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Arbeitsrecht aktuell: 10/155 Internet und E-Mail für jedes Betriebsratsmitglied




Internet für alle!

Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 14.07.2010, 7 ABR 80/08

11.08.2010. In Arbeitsrecht aktuell: 08/122 berichteten wir über einen Betriebsrat, der für jedes seiner Mitglieder einen eigenen Internet- und E-Mail-Zugang haben wollte. Mit diesem Ziel blieb er sowohl vor dem Arbeitsgericht als auch vor dem Landesarbeitsgericht erfolglos.

Die Instanzgerichte waren im Wesentlichen der Auffassung, der Arbeitgeber müsse nur "dem Betriebsrat" als Gremium die gewünschte Technik zur Verfügung stellen.

Doch der Betriebsrat lies sich nicht beirren und erkämpfte einen Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes: Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 14.07.2010, 7 ABR 80/08

von Rechtsanwältin Eva-Maria Reuter, Stuttgart

Internet und E-Mail nur für den Betriebsrat insgesamt oder auch einzelne Betriebsratsmitglieder?

Gemäß § 40 Abs.1 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) trägt der Arbeitgeber die durch die Tätigkeit des Betriebsrates entstehenden Kosten. Auch für den Sachaufwand muss der Arbeitgeber aufkommen, indem er für die Sitzungen, die Sprechstunden und die laufende Geschäftsführung in erforderlichem Umfang Räume, sachliche Mittel, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Büropersonal zur Verfügung zu stellen hat (§ 40 Abs.2 BetrVG).

Als "Informations- und Kommunikationstechnik" gelten heutzutage grundsätzlich auch Internetzugang und E-Mail-Adresse. Trotz dieser vermeintlich klaren Regelung ist das Thema jedoch immer wieder ein Streitpunkt zwischen den Betriebsparteien.

Im Wesentlichen geht es dabei stets um die Frage, ob der jeweilige Zugang "erforderlich" im Sinne des § 40 BetrVG ist. Der Betriebsrat hat bei dieser Einschätzung zwar einen vergleichsweise großen Ermessensspielraum. Er muss aber auch die Interessen des Arbeitgebers berücksichtigen. Häufig meinen Arbeitgeber, insbesondere ihr Wunsch nach geringen Kosten werde missachtet. Die Folge sind teilweise kleinlich anmutende Streitigkeiten, die über mehrere Instanzen sehr genau geprüft werden.

Eine solche Streitigkeit ist die Frage, ob der Betriebsrat nur insgesamt einen Anspruch auf einen Internetzugang und eine E-Mail-Adresse hat oder ob bei Bedarf jedes einzelne seiner Mitglieder diese Möglichkeiten verlangen kann.

Ein nordrhein-westfälischer Betriebsrat kämpfte sich seit Ende 2007 tapfer durch die Instanzen, um für Klarheit zu sorgen und lies sich auch durch Niederlagen vor dem Arbeitsgericht (ArbG) Duisburg und dem Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf nicht erschüttern. Das Resultat, eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes (BAG), kann sich sehen lassen: BAG, Beschluss vom 14.07.2010, 7 ABR 80/08.

Der Fall: Betriebsratsmitglieder möchten flexibler im Internet surfen

Der Arbeitgeber beschäftigt in einem seiner Betriebe 54 Arbeitnehmer, die alle einen PC-Arbeitsplatz haben. Interne Kommunikation wird über ein Intranet abgewickelt. Nur etwa zwölf Arbeitnehmer haben einen eigenen E-Mail-Zugang und nur fünf oder sechs dürfen das Internet benutzen. Zu ihnen gehört der Betriebsleiter, der Internetrecherchen auch für die Vorbereitung von Verhandlungen mit dem fünfköpfigen Betriebsrat nutzt.

Auch der Betriebsratsvorsitzende und sein Stellvertreter haben einen Internet- und einen E-Mail-Zugang. Diese Zugänge sind aber personengebunden. Der Arbeitgeber hatte dem Betriebsrat lediglich die Möglichkeit eingeräumt, statt des Vorsitzenden und seines Stellvertreters zwei andere Mitglieder als Nutzer zu benennen.

Ende 2007 kam es zu Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die vorhandenen Internetzugänge und E-Mail-Accounts für die Tätigkeit des Betriebsrats ausreichen oder ob jedes Betriebsratsmitglied einen eigenen Internetzugang und einen eigenen E-Mail-Zugang benötigt. Zur Klärung dieser Frage leitete der Betriebsrat ein Beschlussverfahren ein. Er forderte Internetzugänge und externe E-Mail-Adressen für jedes Betriebsratsmitglied.

Das damit in erster Instanz befasste Arbeitsgericht Duisburg wies die Anträge zurück (Beschluss vom 07.12.2007, 4 BV 104/07) und auch das in der Beschwerdeinstanz zuständige Landesarbeitsgericht (LAG) entschied gegen den Betriebsrat (Beschluss von 02.09.2008, 9 TaBV 8/08).

Die Entscheidung: Bundesarbeitsgericht ermöglicht jedem Betriebsratsmitglied einen eigenen Zugang

Das BAG hob die Entscheidungen der Vorinstanzen auf und gab dem Betriebsrat Recht.

Da das Gericht seinen Beschluss erst vor einem Monat getroffen hat, liegt bisher nur eine Pressemitteilung vor.

Aus ihr ergibt sich, dass es ein Betriebsrat für erforderlich halten darf, zur Erfüllung seiner Aufgaben Informationen aus dem Internet einzuholen. Ebenfalls kann er selbst beurteilen, ob individuelle E-Mail-Adressen und Internetzugänge den einzelnen Mitgliedern helfen, ihre Pflichten wahrzunehmen. In Betracht kommt beispielsweise, dass sie sich per Internetrecherche auf Betriebsratssitzungen vorbereiten und sich mit nicht zum Betrieb gehörenden Personen (Rechtsanwälten, Gewerkschaften, Datenschutzbeauftragten, etc.) austauschen müssen.

Im konkreten Fall konnte der Arbeitgeber den Wünschen des Betriebsrates auch nicht seine Kosteninteressen entgegenhalten. Alle Betriebsratsmitglieder waren nämlich an PC-Arbeitsplätzen beschäftigt, so dass lediglich eine E-Mail-Adresse eingerichtet und der Internetzugang frei geschaltet werden muss.

Fazit: Internet und E-Mail sind heutzutage Standard. Da auch Arbeitgeber in aller Regel per Internet recherchieren und kommunizieren, muss dies auch für den Betriebsrat insgesamt und jedes einzelne seiner Mitglieder gelten. Die notwendigen Zugänge sind typischerweise sowieso vorhanden. Damit entstehen praktisch keine zusätzlichen Kosten, so dass Arbeitgeber ihrem Betriebsräten entsprechende Wünsche eigentlich nicht mehr erfolgreich abschlagen können.

Nähere Informationen finden Sie hier:

Hinweis: In der Zwischenzeit, d.h. nach Erstellung dieses Artikels, hat das Gericht seine Entscheidungsgründe schriftlich abgefasst und veröffentlicht. Die Entscheidungsgründe im Volltext finden Sie hier:

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Letzte Überarbeitung: 20. September 2011

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Arbeitsrecht aktuell:


Hannover, 08.02.2012
Chefarzt

Privatliquidationsrecht durch Schadensersatzanspruch gesichert

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09

Frankfurt, 07.02.2012
Fristlose Kündigung

Fristlose Kündigung trotz Freistellung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11

Berlin, 03.02.2012
Kündigungsschutz:

Auslandsvertrag zählt bei Wartezeit mit

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10

München, 02.02.2012
Altersdiskriminierung:

Altersgrenze für Sachverständige gekippt

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11

Berlin, 31.01.2012
Betriebsrat:

Benachteiligung durch Verweigerung der Festanstellung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11

Berlin, 27.01.2012
Befristung:

Europarecht erlaubt Befristung zur Vertretung - auch jahrelang

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)

Berlin, 25.01.2012
Europarecht:

Anspruch auf vier Wochen Urlaub auch ohne jährliche Mindestarbeitszeit

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)

Frankfurt, 23.01.2012
Mobbingklage:

Oberarzt verklagt mobbenden Chefarzt auf 500.000 EUR Schadensersatz

Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10

Berlin, 20.01.2012
Geschäftsführer:

Geschäftsführer erhebt Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11

Hannover, 19.01.2012
Weihnachtsgeld

Kein Weihnachtsgeld nach Kündigung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10

Berlin, 17.01.2012
Bewerberdiskriminierung

Auskunftsanspruch des Stellenbewerbers über Auswahlentscheidung oder nicht?

Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister

Berlin, 13.01.2012
Betriebsratswahl:

Abbruch nur bei Nichtigkeit

Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10

Berlin, 11.01.2012
BAT Altersstufen:

Berlin und Hessen müssen für BAT-Altersstufen bluten

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09

Berlin, 10.01.2012
CGZP-Tarifverträge:

Tarifverträge der CGZP waren auch 2004, 2006 und 2008 unwirksam

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11

München, 05.01.2012
Aufhebungsvertrag:

Aufhebungsvertrag ohne Abfindung, aber mit Ausgleichsklausel?

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Berlin, 03.01.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaub und Urlaubsabgeltung bei Krankheit - nur 15 Monate lang?

Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11

Berlin, 20.12.2011
Sozialauswahl:

Sozialauswahl und Altersdiskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10

Stuttgart, 05.12.2011
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Entschädigung für diskriminierende Kündigung

Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10

Berlin, 23.11.2011
Urlaub und Krankheit:

Krankheitsbedingt nicht genommener Urlaub kann nach 15 Monaten verfallen

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte

Berlin, 05.11.2011
Kündigungsschutzklage:

Arbeitsgericht Berlin großzügig bei Fristversäumung durch Anwalt

Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11

München, 02.11.2011
Fristlose Kündigung:

LAG München: Kündigung nach Betrug mit 20 EUR Schaden

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10

Frankfurt, 26.10.2011
Kündigung:

Kündigung wegen Alkohols am Steuer

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11

Frankfurt, 21.10.2011
Fristlose Kündigung:

Fristlose Kündigung wegen Diensthandy-Missbrauchs?

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10

Hamburg, 23.09.2011
Kündigung:

LAG Hamburg -
Kündigung bei Beschäftigungsmöglichkeit im Ausland

Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11

Berlin, 14.09.2011
BAT-TVöD:

Diskriminierung wegen des Alters durch BAT-Lebensaltersstufen

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)

Frankfurt, 13.09.2011
Altersgrenzen:

EuGH kippt Altersgrenze 60 für Lufthansa-Piloten

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)

Berlin, 12.09.2011
Chefarzt:

Kündigung eines Chefarztes wegen Wiederverheiratung?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10

Hannover, 09.09.2011
Arbeitszeitbetrug:

Fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10

Berlin, 08.09.2011
Whistleblowing:

Verpfeifen / Whistleblowing ohne Risiko einer Kündigung?

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)

Berlin, 06.09.2011
Bonus - Kündigung:

Anspruch auf Bonus trotz Kündigung und Ausscheiden im Folgejahr

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09

Frankfurt, 05.09.2011
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Zwangsverwaltung eines Hotelgrundstücks

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10

Berlin, 02.09.2011
GlobeGround Berlin:

Betriebsratswahl bei GlobeGround in Berlin unwirksam

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11

Frankfurt, 31.08.2011
Kündigung:

Kündigung und Krankmeldung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10

Hamburg, 25.08.2011
Probezeitkündigung:

Kündigung in der Probezeit wegen Heirat einer Chinesin

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11

Frankfurt, 23.08.2011
Kündigung und Vollmacht:

Kündigung mit Vollmacht, aber ohne Vollmachtsurkunde

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09