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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/143

Ur­laubs­ab­gel­tung für Be­am­te

EuGH: Auch Be­am­te und Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te kön­nen nach lan­ger Er­kran­kung Ur­laubs­ab­gel­tung ver­lan­gen: EuGH, Be­schluss vom 07.04.2011, C-519/09 - May
Zwei Gruppen von je drei Arbeitnehmern mit Helm, Bekleidung der beiden Gruppen unterschiedlich Ur­laubs­ab­gel­tung für Be­am­te wie für Ar­beit­neh­mer
26.07.2011. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) mit Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06 (Schultz-Hoff) ent­schie­den, dass Ar­beit­neh­mer we­gen Art.7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG nach jah­re­lan­ger Krank­heit ih­ren Min­des­t­ur­laubs­an­spruch nicht ver­lie­ren dür­fen. En­det ein Ar­beits­ver­hält­nis nach lan­ger Krank­heit, be­ste­hen da­her ho­he Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­sprü­che. Be­am­te ha­ben je­doch - an­ders als Ar­beit­neh­mer - beim En­de ih­res ak­ti­ven Dienst­ver­hält­nis­ses gar kei­nen ge­setz­li­chen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch.

Da­her fragt sich, ob Be­am­te, die nach län­ge­rer Krank­heit aus dem Dienst aus­schei­den, ih­re Ur­laubs­an­sprü­che ver­lie­ren. Die meis­ten Ver­wal­tungs­ge­rich­te se­hen das so und be­grün­den das z.T. mit dem Ar­gu­ment, dass Be­am­te gar kei­ne „Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne der Richt­li­nie sein sol­len, ob­wohl die­se bis auf be­stimm­te Tä­tig­kei­ten in Not­si­tua­tio­nen al­le „pri­va­ten und öf­fent­li­chen Tä­tig­keits­be­rei­che“ er­fasst. Ob die­ses Ar­gu­ment stimmt, hat nun­mehr der EuGH ent­schie­den (Be­schluss vom 07.04.2011, C-519/09, „May“).

Das Ar­beits­ge­richt Wup­per­tal hat­te dem EuGH die Fra­ge vor­legt, ob Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te, die ge­mäß Ar­beits­ver­trag wie Be­am­te be­han­delt wer­den, „Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne der Richt­li­nie sind (EuGH-Vor­la­ge vom 19.11.2009, 7 Ca 2453/09). Denn nur dann könn­te der Klä­ger, Herr May, Ur­laubs­ab­gel­tung auf Grund­la­ge des Schultz-Hoff-Ur­teils ver­lan­gen. Der EuGH ent­schied, dass die Ant­wort sich klar aus sei­ner Recht­spre­chung er­gibt: Auch Be­am­te sind „Ar­beit­neh­mer“ im Sin­ne der Richt­li­nie 2003/88/EG.

Fa­zit: Der Be­schluss des EuGH ist deut­lich. Be­am­ten und Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten, die nach lan­ger Krank­heit aus dem Dienst aus­schei­den, kann ei­ne ent­spre­chend ho­he Ur­laubs­ab­gel­tung nicht mehr mit dem Ar­gu­ment ver­wei­gert wer­den, die Richt­li­nie 2003/88/EG gel­te gar nicht für sie. Be­am­te, die in­fol­ge lan­ger Er­kran­kung ent­spre­chend lan­ge kei­nen Ur­laub mehr ge­nom­men ha­ben und da­nach in Ren­te ge­hen, soll­ten da­her un­ter Be­ru­fung auf das May-Ur­teil des EuGH Ur­laubs­ab­gel­tung ver­lan­gen.

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Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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