HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

ArbG Würz­burg, Ur­teil vom 14.01.2014, 10 Ca 719/13

   
Schlagworte: Abmahnung, Betriebsrat, Personalakte
   
Gericht: Arbeitsgericht Würzburg
Aktenzeichen: 10 Ca 719/13
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 14.01.2014
   
Leitsätze:
Vorinstanzen:
   

10 Ca 719/13

Verkündet am: 14.01.2014

Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

 

Ar­beits­ge­richt Würz­burg

Im Na­men des Vol­kes

EN­DURTEIL

In dem Rechts­streit

 

A.

A-Straße, A-Stadt

- Kläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r:

Rechts­anwälte B. B-Straße, B-Stadt

ge­gen

Fir­ma C.

C-Straße, C-Stadt

- Be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r:

D.

D-Straße, D-Stadt

hat die 10. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Würz­burg auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung
vom 14. Ja­nu­ar 2014 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter und

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für Recht er­kannt:

1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

2. Der Kläger trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

3. Der Streit­wert beträgt 3.250,00 €

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te Ar­beit­gerbe­rin dem Kläger Ein­sicht in sei-nen Per­so­nal­akt mit oder oh­ne sei­ne an­walt­li­che Ver­tre­te­rin gewähren muss.

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Der Kläger ist seit 1998 bei der Be­klag­ten als La­ge­rist mit ei­nem durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ge­halt von zu­letzt 3.250,00 € tätig.

Am 21.03.13 er­teil­te die Be­klag­te dem Kläger ei­ne Er­mah­nung.

Be­zug neh­mend auf die Er­mah­nung be­an­trag­te die Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers mit Schrei­ben vom 05.04.2013 bei der Be­klag­ten Ein­sicht in des­sen Per­so­nal­ak­te (auf die als An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift vom 16.05.2013 ein­ge­reich­te Ko­pie, Blatt 4 der Ak­te, wird Be­zug ge­nom­men). Die Be­klag­te mel­de­te sich dar­auf­hin bei der an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin des Klägers und erklärte, dass ei­ne Ein­sicht durch die an­walt­li­che Ver­tre­te­rin aus da­ten­schutz­recht­li­chen Gründen nicht möglich sei. Mit Schrei­ben vom 06.05.2013 be­an­trag­te die an­walt­li­che Ver­tre­te­rin des Klägers noch­mals, „mir mit und für mei­nen Man­da­ten A. Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te zu ge­ben" (Blatt 5 der Ak­te). Mit Email vom 13.05.2013 teil­te die Be­klag­te der an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin des Klägers Fol­gen­des mit:

„Die Ein­sicht­nah­me in die Per­so­nal­ak­te ist ein höchst­persönli­ches Recht des Ar­beit­neh­mers, wel­ches grundsätz­lich nur er selbst und nicht des­sen Be­vollmäch­ti­ge ausüben können.
Dem zu­fol­ge blei­ben wir bei dem Ih­nen dar­ge­leg­ten Vor­ge­hen: Herr A. kann sich sei­ne Ak­te an­se­hen, sich (aus­zugs­wei­se) Ko­pi­en ma­chen und da­bei auch gern. Be­trVG ein Be­triebs­rats­mit­glied hin­zu­zie­hen. Die Hin­zu­zie­hung Drit­ter — als auch ei­ner be­vollmäch­ti­gen Rechts­anwältin — leh­nen wir ab" (Blatt 6 d.A.).

Der Kläger ist der Auf­fas­sung,

er ha­be ei­nen An­spruch auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin. Sein Recht auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te könne er auch ei­nem Be­vollmäch­tig­ten über­tra­gen.
§ 83 Be­trVG schließe die Ein­sicht durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten nicht aus. Ab­ge­se­hen da­von, sei kein Grund er­sicht­lich. Der be­auf­trag­te Rechts­an­walt sei zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet. Die Per­so­nal­ak­te soll Drit­ten nicht zugäng­lich sein. Der be­auf­trag­te Rechts­an­walt sei je­doch nicht Drit­ter, son­dern Be­ra­ter des Ar­beit­neh­mers. Die­ser könne frei be­stim­men, wer Ein­sicht in sei­ne persönli­chen Da­ten ha­ben dürfe.

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Da­ge­gen sei ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers nicht er­sicht­lich. Dem ge­genüber ha­be der Ar­beit­neh­mer ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se. Ihm fehl­ten die Rechts­kennt­nis­se, um zu er­ken­nen, wel­che Da­ten der Ar­beit­ge­bet spei­chern dürfe und wel­che nicht. Zu­dem ste­he dem Ar­beit­neh­mer ein An­spruch auf Fer­ti­gung von Ko­pi­en zu, die er dann sei­nem an­walt­li­chen Ver­tre­ter über­ge­ben könne. In­so­fern sei es ei­ne unnötig Förme­lei, die Zu­zie­hung des Rechts­an­walts zu ver­hin­dern. Darüber hin­aus wer­de auf­grund der lan­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit des Klägers da­von aus­ge­gan­gen, dass der Um­fang der Per­so­nal­ak­te er­heb­lich sei, so­dass die An­fer­ti­gung von Ko­pi­en sämt­li­cher Un­ter­la­gen un­zu­mut­bar sei.

Die Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te un­ter Hin­zu­zie­hung der an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin die­ne der Wah­rung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Klägers.

Der Kläger stellt fol­gen­den An­trag:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger mit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te des Klägers zu gewähren.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ist der Auf­fas­sung,

der Kläger ha­be kei­nen An­spruch auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin.

Ein der­ar­ti­ger An­spruch fol­ge ins­be­son­de­re nicht aus § 83 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG. Die­se Vor­schrift be­gründe le­dig­lich ein vom Ar­beit­neh­mer selbst aus­zuüben­des Ein­sichts­recht. Der An­spruch auf Ak­ten­ein­sicht sei ein höchst­persönli­cher An­spruch und könne da­her nur

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vom Ar­beit­neh­mer selbst aus­geübt wer­den.

Ei­ne Aus­nah­me der­ge­stalt, dass der Klägers aus ge­sund­heit­li­chen, körper­li­chen oder geis­ti­gen Gründen nicht in der La­ge sei, sich selbst über den In­halt der Per­so­nal­ak­te zu in­for­mie­ren und de­ren In­halt zu ver­ste­hen, lie­ge nicht vor.

Der Kläger ha­be aus § 83 Abs 1 Satz 1 Be­trVG le­dig­lich ei­nen An­spruch auf persönli­che Ein­sicht­nah­me in sei­ne Per­so­nal­ak­te oh­ne An­we­sen­heit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tret­rein. Die­ses Recht ha­be er bis­lang nicht vor­ge­nom­men. Ei­nem Kla­ge­an­trag auf Ein­sicht­nah­me in sei­ne Per­so­nal­ak­te oh­ne An­we­sen­heit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin (als ein et­wai­ges Mi­nus zum An­trag auf Ein­sicht­nah­me in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin) feh­le das Rechts­schutz­bedürf­nis.

Zur Ergänzung des Sach­ver­hal­tes wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten Be­zug ge­nom­men.

 

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Kla­ge ist zulässig, je­doch un­be­gründet.

A

Die Kla­ge ist zulässig.

Das an­ge­ru­fe­ne Ar­beits­ge­richt Würz­burg ist so­wohl ört­lich (§§ 46 Abs. 2 ArbG, 12, 17, 29 ZPO) als auch vom Rechts­weg her (§ 2 Abs. 1 Zif­fer 3 a ArbG) zuständig.
Der Kläger ver­folgt sein Be­geh­ren zu­tref­fend im Ur­teils­ver­fah­ren (§ 2 Abs. 5 ArbGG).

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B

Die Kla­ge hat in der Sa­che kei­nen Er­folg.

Dem Kläger steht ein An­spruch auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin nicht zu.

Die Fra­ge, ob ein Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch dar­auf hat, sich bei Ein­sicht­nah­me in sei­ne Per­so­nal­ak­te von ei­nem Rechts­an­walt be­glei­ten zu las­sen, wird in Rechts­spre­chung und Li­te­ra­tur durch aus kon­tro­vers ge­se­hen.

1. Nach ei­ner Auf­fas­sung kann der Ar­beit­neh­mer ei­nen Drit­ten, z.B. ei­nen Rechts­an­walt da­mit be­auf­tra­gen, für ihn die Per­so­nal­ak­te ein­zu­se­hen (Düwell, Kom­men­tar zum Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 3. Auf­la­ge 2010, § 83 Rd­nr. 12; ErfK/Ka­nia, Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht, 14. Auf­la­ge 2014, § 83 Be­trVG Rd­nr. 4; DKK/Busch­mann, Däubler/Kitt­ner/Kle­be, Kom­men­tar zum Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz 12. Auf­la­ge, § 83 Rd­nr. 16; Fit­ting/En­gels, Kom­men­tar zum Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 26. Auf­la­ge, §§ 83, Rd­nr. 12; Müller, Die Per­so­nal­ak­te in der Ar­beits­rechts­pra­xis DB 2013, 2604, 2607, Kütt­ner/Rei­ne­cke, Per­so­nal­hand­buch 2014, 21. Auf­la­ge, Nr. 333 Per­so­nal­ak­te, Rd­nr. 16).

2. Nach der Ge­gen­mei­nung ist der Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet, ei­nem Be­vollmäch­ti­gen des Ar­beit­neh­mers im Rah­men der Ak­ten­ein­sicht Zu­tritt zum Be­trieb zu gewähren (ArbG München vom 07.03.1979 — 24 Ca 434/79, DB 1979, 2284; Ri­char­di/Thüsing, Kom­men­tar zum Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz, 13. Auf­la­ge Rd­nr. 27; GK/Fran­zen, Ge­mein­schafts­kom­men­tar zum Beb­trieb­ver­fas­sungs­ge­setz, 9 Auf­la­ge, § 83 Be­trVG Rd­nr. 6; Go­lar/Hümme­rich, BB 1974, 1167; Pra­mann, DB 1983, 1922). Ein­schränkend wird von Thüsing (Ri­char­di Thüsing a.a.O.) ver­tre­ten, dass mit Rück­sicht auf die Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers der Ar­beit­neh­mer in Fällen un­ver­schul­de­ter Ver­hin­de­rung ver­lan­gen könne, dass ein Drit­ter für ihn das Ein­sichts­recht wahr­neh­me, so­fern ei­ne so­for­ti­ge Ein­sicht­na­men er­for­der­lich sei. Auch Fran-

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zen (GK/Fran­zen a.a.O.) schränkt sei­ne Ab­leh­nung ei­nes Teil­nah­me­rechts des Rechts­an­wal­tes da­hin ein, dass der Ar­beit­neh­mer aus be­son­de­ren Gründen — z.B. bei Ver­hin­de­rung, Krank­heit oder bei Aus­schei­den aus dem Be­trieb vor Ab­lauf der Kündi­gungs­frist — ei­ne an­de­re Per­son mit der Wahr­neh­mung sei­nes Rech­tes be­auf­tra­gen könne. Er­heb­li­che Be­deu­tung ge­win­ne ei­ne aus­nahms­wei­se zulässi­ge Be­vollmäch­ti­gung ei­nes Drit­ten auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­ner geis­ti­gen Be­hin­de­rung oder ei­ner an­de­ren geis­ti­gen Schwäche nicht in der La­ge sei, sich selbst über den In­halt der Per­so­nal­ak­te zu in­for­mie­ren und die­sen In­halt zu ver­ste­hen. So­weit ei­ne Be­vollmäch­ti­gung zulässig sei, könne der Ar­beit­neh­mer je­de be­lie­bi­ge Per­son be­vollmäch­ti­gen, so­fern nicht im Aus­nah­men­fall über­wie­gen­de In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers der Be­vollmäch­ti­gung ei­ner be­stimm­ten Per­son ent­ge­gen stünden (GK/Fran­zen a.a.O., § 83 Rd­nr. 26 a. E.).

II.

Das er­ken­nen­de Ge­richt ist vor­lie­gend der Auf­fas­sung, dass ei­nem Ar­beit­neh­mer im Grund­satz ein Recht auf An­we­sen­heit und Teil­nah­me sei­nes An­wal­tes bei der Ak­ten­ein­sicht im Grund­satz nicht zu­steht und dass der Kläger auch das aus­nahms­wei­se Vor­lie­gen ei­nes da­hin­ge­hen­den An­spru­ches nicht auf­ge­zeigt hat.

1.) Der streit­ge­genständ­li­che An­spruch des Klägers auf Teil­nah­me sei­ner Rechts­anwältin bei der Ak­ten­ein­sicht ist be­reits aus dem Grund aus­ge­schlos­sen, weil die ein­zig für die Ak­ten­ein­sicht in Fra­ge kom­men­de An­spruchs­grund­la­ge des § 83 Be­trVG hin­sicht­lich der Teil­nah­me Drit­ter nur die Hin­zu­zie­hung ei­nes Mit­glieds des Be­triebs­ra­tes vor­sieht.

Das Ak­ten­ein­sichts­recht ei­nes Ar­beit­neh­mers fin­det sei­ne aus­sch­ließli­che und ab­sch­ließen­de An­spruchs­grund­la­ge in § 83 Be­trVG. Die­se Norm hat aus­sch­ließlich in­di­vi­du­al­recht­li­chen Cha­rak­ter. Sie gilt auch in Be­trie­ben, die kei­ne Be­triebs­rat ha­ben oder nicht ein­mal be­triebs­ratsfähig sind (Fit­ting/En­gels a.a.O., § 83 Rd­nr. 1; Ri­char­di/Thüsing, a.a.O., § 83 Rd­nr. 2; DKK/Busch­mann a.a.O., § 83 Rd­nr 1).
Über das in § 83 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ge­re­gel­te Ak­ten­sein­sichts­rechts des Ar­beit­neh­mers hin­aus sieht die Norm in Abs 1 Satz 2 vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer hier-

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zu ein Mit­glied des Be­triebs­ra­tes hin­zu­zie­hen könne. Dies ist der ein­zi­ge Fall, für den das Ge­setz die Hin­zu­zie­hung Drit­ter zulässt. Die Hin­zu­zie­hung wei­te­rer — ggf. be­triebs­ex­ter­ner — Drit­ter ist nicht vor­ge­se­hen.

2.) Das von dem Kläger be­haup­te­te Recht auf Teil­nah­me sei­ner Rechts­anwältin zur Ak­ten­ein­sicht lässt sich auch nicht auf ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG stützen. Ana­lo­gie ist die Über­tra­gung der für ei­nen oder meh­re­re be­stimm­te Tat­bestände im Ge­setz vor­ge­se­he­nen Re­gel auf ei­nen an­de­ren, aber rechtsähn­li­chen Tat­be­stand. Die Ana­lo­gie über­schei­tet die Gren­zen des mögli­chen Wort­sin­nes, die für die ei­gent­li­che Aus­le­gung ei­ne Schran­ke dar­stellt. Die Ana­lo­gie setzt vor­aus, dass das Ge­setz ei­ne plan­wid­ri­ge Re­ge­lungslücke enthält (Pa­landt/Hein­richs, Kom­men­tar zu BGB, 72. Auf­la­ge, Ein­lei­tung vor § 1, Rd­nr. 48 mit vie­len Hin­wei­sen auf Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur).
Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG sind vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Der Ar­beit­ge­ber muss dem Ar­beit­neh­mer nur dort Ein­sicht gewähren, wo die Per­so­nal­ak­ten sich be­fin­den; wenn der Ar­beit­neh­mer ei­nen Drit­ten mit der Ak­ten­ein­sicht be­auf­tra­gen oder zu min­des­tens mit ei­ner An­we­sen­heit bei der Ein­sicht­nah­me durch den Ar­beit­neh­mer be­trau­en könn­te, müss­te der Ar­beit­ge­ber dem Be­vollmäch­tig­ten des Ar­beit­neh­mers Zu­tritt zum Be­trieb bzw. zum Stand­ort der Per­so­nal­ak­ten gewähren. Ein der­ar­ti­ger Ein­griff in das Haus­recht des Ar­beit­ge­bers be­darf ei­ner aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen Grund­la­ge, ins­be­son­de¬re wenn es um ei­ne Zu­tritts­recht be­triebs­frem­der Ex­ter­ner geht, wie dies bei­spiels¬wei­se in den Be­stim­mung des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes zum Zu­tritts­recht ei­ner im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft der Fall ist (§§ 2 Abs. 2, 46 Be­trVG).
Der Ge­setz­ge­ber hat in § 83 Abs. 1 Satz 2 nur ein Hin­zu­zie­hungs­recht bezüglich von Mit­glie­dern des Be­triebs­ra­tes, mit­hin von Be­triebs­an­gehöri­gen zu­ge­las­sen. B-triebs­rats­mit­glie­der ha­ben nach dem Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit (§ 2 Abs. 1 Be­trVG) so­wohl das Wohl der Ar­beit­neh­mer als auch das Wohl des Be­triebs zu berück­sich­ti­gen. Ei­ne Eröff­nung ei­nes An­we­sen­heits­rech­tes zu­guns­ten Be­triebs­ex­ter­ner, wie be­auf­trag­ter Rechts­anwälte, die nur den In­ter­es­sen ih­res Man­dan­ten und nicht auch dem Wohl des Be­trie­bes ver­pflich­tet sind, ist da­her nicht auf ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung es § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG zu stützen.

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3. Viel­mehr er­gibt sich der Aus­schluss ei­nes An­we­sen­heits­rech­tes von Anwälten bei der Ak­ten­ein­sicht aus ei­nem Um­kehr­schluss aus § 83 Abs. 1 Satz 2. Be­trVG. Der Um­kehr­schluss ist das Ge­genstück zur Ana­lo­gie. Er be­sagt: weil das Ge­setz die Rechts­fol­ge an ei­nen be­stimm­ten Tat­be­stand ge­knüpft hat, gilt die­se für an­de­re Tat­bestände auch dann nicht, wenn die­se ähn­lich lie­gen. Der Um­kehr­schluss greift ein, wenn nach dem Ge­set­zes­zweck an­zu­neh­men ist, dass die vor­ge­se­he­ne Rechts­fol­ge auf ähn­li­che Fälle nicht über­tra­gen wer­den soll (ver­glei­che hier­zu Pa­landt/Hein­richs, a.a.O., Ein­lei­tung vor § 1 Rd­nr. 50). Vor dem Hin­ter­grund der Be­ein­träch­ti­gun­gen der geschütz­ten Rechts­sphäre des Ar­beit­ge­bers, ins­be­son­de­re des¬sen Haus­rech­tes, die mit ei­nem Teil­nah­me­recht von außer­halb des be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­ses ste­hen­den Per­so­nen ver­bun­den ist, ist der ge­setz­ge­be­ri­sche Wil¬le er­kenn­bar, dass nur die vom Ge­setz aus­drück­lich zu­ge­las­se­nen, außer­halb des Ar­beits­verhält­nis­ses ste­hen­den — Per­s­nen — zur Ak­ten­ein­sicht bei­ge­zo­gen wer­den können. Der

Ge­setz­ge­ber hat die­ses Hin­zu­zie­hungs­recht auf Be­triebs­rats­mit­glie­der be­schränkt. An­de­re — noch da­zu be­triebs­ex­ter­ne — Per­so­nen sind man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung hier­von aus­ge­nom­men.
4. Der Kläger kann ei­nen An­spruch auf Hin­zu­zie­hung sei­ner Rechts­anwältin auch nicht auf an­de­re An­spruchs­grund­la­gen stützen.
§ 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG hat als so­ge­nann­tes lex spe­cia­lis Vor­rang vor et­wai­gen sons­ti­gen, all­ge­mei­nen An­spruchs­grund­la­gen wie bei­spiels­wei­se der ar­beit­ge­be­ri­schen Fürsor­ge­pflicht.

5. Ein An­spruch auf An­walts­bei­zie­hung ist auch nicht we­gen Vor­lie­gens be­son­de­rer Ein­zel­fal­l­umstände aus­nahms­wei­se ge­ge­ben.

6.
Selbst wenn mit Thüsing (Ri­char­di/Thüsing, a.a.O.) und Fran­zen (GK/Fran­zen a.a.O.) da­von aus­zu­ge­hen wäre, dass das Ak­ten­ein­sichts­recht durch § 242 BGB so­wie durch die ar­beit­ge­be­ri­sche Treue — Führ­sor­ge — Pflicht des Ar­beit­ge­bers da-hin mo­di­fi­ziert würde, dass der Ar­beit­neh­mer aus be­son­de­ren Gründen — z.B. bei Ver­hin­de­rung we­gen Krank­heit oder nach Aus­schei­den aus dem Be­treib vor Ab­lauf der Kündi­gungfrist — ei­ne an­de­re Per­son mit der Wahr­neh­mung sei­nes Rech­tes be­auf­tra­gen kann, hätte der Kläger vor­lie­gend das Ge­ge­ben­sein der­ar­ti­ger Aus-

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nah­me­tat­bestände nicht auf­zu­zei­gen ver­mocht. So­weit die Kla­ge­par­tei ins­be­son­de­re in der münd­li­chen Ver­hand­lung gel­tend ge­macht hat, es sei nicht ge­si­chert, dass der Kläger al­lein oh­ne sei­ne Anwältin das Vor­lie­gen un­zulässi­ger Ein­tra­gun­gen er¬ken­nen könne, ver­mag die­ser Um­stand für sich al­lei­ne oh­ne Hin­zu­kom­men wei­te­rer be­son­de­rer Umstände ein der­ar­ti­ges aus­nah­me­be­gründen­des be­on­de­res In­te­res¬ses nicht auf­zu­zei­gen. An­de­ren­falls wäre der auf­ge­zeig­te ge­setz­ge­be­ri­sche Aus¬schluss an­de­re ex­ter­ner Per­so­nen als von Be­triebs­rats­mit­glie­dern al­lein schon we¬gen des bloßen, jed­we­der kon­kre­ter An­halts­punk­te ent­beh­ren­den Ver­dachts un­zu¬lässi­ger Ein­tra­gun­gen kon­tu­ren­los und im Er­geb­nis aus­gehöhlt.

7. Auch der Ein­wand des Klägers, vor dem Hin­ter­grund sei­nes Rech­tes zur Fer­ti­gung von Ab­schrif­ten und aus­zugs­wei­sen Ko­pi­en lau­fe die Nicht­zu­las­sung an­walt­li­cher Be­glei­tung auf ei­ne in­halts­lee­re, bloße For­me­lei hin­aus, ver­mag nicht zu über­zeu­gen.
Die geschütz­te Sphäre des Ar­beit­ge­bers, ins­be­son­de­re des­sen Haus­recht, ver­langt selbst dann ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung, wenn die nachträgli­che - so­zu­sa­gen außer Haus er­fol­gen­de — Ein­sicht­nah­me des An­wal­tes oft­mals auf die sel­be Kon­trollmöglich­keit hin­ausläuft, wie ei­ne un­mit­tel­ba­re An­we­sen­heit des Rechts­an­walts bei der Ak­ten­ein­sicht­nah­me vor Ort. Viel­mehr schränkt die­ser Ge­sichts­punkt die Er­for­der­lich­keit ei­ner un­mit­tel­ba­ren An­we­sen­heit des An­walts vor Ort im Er­geb­nis eher ein.

8. Ei­ne an­de­re recht­li­che Be­ur­tei­lung ist auch nicht in An­be­tracht des Um­stan­des ver­an­lasst, dass in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur ei­ne Auf­fas­sung im Vor­drin­gen ist, wo­nach ei­nem Ar­beit­neh­mer vor Aus­spruch ei­ner Ver­dachtskündi­gung auf sein Ver­lan­gen Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den muss, im Rah­men sei­ner Anhörung zu den Vorwürfen ent­we­der ei­nen An­walt hin­zu­zie­hen oder sich über ei­nen An­walt schrift¬lich äußern zu können (so LAG Ber­lin — Bran­den­burg vom 06.11.2009 — 6 Sa 1121/99, zi­tiert nach Ju­ris; ArbG Ber­lin vom 18.05.2012 — 28 Ca 3881/12, zi­tiert nach Ju­ris; Lan­ge/Vo­gel, Ver­dachtskündi­gung: Teil­nah­me­recht des Ra­tes an der Anhörung, DB 2010, 1066; Ku­nold, Anhörung des Mit­ar­bei­ters vor Aus­spruch ei­ner Ver­dachtskündi­gung, NZA — RR 2012, 399; Ey­lert/Fried­richs, Die Anhörung des Ar­beit­neh­mers zur Ver­dachtskündi­gung, DB 2007, 2203; Dzi­da, Die Ein­la­dung

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zur Anhörung vor Aus­spruch ei­ner Ver­dachtskündi­gung, NZA 2013, 412). Das SAG hat im Ur­teil vom 13.03.2008 in ei­nem ob­iter dic­tum aus­geführt, dass man wohl „dem Ar­beit­neh­mer die Zu­zie­hung eins Rechts­an­wal­tes für die Anhörung zu­zu­ge­ste­hen" ha­be (BAG vom 13.03.2008 — 2 AZR 961/06 — zi­tiert nach Ju­ris).

Die­se Ten­denz in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur ist je­doch den Be­son­der­hei­ten der Ver­dachtskündi­gung und der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung der vor­he­ri­gen Anhörung des Ar­beit­neh­mers ge­schul­det. Da­nach muss der Ar­beit­ge­ber al­le ihm zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen zur Aufklärung des Sach­ver­hal­tes un­ter­neh­men und ins­be­son­de­re den verdäch­tig­ten Ar­beit­neh­mer anhören, um ihm Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu ge­ben (ver­glei­che hier­zu KR/Fi­scher­mei­er, Ge­mein­schafts­kom­men­tar zum KSchG, 10 Auf­la­ge, § 626, Rd­nr. 214 ff mit vie­len Hin­wei­sen auf Rechts­spre­chung und Li­te­ra­tur). Die Her­an­zie­hung ei­nes Rechts­an­wal­tes mit der Fol­ge sei­ner An­we­sen­heit vor Ort im Be­trieb ist dem Ar­beit­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit ei­ner von ihm be­ab­sich­tig­ten, auf den bloßen Ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Ver­trags­pflichts­ver­let­zung gestütz­ten Kündi­gung eher zu­zu­mu­ten als in dem Fall ei­ner bloßen Ausübung des Ak­ten­ein­sichts­rech­tes durch den Ar­beit­neh­mer.

9.) Die Zulässig­keit des Aus­schlus­ses des Rech­tes des Klägers zur Mit­nah­me sei­ner
Anwältin zur Per­so­nal­ak­ten­ein­sicht ist auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt „Chan­cen- und Waf­fen­gleich­heit" in Fra­ge zu stel­len.

Zwar ist ei­ne Auf­fas­sung im Vor­drin­gen, wo­nach die Teil­na­hem ei­nes An­walts auf Ar­beit­neh­mer­sei­te an Per­so­nal­gesprächen nach §§ 81 und 82 Be­trVG zulässig sei, wenn der Ar­beit­ge­ber selbst be­triebs­frem­de Drit­te zum Gespräch hin­zu­zie­he (LAG Hamm vom 23.05.2001 — 14 Sa 497/01; Müllerl­De­eg, Die Teil­nah­me des An­walts am Per­so­nal­gespräch, ArbR Ak­tu­ell 2010, 344; Ur­ban, Recht­li­che As­pek­te von Per­so­nal­gesprächen, ArbR Ak­tu­ell 2011, 87; Kan­daouroff/Ro­se, Per­so­nal­gespräch: Darf der Ar­beit­neh­mer drit­te Per­so­nen mit­brin­gen?, DB 2008, 1210; Hart­mann, Per­so­nal­gespräche — Gren­zen der Be­tei­li­gung Drit­ter, DB 2013, 1416).
Un­be­scha­det der Fra­ge nach dem Zu­tref­fen die­ser Auf­fas­sung ver­mag sie vor­lie­gend schon aus dem Grund nicht ein an­de­res Er­geb­nis zu recht­fer­ti­gen, weil der

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Kläger ei­ne der­ar­ti­ge Her­an­zie­hung Ex­ter­ner zu der Per­so­nal­ak­ten­ein­sicht durch den Be­kla­gen nicht vor­ge­tra­gen hat.

Nach al­le­dem steht zur Über­zeu­gung des er­ken­nen­den Ge­richts fest, dass dem Kläger das be­an­spruch­te Recht auf Teil­nah­me sei­ner Rechts­anwältin bei der Ak­ten­ein­sicht nicht zu­steht.

Die Kla­ge war da­her ab­zu­wei­sen.

 

I. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 46 Abs. 2, 91 ZPO.

II. Der Streit­wert be­misst sich in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ge­hal­tes.

 

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­ses Ur­teil kann der Kläger Be­ru­fung ein­le­gen, wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des € 600,00 über­steigt.

Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat ab Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg
Roon­s­traße 20
90429 Nürn­berg

ein­ge­legt wer­den.

Die Be­ru­fung muss in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich be­gründet wer­den.
Die Be­ru­fungs­schrift und die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift müssen je­weils von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein. Sie können auch von dem Be­vollmäch­tig­ten ei­ner Ge­werk­schaft, ei­nes Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände un­ter­zeich­net wer­den, wenn sie für ein Mit­glied ei­nes sol­chen Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses oder für den Ver­band oder den Zu­sam­men­schluss selbst ein­ge­legt wird.
Mit­glie­der der ge­nann­ten Verbände können sich auch durch den Be­vollmäch­tig­ten ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

 

Rich­ter am Ar­beits­ge­richt

 

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