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ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/213

Ar­beits­ge­richt Ham­burg: Kein Ab­tre­tungs­ver­bot durch Be­triebs­ver­ein­ba­rung

Ge­richt be­tont Hand­lungs­frei­heit von Ar­beit­neh­mern in Ver­mö­gens­an­ge­le­gen­hei­ten: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 31.08.2010, 21 Ca 176/10
Hunderteuroscheine Be­triebs­rä­te ha­ben beim The­ma Lohn nicht viel zu sa­gen

01.11.2010. Ha­ben Ar­beit­neh­mer Schul­den oder müs­sen sie bei Ab­schluss ei­nes Kre­dit­ver­tra­ges ei­ne Si­cher­heit leis­ten, kön­nen sie mit ih­rem Gläu­bi­ger ver­ein­ba­ren, dass er statt des ei­gent­lich ge­schul­de­ten Gel­des ei­nen Teil der Lohn­for­de­run­gen er­hal­ten soll, die der Ar­beit­neh­mer ge­gen sei­nen Ar­beit­ge­ber hat.

Ge­gen­stand ei­ner sol­chen Ab­tre­tung (§ 398 ff. Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) kön­nen ne­ben Lohn­an­sprü­chen auch Ab­fin­dungs­an­sprü­che sein.

Für den Ar­beit­ge­ber ist ei­ne sol­che Ab­tre­tung al­ler­dings läs­tig, da er es auf ein­mal mit ei­nem neu­en Gläu­bi­ger zu tun hat, des­sen Be­rech­ti­gung er prü­fen und dem er so­dann Geld be­zah­len muss. Um ei­nen sol­chen zu­sätz­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand bei Lohn­ab­rech­nun­gen zu ver­mei­den, ent­hal­ten Ar­beits­ver­trä­ge oft­mals Ab­tre­tungs­ver­bo­te.

Die­se ha­ben al­ler­dings nur ei­ne be­schränk­te recht­li­che Wir­kung: Wenn der Ar­beit­neh­mer sol­chen Ver­bo­ten zum trotz den­noch Tei­le sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen An­sprü­che ab­tritt, ver­hält er sich zwar "ar­beits­ver­trags­wid­rig", doch ist die Ab­tre­tung selbst wirk­sam (und der Ar­bei­teg­ber da­her ver­pflich­tet, nach ent­spre­chen­dem Nach­weis an den Ab­tre­tungs­emp­fän­ger zu zah­len).

Sinn­voll und in der Re­gel zu emp­feh­len sind da­her ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen, die den Ar­beit­ge­ber da­zu be­rech­ti­gen, für die Ab­wick­lung ei­ner Ab­tre­tung ei­ne klei­ne Be­ar­bei­tungs­ge­bühr zu er­he­ben.

Frag­lich und um­strit­ten ist, ob Ab­ter­tungs­ver­bo­te in Ta­rif­ver­trä­gen oder Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ver­ein­bart wer­den kön­nen. In zwei über 50 Jah­re al­ten Ent­schei­dun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) das ein­mal ge­sagt (BAG, Ur­teil vom 20.12.1957, 2 AZR 61/55; BAG, Ur­teil vom 05.09.1960, 1 AZR 509/57), doch gibt es kei­ne ak­tu­el­le Be­stä­ti­gun­gen die­ser Rechts­auf­fas­sung des BAG.

In ei­nem vom Ar­beits­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall hat­te ei­ne Rechts­an­walts­kanz­lei ei­nen Ar­beit­neh­mer ver­tre­ten und sich zum Zwe­cke der Be­zah­lung ei­nen Teil der Ab­fin­dung ab­tre­ten las­sen, die der Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­nes So­zi­al­pla­nes so­wie auf­grund ei­nes er­gän­zend ab­ge­schlos­se­nen Auf­he­bungs­ver­tra­ges be­an­spru­chen konn­te.

Der Ar­beit­ge­ber ver­wei­ger­te die Zah­lung an die Kanz­lei und be­rief sich auf Ab­tre­tungs­ver­bot, das in dem So­zi­al­plan und in ei­ner äl­te­ren Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­hal­ten war. Die Kanz­lei ver­klag­te dar­auf­hin den Ar­beit­ge­ber auf Zah­lung.

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg folg­te der Kanz­lei (Ur­teil vom 31.08.2010, 21 Ca 176/10). Es mein­te, Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat hät­ten mit Ver­ein­ba­rung der Ab­tre­tungs­ver­bo­te ge­gen ih­re Pflich­ten ver­sto­ßen.

Sie hät­ten näm­lich dar­über zu wa­chen, dass al­le im Be­trieb tä­ti­gen Per­so­nen nach den Grund­sät­zen von Recht und Bil­lig­keit be­han­delt wer­den (§ 75 Abs.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Au­ßer­dem müss­ten sie die freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit der im Be­trieb be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mer schüt­zen und för­dern (§ 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG).

Fa­zit: Sei­ne ei­ge­nen Ver­mö­gens­an­ge­le­gen­hei­ten kann je­der Ar­beit­neh­mer selbst­be­stimmt re­geln. Wie er das macht, geht we­der den Ar­beit­ge­ber noch den Be­triebs­rat et­was an.

Dass die Ab­tre­tung ei­nes Teils von So­zi­al­plan-Ab­fin­dungs­an­sprü­chen für den Ar­beit­ge­ber auf­grund des da­mit ver­bun­de­nen zu­sätz­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wan­des läs­tig ist, ist kein aus­rei­chen­der Grund, den Ar­beit­neh­mer dar­an zu hin­dern, die­se An­sprü­che zum Zwe­cke der Be­zah­lung oder Kre­dit­si­che­rung an an­de­re ab­zu­tre­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. Juli 2014

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