HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/234

"Break-St­un­den" auf dem Flug­ha­fen - Ar­beits­zeit oder Frei­zeit?

Pau­sen sind ver­bind­lich - Im Gu­ten wie im Schlech­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 20.09.2010, 2 Sa 540/10
Pause vor Container In­ner­halb der ge­setz­li­chen Gren­zen kön­nen Pau­sen je­der­zeit ge­währt wer­den
30.11.2010. Das Ar­beits­zeit­ge­setz (Arb­ZG) re­gelt, wann und in wel­chem Um­fang Ar­beit­neh­mer ar­bei­ten dür­fen. So darf die werk­täg­li­che Ar­beits­zeit im Re­gel­fall 8 St­un­den nicht über­schrei­ten (§ 3 Arb­ZG), wo­bei Ar­beits­zeit die Zeit vom Be­ginn bis zum En­de der Ar­beit oh­ne die Ru­he­pau­sen ist (§ 2 Arb­ZG).

Die Min­dest­dau­er der Ru­he­pau­sen ist in § 4 Arb­ZG nach der Dau­er der Ar­beits­zeit ge­staf­felt:

Ar­beits­zeit zwi­schen 6 St­un­den und 9 St­un­den: 30 Mi­nu­ten
Ar­beits­zeit von 9 St­un­den oder mehr: 45 Mi­nu­ten

Die­se Ru­he­pau­sen kön­nen in Zeit­ab­schnit­te von je­weils min­des­tens 15 Mi­nu­ten auf­ge­teilt wer­den. In je­dem Fall dür­fen Ar­beit­neh­mer aber nicht län­ger als 6 St­un­den hin­ter­ein­an­der oh­ne Ru­he­pau­se be­schäf­tigt wer­den. Wer ge­gen die­se Maß­ga­ben ver­stößt, ver­hält sich ord­nungs­wid­rig (§ 22 Abs.1 Nr.2 Arb­zG).

Was ge­nau Ru­he­pau­sen sind, lässt sich dem Ar­beits­zeit­ge­setz nur an­satz­wei­se ent­neh­men. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) han­delt es sich um im vor­aus fest­lie­gen­de Un­ter­bre­chun­gen der Ar­beits­zeit von be­stimm­ter Dau­er, die der Er­ho­lung die­nen.

Da­zu ge­hört, dass der Ar­beit­neh­mer in die­ser Zeit kei­ne Ar­beits­ver­pflich­tung hat (sich al­so nicht zur Ar­beit be­reit hal­ten muss) und spä­tes­tens bei Be­ginn der Pau­se ih­re Dau­er be­kannt sein muss. Ei­ne Ar­beits­un­ter­bre­chung, bei de­ren Be­ginn der Ar­beit­neh­mer nicht weiß, wie lan­ge sie dau­ern wird, ist kei­ne Pau­se (so aus­drück­lich BAG, Ur­teil vom 29.10.2002, 1 AZR 603/01). An­ders als Ar­beits­for­men wie die Ar­beits­be­reit­schaft oder Be­reit­schafts­dienst han­delt es sich al­so um ech­te Frei­zeit.

Sel­ten wer­den in der ar­beits­recht­li­chen Pra­xis Pau­sen ein­ge­klagt. Meist geht es viel­mehr im Rah­men von Lohn­kla­gen um die Fra­ge, ob ein be­stimm­ter Zeit­raum un­be­zahl­te Frei­zeit oder ver­gü­tungs­pflich­ti­ge Ar­beits­zeit ist.

So lag es auch in ei­nem kürz­lich vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ent­schie­de­nen Fall (Ur­teil vom 20.09.2010, 2 Sa 540/10, Vor­in­stanz: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 02.03.2010, 14 Ca 6761/09). Ein Flug­gast­kon­trol­leur hat­te dort ge­gen­über sei­nem Ar­beit­ge­ber Zah­lungs­an­sprü­che gel­tend ge­macht, die er auf bis­her un­be­zahlt ge­blie­be­ne "Break-St­un­den" zu­rück­führ­te.

Da­bei han­del­te es sich um ein­stün­di­ge Ar­beits­un­ter­bre­chun­gen, de­ren Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung nä­her ge­re­gelt wa­ren. Da­nach war es dem Ar­beit­ge­ber le­dig­lich nicht ge­stat­tet, im Schich­ten von bis zu 6 St­un­den Län­ge Pau­sen an­zu­ord­nen, im Üb­ri­gen durf­te sie die La­ge der Pau­sen nach den be­trieb­li­chen Be­dürf­nis­sen be­stim­men. Dies ge­schah in Schicht­plä­nen, die zu­min­dest zu Be­ginn des je­wei­li­gen Ar­beits­ta­ges fest­stan­den. Der Ar­beit­ge­ber hat­te die Pau­sen je­weils in Pha­sen ge­legt, in de­nen kein Ar­beits­be­darf be­stand. Mit Aus­nah­me die­ser Breaks er­hielt der kla­gen­de Flug­gast­kon­trol­leur kei­ne ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Pau­sen.

Das LAG hielt die kon­kre­te Ver­tei­lung der Ar­beits­un­ter­bre­chung für un­pro­ble­ma­tisch. Ent­schei­dend für die letzt­lich er­folg­te Ein­ord­nung als Pau­se war viel­mehr, dass sich der Klä­ger nicht zur je­der­zei­ti­gen Ar­beits­auf­nah­me be­reit­hal­ten muss­te.

Man­gels ver­gü­tungs­pflich­ti­ger Ar­beits­zeit blieb die Zah­lungs­kla­ge da­mit in­so­weit weit­ge­hend er­folg­los. Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Fa­zit: In­ner­halb der ge­setz­li­chen Gren­zen kön­nen Pau­sen grund­sätz­lich auf je­den be­lie­bi­gen Zeit­punkt ge­legt wer­den. Aus § 4 Arb­ZG wird in­so­weit le­dig­lich her­ge­lei­tet, dass die Ar­beit nicht mit ei­ner Pau­se be­gin­nen oder en­den darf, da dort vom "un­ter­bre­chen" der Ar­beit die Re­de ist. § 4 Arb­ZG ent­hält auch kei­ne § 11 Ju­gend­ar­beits­schutz­ge­setz (JAr­bSchG) ent­spre­chen­de Ein­schrän­kung.

Dort ist ge­re­gelt, dass Pau­sen frü­hes­tens ei­ne St­un­de nach Be­ginn der Ar­beit und spä­tes­tens ei­ne St­un­de vor En­de der Ar­beits­zeit ge­ge­ben wer­den müs­sen. Hier­aus wird teil­wei­se ge­schluss­fol­gert, dass Pau­sen bei Er­wach­se­nen theo­re­tisch auch schon nach sehr kur­zer Ar­beits­dau­er ge­ge­ben wer­den könn­ten. Ob das mit der Er­ho­lungs­funk­ti­on ei­ner Pau­se wirk­lich ver­ein­bar ist, er­scheint da­bei al­ler­dings frag­lich.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. Juli 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Thomas Becker
Rechtsanwalt

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln
Telefon: 0221 - 70 90 718
Telefax: 0221 - 70 90 731
E-Mail: koeln@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de