Sar­di­no] Rn. 49 bis 51, Slg. 2006, I-7213; 7. Sep­tem­ber 2006 - C-180/04 - [Vas­sal­lo] Rn. 34 und 36, Slg. 2006, I-7251).

(b) Grundsätz­lich ob­liegt es dem vor­le­gen­den Ge­richt zu be­ur­tei­len, in-
wie­weit die na­tio­na­le Re­ge­lung durch ih­re An­wen­dung und tatsächli­che Durchführung ge­eig­net ist, den miss­bräuch­li­chen Ein­satz be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se durch die öffent­li­che Ver­wal­tung zu ver­hin­dern und ge­ge­be­nen­falls zu ahn­den. Der Ge­richts­hof kann je­doch Klar­stel­lun­gen vor­neh­men, um dem na­tio­na­len Ge­richt ei­ne Leit­li­nie für sei­ne Aus­le­gung zu ge­ben (vgl. EuGH 7. Sep­tem­ber 2006 - C-53/04 - [Mar­ro­su und Sar­di­no] Rn. 54 und 56, Slg. 2006, I-7213; 7. Sep­tem­ber 2006 - C-180/04 - [Vas­sal­lo] Rn. 39 und 41, Slg. 2006, I-7251).


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bb) Der Ge­richts­hof hat sich noch nicht da­zu geäußert, ob die sog. Haus-

halts­recht­li­che Be­fris­tung des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG in ih­rem bis­he­ri­gen na­tio­na­len Rechts­verständ­nis mit den Vor­ga­ben des § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar ist. Der Se­nat geht da­von aus, dass die­se Fra­ge nach ei­nem zusätz­li­chen Be­fris­tungs­tat­be­stand im öffent­li­chen Sek­tor - und nicht nur nach ei­ner Miss­brauchs­sank­ti­on - mit Blick auf das Ziel und die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung in die Zuständig­keit des Ge­richts­hofs fällt. Dafür spricht auch der bei der Aus­le­gung der Rah­men­ver­ein­ba­rung mögli­cher­wei­se zu berück­sich­ti­gen­de all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz, der nach Art. 20 GRC iVm. Art. 6 Abs. 1 Halbs. 2 EUV seit 1. De­zem­ber 2009 aus­drück­lich Teil des Primärrechts ist. Der Ge­richts­hof kann zu­min­dest ei­ne Leit­li­nie durch Klar­stel­lun­gen ge­ben, wie er das in den Sa­chen Kouk­ou, An­ge­li-da­ki, Vas­silak­is und Aden­eler „un­ter den im Aus­gangs­ver­fah­ren ge­ge­be­nen Umständen“ ge­tan hat (vgl. EuGH 24. April 2009 - C-519/08 - [Kouk­ou] Te­nor Nr. 5, Slg. 2009, I-65*; 23. April 2009 - C-378/07 bis C-380/07 - [An­gel­i­da­ki] Te­nor Nr. 5, Slg. 2009, I-3071; 12. Ju­ni 2008 - C-364/07 - [Vas­silak­is] Te­nor Nr. 4, Slg. 2008, I-90*; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler] Te­nor Nr. 3, Slg. 2006, I-6057).

III. Mit den fünf Vor­la­ge­fra­gen möch­te der Se­nat klären, ob es mit Uni­ons-

recht ver­ein­bar ist, sei­ne Recht­spre­chung zum na­tio­na­len Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG un­ein­ge­schränkt fort­zuführen, oder ob es nötig ist, die­se Recht­spre­chung fort­zu­ent­wi­ckeln. Die ers­te Fra­ge enthält die Grund­fra­ge­stel­lung nach der sach­li­chen Recht­fer­ti­gung der sek­to­ra­len Pri­vi­le­gie­rung der sog. haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tung im öffent­li­chen Dienst. Die zwei­te bis fünf­te Fra­ge be­tref­fen Ge­sichts­punk­te, die für die ge­ge­be­nen­falls vor­zu­neh­men­de uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG von Be­deu­tung sein können.

1. Mit der - ers­ten - Aus­gangs­fra­ge will der Se­nat klären, ob es un­ter

Berück­sich­ti­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes über­haupt mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar ist, dass der deut­sche Ge­setz­ge­ber mit § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG für den öffent­li­chen Dienst zusätz­lich

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zu den übri­gen Sach­gründen ei­nen wei­te­ren Sach­grund vor­sieht, auf den die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen in der Pri­vat­wirt­schaft nicht gestützt wer­den kann.

a) Der Se­nat hat be­reits Zwei­fel, ob der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber bei der

Um­set­zung von § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung und ins­be­son­de­re der Nor­mie­rung von Sach­gründen nach § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung - über die Ver­pflich­tung aus dem deut­schen Grund­ge­setz hin­aus - uni­ons­recht­lich an den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ge­bun­den ist. An­ders als bei der Um­set­zung aus­drück­li­cher uni­ons­recht­li­cher Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te geht es nicht dar­um, un­zulässi­ge Grup­pen­bil­dun­gen zu ver­hin­dern, son­dern Ar­beit­neh­mer vor Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu schützen. Aus Sicht des Se­nats spricht gleich­wohl vie­les dafür, dass der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz bei der Um­set­zung von § 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung zu be­ach­ten ist. Er ist nach Art. 20 GRC iVm. Art. 6 Abs. 1 Halbs. 2 EUV seit 1. De­zem­ber 2009 aus­drück­lich Be­stand­teil des Primärrechts und war dies ua. in der Aus­prägung des all­ge­mei­nen Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf wohl schon vor In­kraft­tre­ten des Ver­trags von Lis­sa­bon (vgl. EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - [Kücükde-ve­ci] Rn. 20 und 50, AP Richt­li­nie 2000/78/EG Nr. 14 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2000/78 Nr. 14; zum An­wen­dungs­be­reich der GRC Ko­kott/So­bot­ta Eu­GRZ 2010, 265, 267 ff.). Der Ge­richts­hof hat im Übri­gen be­reits ent­schie­den, der Be­griff „sach­li­che Gründe“ in dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des § 4 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung sei iden­tisch mit dem in § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung und da­her ent­spre­chend aus­zu­le­gen (vgl. EuGH 22. April 2010 - C-486/08 - [Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols] Rn. 41 bis 44, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 99/70 Nr. 3). Das könn­te dar­auf hin­deu­ten, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber bei der Um­set­zung von § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung durch Nor­mie­rung sach­li­cher Gründe, die ei­ne Be­fris­tung recht­fer­ti­gen, uni­ons­recht­lich ver­pflich­tet ist, den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu be­ach­ten.


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b) Soll­te der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber bei der Um­set­zung von § 5 Nr. 1 der

Rah­men­ver­ein­ba­rung auch uni­ons­recht­lich an den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ge­bun­den sein, stellt sich für den Se­nat die Fra­ge, ob der Um­stand, dass der deut­sche öffent­li­che Ar­beit­ge­ber kei­ne haus­halts­recht­lich nicht ge­deck­ten Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen darf, es uni­ons­recht­lich recht­fer­tigt, für den öffent­li­chen Dienst zusätz­lich zu den übri­gen Sach­gründen den Sach­grund der sog. haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tung in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG vor­zu­se­hen. Das ist nicht selbst­verständ­lich. Der Be­griff „sach­li­che Gründe“ iSv. § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ist nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs da­hin zu ver­ste­hen, dass er ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und es des­halb in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang recht­fer­ti­gen können, auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu schließen. Die­se Umstände können sich et­wa aus der Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls dar­aus er­ge­ben, dass der Mit­glied­staat ein le­gi­ti­mes so­zi­al­po­li­ti­sches Ziel ver­folgt (vgl. EuGH 22. April 2010 - C-486/08 - [Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols] Rn. 42 mwN, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 99/70 Nr. 3). Dem Se­nat er­scheint frag­lich, ob dar­un­ter auch die haus­halts­recht­li­che Bin­dung des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers fällt. Im­mer­hin hat der Ge­richts­hof zu den sach­li­chen Gründen iSv. § 4 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung, die nach sei­ner Recht­spre­chung mit de­nen des § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung iden­tisch sind, ent­schie­den, dass die spar­sa­me Per­so­nal­be­wirt­schaf­tung zu Haus­halts­erwägun­gen gehöre, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung nicht recht­fer­ti­gen könn­ten (vgl. EuGH 22. April 2010 - C-486/08 - [Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols] Rn. 46, aaO mit Be­zug auf EuGH 23. Ok­to­ber 2003 - C-4/02 und C-5/02 - [Schönheit und Be­cker] Rn. 85, Slg. 2003, I-12575).

2. Ver­neint der Ge­richts­hof die Aus­gangs­fra­ge, stellt sich die wei­te­re

(zwei­te) Fra­ge, ob die sek­to­ra­le Pri­vi­le­gie­rung öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber zu­min­dest bei ei­nem kon­kre­ten Tätig­keits­be­zug ge­recht­fer­tigt ist. Ein sol­cher kann ge­eig­net sein, die Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zu recht­fer­ti­gen. Er kann sich ua. aus der be­son­de­ren Art der zu ver­rich­ten­den


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Auf­ga­ben und ih­ren We­sens­merk­ma­len er­ge­ben (vgl. EuGH 22. April 2010 - C-486/08 - [Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols] Rn. 42 mwN, EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 99/70 Nr. 3). Das könn­te der Fall sein, wenn es sich um (ho­heit­li­che) Auf­ga­ben han­delt, die aus­sch­ließlich dem öffent­li­chen Dienst über­tra­gen sind und von pri­va­ten Ar­beit­ge­bern nicht ver­se­hen wer­den können.

3. Be­jaht der Ge­richts­hof die ers­te oder zwei­te Fra­ge, stellt sich für den
Se­nat die wei­te­re (drit­te) Fra­ge, ob es für die uni­ons­recht­li­che Be­ur­tei­lung der sog. haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tung in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG von Be­deu­tung ist, wenn die für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimm­ten Haus­halts­mit­tel in ei­nem förm­li­chen na­tio­na­len Par­la­ments­ge­setz aus­ge­wie­sen sind. Dafür könn­te die be­son­de­re Le­gi­ti­ma­ti­on des par­la­men­ta­ri­schen Haus­halts­ge­setz­ge­bers durch Wah­len spre­chen. An­de­rer­seits hat der Ge­richts­hof be­reits klar­ge­stellt, dass § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung der Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge ent­ge­gen­steht, die al­lein da­mit ge­recht­fer­tigt wird, dass sie in ei­ner all­ge­mei­nen Rechts­vor­schrift ei­nes Mit­glied­staats vor­ge­se­hen ist. Er­for­der­lich ist viel­mehr ein Zu­sam­men­hang mit der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung (vgl. EuGH 24. April 2009 - C-519/08 - [Kouk­ou] Te­nor Nr. 1, Slg. 2009, I-65*; 12. Ju­ni 2008 - C-364/07 - [Vas­silak­is] Te­nor Nr. 2, Slg. 2008, I-90*).

4. Ge­gen­stand der vier­ten Fra­ge ist das Pro­blem der von den Er­for­der-
nis­sen der un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2

Nr. 3 Tz­B­fG gelösten be­fris­te­ten Beschäfti­gung sog. Aus­hilfs­kräfte.

a) Die Be­fris­tung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se ist nach deut­schem Verständ­nis

nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG, § 6 Abs. 8 Satz 1 HG NW 2006 auch dann sach­lich ge­recht­fer­tigt, wenn die haus­halts­mit­tel­be­wirt­schaf­ten­de Dienst­stel­le ei­nen be­trieb­li­chen Be­darf in der Dienst­stel­le aus­gleicht, der der vorüber­ge­hend ab­we­sen­de Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­ber an­gehört. Da­bei wird nicht ver­langt, dass der be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers oder ei­nes


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an­de­ren Ar­beit­neh­mers ein­ge­stellt wor­den ist. Ei­ne recht­li­che oder fach­li­che Aus­tausch­bar­keit ist nicht er­for­der­lich. Viel­mehr genügt es, wenn der be­fris­tet Beschäftig­te Auf­ga­ben wahr­nimmt, die sonst ei­nem oder meh­re­ren an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Dienst­stel­le über­tra­gen wor­den wären, die dem Ar­beits­be­reich des vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Plan­stel­len- oder Stel­len­in­ha­bers an­gehören (st. Rspr., vgl. BAG 22. April 2009 - 7 AZR 535/08 - Rn. 24 mwN, USK 2009 - 133). Der Be­darf an der Ar­beits­leis­tung des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers muss nicht auf ei­ner an­ge­stie­ge­nen Ar­beits­men­ge be­ru­hen, son­dern kann dar­auf zurück­zuführen sein, dass die vor­han­de­ne Be­leg­schaft die bis­he­ri­ge Ar­beits­men­ge nicht ab­deckt (vgl. BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 AZR 193/06 - Rn. 19, BA­GE 121, 236).

b) Der Se­nat er­hofft sich von der Be­ant­wor­tung der Fra­ge durch den

Ge­richts­hof zu­min­dest ei­ne für sei­ne Rechts­an­wen­dung und Aus­le­gung hilf­rei­che Klar­stel­lung, ob es für ei­ne wirk­sa­me Miss­brauchs­kon­trol­le be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im öffent­li­chen Dienst aus­reicht, dass ein Sach­grund für die be­fris­te­te Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers be­steht, wenn in ei­ner Dienst­stel­le auf­grund des Aus­falls ei­ner Stamm­kraft vorüber­ge­hend die an­dern­falls für de­ren Vergütung auf­zu­wen­den­den Haus­halts­mit­tel zur Verfügung ste­hen.

5. Be­jaht der Ge­richts­hof die vier­te Fra­ge, zielt die fünf­te und letz­te Fra­ge

dar­auf ab zu klären, ob es bei sog. Aus­hilfs­kräften auch dann mit dem Ge­bot der ob­jek­ti­ven Recht­fer­ti­gung der nur be­fris­te­ten Beschäfti­gung in § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­ein­bar ist, wenn Ar­beits­verträge mit Aus­hilfs­kräften we­gen der Zweck­be­stim­mung der Haus­halts­mit­tel be­fris­tet wer­den, ob­wohl ein un­be­fris­te­ter oder zeit­lich wei­ter­ge­hen­der Beschäfti­gungs­be­darf (ver­ein­facht: ein sog. Dau­er­be­darf) be­steht.

a) Dar­an be­ste­hen uni­ons­recht­lich Zwei­fel. Der Ge­richts­hof hat in den

Sa­chen An­gel­i­da­ki und Aden­eler aus­geführt, ein sol­cher „ständi­ger und dau­ern­der“, dh. nicht zeit­wei­li­ger Be­darf könne dem mit § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­folg­ten Ziel, die miss­bräuch­li­che In­an­spruch­nah­me auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu ver­hin­dern, un­ter den je­wei­li­gen Umständen der Aus­gangs­ver­fah­ren zu­wi­der­lau­fen


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(vgl. EuGH 23. April 2009 - C-378/07 bis C-380/07 - [An­gel­i­da­ki] Rn. 103 mwN, Slg. 2009, I-3071; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler] Rn. 88, Slg. 2006, I-6057).

b) Die Be­ur­tei­lung, in­wie­weit die na­tio­na­le Re­ge­lung durch ih­re An-
wen­dung und tatsächli­che Durchführung ge­eig­net ist, den miss­bräuch­li­chen Ein­satz be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se durch die öffent­li­che Ver­wal­tung zu ver­hin­dern und ge­ge­be­nen­falls zu ahn­den, ob­liegt nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs zwar dem na­tio­na­len Ge­richt. Der Se­nat nimmt aber an, dass der Ge­richts­hof die Fra­ge auf der Grund­la­ge der vom Se­nat be­schrie­be­nen Umstände des Aus­gangs­ver­fah­rens zu­min­dest klar­stel­lend im Sin­ne ei­ner Leit­li­nie be­ant­wor­ten kann (vgl. zu die­ser Möglich­keit EuGH 7. Sep­tem­ber 2006 - C-53/04 - [Mar­ro­su und Sar­di­no] Rn. 54, Slg. 2006, I-7213; 7. Sep­tem­ber 2006 - C-180/04 - [Vas­sal­lo] Rn. 39, Slg. 2006, I-7251).

c) Hier gibt es er­heb­li­che An­halts­punk­te für die An­nah­me, dass im Zeit-
punkt des Ab­schlus­ses des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags der Par­tei­en im Ju­ni 2006 ein un­be­fris­te­ter tatsäch­li­cher Be­darf an der Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin iSd. Vor­la­ge­fra­ge be­stand. Dafür spre­chen in­di­zi­ell vor al­lem die Viel­zahl der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge der Par­tei­en und der Um­stand, dass die Kläge­rin seit 1996 durch­ge­hend als Jus­tiz­an­ge­stell­te in der Funk­ti­on ei­ner Schreib­kraft in der Bewährungs­hil­fe des Land­ge­richts Köln ein­ge­setzt war. Sie nahm zu­dem seit 1998 die Stel­le des in den Ru­he­stand ge­tre­te­nen Beschäftig­ten B ein.

6. Für den Se­nat stellt sich an­ders als für das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln

(LAG Köln 13. April 2010 - 7 Sa 1224/09 - zu II der Gründe zu Fra­ge 4, LA­GE Tz­B­fG § 14 Nr. 57, beim Ge­richts­hof anhängig un­ter - C-312/10 und C-313/10 -) nicht die Fra­ge nach ei­ner - ge­ge­be­nen­falls un­zulässi­gen - Sen­kung des all­ge­mei­nen Ni­veaus des Ar­beit­neh­mer­schut­zes iSv. § 8 Nr. 3 der Rah­men­ver­ein­ba­rung durch das In­kraft­tre­ten von § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG am 1. Ja­nu­ar 2001.


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a) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te be­reits ge­rau­me Zeit vor In­kraft­tre­ten
des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes in ständi­ger Recht­spre­chung die Grundsätze der sog. haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tung auch außer­halb des Hoch­schul­be­reichs ent­wi­ckelt, der von §§ 57a, 57b Abs. 2 Nr. 2 HRG in der vom 25. Au­gust 1998 bis 30. De­zem­ber 2004 gel­ten­den Fas­sung er­fasst wur­de. Nach die­ser all­ge­mei­nen Recht­spre­chung konn­ten zwar we­der die zeit­li­che Be­gren­zung des Haus­halts­plans auf das je­wei­li­ge Haus­halts­jahr noch all­ge­mei­ne Ein­spa­rungs­an­ord­nun­gen des Haus­halts­ge­setz­ge­bers die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen recht­fer­ti­gen. Et­was an­de­res galt je­doch, wenn die Vergütung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers aus ei­ner kon­kre­ten Haus­halts­stel­le er­folg­te, die nur be­fris­tet be­wil­ligt wor­den war. Dem stand schon nach die­ser Recht­spre­chung die Ent­schei­dung des Haus­halts­ge­setz­ge­bers gleich, zusätz­li­chen, durch die vor­han­de­nen und ein­setz­ba­ren Ar­beits­kräfte nicht ab­zu­de­cken­den Ar­beits­be­darf nur be­frie­di­gen zu las­sen, wenn und so­weit hierfür durch vorüber­ge­hen­de Be­ur­lau­bung frei ge­wor­de­ne Mit­tel aus vor­han­de­nen Plan­stel­len zur Verfügung ste­hen, und bei Erschöpfung die­ser Mit­tel ei­nen vor­han­de­nen Ar­beits­be­darf un­er­le­digt zu las­sen (BAG 24. Sep­tem­ber 1997 - 7 AZR 654/96 - zu I 2 b der Gründe mit zahl­rei­chen Nach­wei­sen, RzK I 9a Nr. 121). Der Se­nat hielt es be­reits da­mals für ge­recht­fer­tigt, Aus­hilfs­kräfte iSv. § 7 Abs. 3 HG NW 1994 (GVBl. NW 1993 S. 998) un­ge­ach­tet ei­nes tatsächli­chen Be­darfs nur in dem Um­fang ein­zu­stel­len, in dem Mit­tel aus vorüber­ge­hend nicht in An­spruch ge­nom­me­nen Plan­stel­len oder Plan­stel­len­an­tei­len vor­han­den sind (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 1997 - 7 AZR 654/96 - aaO).

b) Mit § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG woll­te sich der na­tio­na­le Ge­setz-
ge­ber an der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ori­en­tie­ren und die grundsätz­li­che Zulässig­keit sog. haus­halts­recht­li­cher Be­fris­tun­gen aner­ken­nen (vgl. BT-Drucks. 14/4374 S. 19; Dörner Der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag Rn. 211). Die­se Rechts­an­wen­dung war be­reits vor In­kraft­tre­ten der Rah­men­ver­ein­ba­rung Teil des all­ge­mei­nen Ni­veaus des Ar­beit­neh­mer­schut­zes iSv. § 8 Nr. 3 der Rah­men­ver­ein­ba­rung. Zu die­sem Ni­veau gehören al­le Be­stim­mun­gen des in­ner­staat­li­chen Rechts ei­nes Mit­glied­staats (vgl. EuGH 23. April 2009


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- C-378/07 bis C-380/07 - [An­gel­i­da­ki] Rn. 120, Slg. 2009, I-3071).

Lin­sen­mai­er Schmidt Gall­ner

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