HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

HANDBUCH ARBEITSRECHT

Ab­mah­nung und Dieb­stahl

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ab­mah­nung und Dieb­stahl: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Le­sen Sie hier, wann ein Dieb­stahl oder Be­trug am Ar­beits­platz den Ar­beit­ge­ber nicht zur Kün­di­gung be­rech­tigt, son­dern nur zu ei­ner Ab­mah­nung.

Im Ein­zel­nen fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, wann ein Ver­mö­gens­de­likt Ba­ga­tell­cha­rak­ter hat, so dass statt ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung ei­ne Ab­mah­nung die rich­ti­ge Re­ak­ti­on ist, in wel­chen Fäl­len so­gar ei­ne Ab­mah­nung un­ver­hält­nis­mä­ßig wä­re und wie ei­ne Ab­mah­nung we­gen Dieb­stahls ab­ge­fasst sein soll­te.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Wann be­rech­tigt ein Dieb­stahl nicht zur Kündi­gung, son­dern nur zu ei­ner Ab­mah­nung?

Verübt ein Ar­beit­neh­mer ei­nen Dieb­stahl zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers, ei­nes Be­triebs­an­gehöri­gen oder ei­nes Kun­den, ver­letzt er da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten nach der Recht­spre­chung so er­heb­lich, dass der Ar­beit­ge­ber im All­ge­mei­nen ei­nen aus­rei­chen­den („wich­ti­gen“) Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung hat, die meist frist­los aus­ge­spro­chen wird. Die frist­lo­se Kündi­gung wird in die­sen Fällen auf § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) gestützt.

Ei­ne frist­lo­se Kündi­gung kommt auch dann in Be­tracht, wenn der Dieb­stahl zum ers­ten Mal be­gan­gen wird, und auch dann, wenn der Scha­den nur im Be­reich we­ni­ger Eu­ro liegt. Auch ein erst­ma­lig be­gan­ge­ner Dieb­stahl im Cent-Be­reich ("Ba­ga­tell­dieb­stahl") kann den Ar­beit­ge­ber dem­zu­fol­ge zur frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen.

Al­ler­dings ver­langt § 626 BGB in je­dem Fall ei­ne In­ter­es­sen­abwägung, d.h. ei­ne frist­lo­se Kündi­gung we­gen ei­nes ge­ringfügi­gen Dieb­stahls ist nur rech­tens, wenn das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an ei­ner (so­for­ti­gen) Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses recht­lich erns­ter zu neh­men ist bzw. schwe­rer wiegt als das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Die­se In­ter­es­sen­abwägung ging bis zum Ju­ni 2010 in al­ler Re­gel zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers aus. Vor deut­schen Ar­beits­ge­rich­ten galt die har­te Re­gel „Wer klaut, fliegt frist­los raus.“

Das hat sich im Ju­ni 2010 durch die grund­le­gen­de Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) in dem Kündi­gungs­schutz­pro­zess der Ber­li­ner Kai­ser´s-Kas­sie­re­rin Bar­ba­ra („Em­me­ly“) Em­me geändert (BAG, Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09 - wir be­rich­te­ten darüber in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/136 Em­me­ly ar­bei­tet wie­der als Kas­sie­re­rin). In die­sem Ur­teil hat das BAG be­tont, dass die In­ter­es­sen­abwägung auch bei ei­nem nach­weis­ba­ren Dieb­stahl (oder ei­nem an­de­ren Vermögens­de­likt) zu Guns­ten des Ar­beit­neh­mers aus­ge­hen kann, wenn sich der Scha­den im Ba­ga­tell­be­reich von ei­ni­gen Eu­ro be­wegt, so­fern das Ar­beits­verhält­nis lan­ge Jah­re be­stan­den hat und im We­sent­li­chen oh­ne Be­an­stan­dun­gen durch­geführt wur­de und wenn der Dieb­stahl als ein­ma­li­ger und un­ty­pi­scher Aus­rut­scher an­zu­se­hen ist. In ei­nem sol­chen Fall ist ei­ne frist­lo­se Kündi­gung als Re­ak­ti­on auf den Dieb­stahl un­verhält­nismäßig und da­her nicht rech­tens.

Seit dem Em­me­ly-Ur­teil des BAG, das sich mitt­ler­wei­le vie­le Ar­beits- und Lan­des­ar­beits­ge­rich­te zu Her­zen ge­nom­men ha­ben, ist da­her bei ei­nem vom Ar­beit­neh­mer verübten Dieb­stahl nur ei­ne Ab­mah­nung und kei­ne frist­lo­se Kündi­gung zulässig,

  • wenn sich der vom Ar­beit­neh­mer an­ge­rich­te­te Scha­den nur im Be­reich ei­ni­ger we­ni­ger Cent oder Eu­ro be­wegt (Ba­ga­tell­dieb­stahl),
  • wenn der Ar­beit­neh­mer be­reits lan­ge Jah­re beschäftigt ist und sei­nen Dienst im We­sent­li­chen oh­ne Be­an­stan­dun­gen ver­rich­tet hat, und
  • wenn der Dieb­stahl als ein ein­ma­li­ger und un­ty­pi­scher Aus­rut­scher zu be­wer­ten ist.

Die­se (geänder­te) Recht­spre­chung be­ruht auf der Über­le­gung, dass es nach ei­nem lan­gem Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses möglich sein soll­te, das durch ei­nen (Ba­ga­tell-)Dieb­stahl teil­wei­se ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Ver­trau­en des Ar­beit­ge­bers in die Zu­verlässig­keit des Ar­beit­neh­mers durch ei­ne Ab­mah­nung wie­der her­zu­stel­len, je­den­falls dann wenn Dieb­stahl un­ty­pisch und das Ver­trau­en­s­ka­pi­tal auf­grund der lan­gen Beschäfti­gungs­dau­er groß ist.

Ist ei­ne Ab­mah­nung nur bei ei­nem Dieb­stahl im Ba­ga­tell­be­reich oder auch bei an­de­ren Ba­ga­tell­de­lik­ten die rich­ti­ge Re­ak­ti­on?

Nicht nur bei ei­nem Ba­ga­tell­dieb­stahl, son­dern auch bei an­de­ren Vermögens­de­lik­ten wie z.B. ei­nem Be­trug oder ei­ner Un­ter­schla­gung kann der Ar­beit­ge­ber seit dem Em­me­ly-Ur­teil kei­ne frist­lo­se Kündi­gung aus­spre­chen, son­dern al­len­falls ei­ne Ab­mah­nung,

  • wenn der durch das Vermögens­de­likt an­ge­rich­te­te Scha­den im Be­reich we­ni­ger Eu­ro liegt, d.h. wenn es sich um ein Ba­ga­tell­de­likt han­delt,
  • wenn das Ar­beits­verhält­nis be­reits lan­ge Jah­re und im We­sent­li­chen be­an­stan­dungs­frei durch­geführt wur­de, und
  • wenn das Vermögens­de­likt als ein ein­ma­li­ger und un­ty­pi­scher Aus­rut­scher zu be­wer­ten ist.

BEISPIEL: Ei­ne Bahn-Mit­ar­bei­te­rin fei­ert ihr 40jähri­ges Dienst­ju­biläum. Die Bahn spen­diert Be­wir­tungs­kos­ten für ei­ne Ju­biläums­fei­er bis zu ei­nem Höchst­be­trag von 250,00 EUR. Ob­wohl die tatsächlich an­ge­fal­le­nen Kos­ten nur 84,00 EUR be­tra­gen, legt die Ar­beit­neh­me­rin ei­ne (fal­sche) Quit­tung über 250,00 EUR vor, um sich von ih­rem Ar­beit­ge­ber auch sol­che „Kos­ten“ er­stat­ten zu las­sen, die bei ih­rer Fei­er gar nicht ent­stan­den wa­ren. Hier hat das Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg die Kündi­gung trotz der ho­hen Be­trugs­sum­me (166 EUR) für un­wirk­sam erklärt, da der Aus­rut­scher ein­ma­lig war (ein run­des Dienst­ju­biläum fei­ert man nicht al­le Ta­ge) und weil die Bahn oh­ne­hin bis zu 250,00 EUR hat be­zah­len wol­len, so dass ein „ech­ter Scha­den“ so ge­se­hen gar nicht ein­ge­tre­ten war (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.09.2010, 2 Sa 509/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/220 Frist­lo­se Kündi­gung un­wirk­sam trotz Be­tru­ges mit 166 Eu­ro Scha­den). Den Fall hätte man aber auch zu­las­ten der Ar­beit­neh­me­rin ent­schei­den können, weil das Ziel ih­res Be­trugs­ver­suchs (166 EUR) weit jen­seits al­ler Ba­ga­tell­gren­zen liegt.

Wann be­rech­tigt ein Dieb­stahl zur Kündi­gung und nicht nur zu ei­ner Ab­mah­nung?

Das Em­me­ly-Ur­teil des BAG vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09 ist ei­ne Aus­nah­me von ei­ner recht­li­cher Re­gel, die nach wie vor be­steht und in dem Em­me­ly-Ur­teil aus­drück­lich be­kräftigt wor­den ist. Die­se Re­gel lau­tet, dass im All­ge­mei­nen, d.h. in den al­ler­meis­ten Fällen, ein vom Ar­beit­neh­mer verübter Dieb­stahl zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers, ei­nes Be­triebs­an­gehöri­gen oder ei­nes Kun­den das Ver­trau­en des Ar­beit­ge­bers in die Red­lich­keit des Ar­beit­neh­mers un­wie­der­bring­lich zerstört. Liegt kei­ne Aus­nah­me­si­tua­ti­on vor (Ba­ga­tell­scha­den und lan­ge und be­an­stan­dungs­frei be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis und Ein­ma­lig­keit ei­nes Aus­rut­schers), dann ist ei­ne Ab­mah­nung nicht er­for­der­lich, d.h. der Ar­beit­ge­ber kann frist­los kündi­gen.

BEISPIEL: Ein Außen­dienst­mit­ar­bei­ter fährt mit sei­nem pri­va­ten Pkw zu Kun­den und gibt ständig in er­heb­li­chem Um­fang zu vie­le ge­fah­re­ne Ki­lo­me­ter an, die ihm der Ar­beit­ge­ber mit 0,30 EUR pro Ki­lo­me­ter als Fahrt­kos­ten er­stat­tet. Da­durch ist dem Ar­beit­ge­ber in­ner­halb ei­nes Jah­res ein Scha­den von 150,00 EUR ent­stan­den. Hier ist ei­ne frist­lo­se Kündi­gung zulässig, und zwar auch dann, wenn das Ar­beits­verhält­nis schon 20 Jah­re oh­ne er­heb­li­che Be­an­stan­dun­gen be­stand. Denn ein sol­cher Scha­den ist kein Ba­ga­tell­scha­den mehr, und der Ab­rech­nungs­be­trug hat auch nicht den Cha­rak­ter ei­nes ein­ma­li­gen und un­ty­pi­schen Aus­rut­schers, son­dern wur­de sys­te­ma­tisch und im­mer er­neut be­gan­gen.

Bei wel­chen Un­re­gelmäßig­kei­ten ist höchs­tens ei­ne Ab­mah­nung rech­tens?

Vie­le Ge­richts­ver­fah­ren, die in den letz­ten Jah­ren zu an­geb­li­chen Ba­ga­tell­diebstählen ent­schie­den wor­den sind, gin­gen zu­guns­ten des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers aus, weil dem Ar­beit­neh­mer letzt­lich auf­grund der ge­richt­li­chen Aufklärung der Vorwürfe noch nicht ein­mal ein ech­ter Dieb­stahl oder ein an­de­res Vermögens­de­likt im Ba­ga­tell­be­reich nach­ge­wie­sen wer­den konn­te. Viel­mehr hat­te der Ar­beit­neh­mer nur et­was ge­tan, was viel­leicht nicht ganz kor­rekt war, aber nicht den Vor­wurf ei­nes Dieb­stahls oder ei­nes an­de­ren Vermögens­de­likts recht­fer­tigt. Letzt­lich wa­ren die vom Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten Ver­hal­ten­s­an­for­de­run­gen nicht klar ge­nug.

So muss­te sich z.B. ein Schul­haus­meis­ter ge­gen ei­ne frist­lo­se Kündi­gung weh­ren, die der Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­chen hat­te, weil der Haus­meis­ter jah­re­lang (mit Dul­dung sei­nes Ar­beit­ge­bers!) sei­ne pri­va­ten Werk­zeu­ge in der Dienst­werk­statt be­nutzt und dafür Strom des Ar­beit­ge­bers ver­braucht hat­te. Da der Ar­beit­ge­ber kei­ne An­wei­sun­gen zur Tren­nung von Geschäft­li­chem und Pri­va­tem er­teilt hat­te, war sei­ne frist­lo­se Kündi­gung nach Auf­fas­sung des LAG Schles­wig-Hol­stein un­wirk­sam (LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 24.11.2010, 3 Sa 204/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 11/047 Frist­lo­se Kündi­gung oh­ne Ab­mah­nung bei un­kla­ren Pflich­ten des Ar­beit­neh­mers).

In ei­nem ähn­li­chen Fall hat­te ein Kran­ken­haus ei­nem langjährig beschäftig­ten Pfle­ge­hel­fer frist­los gekündigt, weil er an­geb­lich von übrig ge­blie­be­nem Pa­ti­en­ten­gu­lasch ge­ges­sen und ein Stück Pa­ti­en­ten­piz­za ver­zehrt ha­ben soll. Auch die­se Kündi­gung war un­wirk­sam (LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 29.09.2010, 3 Sa 233/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 11/026 Kei­ne frist­lo­se Kündi­gung we­gen Ba­ga­tell­dieb­stahls). Und auch hier kann man sich fra­gen, ob über­haupt ein Dieb­stahl vor­liegt, da ein sol­ches De­likt im­mer­hin den Vor­satz der Weg­nah­me ei­ner frem­den Sa­che vor­aus­setzt, was bei völlig wert­lo­sen und zum Weg­wer­fen be­stimm­ten Es­sens­res­ten zwei­fel­haft ist.

Ein wei­te­rer Fall be­traf ei­nen seit 20 Jah­ren beschäftig­ten An­ge­stell­ten, der sich für ei­ni­ge Ta­ge ei­nen Elek­trorol­ler („Seg­way“) ge­mie­tet und für den Weg zur Ar­beit be­nutzt hat­te. Am Ar­beits­platz an­ge­kom­men hat­te er den Rol­ler auf­ge­la­den. Der an­geb­li­che „Strom­dieb­stahl“ soll den Ar­beit­ge­ber 1,8 Cent ge­kos­tet ha­ben. Das LAG Hamm be­wer­te­te die frist­lo­se Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers als un­wirk­sam (LAG Hamm, Ur­teil vom 02.09.2010, 16 Sa 260/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/210 Frist­lo­se Kündi­gung we­gen Strom­dieb­stahls?).

In die­sen und ähn­li­chen Fällen kommt al­len­falls ei­ne Ab­mah­nung, nicht aber ei­ne Kündi­gung in Be­tracht, da hier auf­grund des ex­tre­men Ba­ga­tell­cha­rak­ters des Vor­gangs Zwei­fel dar­an be­ste­hen, ob man das Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers über­haupt als ei­nen Dieb­stahl bzw. als Vermögens­de­likt be­wer­ten kann. Dann ist aber so­gar ei­ne Ab­mah­nung mögli­cher­wei­se noch zu scharf ge­schos­sen, da der Ar­beit­ge­ber nicht un­kla­re Pflich­ten­la­gen ein­fach zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers, d.h. durch ei­ne Ab­mah­nung, klar­stel­len darf. Im­mer­hin ist ei­ne Ab­mah­nung die recht­li­che Vor­stu­fe zu ei­ner Kündi­gung, d.h. sie be­rei­tet ei­ne Kündi­gung vor und gefähr­det da­mit den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber in sol­chen Fällen mögli­cher­wei­se so­gar auf ei­ne Ab­mah­nung ver­zich­ten und zunächst ein­mal ei­ne ge­eig­ne­te Ar­beits­an­wei­sung er­tei­len.

Wenn ein Dieb­stahl ab­ge­mahnt wer­den soll - wie soll­te die Ab­mah­nung aus­se­hen?

Das Em­me­ly-Ur­teil bzw. die da­durch be­wirk­te Ände­rung der Recht­spre­chung führen da­zu, dass Ar­beit­ge­ber im Fal­le von ba­ga­tell­kri­mi­nel­len Pflicht­verstößen - an­ders als früher - oft kei­ne frist­lo­se Kündi­gung mehr aus­spre­chen können, son­dern höchs­tens ei­ne Ab­mah­nung. Ei­ne Ab­mah­nung we­gen Ver­tragsstörun­gen „im Ver­trau­ens­be­reich“ gab es aber früher prak­tisch gar nicht.

Es ist da­her ge­richt­lich noch nicht geklärt, wel­che An­for­de­run­gen an ei­ne kor­rek­te Ab­mah­nung z.B. we­gen ei­nes Dieb­stahls, ei­ner Un­ter­schla­gung oder ei­nes Spe­sen­be­trugs zu stel­len sind. Im fol­gen­den fin­den Sie da­zu ei­ni­ge Hin­wei­se.

Wie soll­te ei­ne Dieb­stahl-Ab­mah­nung aus­se­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer den Dieb­stahl zu­ge­ge­ben hat?

Hat der Ar­beit­neh­mer den (Ba­ga­tell-)Dieb­stahl bzw. das (Ba­ga­tell-)Vermögens­de­likt zu­ge­ge­ben, an der Aufklärung des Sach­ver­halts mit­ge­wirkt und sich dafür ent­schul­digt, ist der ge­sam­te Pflicht­ver­s­toß ein­sch­ließlich des den Ar­beit­neh­mer tref­fen­den Ver­schul­dens un­strei­tig. Der Ar­beit­ge­ber kann die­sen ge­sam­ten Sach­ver­halt da­her sei­ner Ab­mah­nung zu­grun­de le­gen. Sie könn­te da­her z.B. lau­ten:

„Sehr ge­ehr­te/r Herr/Frau XY,

wie sich u.a. auf­grund Ih­rer Erklärung vom …… [Da­tum] her­aus­ge­stellt hat, ha­ben Sie am …… [Da­tum] ei­nen Dieb­stahl von Fir­men­ei­gen­tum be­gan­gen, in­dem sie fol­gen­de Sa­chen an sich ge­nom­men ha­ben, um sie oh­ne Be­zah­lung für sich zu be­hal­ten: ……[ge­naue Be­schrei­bung der ge­stoh­le­nen Ge­genstände]. Da­mit ha­ben Sie mas­siv ge­gen Ih­re Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­s­toßen.

Von ei­ner Kündi­gung ha­ben wir zwar auf­grund des ge­rin­gen Wer­tes der ge­stoh­le­nen Ge­genstände und der lan­gen Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­ge­se­hen. Wir mah­nen Sie aber we­gen die­ses Fehl­ver­hal­tens ab und for­dern Sie auf, künf­tig kei­ner­lei im Fir­men­ei­gen­tum oder im Ei­gen­tum von Ar­beits­kol­le­gen oder Kun­den ste­hen­de Sa­chen mehr in der Ab­sicht der rechts­wid­ri­gen Zu­eig­nung an sich zu neh­men. Soll­ten Sie ge­gen die­se Auf­for­de­rung ver­s­toßen, d.h. sich er­neut ei­nen Dieb­stahl zu­schul­den kom­men las­sen, müssen Sie mit ei­ner - auch frist­lo­sen - Kündi­gung rech­nen. Dies gilt un­abhängig von dem Wert ei­ner ggf. ge­stoh­le­nen Sa­che.

Wir wei­sen Sie dar­auf hin, dass Sie auch dann mit ei­ner - ggf. auch frist­lo­sen - Kündi­gung rech­nen müssen, wenn Sie ein an­de­res Vermögens­de­likt (z.B. ei­nen Be­trug oder ei­ne Un­ter­schla­gung) be­ge­hen soll­ten. Auch da­bei kommt es nicht auf den Um­fang des Scha­dens an.

Mit freund­li­chen Grüßen

[Geschäfts­lei­tung]“

Wie soll­te ei­ne Dieb­stahl-Ab­mah­nung aus­se­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer den Dieb­stahl ab­strei­tet?

Hat der Ar­beit­neh­mer da­ge­gen den (Ba­ga­tell-)Dieb­stahl bzw. das (Ba­ga­tell-)Vermögens­de­likt ab­ge­strit­ten, kann der Ar­beit­ge­ber sei­nen Dieb­stahls­vor­wurf nur auf mehr oder we­ni­ger stich­hal­ti­ge In­di­zi­en stützen. Dann kann der Ar­beit­ge­ber zwar ei­ne Ab­mah­nung aus­spre­chen, da (aus sei­ner Sicht) ein ob­jek­ti­ver Pflicht­ver­s­toß vor­liegt, doch soll­te er es ver­mei­den, dem Ar­beit­neh­mer in der Ab­mah­nung den Vor­wurf des (klein-)kri­mi­nel­len Ver­hal­tens zu ma­chen. Ei­ne Ab­mah­nung könn­te da­her in ei­nem sol­chen Fall z.B. so lau­ten:

„Sehr ge­ehr­te/r Herr/Frau XY,

wie sich durch die Aus­sa­gen von Herrn/Frau Z vom …… [Da­tum] her­aus­ge­stellt hat, ha­ben Sie am …… [Da­tum] fol­gen­de, Ih­nen nicht gehören­de Sa­chen an sich ge­nom­men, mögli­cher­wei­se in der Ab­sicht, sie oh­ne Be­rech­ti­gung für sich zu be­hal­ten: ……[ge­naue Be­schrei­bung der ge­stoh­le­nen Ge­genstände]. Da­mit ha­ben Sie auch dann ge­gen Ih­re Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­s­toßen, wenn Ihr Ver­hal­ten kei­nen straf­ba­ren Dieb­stahl dar­stel­len soll­te.

Von ei­ner Kündi­gung ha­ben wir auf­grund des ge­rin­gen Wer­tes der ent­wen­de­ten Ge­genstände und der lan­gen Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­ge­se­hen. Wir mah­nen Sie aber we­gen die­ses Fehl­ver­hal­tens ab und for­dern Sie auf, künf­tig kei­ner­lei im Fir­men­ei­gen­tum oder im Ei­gen­tum von Ar­beits­kol­le­gen oder Kun­den ste­hen­de Sa­chen mehr an sich zu neh­men, um sie oh­ne Be­rech­ti­gung für sich zu be­hal­ten. Soll­ten Sie ge­gen die­se Auf­for­de­rung ver­s­toßen, müssen Sie mit ei­ner - auch frist­lo­sen - Kündi­gung rech­nen. Dies gilt un­abhängig von dem Wert ei­ner ggf. weg­ge­nom­me­nen Sa­che.

Mit freund­li­chen Grüßen

[Geschäfts­lei­tung]“

Mit ei­ner sol­chen Ab­mah­nung lässt der Ar­beit­ge­ber of­fen, ob er dem an­ge­mahn­ten Ar­beit­neh­mer den Vor­wurf ma­chen möch­te, ei­nen Dieb­stahl be­gan­gen zu ha­ben. Denn dar­auf kommt es ar­beits­recht­lich auch nicht an. Wich­tig ist nur, dass der Ar­beit­neh­mer mit dem ab­ge­mahn­ten Pflicht­ver­s­toß auch dann, wenn er (aus Sicht des Ar­beit­neh­mers) Ba­ga­tell­cha­rak­ter hat, ge­gen ei­ne zu­vor be­reits er­teil­te Ar­beits­an­wei­sung ver­s­toßen hat und dass er für den Wie­der­ho­lungs­fall ge­warnt ist.

Wie soll­te ei­ne Dieb­stahl-Ab­mah­nung aus­se­hen, wenn der Pflicht­ver­s­toß we­gen sei­nes ex­tre­men Ba­ga­tell­cha­rak­ters mögli­cher­wei­se gar kein Dieb­stahl war?

In ei­ner ähn­li­chen Si­tua­ti­on be­fin­det sich der Ar­beit­ge­ber, wenn der Ar­beit­neh­mer zwar un­ter Ver­s­toß ge­gen Ar­beits­an­wei­sun­gen ein Ba­ga­tell­de­likt be­gan­gen hat, al­so z.B. un­er­laub­te Pri­vat­te­le­fo­na­te geführt oder übrig ge­blie­be­nen Pa­ti­en­ten­mahl­zei­ten ge­ges­sen hat, da­bei aber kein schlech­tes Ge­wis­sen hat­te, da der gan­ze Vor­gang letzt­lich doch nur ei­ne Lap­pa­lie war. Hier könn­te ei­ne Ab­mah­nung lau­ten:

„Sehr ge­ehr­te/r Herr/Frau XY,

wie sich durch die Aus­sa­gen von Herrn/Frau Z vom …… [Da­tum] her­aus­ge­stellt hat, ha­ben Sie sich am …… [Da­tum] wie folgt ver­hal­ten ……[ge­naue Be­schrei­bung des Pflich­ver­s­toßes]. Da­mit ha­ben Sie ge­gen die Ar­beits­an­wei­sung vom …… [Da­tum] ver­s­toßen, mit der wir dar­um ge­be­ten ha­ben, während der Ar­beits­zeit kei­ne Pri­vat­te­le­fo­na­te zu führen / be­trieb­li­che Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­rich­tun­gen nicht für pri­va­te Zwe­cke zu ge­brau­chen / übrig ge­blie­be­nes Pa­ti­en­ten­es­sen ge­ne­rell nicht zu ver­zeh­ren.

Von ei­ner Kündi­gung ha­ben wir auf­grund des ge­rin­gen wirt­schaft­li­chen Wer­tes des Vor­gangs und der lan­gen Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­ge­se­hen. Wir mah­nen Sie aber we­gen die­ses Fehl­ver­hal­tens ab und for­dern Sie noch­mals da­zu auf, künf­tig während der Ar­beits­zeit kei­ne Pri­vat­te­le­fo­na­te mehr zu führen / be­trieb­li­che Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­rich­tun­gen nicht mehr für pri­va­te Zwe­cke zu ge­brau­chen / übrig ge­blie­be­nes Pa­ti­en­ten­es­sen ge­ne­rell nicht zu ver­zeh­ren.

Soll­ten Sie ge­gen die­se Auf­for­de­rung ver­s­toßen, müssen Sie mit ei­ner - auch frist­lo­sen - Kündi­gung rech­nen. Dies gilt un­abhängig von dem wirt­schaft­li­chen Wert des Vor­gangs.

Mit freund­li­chen Grüßen

[Geschäfts­lei­tung]“

Wo fin­den Sie mehr zum The­ma Ab­mah­nung und Dieb­stahl?

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ab­mah­nung und Dieb­stahl in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:

Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Ab­mah­nung und Dieb­stahl fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. Juli 2016

Was können wir für Sie tun?

Wenn Sie ei­ne Ab­mah­nung oder ei­ne (frist­lo­se oder or­dent­li­che) Kün­di­gung we­gen ei­nes Ih­nen vor­ge­wor­fe­nen Dieb­stahls er­hal­ten ha­ben und Sie sich über­le­gen, da­ge­gen vor­zu­ge­hen, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.

Je nach La­ge des Fal­les bzw. ent­spre­chend Ih­ren Wün­schen tre­ten wir ent­we­der nach au­ßen nicht in Er­schei­nung oder aber wir ver­han­deln in Ih­rem Na­men mit Ih­rem Ar­beit­ge­ber bzw. mit den Ver­te­tern der Ge­sell­schaf­ter.

Für ei­ne mög­lichst ra­sche und ef­fek­ti­ve Be­ra­tung be­nö­ti­gen wir fol­gen­de Un­ter­la­gen:

  • Ab­mah­nung
  • Kün­di­gung
  • Ar­beits­ver­trag / Ge­schäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trag
  • Ge­halts­nach­wei­se
Bewertung: Ab­mah­nung und Dieb­stahl 2.5 von 5 Sternen (4 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de