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LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 26.01.2009, 6 Ta 174/09

   
Schlagworte: Geschäftsführer
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Aktenzeichen: 6 Ta 174/09
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 26.01.2009
   
Leitsätze: Wird ein Arbeitnehmer auf der Grundlage seines konkludent erweiterten Arbeitsvertrages zum Geschäftsführer bestellt, ist für den Streit über die Wirksamkeit einer Kündigung seines Arbeitsverhältnisses die Zuständigkeit der Gerichte für Arbeitssachen gem. § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG ausgeschlossen (Abgrenzung zu LAG Bremen, Beschluss vom 02.03.2006 - 3 Ta 9/06 - NZA - RR 2006, 321 einerseits und LAG Hamburg, Beschluss vom 30.04.2008 - 2 Ta 738/07 - andererseits)
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 18.12.2008, 1 Ca 18497/08
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

6 Ta 174/09

1 Ca 18497/08
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

 

Be­schluss

 

In der Be­schwer­de­sa­che

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Kam­mer 6,
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richts C.,
am 26.01.2009 be­schlos­sen:

Die so­for­ti­ge Be­schwer­de des Klägers ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 18.12.2008 – 1 Ca 18497/08 – wird nach Nicht­ab­hil­fe durch das Ar­beits­ge­richt auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

G r ü n d e

1. Die frist­gemäß und form­ge­recht beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­leg­te so­for­ti­ge Be­schwer­de ist un­be­gründet.

2. Der Rechts­weg zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen ist nicht gem. § 2 Abs. 1 Nr. 3 lit. b ArbGG eröff­net, wo­nach die­se aus­sch­ließlich zuständig sind für bürger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­bern über das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. Der Kläger gilt gem. § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG nicht als Ar­beit­neh­mer, weil er als Geschäftsführer im Be­trieb der Be­klag­ten gem. § 35 Abs. 1 Gmb­HG zu de­ren Ver­tre­tung be­ru­fen war.

Der Kläger ist durch Be­schluss der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung vom 08.06.2004 zum Geschäftsführer mit Ein­zel­ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung be­stellt wor­den. In der gleich­zei­ti­gen Be­stel­lung zum Lei­ter der Nie­der­las­sung Ber­lin lag ein An­ge­bot zu ei­nem ent­spre­chen­den Ände­rungs­ver­trag, das der Kläger durch sein ent­spre­chen­des Tätig­wer­den zu­min­dest kon­klu­dent an­ge­nom­men hat. Da­mit ist sein durch den An­stel­lungs­ver­trag vom 18./30.12.2003 ab 01.03.2004 be­gründe­tes Ar­beits­verhält­nis als lei­ten­der An­ge­stell­ter nicht be­en­det wor­den, was auch am Man­gel der Schrift­form gem. §§ 125 Satz 1, 623 BGB ge­schei­tert wäre. Wie der Kläger selbst er­kannt hat, ist ne­ben die­ses Ar­beits­verhält­nis kein wei­te­res Rechts­verhält­nis ge­tre­ten. Denn durch die Be­stel­lung zum Geschäftsführer als sol­che wird noch kei­ne

 

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schuld­recht­li­che Be­zie­hung zwi­schen der Ge­sell­schaft und dem Geschäftsführer be­gründet (BAG, Ur­teil vom 25.10.2007 – 6 AZR 1045/06 – AP KSchG 1969 § 14 R 15). Bil­de­te so­nach aber das nur in­halt­lich geänder­te Ar­beits­verhält­nis des Klägers die Grund­la­ge für sei­ne Geschäftsführ­er­be­stel­lung, kann er sich ge­gen des­sen Kündi­gung we­gen der Fik­ti­on des § 5 Abs. 1 Satz 3 ArbGG nicht vor den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen weh­ren. Dies kommt nur in Be­tracht, wenn sich der Kündi­gungs­adres­sat in ei­ner klar un­ter­scheid­ba­ren Dop­pel­stel­lung als Ar­beit­neh­mer und Geschäftsführer be­fin­det (BAG, Ur­teil vom 17.01.1985 – 2 AZR 96/84 – ArbGG 1979 § 5 Nr. 2 zu B I 2 c der Gründe).

Ob sei­ne Be­stel­lung zum Geschäftsführer et­wa ei­nen Miss­brauch der Ge­stal­tungs­form dar-stell­te, um ihm die Er­lan­gung von Kündi­gungs­schutz zu ver­sa­gen, wie der Kläger meint, ist ei­ne Fra­ge der Be­gründet­heit.

3. Der Kläger hat gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­schwer­de zu tra­gen.

Man­gels grundsätz­li­cher Be­deu­tung oder Di­ver­genz zur höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung be­stand kein An­lass, die Rechts­be­schwer­de gem. § 17 a Abs. 4 Satz 5 GVG zu­zu­las­sen.

4. Die­se Ent­schei­dung ist un­an­fecht­bar.

 

C.

 

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