|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 09/113 Eingruppierung: Mitbestimmung auch bei Auswahl des Tarifvertrags
|
 |

|
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Beschluss vom 07.04.2009, 11 TaBV 91/08
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Landesarbeitsgericht Niedersachsen entschieden?
01.07.2009. In Betrieben mit mehr als zwanzig Arbeitnehmern braucht der Arbeitgeber bei einer Reihe von personellen Maßnahmen gemäß § 99 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) die Zustimmung des Betriebsrats. Dazu zählt gemäß § 99 Abs. 1 S. 1 BetrVG auch die Eingruppierung.
Bei einer Eingruppierung werden bestimmte Tätigkeiten allgemein einer bestimmten Gehaltsgruppen zugeordnet. Eine derartige Regelung enthalten fast alle Tarifverträge.
Fraglich ist, ob sich das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates in personellen Angelegenheiten bei der Eingruppierung auch darauf erstreckt, welchen von mehreren Tarifverträgen mit unterschiedlichen Regelungen bezüglich der Vergütung der Arbeitgeber im konkreten Fall anwendet. Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts (LAG) Niedersachsen (Beschluss vom 07.04.2009, 11 TaBV 91/08).
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen zugrunde?
Im vorliegenden Fall ging es um die Eingruppierung eines neu eingestellten Beleuchtungsmeisters in einem Staatstheater. Das Theater beschäftigte seine Mitarbeiter auf der Grundlage verschiedener Tarifverträge, u.a. des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) und des Normalvertrags (NV) Bühne.
Der NV Bühne ist für die künstlerischen Tätigkeiten an Theatern gedacht und sieht deshalb an den Spielplan gebundene Arbeitsverträge vor. Dazu gehört vor allem eine zeitliche Befristung der Arbeitsverträge und eine frei auszuhandelnde Gage. Zu den künstlerischen Tätigkeiten zählen auch technische Berufe, die gleichwohl überwiegend künstlerisch ausgerichtet sind, wie z.B. der Beruf des Bühnentechnikers oder der des Tontechnikers.
Der TVöD ist dagegen auf die nicht-künstlerischen Tätigkeiten ausgerichtet. Er sieht keine speziellen Befristungsgründe vor und enthält Regelungen zur Eingruppierung.
Für die bisher bei dem Theater beschäftigten zehn Beleuchtungsmeister war, soweit sie nicht als freie Mitarbeiter eingestellt waren, die Geltung des TVöD vereinbart. Für den neu eingestellten Beleuchtungsmeister vereinbarte das Theater dagegen die Geltung des NV Bühne, da seine Tätigkeit überwiegend künstlerisch sei. Dementsprechend vereinbarte das Staatstheater ein Gehalt, dass nicht dem Gehalt eines Beleuchtungsmeisters nach dem TVöD entsprach.
Der Betriebsrat verweigerte daraufhin seine Zustimmung zu der Eingruppierung. Hiergegen ging der Arbeitgeber gerichtlich vor und beantragte
- die Ersetzung der verweigerten Zustimmung des Betriebsrates zu der Eingruppierung,
- die Feststellung, dass die von dem Arbeitgeber vorgenommene Eingruppierung als vorläufige Maßnahme zulässig sei, sowie
- die Feststellung, dass der Betriebsrat generell kein Mitbestimmungsrecht darüber hat, welchen Tarifvertrag der Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer anwendet.
Das Arbeitsgericht gab allen drei Anträgen des Arbeitgebers statt. Es fehlte, so das Arbeitsgericht, der für ein Mitbestimmungsrecht notwendige kollektive Bezug.
Wie hat das Landesarbeitsgericht Niedersachsen entschieden?
Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen war anderer Ansicht.
Da sich die ersten beiden Anträge des Arbeitgebers aus nicht genannten Gründen im Verlauf des Prozesses erledigt hatten, befasste sich das LAG nur noch mit der Frage, ob der Betriebsrat generell ein Mitbestimmungsrecht bei der Frage hatte, welchen der beiden Tarifverträge der Arbeitgeber jeweils auf seine Beschäftigten anwendete.
Nachdem das Landesarbeitsgericht die Zulässigkeit des Antrages problematisiert und letztlich bejaht, gelangt es zu dem Ergebnis, dass dem Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht zusteht.
Mit der Anwendung des TVöD, der ja Eingruppierungsregelungen trifft, wendet der Arbeitgeber allgemeine Vergütungsregelungen an. Entscheidet sich der Arbeitgeber bei einem Beschäftigten jedoch gegen die Anwendung des TVöD, liegt darin auch die Entscheidung, das ansonsten in dem Betrieb angewandte allgemeine Vergütungsschema auf diesen Beschäftigten nicht anzuwenden, so das Argument des LAG. Denn der stattdessen vereinbarte NV Bühne beruht auf dem Grundsatz der frei aushandelbaren Gage und enthält deshalb selber überhaupt keine abstrakten Regelungen bezüglich der Vergütung. Damit ist der Fall vergleichbar mit der ebenfalls mitbestimmungspflichtigen Entscheidung des Arbeitgebers, einen Arbeitnehmer als außertariflichen Beschäftigten zu führen.
Fazit: Ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates gemäß § 99 Abs.1 BetrVG (Eingruppierung) besteht auch, wenn der Arbeitgeber zwischen der Anwendung mehrerer Tarifverträge entscheiden muss.
Nähere Informationen finden Sie hier:

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 9. März 2012
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
|
|
 |
|