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Arbeitsrecht aktuell: 10/070 Der aktuelle Mindestlohn
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Neue Regelungen in verschiedenen Branchen
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13.04.2010. Seit der Reform des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) im Jahre 2009 hat es einige neue Entwicklungen bei den Mindestlöhnen gegeben.
Wie die Neuerungen in den Branchen Abfallwirtschaft, Baugewerbe (Dachdecker), Gebäudereinigung, Pflege und Sicherheitsdienstleistungen zeigen, werden auch unter der schwarz-gelb Bundesregierung weiterhin neue Mindestlohntarifverträge abgeschlossen und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unter Ursula von der Leyen ohne politisches Widerstreben zum Gegenstand von Erstreckungsverordnungen gemacht.
Im folgenden berichten wir über die aktuellen Mindestlöhne in den Branchen Abfallwirtschaft und Baugewerbe (Dachdecker).
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
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Vor knapp einem Jahr, am 24.04.2009, trat die überarbeitete Fassung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) in Kraft. Wichtigster Teil dieser Reform war die Aufnahme neuer Branchen in das Gesetz und damit die Erweiterung der Möglichkeit, durch Rechtsverordnung Mindestlohntarifverträge für branchenweit anwendbar zu erklären - und zwar unabhängig von den Voraussetzungen einer Allgemeinverbindlicherklärung nach dem Tarifvertragsgesetz (TVG).
Die Reform des AEntG führte dazu, dass neben den bislang schon gesetzlich erfassten drei Branchen (Bauhauptgewerbe, Gebäudereinigung, Briefdienstleistungen) fünf weitere Branchen einer staatlichen Mindestlohnregulierung offenstehen, nämlich die folgenden:
- Sicherheitsdienstleistungen
- Bergbauspezialarbeiten auf Steinkohlebergwerken
- Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft
- Abfallwirtschaft einschließlich Straßenreinigung und Winterdienst
- Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen nach dem Zweiten oder Dritten Buch Sozialgesetzbuch
In diesen Branchen können die Tarifpartner Mindestlohntarifverträge aushandeln, die - auf Grundlage eines Antrags auf Allgemeinverbindlicherklärung - vom Tarifausschuss geprüft und bei positiver Begutachtung durch Rechtsverordnung nach § 7 AEntG bundesweit für anwendbar erklärt werden können. Zuständig für den Erlass der Rechtsverordnung ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
Neben den alten drei und den o.g. fünf neuen Branchen erfasst das AEntG in seiner Reformfassung als neunten Wirtschaftszweig auch die Pflegebranche. Hier gilt eine verfahrensrechtliche Sonderlösung. Die maßgebliche Rechtsverordnung gemäß § 11 AEntG wird auf der Grundlage einer Empfehlung der eigens dazu beim BMAS eingerichteten Pflegekommission erlassen. Der Kommission gehören Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter aus weltlich und kirchlich getragenen Pflegeeinrichtungen an (§ 12 AEntG).
Obwohl die derzeitige Bundesregierung Mindestlöhnen im Prinzip skeptisch bis ablehnend gegenübersteht, ist man dazu entschlossen, das noch von der alten Regierungsmehrheit geänderte AEntG weiterhin anzuwenden, d.h. nicht erneut abzuändern oder faktisch außer Kraft zu setzen.
Ein Grund für diese gemäßigte Haltung „pro Mindestlöhne“ dürfte die ab Mai 2011 geltende volle Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU sein. Dann nämlich steht den Bürgern acht neuer mittel- und osteuropäischer EU-Staaten, darunter Polen und Tschechien, vollständige Freizügigkeit zu. Will man den dadurch verursachten Unterbietungswettbewerb eingrenzen, kommt man an Mindestlöhnen in bestimmten Branchen wohl nicht vorbei.
Die aktuelle Mindestlohnpolitik der Tarifparteien und der Bundesregierung zeigt, dass die Reform des AEntG allmählich greift. In allen AEntG-Branchen regt sich nämlich etwas.
Am 31.12.2009 wurde im Bundesanzeiger (Ausgabe Nr.198) die „Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen für die Abfallwirtschaft einschließlich Straßenreinigung und Winterdienst, vom 18.12.2009“ veröffentlicht. Sie trat damit am 01.01.2010 in Kraft und gilt bis einschließlich 31.10.2010.
Für Arbeitnehmer der Abfallwirtschaft ist auf der Grundlage dieser Verordnung in dieser Zeit bundesweit ein Mindestlohn von 8,02 EUR brutto pro Stunde verbindlich. Ein solcher Mindestlohn ist nämlich in dem Mindestlohntarifvertrag für die Branche Abfallwirtschaft vom 07.01.2009 in der Fassung des Änderungstarifvertrages vom 12.08.2009 vorgesehen, den die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände und die ver.di ausgehandelt haben. Dieser Tarifvertrag wurde durch die o.g. Verordnung vom 18.12.2009 für branchenweit anwendbar erklärt.
Die „Fünfte Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen im Dachdeckerhandwerk, vom 15.03.2010“ wurde am 18.03.2010 im Bundesanzeiger (Ausgabe Nr.43) verkündet und trat damit am 16.03.2010 in Kraft. Aufgrund dessen gilt für die rund 84.000 gewerblichen Arbeitnehmer dieser Branche, nicht jedoch für jugendliche Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung und für Reinigungspersonal, ein Mindestlohn von 10,60 EUR brutto pro Stunde bis Ende 2010.
Der Mindestlohn erhöht sich im Jahr 2011 um 20 Cent auf 10,80 EUR brutto pro Stunde. Der Mindestlohnverordnung vom 15.03.2010 liegt der Tarifvertrag vom 28.09.2009 zur Regelung eines Mindestlohnes im Dachdeckerhandwerk – Dach-, Wand und Abdichtungstechnik – im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland (TV Mindestlohn) zugrunde.
Obwohl der Mindestlohntarifvertrag vom 28.09.2009 auch Mindestlöhne für die Jahre 2012 und 2013 vorsieht, tritt die Verordnung vom 15.03.2010 bereits wieder zum Jahresende 2011 außer Kraft.
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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2011
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Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
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