|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 07/81 BSG: Keine Sperrzeit nach Kündigung und Abfindungsvergleich
|
 |

|
Bundessozialgericht, Urteil vom 17.10.2007, B 11a AL 51/06 R
Rechtsanwältin Eva Hüttl, Hamburg
Über welche Rechtsfrage hat das Bundessozialgericht entschieden?
Eine Sperrzeit beim Bezug von Arbeitslosengeld tritt gemäß § 144 SGB III ein, wenn der Arbeitnehmer sich versicherungswidrig verhält, ohne einen wichtigen Grund dafür zu haben. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Arbeitnehmer sein Beschäftigungsverhältnis gelöst hat (etwa durch den Ausspruch einer Eigenkündigung), durch ein arbeitsvertragswidriges Verhalten Anlass für die Lösung des Beschäftigungsverhältnisses gegeben hat oder an einer Beendigung des Beschäftigungsverhältnis mitwirkt (etwa durch Abschluss eines Aufhebungsvertrages), und wenn er durch solche Verhaltensweisen die Arbeitslosigkeit zumindest grob fahrlässig herbeigeführt hat.
Fraglich ist, ob auch der Abschluss eines gerichtlichen Abfindungsvergleichs in einem Kündigungsschutzprozess, d.h. nach vorheriger Kündigung seitens des Arbeitgebers, ein mit Sperrzeit belegtes „versicherungswidriges Verhalten“ darstellt.
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des Bundessozialgericht zugrunde?
In dem vom BSG entschiedenen Fall konnte der Arbeitgeber nach einem auf das Arbeitsverhältnis anzuwendenden Tarifvertrag nur aus wichtigem Grund kündigen. Von dieser Möglichkeit machte der Arbeitgeber Gebrauch, indem er dem Kläger außerordentlich mit sozialer Auslauffrist kündigte. Hiergegen erhob der Kläger Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht. Der Rechtsstreit wurde durch einen Vergleich erledigt, demzufolge das Arbeitsverhältnis aufgrund der Kündigung enden und der Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes eine Abfindung in Höhe von 95.000,00 DM erhalten sollte.
In der Folge beantragte der Kläger bei der beklagten Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld. Diese bewilligte dem Kläger Arbeitslosengeld, allerdings unter Berücksichtigung einer Sperrzeit wegen Arbeitsaufgabe. Hiergegen erhob der Arbeitnehmer nach erfolglosem Widerspruch Klage vor dem Sozialgericht. Das Sozialgericht wies die Klage ab, wohingegen das Landessozialgericht die Agentur für Arbeit zur Zahlung von (weiterem) Arbeitslosengeld verurteilte, und zwar mit der Begründung, dass eine Sperrzeit nicht eingetreten sei.
Der Kläger habe nämlich sein Beschäftigungsverhältnis nicht im Sinne des § 144 Abs. 1 Nr. 1 SGB III „gelöst“. Die vergleichsweise Vereinbarung mit dem Arbeitgeber sei nämlich im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses und zudem auf Vorschlag des Arbeitsgerichts getroffen worden.
Wie hat das Bundessozialgericht entschieden?
Die Arbeitsagentur legte gegen diese Entscheidung Revision zum BSG ein. Dieses hob die Entscheidung der Vorinstanz auf und verwies den Rechtstreit an diese zurück. Zur Begründung heißt es:
Zwar habe der Kläger durch den arbeitsgerichtlichen Vergleich sein Beschäftigungsverhältnis im Sinne des § 144 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III „gelöst“. Es stelle sich jedoch die Frage, ob er dafür einen „wichtigen Grund“ gemäß § 144 Abs. 1 Satz 1 SGB III gehabt habe.
Einen solchen „wichtigen Grund“ hält das BSG in Fällen der vorliegenden Art (Abfindungsvergleich im Kündigungsschutzprozess) im Allgemeinen für gegeben: Es könne einem Arbeitnehmer regelmäßig nicht vorgehalten werden, wenn er gegen eine Kündigung gerichtlich vorgehe und sodann im arbeitsgerichtlichen Verfahren die Klage zurücknehme oder einen Vergleich schließe. Ein gerichtlicher Vergleich, der die Arbeitslosigkeit nicht zu einem früheren Zeitpunkt herbeiführe, löse daher grundsätzlich (auch weiterhin) keine Sperrzeit aus.
Anders als das LSG betont das BSG allerdings, dass der arbeitsgerichtliche Vergleich sperrzeitrechtlich nicht privilegiert sei.
Die Umstände, unter denen ein solcher Vergleich zustande gekommen sei, müssten daher geprüft werden. In Fällen, in denen Anhaltspunkte für ein Umgehungsgeschäft vorliegen, könne dies zur Sperrzeit führen.
Da die Vorinstanz keine Feststellungen dazu getroffen hatte, ob im konkreten Fall Anhaltspunkte für ein Umgehungsgeschäft vorgelegen hatten, hob das BSG das Urteil des LSG auf und verwies den Rechtsstreit zur weiteren Aufklärung des Sachverhaltes zurück.
Fazit: Führt der Arbeitnehmer einen Kündigungsschutzprozess und beendet diesen durch Abfindungsvergleich, ist er vor einer Sperrzeit praktisch hinreichend geschützt. Zwar ist eine Sperrzeit nicht von vornherein bzw. in allen Fällen ausgeschlossen (so die Meinung des LSG), aber doch im Regelfall bzw. immer dann, wenn kein Umgehungsgeschäft vorliegt. Dem entspricht auch die geltende Durchführungsanweisung Sperrzeit der Bundesagentur für Arbeit (Stand Oktober 2007). Diese enthält in Rn. 144.19 („arbeitsgerichtlicher Vergleich“) die schlichte Feststellung: „Ein arbeitsgerichtlicher Vergleich kann eine Sperrzeit nicht auslösen.“
Vorinstanz: LSG Baden-Württemberg vom 26.07.2006, Az. L 3 AL 1308/05

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 7. März 2011
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Köln, 24.01.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 HIV-Infektion:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 13.01.2012, 6 Sa 2159/11
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
Berlin, 17.08.2011 Beleidigung
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 06.05.2011, 6 Sa 2558/10
Köln, 29.07.2011 Kündigungsverzicht:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 28.09.2010, 5 Sa 814/10
Frankfurt, 20.07.2011 Abmahnung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 15.02.2011, 13 Sa 1460/10
Hannover, 12.07.2011 Betriebsratsanhörung:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 05.08.2010, 15 Sa 302/10
Berlin, 01.07.2011 Fristlose Kündigung:
Sächsisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 21.01.2011, 3 Sa 181/10
|
|
 |
|