HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/176

Be­triebs­rat hat An­spruch auf Fach­zeit­schrift

Der Be­triebs­rat kann er­gän­zend zum In­ter­net­zu­gang ein Abon­ne­ment der Zeit­schrift "Ar­beits­recht im Be­trieb" ver­lan­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 19.03.2014, 7 AZN 91/13
Zeitungslektüre Newsletter Print­me­di­en oder In­ter­net?

14.05.2014. Der Be­triebs­rat ist kei­ne Ge­werk­schaft und hat da­her kein ei­ge­nes Ver­mö­gen.

Statt des­sen hat er ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch dar­auf, dass ihm der Ar­beit­ge­ber "in er­for­der­li­chem Um­fang" Sach­mit­tel und In­for­ma­ti­ons­tech­nik zur Ver­fü­gung stellt.

Der An­spruch folgt aus § 40 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG). Die­se Vor­schrift lau­tet:

"Für die Sit­zun­gen, die Sprech­stun­den und die lau­fen­de Ge­schäfts­füh­rung hat der Ar­beit­ge­ber in er­for­der­li­chem Um­fang Räu­me, sach­li­che Mit­tel, In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik so­wie Bü­ro­per­so­nal zur Ver­fü­gung zu stel­len."

Un­ter den Sach­mit­tel­auf­wand fällt seit je­her die An­schaf­fung von ar­beits­recht­li­cher Li­te­ra­tur, al­so zum Bei­spiel die An­schaf­fung

  • von ar­beits­recht­li­chen Ge­set­zes­samm­lun­gen, und/oder
  • von Kom­men­ta­ren zum Be­trVG und/oder
  • ei­nes Hand­buchs zum Ar­beits­recht und/oder
  • ei­nes Hand­buchs für die Be­triebs­rats­ar­beit mit Mus­ter­tex­ten.

Wel­che kon­kre­ten Bü­cher, Ge­set­zes­samm­lun­gen oder Mus­ter­text­samm­lun­gen der Be­triebs­rat an­schafft und in wel­chem Um­fang er da­bei Kos­ten ver­ur­sacht, muss er selbst nach sei­nem Er­mes­sen ent­schei­den. Da­bei kann er al­ler­dings nicht nach sei­nem frei­en Gut­dün­ken ver­fah­ren, son­dern muss auch die Kos­ten­in­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers be­rück­sich­ti­gen.

Beim ge­richt­li­chen Streit über die Pflicht zur Kos­ten­über­nah­me ent­schei­den die Ar­beits­ge­rich­te da­her nicht ein­fach dar­über, ob ein kon­kre­tes Buch "not­wen­dig" und die Kos­ten "an­ge­mes­sen" wa­ren, denn dar­über muss eben der Be­triebs­rat nach sei­nem Er­mes­sen ent­schei­den. Auf­ga­be der Ar­beits­ge­rich­te ist es viel­mehr zu kon­trol­lie­ren, ob der Be­triebs­rat bei sei­ner Ent­schei­dung die Gren­zen sei­nes Er­mes­sens ein­ge­hal­ten hat.

In ei­nem ak­tu­el­len Pro­zess, der Mit­te März 2014 vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) rechts­kräf­tig ent­schie­den wur­de (Be­schluss vom 19.03.2014, 7 AZN 91/13), ging es um die Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber die Ent­schei­dung sei­nes neun­köp­fi­gen Be­triebs­rats schlu­cken muss, ei­ne ge­druck­te Fach­zeit­schrift für die Be­triebs­rats­ar­beit im Abon­ne­ment an­zu­schaf­fen.

Kon­kret strit­ten Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat um die vom ge­werk­schafts­na­hen Bund-Ver­lag Zeit­schrift her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift "Ar­beits­recht im Be­trieb (AiB)". Das AiB er­scheint ein­mal pro Mo­nat und in­for­miert aus der Per­spek­ti­ve be­trieb­li­cher Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen über die ak­tu­el­le Rechts­ent­wick­lung im Ar­beits­recht und über (mög­li­che) The­men der Be­triebs­rats­ar­beit. Die Kos­ten für das Jah­res­abon­ne­ment be­lau­fen sich auf 135,60 EUR.

Der Ar­beit­ge­ber lehn­te ei­ne Kos­ten­über­nah­me ab. Sein Ar­gu­ment: Es steht doch heut­zu­ta­ge al­les schon im In­ter­net, und da der Be­triebs­rat bzw. al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der be­reits auf Ar­beit­ge­ber­kos­ten ei­nen In­ter­net­zu­gang oh­ne Zeit- und Da­ten­men­gen­be­schrän­kung hat­ten, war doch nicht zu­sätz­lich noch das AiB not­wen­dig.

Der Be­triebs­rat zog vor das Ar­beits­ge­richt Stutt­gart, das den Ar­beit­ge­ber ver­pflich­te­te, dem Be­triebs­rat ein AiB-Abon­ne­ment zur Ver­fü­gung zu stel­len (Be­schluss vom 27.02.2013, 19 BV 189/1). Das ließ der Ar­beit­ge­ber nicht auf sich sit­zen und leg­te Be­schwer­de zum LAG Ba­den-Würt­tem­berg ein.

Auch dort zog er den Kür­ze­ren, denn das LAG mein­te, die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts gin­ge in Ord­nung (Be­schluss vom 25.09.2013, 4 TaBV 3/13). Der Leit­satz des LAG-Be­schlus­ses lau­tet:

"Auch wenn al­len Be­triebs­rats­mit­glie­dern vom Ar­beit­ge­ber ein In­ter­net­zu­gang oh­ne Zeit- und Da­ten­men­gen­be­schrän­kung ein­ge­räumt wird, kann für den Be­triebs­rat da­ne­ben der Be­zug ei­ner Fach­zeit­schrift er­for­der­lich sein."

Ent­schei­dend für das LAG war die Über­le­gung,

  • dass es Be­triebs­rä­te als ju­ris­ti­sche Lai­en schwer ha­ben, aus der im In­ter­net vor­han­de­nen Flut von ju­ris­ti­schen und rechts­po­li­ti­schen Ar­ti­keln die wirk­lich re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen her­aus­zu­fil­tern, und
  • dass das AiB über Rechts­in­for­ma­tio­nen hin­aus auch prak­ti­sche Hand­rei­chun­gen für die Be­triebs­rats­ar­beit ent­hält, mit de­nen Be­triebs­rä­te für mög­li­che The­men ih­rer Ar­beit sen­si­bi­li­siert wer­den.

Da das LAG die Rechts­be­schwer­de zum BAG nicht zu­ge­las­sen hat­te, leg­te der Ar­beit­ge­ber Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BAG ein. Und weil Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­den ei­ne sta­tis­ti­sche Er­folgs­chan­ce von un­ter fünf Pro­zent ha­ben, ist es nicht über­ra­schend, dass das BAG auch die­se Be­schwer­de zu­rück­ge­wie­sen hat (Be­schluss vom 19.03.2014, 7 AZN 91/13).

In sei­ner ex­trem kur­zen Ent­schei­dung be­grün­det das BAG die Zu­rück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de da­mit, dass der Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber nicht vor die Wahl ge­stellt wer­den darf, ent­we­der ei­nen Zu­gang zum In­ter­net oder ei­ne ar­beits­recht­li­che Fach­zeit­schrift für sei­ne In­for­ma­ti­ons­zwe­cke zu be­nut­zen.

Fa­zit: Ein frei­er In­ter­net­zu­gang für al­le Be­triebs­rats­mit­glie­der ist schön, weil das In­ter­net um­fas­sen­de und ak­tu­el­le In­for­ma­tio­nen be­reit hält, und ei­ne ar­beits­recht­li­che Fach­zeit­schrift wie das AiB ist schön, weil sich die Re­dak­ti­on Mü­he gibt, die In­for­ma­tio­nen zu struk­tu­rie­ren und den Be­triebs­rä­ten prak­ti­sche Leit­fä­den für ih­re Ar­beit an die Hand zu ge­ben. Und weil bei­des so schön ist, nur eben an­ders schön, kann der Be­triebs­rat auch bei­des vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen. Dass es da­bei nicht das AiB sein muss, son­dern auch ei­ne an­de­re Zeit­schrift sein darf, ver­steht sich von selbst.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de