|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 12/039 Fristlose Kündigung wegen eigenmächtiger Unterschrift
|
 |

|
Eigenmächtige Beauftragung von Lieferanten rechtfertigt eine Kündigung nur nach vorheriger Abmahnung
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11
|
24.01.2012. Der Arbeitgeber kann eine außerordentliche fristlose Kündigung aus verhaltensbedingten Gründen nur als letztes Mittel in Betracht ziehen, um auf wirklich schwerwiegende Vertragsstörungen zu reagieren. Könnte er auch mit einem weniger einschneidenden Maßnahmen erreichen, dass der Arbeitnehmer künftig wieder seine Vertragspflichten erfüllt, wäre eine fristlose Kündigung zu hart bzw. „unverhältnismäßig“ und deshalb unwirksam.
In vielen Fällen ist daher eine Abmahnung des Arbeitnehmers als mildere Reaktion ausreichend. Erst wenn ein vergleichbarer Pflichtverstoß schon einmal abgemahnt worden ist, ist eine weitere Abmahnung nicht mehr erfolgversprechend und der Weg zur Kündigung gemäß § 626 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ist frei.
Wer daher z.B. als kaufmännischer Angestellter einen Fehler macht und dem Arbeitgeber dadurch versehentlich einen Schaden zufügt, kann auch bei hohen Schäden nicht ohne weiteres fristlos gekündigt werden. Auch einmalige große „Dummheiten“ reichen meist nicht für eine fristlose Kündigung. Das gilt erst recht, wenn die dem Arbeitnehmer vorgeworfene Fehlleistung (auch) dadurch bedingt ist, dass nicht ganz klar war, was der Angestellte darf und was nicht. Bei unklarer Pflichtenlage scheidet eine fristlose Kündigung daher aus, wie ein aktueller Fall des Landesarbeitsgerichts (LAG) Rheinland-Pfalz wieder einmal deutlich gemacht hat (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11).
Im Streitfall hatte ein Assistent der Geschäftsleitung für seinen Arbeitgeber, eine GmbH, bei einem Lieferanten einen Auftrag über die Lieferung von Solarmodulen im Wert von etwas mehr als 1,6 Mio. EUR unterzeichnet, und zwar mit der Maßgabe, dass sein Arbeitgeber Vorkasse leisten sollte. Am gleichen Tag hat die GmbH den Auftrag storniert. Das beauftragte Unternehmen verlangte daraufhin 10 Prozent der Auftragssumme als Stornogebühr und mahnte Zahlung an, teilte dann aber später mit, dass es keine Ansprüche aus der stornierten Bestellung mehr geltend mache.
Aufgrund dieses Vorgangs sprach der Arbeitgeber eine fristlose Kündigung aus, gegen die sich der Angestellte damit verteidigte, er sei vom Geschäftsführer ausdrücklich angewiesen worden, den Auftrag auszulösen. Außerdem war unstreitig, dass der Angestellte in Vergangenheit auch selbst oft Aufträge unterzeichnet hatte, allerdings nicht mit so hohen Auftragssummen, sondern "nur" mit Aufträgen unter 100.000,00 EUR. Das Arbeitsgericht Kaiserslautern (Urteil vom 01.02.2011, 8 Ca 1504/10) und das LAG Rheinland-Pfalz entschieden für den Arbeitnehmer (Urteil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11), d.h. sie gaben der Kündigungsschutzklage statt.
Begründung des LAG: Der Arbeitgeber hatte bereits den angeblichen Pflichtverstoß des Angestellten nicht deutlich genug dargelegt. Denn es blieb bis zulezt unklar, welche Befugnisse der Kläger denn nun tatsächlich hatte und welche nicht. Der Arbeitsvertrag enthielt nur die Aufgabenbezeichnung "Assistent der Geschäftsleitung", und im übrigen war unstreitig, dass der Kläger selbst Aufträge ausgelöst hatte. Aber auch wenn der Angestellte seine Kompetenzen überschritten haben sollte, wäre zunächst einmal eine Abmahnung erforderlich gewesen.
Fazit: Eine eingemächtige Unterschrift kann nicht nur teuer für den Arbeitgeber werden, falls sich daraus rechtsgültige Zahlungsansprüche externer Firmen ergeben, die vom Arbeitgeber erfüllt werden müssen. Teuer kann dies auch den Arbeitnehmer zu stehen kommen, falls er deshalb abgemahnt oder gar gekündigt wird. Eine Kündigung setzt allerdings zumindest eine klare (am besten schriftliche und vom Arbeitnehmer abgezeichnete) Vollmachtsbeschränkung voraus. Und auch dann berechtigt nicht jede Überschreitung der Vollmacht schon zur Kündigung
Nähere Informationen finden Sie hier:
Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gerne:
 |
Rechtsanwalt Benjamin Biere, Fachanwalt für Arbeitsrecht Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Köln
Hansaring 6, 50670 Köln Tel: 0221 / 709 07 18 Fax: 0221 / 709 07 31 E-Mail: koeln@hensche.de |
|
Sie möchten regelmäßig die neuesten Fachartikel unserer Kanzlei zum Arbeitsrecht,
Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten?
Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter Arbeitsrecht!

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 9. Mai 2012
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
|
|
 |
|