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Arbeitsrecht aktuell: 10/213 Arbeitsgericht Hamburg: Kein Abtretungsverbot durch Betriebsvereinbarung
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Gericht betont Handlungsfreiheit von Arbeitnehmern in Vermögensangelegenheiten
Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 31.08.2010, 21 Ca 176/10
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Leitsatz des Arbeitsgerichts Hamburg:
"Ein Verbot, Gehaltsansprüche abzutreten, kann durch eine Betriebsvereinbarung nicht wirksam geschaffen werden."
Anmerkung der Redaktion:
Entgegen Bundesarbeitsgericht (BAG), Urteil vom 20.12.1957, 2 AZR 61/55 und BAG, Urteil vom 05.09.1960, 1 AZR 509/57
von Rechtsanwalt Sebastian Schroeder, Hamburg
01.11.2010. Haben Arbeitnehmer Schulden oder müssen sie bei Abschluss eines Kreditvertrages eine Sicherheit leisten, können sie mit ihrem Gläubiger vereinbaren, dass er statt des eigentlich geschuldeten Geldes einen Teil der Lohnforderungen erhalten soll, die der Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber hat. Gegenstand einer solchen Abtretung (§ 398 ff. Bürgerliches Gesetzbuch - BGB) können neben Lohnansprüchen auch Abfindungsansprüche sein.
Für den Arbeitgeber ist eine solche Abtretung allerdings lästig, da er es auf einmal mit einem neuen Gläubiger zu tun hat, dessen Berechtigung er prüfen und dem er sodann Geld bezahlen muss. Um einen solchen zusätzlichen Verwaltungsaufwand bei Lohnabrechnungen zu vermeiden, enthalten Arbeitsverträge oftmals Abtretungsverbote. Diese haben allerdings nur eine beschränkte rechtliche Wirkung: Wenn der Arbeitnehmer solchen Verboten zum trotz dennoch Teile seiner arbeitsvertraglichen Ansprüche abtritt, verhält er sich zwar "arbeitsvertragswidrig", doch ist die Abtretung selbst wirksam (und der Arbeitegber daher verpflichtet, nach entsprechendem Nachweis an den Abtretungsempfänger zu zahlen). Sinnvoll und in der Regel zu empfehlen sind daher arbeitsvertragliche Regelungen, die den Arbeitgeber dazu berechtigen, für die Abwicklung einer Abtretung eine kleine Bearbeitungsgebühr zu erheben.
Fraglich und umstritten ist, ob Abtertungsverbote in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen vereinbart werden können. In zwei über 50 Jahre alten Entscheidungen hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) das einmal gesagt (BAG, Urteil vom 20.12.1957, 2 AZR 61/55; BAG, Urteil vom 05.09.1960, 1 AZR 509/57), doch gibt es keine aktuelle Bestätigungen dieser Rechtsauffassung des BAG.
In einem vom Arbeitsgericht (ArbG) Hamburg entschiedenen Fall hatte eine Rechtsanwaltskanzlei einen Arbeitnehmer vertreten und sich zum Zwecke der Bezahlung einen Teil der Abfindung abtreten lassen, die der Arbeitnehmer aufgrund eines Sozialplanes sowie aufgrund eines ergänzend abgeschlossenen Aufhebungsvertrages beanspruchen konnte. Der Arbeitgeber verweigerte die Zahlung an die Kanzlei und berief sich auf Abtretungsverbot, das in dem Sozialplan und in einer älteren Betriebsvereinbarung enthalten war. Die Kanzlei verklagte daraufhin den Arbeitgeber auf Zahlung.
Das Arbeitsgericht Hamburg folgte der Kanzlei (Urteil vom 31.08.2010, 21 Ca 176/10). Es meinte, Arbeitgeber und Betriebsrat hätten mit Vereinbarung der Abtretungsverbote gegen ihre Pflichten verstoßen. Sie hätten nämlich darüber zu wachen, dass alle im Betrieb tätigen Personen nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden (§ 75 Abs.1 Betriebsverfassungsgesetz - BetrVG). Außerdem müssten sie die freie Entfaltung der Persönlichkeit der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer schützen und fördern (§ 75 Abs. 2 Satz 1 BetrVG).
Fazit: Seine eigenen Vermögensangelegenheiten kann jeder Arbeitnehmer selbstbestimmt regeln. Wie er das macht, geht weder den Arbeitgeber noch den Betriebsrat etwas an. Dass die Abtretung eines Teils von Sozialplan-Abfindungsansprüchen für den Arbeitgeber aufgrund des damit verbundenen zusätzlichen Verwaltungsaufwandes lästig ist, ist kein ausreichender Grund, den Arbeitnehmer daran zu hindern, diese Ansprüche zum Zwecke der Bezahlung oder Kreditsicherung an andere abzutreten. Ob gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt wurde oder werden soll, ist derzeit nicht bekannt.
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Letzte Überarbeitung: 9. Januar 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
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