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LAG Frank­furt: Frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Flug­lot­sen

Mas­si­ves Über­zie­hen von Pau­sen recht­fer­tigt frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Flug­lot­sen: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.11.2010, 8 Sa 491/10

17.05.2011. Der Ar­beit­ge­ber kann frist­los kün­di­gen, wenn ihm die Fort­set­zung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kün­di­gungs­frist un­zu­mut­bar ist.

Da­für muss ein "wich­ti­ger Grund" im Sin­ne von § 626 Abs. 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) vor­lie­gen, der im All­ge­mei­nen aus­rei­chend für ei­ne so­for­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses ist, und das Be­en­di­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers muss auch im kon­kre­ten Fall das Ar­beit­neh­mer­inter­es­se an ei­ner Ver­trags­fort­set­zung über­wie­gen.

Bei ei­ner frist­lo­sen ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung über­wiegt das Be­en­di­gungs­in­ter­es­se meist nur, wenn der Ar­beit­ge­ber ein ähn­li­ches Fehl­ver­hal­ten be­reits ab­ge­mahnt hat. Bei be­son­ders schwe­ren Pflicht­ver­stö­ßen kann dem Ar­beit­ge­ber aber so­fort, oh­ne Ab­mah­nung, die ro­te Kar­te zü­cken. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) hat­te vor kur­zem zu ent­schei­den, ob ei­nem Flug­lot­sen oh­ne Ab­mah­nung frist­los ge­kün­digt wer­den kann, wenn er Pau­sen­zei­ten heim­lich und er­heb­lich über­zieht (Ur­teil vom 24.11.2010, 8 Sa 491/10).

Ei­nem Flug­lot­sen war frist­los ge­kün­digt wor­den, weil er trotz ein­dring­li­cher Si­cher­heits­an­wei­sun­gen des Ar­beit­ge­bers sei­ne Pau­sen mehr­fach um fast ei­ne St­un­de über­zo­gen hat­te, oh­ne das in sei­nen Ar­beits­nach­wei­sen zu no­tie­ren. Das Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach (Ur­teil vom 24.02.2010, 5 Ca 451/09) hielt sei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge man­gels vor­he­ri­ger Ab­mah­nung für be­grün­det. Vor dem LAG ver­lor der Flug­lot­se aber, weil er durch sei­ne Ab­we­sen­heit die Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs ge­fähr­det hat­te.

Fa­zit: Der Ar­beit­ge­ber hat­te hier im Streit­fall kei­nen Zwei­fel dar­an ge­las­sen, wie wich­tig ihm die ord­nungs­ge­mä­ße Be­set­zung der Ar­beits­plät­ze we­gen sei­ner Si­che­rungs­auf­ga­ben ist. Da­her war hier aus­ge­schlos­sen, dass er mas­si­ve Pau­sen­über­schrei­tun­gen hin­neh­men wür­de. Ar­beit­neh­mer in we­ni­ger ver­ant­wor­tungs­vol­len Po­si­tio­nen ver­let­zen ih­re Haupt­leis­tungs­pflicht durch Pau­sen­über­schrei­tun­gen zwar auch, doch kön­nen sie we­gen ähn­li­cher Un­pünkt­lich­kei­ten oh­ne Ab­mah­nung meist nicht ge­kün­digt wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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