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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/117

Be­triebs­über­gang: Fort­set­zungs­ver­lan­gen nach Be­triebs­über­gang bei Ver­stoß ge­gen Un­ter­rich­tungs­pflicht

Kei­ne Ver­wir­kung des An­spruchs auf Fort­set­zung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses nach fünf Mo­na­ten ab Be­triebs­über­gang: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 27.01.2011, 8 AZR 326/09
Zwei Firmenschilder, eines durchgestrichen Beim Be­triebs­über­gang lau­fen kur­ze Fris­ten
20.06.2011. Wird ein Be­trieb oder Be­triebs­teil auf ei­nen neu­en In­ha­ber über­tra­gen, wird er auf­grund die­ses Be­triebs(teil)über­gangs Ar­beit­ge­ber der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer (§ 613a Abs. 1 Satz 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Die­se kön­nen dem Über­gang ih­rer Ar­beits­ver­hält­nis­se aber wi­der­spre­chen und da­durch ih­ren al­ten Ar­beit­ge­ber be­hal­ten. Die Wi­der­spruchs­frist be­trägt ei­nen Mo­nat und be­ginnt mit der Un­ter­rich­tung über al­le Um­stän­de des Be­triebs­über­gangs (§ 613a Abs. 6, 5 BGB).

Die Mo­nats­frist gilt laut Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) auch, wenn Ar­beit­neh­mer vom Be­triebs­er­wer­ber die Fort­set­zung ih­rer Ar­beits­ver­hält­nis­ses ver­lan­gen. Und eben­so wie der Wi­der­spruch ist ein Fort­set­zungs­ver­lan­gen dann nicht an die Mo­nats­frist ge­bun­den, wenn die Ar­beit­neh­mer nicht ord­nungs­ge­mäß un­ter­rich­tet wur­den. Wi­der­spruch und Fort­set­zungs­ver­lan­gen kön­nen aber ir­gend­wann ver­wir­ken. Wann das beim Fort­set­zungs­ver­lan­gen der Fall sein kann, ent­schied das BAG mit Ur­teil vom 27.01.2011 (8 AZR 326/09).

In dem ent­schie­de­nen Fall woll­te ei­ne Ar­bei­te­rin den Fort­be­stand ih­res Ar­beits­ver­hält­nis­ses mit ei­nem Be­triebs­teiler­wer­ber fest­stel­len las­sen. Sie hat­te sich zwar man­gels ord­nungs­ge­mä­ßer Be­leh­rung erst fünf Mo­na­te nach dem Be­triebs­teil­über­gang bei ihm ge­mel­det. Das war je­doch un­schäd­lich, mein­ten das Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt (Ur­teil vom 20.01.2009, 8 Sa 146/08) und das BAG, weil hier kei­ne Wi­der­spruchs­frist lief und da­mit auch kei­ne Frist für das Fort­set­zungs­ver­lan­gen ein­zu­hal­ten war.

Fa­zit: Ar­beit­neh­mer, die über ei­nen Be­triebs­über­gang im Dun­keln ge­las­sen wer­den, ste­hen un­ter kei­nem gro­ßen Zeit­druck. Sie ver­lie­ren ihr Recht zum Wi­der­spruch oder auf Fort­set­zung nicht bin­nen ei­nes Mo­nats. Die­se Rech­te kön­nen zwar (we­sent­lich) spä­ter „ver­wir­ken“, aber erst dann, wenn der al­te oder der neue Ar­beit­ge­ber dar­auf ver­trau­en kön­nen, dass die­se Rech­te nicht mehr aus­ge­übt wer­den. Ar­beit­ge­bern ist da­her zu ra­ten, durch ord­nungs­ge­mä­ße Be­leh­run­gen rasch für kla­re Ver­hält­nis­se zu sor­gen.

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Letzte Überarbeitung: 17. Juli 2016

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