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LAG Köln, Ur­teil vom 23.11.2009, 5 Sa 601/09

   
Schlagworte: Arbeitszeitverringerung, Teilzeitanspruch, Teilzeit: Arbeitszeitverringerung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Aktenzeichen: 5 Sa 601/09
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 23.11.2009
   
Leitsätze: Aus § 8 TzBfG lässt kein Anspruch darauf herleiten, die durch die Verringerung der Arbeitszeit auf die Hälfte verbleibende Arbeitszeit in der Weise zu verteilen, dass im Wechsel ein Monat gearbeitet wird und ein Monat arbeitsfrei ist.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bonn, 6 Ca 3217/08
   

5 Sa 601/09

6 Ca 3217/08

Ar­beits­ge­richt Bonn

Verkündet am 23. No­vem­ber 2009

Küpper,

Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT KÖLN

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

 

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

g e g e n

- Be­klag­te und be­ru­fungs­be­klag­tes Land -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14.09.2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Grie­se als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lucks und Bon­gard

für R e c h t er­kannt:

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 24.03.2009 – 6 Ca 3217/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d

Die Par­tei­en strei­ten um die Ar­beits­platz­ge­stal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin. 

 

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Die Kläge­rin ist bei der be­klag­ten Bun­des­re­pu­blik als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te in der Re­gis­tra­tur tätig. Ihr Mo­nats­ver­dienst beträgt rund 2.000,00 € brut­to.

Zu­letzt war die Kläge­rin als Re­gis­tra­to­rin ver­ant­wort­lich für das Re­fe­rat Bürger­ser­vice des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums in der Dienst­stel­le B. Ih­re Auf­ga­be be­steht in der Zu­ord­nung Viel­zahl re­gelmäßig ein­ge­hen­der An­fra­gen von Bürgern an das B zu den Geschäfts­ak­ten so­wie die Ver­wal­tung ei­ner Rei­he von Sach­ak­ten.

Bei der Kläge­rin wur­de vom Ver­sor­gungs­amt D mit Be­scheid vom 16.08.2007 rück­wir­kend zum 28.01.2005 ei­ne Schwer­be­hin­de­rung mit ei­nem Grad der Be­hin­de­rung von 70 % fest­ge­stellt. Die Kläge­rin lei­det u. a. an ei­ner post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungsstörung so­wie an De­pres­sio­nen, ei­ner Essstörung, Persönlich­keitsstörun­gen und ei­ner aus­ge­prägten Ago­ra­pho­bie.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 26.09.2008 (Bl. 5 f. d. A.) be­an­trag­te die Kläge­rin Teil­zeit­ar­beit, wo­bei die Teil­zeit­beschäfti­gung zunächst vom 01.01. bis zum 31.12.2009 aus­geübt und verlänger­bar ge­stal­tet sein soll­te. Hin­sicht­lich der Ver­tei­lung der auf die Hälf­te re­du­zier­ten Ar­beits­zeit stell­te die Kläge­rin fol­gen­de Al­ter­na­ti­ven zur Aus­wahl:

ei­nen Mo­nat ar­bei­ten, ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel;

zwei Mo­na­te ar­bei­ten, zwei Mo­na­te frei im Wech­sel;

zwei Mo­na­te ar­bei­ten, ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel;

drei Mo­na­te Ar­bei­ten, drei Mo­na­te frei im Wech­sel.

Die Kläge­rin stütz­te ihr Be­geh­ren auf § 8 Abs. 3 Tz­B­fG.

Die Be­klag­te gab dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 22.10.2008 (Bl. 7 d. A.) dem An­trag der Kläge­rin auf Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung statt, lehn­te aber die von der Kläge­rin vor­ge­schla­ge­ne Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit aus be­trieb­li­chen Gründen ab und schlug der Kläge­rin vor, die wöchent­li­che Ar­beits­zeit auf zwei­ein­halb Ta­ge pro Wo­che (und zwei­ein­halb Ta­ge frei) zu ver­tei­len.


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Ihr Be­geh­ren stützt die Kläge­rin auf die ärzt­li­che Be­schei­ni­gung des Dr. S vom 23.10.2008 (Bl. 4 d. A.), wo­nach es aus ge­sund­heit­li­chen Gründen in­di­ziert sei, die Kläge­rin in Teil­zeit­ar­beit im Block­mo­dell zu beschäfti­gen, so­wie auf die ärzt­li­che Be­schei­ni­gung des Herrn Dr. S vom 19.02.2009 (Bl. 32 d. A.), in der u. a. aus­geführt wird, dass es für die psy­chi­sche Ent­las­tung der Ge­samt­persönlich­keit der Kläge­rin als äußerst hilf­reich er­schei­ne, ei­ne Ar­beits­zeit­ver­tei­lung in ei­nem sog. Block­mo­dell vor­zu­neh­men.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ei­ner Teil­zeittätig­keit der Kläge­rin die zwei Mo­na­te voll­zei­ti­ge Ar­beit und zwei Mo­na­te dienst­frei im Block­mo­dell be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft die­ses Rechts­streits fol­gen­dem Mo­nat zu­zu­stim­men und die Kläge­rin ent­spre­chend zu beschäfti­gen;

2. hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin zu­zu­stim­men, die ent­we­der ei­nen Mo­nat ar­bei­ten oder ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel, zwei Mo­na­te ar­bei­ten und zwei Mo­na­te frei im Wech­sel oder drei Mo­na­te ar­bei­ten und drei Mo­na­te frei im Wech­sel vor­se­he.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat sich dar­auf be­ru­fen, das von der Kläge­rin be­gehr­te Ar­beits­zeit­mo­dell würde zu ei­ner un­zu­mut­ba­ren Or­ga­ni­sa­ti­on und zu un­verhält­nismäßigen Auf­wen­dun­gen führen.


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Durch Ur­teil vom 24.03.2009 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung dar­auf ab­ge­stellt, we­der aus § 8 Tz­B­fG noch aus § 81 SGB IX er­ge­be sich ein An­spruch auf die von der Kläge­rin gewünsch­te Ar­beits­zeit­ver­tei­lung.

Ge­gen die­ses Ur­teil hat die Kläge­rin form- und frist­ge­recht Be­ru­fung ein­le­gen und be­gründen las­sen.

Die Kläge­rin macht gel­tend, sie ha­be ei­nen An­spruch lei­dens­ge­rech­ter Beschäfti­gung. Die Trau­ma­er­kran­kung der Kläge­rin in­di­zie­re ei­ne ent­spre­chen­de Beschäfti­gung im Block­mo­dell. Denn die Kläge­rin benöti­ge we­gen ih­rer Er­kran­kung und Be­hin­de­rung länge­re Ar­beits­pau­sen, um sich zu er­ho­len. Die häufi­gen Fehl­zei­ten we­gen Ar­beits­unfähig­keit könn­ten so­mit ver­mie­den wer­den. Zu Un­recht sei das Ar­beits­ge­richt den Be­weis­an­trit­ten der Kläge­rin auf Ein­ho­lung ei­nes me­di­zi­ni­schen Sach­verständi­gen­gut­ach­tens und Zeu­gen­be­weis nicht nach­ge­gan­gen. Da­bei sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass es sich um ei­ne see­li­sche Er­kran­kung und Be­hin­de­rung han­de­le, de­ren Of­fen­ba­rung der Kläge­rin im Rah­men ih­res Par­tei­vor­tra­ges nur be­grenzt zu­mut­bar sei. Zu Un­recht sei das Ar­beits­ge­richt fer­ner da­von aus­ge­gan­gen, dass § 8 Abs. 1 Tz­B­fG nicht ein­schlägig ge­we­sen sei. Es sei fer­ner nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb es der Be­klag­ten nicht möglich sein sol­le, die Ar­beit so zu or­ga­ni­sie­ren, dass der Kläge­rin die be­gehr­te Block­beschäfti­gung ermöglicht wer­de. Es sei durch­aus möglich, ei­nen Mit­ar­bei­ter zu beschäfti­gen, der die Kläge­rin in den Block­pha­sen ver­tre­te.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­klag­te un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 24.03.2009 – 6 Ca 3217/08 – zu ver­ur­tei­len,

1. ei­ner Teil­zeittätig­keit der Kläge­rin die zwei Mo­na­te voll­schich­ti­ge Ar­beit und zwei Mo­na­te dienst­frei im Block­mo­dell be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft


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die­ses Rechts­streits fol­gen­dem Mo­nat zu­zu­stim­men und die Kläge­rin hilfs­wei­se ent­spre­chend zu beschäfti­gen;

2. hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ei­ner Teil­zeittätig­keit der Kläge­rin die ent­we­der ei­nen Mo­nat ar­bei­ten und ei­nen Mo­nat frei im Wech­sel, zwei Mo­na­te ar­bei­ten und zwei Mo­na­te frei im Wech­sel oder drei Mo­na­te ar­bei­ten und drei Mo­na­te frei im Wech­sel be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft die­ses Rechts­streits fol­gen­dem Mo­nat zu­zu­stim­men und die Kläge­rin ent­spre­chend zu beschäfti­gen.

In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt am 14.09.2009 hat die Kläge­rin darüber hin­aus den Hilfs­an­trag ge­stellt, hilfs­wei­se die Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin so zu ge­stal­ten, dass sie ab­wech­selnd ei­ne Wo­che ar­bei­tet und ei­ne Wo­che frei­ge­stellt ist.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Kläge­rin kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te macht gel­tend, es läge ei­ne Ab­wei­chung der Streit­ge­genstände des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens zu dem vor­ge­richt­lich for­mu­lier­ten Be­geh­ren vor. Nach dem Schrei­ben vom 26.09.2008 sei ei­ne Teil­zeit­beschäfti­gung zunächst für die Beschäfti­gung vom 01.01. bis zum 31.12.2009 mit Verlänge­rungsmöglich­keit be­gehrt wor­den, während die Kläge­rin nun­mehr ein Block­mo­dell be­gin­nend mit dem auf die Rechts­kraft die­ses Rechts­streits fol­gen­den Mo­nat be­geh­re. Zu­dem sei der außer­ge­richt­lich ge­stell­te An­trag zu un­be­stimmt ge­we­sen, weil er als ei­ne Va­ri­an­te auf die Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf zwei Drit­tel vor­ge­se­hen ha­be. Ei­ne nachträgli­che Um­for­mu­lie­rung der Anträge die den Er­for­der­nis­sen des § 8 Tz­B­fG ent­spre­che, sei nicht möglich.


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Un­ge­ach­tet des­sen könn­ten auch die jetzt ge­stell­ten Anträge nicht auf § 8 Tz­B­fG gestützt wer­den. Denn aus § 8 Tz­B­fG fol­ge nicht der An­spruch, für ein­zel­ne Beschäfti­gungs­zeiträume die Ar­beits­zeit auf null zu re­du­zie­ren.

Sch­ließlich könne der An­spruch auch nicht auf § 81 Abs. 5 S. 3 SGB IX gestützt wer­den, denn die Kläge­rin ha­be we­der in der ers­ten In­stanz noch in der Be­ru­fungs­be­gründung kon­kret Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die ei­nen sol­chen An­spruch recht­fer­ti­gen könn­ten.

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist in der Sa­che nicht be­gründet.

We­der der Haupt­an­trag noch die Hilfs­anträge konn­ten Er­folg ha­ben.

Denn es man­gelt für al­le ge­stell­ten Anträge an ei­ner ge­setz­li­chen An­spruchs­grund­la­ge.

1. Ein An­spruch aus § 8 Abs. 1 Tz­B­fG be­steht nicht.

a) Da­bei spricht be­reits Durch­grei­fen­des für die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, dass ein An­spruch be­reits des­halb nicht auf § 8 Tz­B­fG gestützt wer­den kann, weil der In­halt der vor­pro­zes­sua­len Gel­tend­ma­chung im Schrei­ben vom 26.09.2008 nicht mit dem im Pro­zess gel­tend ge­mach­ten Be­geh­ren übe­rein­stimmt. Im Schrei­ben vom 26.09.2008 wer­den als Va­ri­an­ten u. a. ge­genüber ge­stellt ei­ne Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung in der Wei­se, dass zwei Mo­na­te ge­ar­bei­tet und ein Mo­nat frei sein soll so­wie al­ter­na­tiv „zwei Mo­na­te Ar­bei­ten, zwei Mo­na­te frei im Wech­sel“. Da­mit wird u. a. zur Aus­wahl ge­stellt ei­ne Re­du­zie­rung auf zwei Drit­tel der bis­he­ri­gen Ar­beits­zeit oder ei­ne Re­du­zie­rung auf die Hälf­te der bis­he­ri­gen Ar­beits­zeit.


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Da­von ab­wei­chend zielt der pro­zes­su­al er­ho­be­ne An­spruch al­lein auf ei­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ab. Ein wei­te­rer Un­ter­schied be­steht dar­in, dass in der vor­pro­zes­sua­len Gel­tend­ma­chung ei­ne be­fris­te­te Teil­zeit­beschäfti­gung für die Zeit vom 01.01. bis zum 31.12.2009 ver­langt wird, die verlänger­bar sein soll, während pro­zes­su­al ei­ne un­be­fris­te­te Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung auf die Hälf­te be­gehrt wird.

Ein An­trag auf be­fris­te­te Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit ist aber kein An­trag im Sin­ne des § 8 Tz­B­fG (sie­he BAG Ur­teil vom 12.09.2006 – 9 AZR 686/06 -, NZA 2007, S. 253 ff.).

Schon aus die­sem Grund kann die Kläge­rin ih­ren An­spruch nicht auf § 8 Tz­B­fG stützen.

b) Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt den An­spruch auch dar­an schei­tern las­sen, dass § 8 Abs. 1 Tz­B­fG vor­aus­setzt, dass sich der Ver­rin­ge­rungs­wunsch im Rah­men des bis­her prak­ti­zier­ten Ar­beits­zeit­mo­dells be­wegt. In­so­weit ist im vor­lie­gen­den Fall das für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten­de Ta­rif­recht zu be­ach­ten. Auf­grund des auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den­den TVöD ist § 6 TVöD ein­schlägig. Nach § 6 TVöD ist für Voll­zeit­beschäftig­te ei­ne durch­schnitt­lich wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 39 St­un­den fest­ge­legt. Dies be­deu­tet, dass die Ar­beits­wo­che den Be­zugs­rah­men und zu­gleich die Gren­ze für die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit bil­det. Dies be­deu­tet, dass die – ver­rin­ger­te – Ar­beits­zeit in­ner­halb ei­ner Ar­beits­wo­che auch ab­wei­chend ver­teilt wer­den kann, an­de­rer­seits da­mit aber auch fest­ge­legt ist, dass in je­der Ar­beits­wo­che Ar­beits­stun­den zu leis­ten sind und ein Nul­lar­beits­zeit für Ar­beits­wo­chen nicht aus § 8 Tz­B­fG be­an­sprucht wer­den kann (eben­so LAG Düssel­dorf Ur­teil vom 17.05.2006 – 12 Sa 175/06 -).

Ei­ne Frei­stel­lung über ei­ne oder meh­re­re Wo­chen oder Mo­na­te lässt sich mit dem ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Mo­dell der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit, al­so der Ar­beit in je­der Ar­beits­wo­che, nicht in Übe­rein­stim­mung brin­gen.


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2. Auch aus § 81 Abs. 5 SGB IX folgt der von der Kläge­rin in ih­ren Haupt- und Hilfs­anträgen gel­tend ge­mach­te An­spruch nicht.

a) Nach § 81 Abs. 5 S. 3 SGB IX ha­ben schwer­be­hin­der­te Men­schen ei­nen An­spruch auf Teil­zeit­beschäfti­gung, wenn die kürze­re Ar­beits­zeit we­gen der Art oder Schwe­re der Be­hin­de­rung not­wen­dig ist. Aus die­ser Vor­schrift kann sich da­mit ein An­spruch auf Re­du­zie­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit er­ge­ben. Ein An­spruch auf ei­ne kon­kre­te Ver­tei­lung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ist hier­aus je­doch nicht un­mit­tel­bar ab­zu­lei­ten.

Da­bei steht ein An­spruch auf Re­du­zie­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit. Denn die Be­klag­te hat sich be­reits in ih­rem Ant­wort­schrei­ben vom 22.10.2008 be­reit erklärt, die wöchent­li­che Ar­beits­zeit auf die Hälf­te ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung zu re­du­zie­ren.

b) Selbst wenn man des­wei­te­ren da­von aus­geht, dass aus § 81 Abs. 4 Nr. 4 SGB IX ein An­spruch auf der Be­hin­de­rung Rech­nung tra­gen­de Ver­tei­lung der re­du­zier­ten Ar­beits­zeit auf be­stimm­te Zeiträume fol­gen kann, ist im vor­lie­gen­den Fall fest­zu­hal­ten, dass es an den dafür not­wen­di­gen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen man­gelt.

Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die von der Kläge­rin ein­ge­reich­ten At­tes­te ei­nen sol­chen An­spruch nicht tra­gen. In dem At­test vom 23.10.2008 hieß es ursprüng­lich, dass aus ge­sund­heit­li­chen Gründen ei­ne Halb­tagstätig­keit in­di­ziert sei. Der Be­griff Halb­tagstätig­keit in je­nem At­test wur­de von dem be­han­deln­den Arzt dann hand­schrift­lich er­setzt durch die For­mu­lie­rung: „Teil­zeit­ar­beit im Block­mo­dell“. Aus der Ver­wen­dung des Wor­tes „in­di­ziert“ folgt zunächst, dass die fa­vo­ri­sier­te Lösung nicht als we­gen der Be­hin­de­rung not­wen­dig, son­dern le­dig­lich als wünschens­wert an­ge­se­hen wird. Ent­schei­dend ist, dass als in­di­zier­te Lösung „Teil­zeit­ar­beit im Block­mo­dell“ an­ge­ge­ben wird. Ei­ne sol­che Lösung schlösse aber auch das von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­ne Mo­dell ein, in je­der Ar­beits­wo­che zwei­ein­halb Ta­ge zu ar­bei­ten und zwei­ein­halb Ta­ge ar­beits­frei zu ha­ben. Der Um­fang der Ar­beits-und Frei­zeit­blocks ist in dem At­test nicht an­ge­ge­ben und es ist nicht er­sicht­lich,


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wes­halb aus me­di­zi­ni­schen Gründen ge­ra­de die von der Kläge­rin er­streb­te Blo­ck­ab­fol­ge die­je­ni­ge sein soll, die we­gen der Schwer­be­hin­de­rung ge­bo­ten wäre oder ärzt­li­cher­seits für ge­bo­ten ge­hal­ten wor­den wäre.

Das At­test vom 19.02.2009 (Bl. 32 d. A.) enthält ei­ne deut­li­che Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen dem Auf­ent­halt in be­stimm­ten Räum­lich­kei­ten und der Ar­beits­zeit­ver­tei­lung. Während der Auf­ent­halt in be­stimm­ten Räum­en (z. B. Aufzüge, fens­ter­lo­se Räume oder gar Kel­lerräume) als ein Um­stand be­zeich­net wird, der es der Kläge­rin unmöglich macht, ih­re Ar­beit zu leis­ten, wird die Ar­beits­zeit­ver­tei­lung in ei­nem sog. Block­mo­dell le­dig­lich als äußerst hilf­reich be­zeich­net.

Da­mit ist hin­sicht­lich der Räum­lich­kei­ten zwar dar­ge­tan, dass zwin­gen­de Grüne dür ei­ne be­stimm­te räum­li­che Ar­beits­platz­ge­stal­tung be­ste­hen. Dem­ge­genüber wird die Ar­beits­zeit­ver­tei­lung in ei­nem Block­mo­dell le­dig­lich als äußerst hilf­reich, aber eben nicht als ge­bo­ten be­zeich­net. Zu­dem lässt die all­ge­mei­ne For­mu­lie­rung Block­mo­dell wie­der­rum vie­le Möglich­kei­ten der block­wei­sen Ge­stal­tung der Teil­zeit­ar­beit zu, u. a. auch die­je­ni­ge, die die Be­klag­te der Kläge­rin an­ge­bo­ten hat (zwei­ein­halb Ta­ge ar­bei­ten, zwei­ein­halb Ta­ge frei).

Im Be­ru­fungs­ver­fah­ren hat die Kläge­rin kei­ne wei­te­ren Umstände vor­zu­tra­gen ver­mocht, die das er­streb­te Block­mo­dell zwin­gend er­ge­ben würden.

Da­bei kann ei­ne Re­du­zie­rung der Dar­le­gungs­last auf Sei­ten der Kläge­rin nicht des­halb an­ge­nom­men wer­den, weil im Fall der Kläge­rin ei­ne psy­chi­sche Er­kran­kung vor­liegt. Denn un­abhängig von der Art der Er­kran­kung und der dar­auf be­ru­hen­den Schwer­be­hin­de­rung be­darf es ei­ner kon­kre­ten Dar­le­gung, wes­halb die von der Kläge­rin be­gehr­te Lösung die un­ter dem Ge­sichts­punkt der Schwer­be­hin­de­rung al­lein in Be­tracht kom­men­de Lösung sein soll. Die dies­bezügli­che Dar­le­gungs­last kann auch nicht durch den Ver­weis auf ein ein­zu­ho­len­des ge­richt­li­ches Sach­verständi­gen­gut­ach­ten er­setzt wer­den, zu­mal die bis­her von der Kläge­rin vor­ge­leg­ten ärzt­li­chen At­tes­te – wie dar­ge­legt –


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ge­ra­de ge­gen ei­ne Fo­kus­sie­rung auf Mo­nats- oder Wo­chen­block­mo­del­le spre­chen, son­dern die block­wei­se Ge­stal­tung der Ar­beits­zeit in­ner­halb je­der Ar­beits­wo­che möglich er­schei­nen las­sen.

Es man­gelt zu­dem dar­an, dass nicht nach­voll­zieh­bar dar­ge­tan ist, wie die Kläge­rin ge­ra­de bei lang dau­ern­den Ar­beits­pha­sen, die mit dem von der Kläge­rin in der Haupt­sa­che ver­bun­de­nen Mo­nats­block­mo­dell er­for­der­lich wären, im Hin­blick auf die da­mit ver­bun­de­ne Dau­er­ar­beits­be­las­tung oh­ne Ar­beits­un­ter­bre­chung für ei­nen Mo­nat bewälti­gen könn­te.

3. Die Be­ru­fung der Kläge­rin hat­te da­her kei­nen Er­folg und muss­te mit der Kos­ten­fol­ge des § 97 Abs. 1 ZPO zurück­ge­wie­sen wer­den.

Die Re­vi­si­on konn­te nicht zu­ge­las­sen wer­den, da der Rechts­streit kei­ne rechts­grundsätz­li­che Be­deu­tung hat­te und auch kein Fall von Di­ver­genz vor­lag.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil ist kein wei­te­res Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Hin­sicht­lich ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72 a ArbGG Be­zug ge­nom­men.

 

Dr. Grie­se

Lucks

Bon­gard

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